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Die neue Welt · 1937-06-18 · Heft 664 (18.6.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 664 (18.6.1937)
Date
1937-06-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 664 vom 18. Juni 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 toctkettSfüeQd Echtes Judentum „Bei den Chassidim ist noch wirkliches, ungekünsteltes Judentum lebendig. Der Sinn für das Ursprüngliche hat sich in den traditionellen Ausbrüchen der Freude und des Schmerzes rein erhalten. Die Qemeinde ist noch eine fest zusammengeschlossene Kette von gesetzestreuen Menschen, die auch außerhalb der eigentlichen Gottesdienststunden zusammenhalten im Lernen, aber auch in festlichen Feiern bei Mahl und Trunk die festen Riten und Gebote der jüdischen Gemeinschaft pflegen." W. Blumenthal, Berlin. Hebräische ChaluzvLieder gefragt „Paul Rotibson, ein Negersänger, der mit dem yortrag von Spirituals bekannt wurde und jetzt als amerikanischer Opernsänger sehr geschätzt wird, dreht in Aegypten einen Film Jericho'. Nach der Fertigstellung des Films wird Roubson, der bereits eifrig Hebräisch lernt, nach Palästina reisen, um an Ort und Stelle Chaluz-Lieder zu lernen, für die, wie er versichert, in Amerika besonderes Interesse herrscht." „Jüdische Rundschau." Das einigende Wasser „Juden und Araber könnten sich in der wassertechnischen Entwicklung Palästinas zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Der gemeinsame Gebrauch vorhandenen Wassers führt die Völker zusammen, insbesondere, wenn diese Völker gezwungen sind, auf engem Boden "beisammen zu leben." " „Bc-urse Egyptienne." (Kairo.) Der areligiöse Edihhux „Wenn wir unseren Kindern nicht die neuen Ideale geben, wie sie den Inhalt und die Frische unserer religiösen Poesie bilden, wer weiß, ob sie nicht durch das Profane des täglichen Lebens menschlich zugrunde gehen werden. Ich bin überzeugt, daß der Kibbuz nur bestehen kann, wenn er auf der Grundlage religiöser Auffassung bei Wahrung der religiösen Vorschriften aufgebaut ist." Ch. Gwarjahu (Jerusalem). Sportgeist des jüdischen Menschen ,JDer jüdische Sport ist deshalb gut und wichtig, weil es für ein Volk, das so sehr ini Schatten und in der Gasse lebt, wichtig und gut ist, den Körper gesund zu erhalten. Der jüdische Sport ist aber nur dann ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens, wenn es ihm gelingt,, zur Formung der Körper und dessen, was man Sportgeist nennt, auch die Formung der jüdischen Mensclum hinzuzufügen. Für ein Volk .aber, das in so. vielen Sorgen und vor so vielen Entscheidungen steht, hat der jüdische Sport die Aufgabe, seine Menschen mitten in diese Entscheidungen zu stellen und ihnen den Weg zu weisen, wie sie sich zu entscheiden hätten. Der jüdische Sport ist ohne Einfügung in die jüdische Renaissance eine leere Uebnng, die sich nur.sehr ausgeruhte und sehr befriedete Völker leisten können." Rabb. Dr. Joachim Prinz (Berlin). Der Anker/ Allgemeine Versidierungs? Aktiengesellschaft/ Wien In der am 7. Juni d. J. unter dem Vorsitz des Herrn Präsidenten Dr. Martin Bitter von Kink abgehaltenen Generalversammlung, wurden die Schlußrechnungen für das Jahr 1936 genehmigt. Die Einnahmen an Prämien, Gebühren und Zinsen betragen S26,090.623.34. Die Gewährleistungsmittel werden mit S 124,675.446.59 ausgewiesen. Der nach Dotierung der Sicherheitsreserve verbleibende Reingewinn von S 122,848.34 Avird auf neue Rechnung vorgetragen. E Meir GroDmann Die Judenstaatler erklären: Nein! Vom Augenblick an, da die Meinung auftauchte, daß die englische Regierung sich zu einer präzisen Entscheidung in der Palästina-Frage entschlossen habe, begann man in den zionistischen Kreisen Mutmaßungeji anzustellen. Die Presse sorgte für ausgiebige Nahrung, weniger in bezug auf Tatsachen als auf Gerüchte, und es setzte ein Rätselraten ein, insbesondere seitdem es hieß, daß der Bericht der Königlichen Kommission die Basis der Londoner Entscheidung sein werde. Viele Wochen sind seit der Abreise der Peel- Kommission aus Palästina vergangen. Oft genug mußte der Kolonienminister Ormsby-Gore - Anfragen betreffs der Absichten der Regierung über sich ergehen lassen. Auch verschiedene Interventionen hinter den Kulissen konnten verzeichnet werden, so daß heute ein unendlich reichhaltiges Material für die Beurteilung der Sachlage zur Verfügung steht. JWbutä^^ ßßej^erC D möchte jeder. So Schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel für Massagen (Einreibungen), die mit verjüngender Kraft erfüllen, ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege ist l/IANA- FRANZBRANNTWEIN mitMENTHOL Der zionistische Standpunkt kam im A. C, in Aeußerungen einzelner Ekekutivmitglieder, in der Rede Ussisckins (ein starres „Nein") u. a. zum Ausdruck. Im ganzen und großen ergibt sich die Impression, daß innerhalb der Zionistischen Organisation ein Ablehnen der angeblichen T e il u n g sp l ä n e (wenigstens bisher) erwartet werden kann, es sei denn, daß die Gerüchte, welche von einer Bereitschaft Dr. Weizmanns, eine Teilung Palästinas zu akzeptieren, sprechen, sich als Tatsache erweisen sollten. Die zionistische Welt ist nervös; nervös nicht nur wegen des Umstandes, daß London die Veröffentlichung des Kommissionsberichtes und die Debatte darüber immer wieder hinausschiebt, sondern auch wegen des Schweigens der Exekutive. Weder aus London, noch aus Jeruschalajim erfährt der zionistische Patriot etwas Positives. Darum war es von besonderem Interesse, aus dem Mund Meir Großmanns zu hören (er hielt einen vom Verband der Judenstaatszionisten. Oesterreichs veranstalteten Vortrag im Festsaal des Hotel Continental am Montag, den 14. Juni), wie die Judenstaatler, die einzige aktive Opposition gegen den Weizmannismus, die Situation sehen und welche Maßnahmen sie zur Verhinderung einer politischen Katastrophe vorschlagen. > In der ihm eigenen sachlichen, dabei temperamentvollen Art gab Großmann zunächst einen Ueber^- blick über die Vorgänge bis zur Entsendung der Kgl. Kommission, um schließlich den Weg zu zeigen, der zu. dem sogenannten „Teilungsplan" führte. Schrecklich war das Jahr 1936. Es wütete der arabische Terror, der an die Wurzeln unserer Positionen in Palästina rührte und den alle Gruppen des Jischuws in geschlossener Front bekämpften. Jetzt aber gilt es, erklärte Großmann, im Bewußtsein gehobener Verantwortung, einen Kampf zu führen, mit dessen Ausgang sich unser Schicksal erfüllt, der Kampf gegen die Projekte der Mandatärmacht. Hier legte Großmann die tragische Schuld der zionistischen Führung bloß, die in sorgloser Weise immer erklärt habe, daß die Lage gut sei, und eine Politik der Kompromisse und der Kooperierung mit der Mandatarmacht bis zum Selbstmord geführt habe. Die letzten Ereignisse: Die arabische Revolte, Englands Widerwillen gegen die Unterdrückung dieser Revolte, die Entsendung der Peel-Kommission und die Unsicherheit bezüglich der Zukunft des jüdischen Nationalhcims sind die offensichtlichen Beweise dafür, daß die Politik der Zionistischen Exekutive, die Weizmann-Politik, bankrottiert hat. Ein trauriges Kapitel: die Phase der Kommissionstätigkeit in Palästina! Die offiziellen Herren haben sich auf die Defensive beschränkt, statt von Haus aus die Offensive zu ergreifen und die Beschwerden und Forderungen vorzubringen. Schon im A. C. machte sich Defaitismus geltend und der berüchtigte nebulose Begriff „Parität" (mit dem Weizmann und seine Anhänger seit jeher manövrierten): spukte wieder in den Hirnen der Exekutive, wobei er nur durch das Eingreifen der Judenstaatler ad acta gelegt wurde. Die Kgl. Kömmission selbst arbeitete präzise, vernünftig und sachgemäß. Ihr ging es darum, eindeutiges Material zu bekommen, und ihr gelang es kraft eines gewissen Drucks, das von der Weizmann- Exekutive stets verschleierte Endziel des Zionismus, d.i. Majorität und Judenstaat, vom Sekretär der Z. O. Leonard Stein, herauszubekommen. Die Vogelstraußpolitik hat sich also nicht bezahlt gemacht. Dabei muß man bemerken, daß für den jüdischen Teil die Untersuchung der Kommission günstig ausgefallen, ist. Der Bericht wird zweifellos feststellen, daß die Juden in Palästina konstruktiv arbeiten und die Araber nur Vorteil aus der jüdischen Initiative ziehen. Aber die Kommission wird — unter dem Aspekt der vorläufigen britischen Ziele im Vorderen Orient — zum Resultat kommen, daß Balfour-Deklaration und Mandat in der bisherigen prozionistischen Auffassung undurch- , führbar seien und daher, um der Spannung in : Palästina ein Ende zu machen, eine andere Lösung angebahnt werden müsse, eine Lösung, die bereits unter der Marke „Teilung Palästinas; in einen jüdischen und arabischen Staat" Dis- : kussionsgegenstand im jüdischen und arabischen Lager sowie in der Weltpresse geworden ist. Meir Großmann, ein genauer Kenner Palästinas und der