Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 664 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite *1 DIE NEUE WELT Nr. 664 vom 18. Juni 1S3T Herzl-Grabgang Der heurige Herzl-Grabgang findet Sonntag, den 20 Juni, statt. Da« Polizeipräsidium hat den Grabgang jedoch hur in dem Umfange bewilligt, wie er im Votjahre stattgefunden hat. Es ist daher das Tragen von Tlni- X o r m e n ausnahmslos verboten. Ebenso ist mit Rücksicht auf das bestehende Aufmarschverböt der gescalos* sene Marsch zum Friedhof -nicht gestattet. Die Teilnehmer begeben sich in losen Gruppen zum Friedhof durch die Hartäckerstraße ans Grab Theodor Herzls. Die Teilnehmer sammeln säen im Räume Hartäckerstraße laut angefügtem Zeitplan. Der Zug setzt sich um präzise 10 Uhr beim Friedhofstor in Bewegung. Nach den Weisungen der Polizei muß der Grabgang, so wie in früheren Jahren, in vollkommener Ruhe und Disziplin vor sich ~ehen. Es wird daher ersucht, während des Grabgesanges alle Privatunterhaltungen zu vermeiden und schweigend zu marschieren. Nach dem Verlassen des Friedhofes müssen die Teilnehmer in losen Gruppen auseinandergehen. Jede Gruppe wird ersucht, aus ihren eigenen Reihen einige Personen zu bestimmen, die für die Ordnung und Ruhe der Gruppe zu sorgen haben. Außer diesen Gruppenordnern werden Mitglieder des Sport- ,und Schützenvereines „Haganah" die durch weißblaue Armbinden kenntlich sein werden, während der ganzen Zeit des Grabganges den Ordnerdienst versehen; es ist deren Weisungen unbedingt Folge zu leisten. Die Mädchengrüppe' der ,,Haganah" (der. rote Magen David) wird zwei fliegende Ambulanzen errichten. *Der Leiter des ganzen Aufmarsches Ist Dr. F-. Pickholz. Sein Ständort ist bis 10 Uhr Hartäckersträße (Friedhofstor). Den Ordnerdienst am Grabe Herzls leitet Kultusvorsteher Dr. Nachman Frey. Zeitplan des Aufmarsches 9 bis 10 Uhr: Zionistische akademische Verbindungen und Vereine, Gesamtverband jüdischer Hochschüier Oesterreichs „Judiia", Landeskomitee, Präsidium der Kultusgemeinde, Kultusvorsteher, auswärtige- Delegierte, Mitglieder der Delegierten-Konferenz, Iveren Hajessod Kajemth. Halb 10 bis 10 Uhr: Mitglieder der dem Zionistischen Landesverband-für Oesterreich angegliederten Vereine, Körperschaften und Sonderyerbände (Bezir.kssek- . Honen; Wizo, Ortsgruppen, Jugendverbände und der Hochaluz Haklal Zioni). 10 Uhr bis halb 11 Uhr: Radikale Zionisten, Binjan Haarez und Hochaluz. - Halb 11 Uhr bis 11 Uhr: Misrachi, Verband, der Judenstaatszionisten, Revisionisten, Weltverband der Sportvereine „Makkabi", Hakoah, und sonstige Vereinigungen, Verbände und Körperschaften. 3r Der Ordnungsdienst wurde auch heuer '-wieder der „Hagau» h" übertragen und wird von ihren Mitgliedern und denen, der der „Haganah" tum Zwecke der „Hachscharaft haganathlth" angeschlossenen Verbände, versehen. Die Ordner sind durch.'blau-weiße Armbinden gekennzeichnet, ihren Anordnungen' Ist unverzüglich Folge zu leisten. Gegen die Verletzung der Minderheitenverträge durch Polen. Aus New York:- Die in New York tagende Konferenz des American Jewish Congress, an der etwa 1000 Delegierte jüdischer Organisationen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten teilnahmen, hat folßei Erkrankungen des Herzbeutels, der Herzklappen, Herzmuskeln und Herznerveh wirkt früh auf nüchternen Magen eine kleines Glas natürliches „Franz- Josef "-Bitterwasser ohne jegliche Beschwerden darmreinigend und sicher verdauungsfördernd. Aerztl. empf. gende Resolution gefaßt: Alle zivilsierten Völker werden, aufgefordert, gegen die -Judenverfolgungen