wirtschaftsgeographischen Verhältnisse des Landes, malt nun in drastischer Manier das Bild des jüdischen Zwergstaates Erez Israel, das : San Remo, Penslone Fell ce Corso dell' Imoero 184. Unter Aufsicht dos Hamburger Vereines. Direktion: Dr. med. Alex Schwarz SacaU fotdsleifv Als mir lasen, daß Sarah Goldslein im Rahmen 'der Wiener Festwochen „ihre" Volkslieder singen Voerde, hatten mir alsogleich die Empfindung: das ist etmas, das uns angeht; etwas, das unser Gewissen aufs innigste berührt; ja sogar etwas, dem wir ah einem Stück jüdischen Volkstums Reverenz zu erweisen haben. Das Gefühl täuschte uns nicht. Mit ungeahnter Intensität drang der Gesang aus dem Munde Sarah .Goldsteins auf uns ein. Und wir wurden uns zweier Dinge bemußt: daß heute, bei der Ueberbetonung volklicher Werte, nur ein jüdischer Mensch die Umstellung von der einen nationalen Note zur andern zuvollziehen oermag; und daß hier für die Interpretation des Volksliedes ein neues Stilprinzip angeivendet erscheint. Es gibt Artisten des Podiums, die damit imponieren wollen, daß sie in mehreren Sprachen singen, rasch — ohne ersichtlichen Uebergang — sich von einer Spraclie zur anderen umstellen, den ge~ fühlsbedingten Standort jongleurhaft wechseln — gar noch mit Verwendung dekorativer Stücke, die den jeweiligen Volkscharakter andeuten sollen, Sarah Goldstein durfte kraft ihrer Begabung, der gesanglichen wie gestalterischen, auf derlei Mätzchen verzichten. Mit einem Spiel der Hände, das ljeder Nuance folgte und ihr das ihr zukommende Wesen verlieh, begleitete sie die Lieder. Sie begnügte sich nicht mit dem Streben nach philologischer Echtheit: sie stieg hinab in die Räume, wo die S e e l e des Volksliedes wohnt bis zur Grenze, an der jede Kunst, auch die subtilste, haltmachen muß. In der Mannigfaltigkeit des Programms bangte es uns natürlich um die h ebr äis c h e n Lieder. Denn hier ging es nicht darum, der Nachahmung bis in die letzten Möglichkeiten gerecht zu werden. Gerade hier sollte die Sängerin die Echtheit ihres Vortrags bezeugen; die Reproduktion dieser Lieder sollte ein Maßstab sein für den Grad ihrer künstlerischen Persönlichkeit. Hier sollte sie sich ganz geben, als Kind ihres Volkes, ja als Verwalterin und Repräsentantin kostbarsten Erbgutes. Man muß gestehen, daß Sarah Goldslein sich ihres Ruf es würdig erwies. Wir schenkten ihr nichts. Wir ließen uns von der Ehrwürdigkeit des palästinensischen Herkommens der Lieder nicht zu einem Wohlwollen a priori verführen, und gerade unsere strenge, von keinem Sentiment gelockerte Haltung wurde belohnt. Im „Pakad Adonaj", im jemenitischen Gesang von den „Nächten Chanaans*' strömte der baritonal gefärbte Alt der Sängerin breit dahin, die guttural betonte Aussprache vermochte die Impression des palästinensischen Charakters noch zu verstärken. (Nebenbei: die pianistische Untermalung der Lieder bedarf einer energischen Zucht, das Plätschern des Klaviers im Gebet „Elohaj ad scheh nozarti'* muß einer vernünftigen Harmonisierung weichen, wenn die Lieder als Volkslieder angesprochen iverden sollen.) Sarah Goldstein wandte das Slilprinzip der Mitte an. Sie hielt ihre Interpretation zwischen volkstümlicher Fassung 'und konzertantem Vortrag, der manchmal an den Chansontyp erinnerte. Allerdings darf man nicht vergessen, daß das Podium verpflichtet: die Naivität und Primitivität des obligaten Volksliedes bedarf, für einen Konzertabend berechnet, gewisser Wirkungspointen, die dem Original naturgemäß fehlen, und man kann diese anbringen, ohne dem Volkslied in seiner Ursprünglichkeit zu schaden. Im Hinblick auf die Zwangsgesetze, denen jedes Konzerlprogramm unterworfen ist, kann man mit dem Abend mehr als zufrieden sein. Surali Goldstein sang hinreißend, bezaubernd; sie machte aller Herzen höher schlagen, sie entlockte Tränen und befeuerte Augen. Insbesondere in den paar jiddischen Liedern, die sie uns als Sondergeschenk servierte, gab sie zu verstehen, ivo sie beheimatet ist — in der jüdischen Gass' des Ostens. Eitt zärtlich dankbares Publikum bedrängte, bestürmte die Sängerin und konnte sich an den Volksliedern nicht satthören. Der Erfolg war — wenn man diese stereotype Wendung gebrauchen darf — über alle Maßen groß. Sarah Goldstein wird man in Wien nach ihrem Festwochenabend nicht mehr vergessen. Sie soll wiederkommen und wieder, singen: jiddische Volkslieder. Oskar Rosen f eld.

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