in Po 1 e n zu protestieren. Die amerikanische Regierung wird ersucht, in der Rolle des ,,guten Nachbarn" bei der' polnischen Regierung wegen der Unterdrückung der Juden vorstellig zu werden und ihre Botschafter in Warschau anzuweisen, die Durchführung der von Polen eingegangenen Minderheitenverträge zu beobachten. ' Eine nationale Delegation von 200 Persönlichkeiten soll der amerikanischen Regierung ein Memorandum über die Verfolgungen der Juden unterbreiten. Der Jüdische Weltkongreß wird aufgefordert, an den Völkerbund eine Petition wegen der Verletzung der Minderheitenverträgß zu richten und Schutz der Minderheiten zu fordern. Ansprachen hielten außer den Führern des amerikanischen Judentums auch eine Anzahl christlicher Persönlichkeiten. * Der American Jewish Congress teilt in einer Veröffentlichung mit, daß 50 nichtjüdische Persönlichkeiten des religiösen, und wissenschaftlichen Lebens Amerikas an die polnische Regierung ein Statement gerichtet haben, in dem die Judenverfolgungen in Polen verurteilt werden.. In dem Statement heißt es u. a.: Die in Polen vor sich gehenden Verfolgungen v/erden nicht nur das Schicksal der Juden in Polen beschließen, sondern sie werden auch die polnische Regierung aus dem Kreise der zivilisierten Völker ausschließen. Die polnische Regierung wird beschuldigt, die Friedensverträge und die polnische Verfassung verletzt zu haben. Alle demokratischen Kräfte in Polen werden aufgerufen, sich zum Kampfe gegen den Antisemitismus zusammenzuschließen. AUS ALLER WELT Reformrabbiner und Eherecht Aus New York (JVT. Ä.): Die in Cölumbus (Ohio) abgehaltene 48. Jährestagung der Ztöntralkonferenz der amerikanischen Reform* r a b b i n e r hat nach einem Bericht, den der Vor* sitzende der Kommission für Ehe- und Fämilien* angelegeriheiteh, Dr. Sidney E. Goldstern, New York, erstattet hatte, einstimmig eine Resolution beschlossen, in der ein einheitliches Eherecht für alle amerikanischen Bundesstaaten gefordert wird. Zur Verbesserung der veralteten Ehegesetze werden folgende Vorschläge gemacht: Eheschließung ohne gerichtliche Zustimmung ist Personen un-ter 18 Jahren nicht zu gestatten; vor der Eheschließung 'hat eine ä r z 11 i c h e U h t e r s u c h u n g stattzufinden; bei akuter venerischer Erkrankung eines der beiden Teile ist die Ehegenehmigung zu versagen; Einführung eines mindestens fünftägigen A u f g e b, o.t e s. Gefordert werden außerdem EhevoTbereitüngskurse' in 'höheren Schulen, Hochschulen, Settlements,.Gemeindezentren, Kirchen und Synagogen, Eheberatungsstellen bei den Synagogen unter Mitwirkung eines Arztes, eines Psychologen,, eines Juristen, eines Sozialarbeiters und des Rabbiners. Die Kommission hatte auch Thesen zur Frage der Mischehe ausgearbeitet, doch wurde die Behandlung dieses Teiles des Berichtes bis zur nächsten Konferenz versnoben;. In^ soll ein Stüdienkomitee die betreffenden Fragen weiter behandeln. Deine besten Begleiter für Reise u. Weekend sind die altbekannten EISEN Feinwurst- und Selchwaren - Spezialitäten Zentrale und Postversand: II, Rotensterngasse 12 Thoratreue Volksschulen in Berlin Aus Berlin: Wie die Arbeitsgemeinschaft für die Errichtung thoratreuer Volksschulen innerhalb der Jüdischen Gemeinde zu"'. Berlin mitteilt, ist im Sabbatgottesdienst am 5.; Juni von sämtlichen konservativen Kanzeln der Bertoer. Jüdischen Gemeinde das Thema der konservativen S cri u 1 e n' in der Predigt der Rabbiner behandelt worden. Es wurde einmütig gefördert und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß-von-der Schtilverwatlun'g der Jüdischen Gemeinde die Gründung konservativer Volksschulen, die eine Lebensnotwendigkeit für die thoratreue Bevölkerung darstellen, in Angriff genommen werde. Sudetendeutsche fordern Numerus clausus für Juden 'Aus Prag: Im Kulturausschuß des tschechoslowakischen Abgeordnetenhauses erklärte namens der; Sudetendeutschen' Partei Abg. Ho d ina: Wir lehnen es ab, unsere Jugend von volksfremden Lehrern erzogen zu wissen. Ganz unmöglich sind diese Verhältnisse im deutschen Mittelschu Jwesen. Von den zirka 80 bis 82 jüdischen Mittelschulprofessoren sind über 25 Prozent an leitenden Stellen als Mittelschuldirektoren zu finden. Selbst Lehrerbildungsanstalten stehen unter jüdischer Leitung. Mit allem Nachdruck muß ich für uns Sudetendeutsche auch auf diesem Gebiete den uns gebührenden Anteil fordern, ohne den der kleinsten Minderheit im Staate (Juden), die 2,42 Prozent der Gesamtbevölkerung beträgt, gebührenden Anteil; auch nur im geringsten beeinträchtigen zu wollen. Dieses ge-; rechte Vorgehen reklamiere ich auch für die. Regelung der Studentenstiftungen. „ Pension tcksim - $emt$em^ Von der Internationalen Filmausstellung in Venedig, Die Agentur ,;Stefani" meldet; An der Internationalen Filmausstellung in Venedig werden voraussichtlich die Vereinigten Staaten, England, Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Japan, Belgien, Indien, Aegypten, Palästina und die Tschechoslowakei teilnehmen. Gründung eines Verbandes der jüdischen Gemeinden in Griechenland Im Namen der griechischen Regierung hat der Kultusminister die Gründung eines Verbandes der jüdischen.Gerne in den Griechenlands genehmigt. , Gleichzeitig erteilte der Minister die Bewilligung dafür, daß auch ausländische Staatsangehörige in die jüdischen Gemeinden aufgenommen werden, sofern sie ihren ständigen Wohnsitz .in Griechenland haben. Schon vor einigen Jahren bestand in Griechenland ein Gemeindeverband, der auch zwei Kongresse abgehalten hat. Er wurde jedoch aufgelöst, nachdem er die Anerkennung durch die Regierung nicht erlangen konnte. Die Bitte um Genehmigung eines neuen Gemeindebundes ist dem Ministerpräsidenten vor kurzem durch Oberrabbiner Dr. Korefcz unterbreitet worden. N#tie jüdische Zeitung in spanischer Sprache. Der Redakteur der in Mexico Citys** Scheinenden Zeitung „Jüdischer Weg", Mosche Rosenberg, hat mit der Herausgabe eines jüdischen. Wochenblattes in spanischer Sprache „t»e Verdad" begonnen. Die Zeitung stellt es sich zur Aufgabe, die mexikanische Oeffentlichkeit Uber das jüdische Leben in Mexiko und im Ausland zu informieren. Ein breiter Raum wird auch den UeberseUungen literarischer Werke gewidmet. Das Blatt zählt auch eine Reihe nichtjüdischer mexikanischer Journalisten zu seinen Mitarbeitern. Jüdisches Hilfskomitee in Buenos Aires sendet 100.000 Zloty nach Polen Das jüdische Hilfskomitee in Buenos Aires hat für die Opfer der letzten äntijüdischen Ausschreitungen in Polen eine Summe von 100.000 Zloty nach Warschau überwiesen. Das Komitee setzt seine Sammeltätigkeit fort, Die hebräische Universität auf der Pariser Welt- - ausstelhmg 1 Aus Paris wird gemeldet: In dem vor kurzem auf der Pariser Weltausstellung eröffneten Pavillon „Israel en Palestine" werden neben der landwirtschaftlichen, industriellen und städtebaulichen Entwicklung Erez Israels auch die erzieherischen und kulturellen Bemühungen des jüdischen Volkes in Palästina, und insbesondere die umfassende Arbeit der Hebräischen Universität, veranschaulicht. Eine Reihe von Photos zeigt die Arbeit in den Hörsälen und in den Laboratorien, man sieht auch die Malaria-Forschungsstation, die. in dem Sumpf gebiet des Hule-Distrikts von' der Universität unterhalten wird und deren praktische Arbeit nicht zuletzt den dort Wohnenden Beduinen zugutekommt. Das rasche Aufblühen der Hebräisohen Universität• läßt sich an einer knappen, für alle Betrachter leicht lesbaren. Tabelle;verfolgen:, 1918 fand die Grundsteinlegung, 1925 die. Einweihung statt'; Bau fügte sich an Bau, 'Lehrfach an Lehrfach und 1937 Wird schon das medizinische Zentrum errichtet. 1925 bis 1926 gab es 34 Lehrer und Forscher und 120 Studenten, 1929/30 59 Lehrer und Forscher und 177 Studenten, 1936/37 99 Lehrer und Forscher und 731 Studenten' aus zwanzig Ländern. Wie die weitere bauliche Entwicklung der jüdischen akademischen Stadt geplant ist, läßt sich an Modellen erkennen. Auf dem Hofe^ des. Palästina-Pavillons zeigen Landschaf tsbllder die eigenartig schöne Lage der Hochschule zwischen dem Toten Meer und der Heiligen Stadt. (J. T. A.) Polen braucht . Kolonien für die Auswanderung^ von Juden Aus Warschau: Der Sejmabgeordnete Graf Hü t t en - Czapski, Mitglied der Konservativen. Partei, organisierte auf dem Boden des Sejm, eine neue parlamentarische Gruppe, die sich die Propaganda des kolonialen BeSitzes für Polen zum Ziele setzt. Die neue parlamentarische Gruppe vertritt' den Standpunkt, daß die Lösung des Emigrationspröbiems, 'insbesondere die Auswanderung der Juden, den Besitz von Kolonien für Polen notwendig macht. (J. T. A.) Der jüdische Begründer der Donau-Dampf schiff ahrts- - Gesellschaft wird nicht genannt Zur Hundertjahrfeier" der Donau-Dampfschiffahrts- Gesellschaft bringen die österreichischen Zeitungen ausführliche Berichte und Reminiszenzen, in denen , bemerkenswerterweise der Name des jüdischen Begründers nicht genannt wird. . Bekanntlich war der Gründer der ersten Gesellschaft, die Schaffe mit Dampf betreiben ließ, der ungarische Jude Martin Unger. Aus diesem Unternehmen entstand, später die heutige Donau-Dampfschifff ahrts-Gesellschaf t. . Unger war der Vater des berühmten Rechtsgelehrten und österreichischen Ministers Josef Unger, der sich trotz des testamentarischen Verbotes seines Vaters, der orthodoxer Ju d e geblieben war, taufen ließ. Als einer der Erbauer des Seitertstettentempels und als großzügiger Philanthrop genoß Martin Unger großes Ansehen. (J. T. A.) Bundfunkvortrag in New York über die jüdischen Palästina-Forderungen In einer Rundfunkansprache über den New Yorker Sender WNYC antwortete am 13. Juni der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen S. Wise, auf die antizionistischen Angriffe in. den von demselben Sender verbreiteten Reden auf dem Bankett zu Ehren der 1h Amerika weilenden arabischen Delegation. Dr. Wise begründete die Ansprüche der Juden auf ihre nationale Heimstätte in Palästina und verurteilte die Pläne einer Zerreißung des Landes. Im Anschluß daran nahm er die Leitung des Senders gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz, den ihr die Verbreitung der arabischen Propagandareden eingetragen hatte. (J.T. A.) Sperre für die österreichischen Hakoah-Schwimraerinnen wird aufgehoben Die Oberste Sportführung hat beschlossen, die über die Hakoah-Schwimmerinnen Deutsch, Langer und Goldner wegen Nichtantretens bei der Olympiade in Berlin verhängte zweijährige Sperre bereits per 31. Dezember d. J. aufzuheben. DieStaatsfront" konfisziert Aus Warschau; Die vierte Nummer der „Staatsfron t", des Zentralorgans der Judenstaatspartei Polens, ist von den Behörden wegen Behandlung; Innerpolitischer Fragen konfisziert worden.