Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 663 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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üfc. mvm iSr j«ni 10$? ME!NTÄtTft WÄttt Seit« 3 AUS ALLER WELT Antisemitenprozeß in London Aus London: Im August 1936 wurde der 46jähtige englische Staatsbürger John Penföld wegen antieemttischer Versammlungsreden 2u sieben Tagen "Gefängnis und zur Erlegung einer Kaution von 50 Pfund für einwandfreies Verhalten verurteilt. Vor kurzem IMitte «ich Penfold neuerlich wegen Vergehens der Frie «feftsstörung durch öffentliche Angriffe auf eine Gruppe vön Bürgern vor Gericht zu verantworten. Er hatte in «Saer "Versammlung u. a. ausgerufen, England werde nicht England sein, bevor nicht der letzte Jude den Lan dungsstegder „QueenMary" überschritten hätte, «m J)ngländ zu verlassen. Der Überwachende Polizeibeamte erklärte als Zeuge, die Versammlung sei durch -die Rede Penfolds in maßlose Erregung geraten. Der Ah geklagte führte aus, er bitte weder das Gericht um Gnade noch die Juden um Entschuldigung. Wenn man ihn ins Gefängnis schicken werde, sei das ein Kompliment für ihn. Das Urteil lautete auf zwei Monate Zuchthaus und 100 Pfund Kaution für gutes Verhalten. Ein Jude im Luxemburger Parlament Aus Luxemburg: Der liberale Abgeordnete des Luxemburger Parlaments Marcel Cahen wurde bei den jüngsten Wahlen als einziger jüdischer Kandidat auf der Liste der liberalen Partei wiedergewählt. Abg. Cahen ist Präsident der Jüdischen Gemeinde in Luxemburg. Ein Schiff erhält den Namen „Jabotinsky" Aus Rustschuk (J. T. A.): Der größte Donau- Reedereibesitzer Bulgariens, Abraham T s c h i p r u t h, hat sein neues Petroleumtankschiff auf den.Namen „Jftbotinsky" eingeweiht. An Bord des großen Schiffes (1030 Bruttoregiatertonnen) versammelten sieh die Notabilitäten der Stadt. Nach einem. Gebet des sephafdtschen Stadtrabbiners hielt das Mitglied der Nessiut der Ne'Uzionistischen Organisation, Dr. y. Weisl, eine Ansprache und zerschlug die traditionelle Champagnerflasche am Bug des neuen Schiffes mit den hebräischen Worten: „Ich nenne dich, o Schiff, mit dem Namen Wladimir Jabotinsky, und mögest du mit diesem Namen gerufen werden in Israel und unter den Völkern der Welt." Der Besitzer des Schiffes erinnerte daran, daß seine drei ersten Donauschiffe, die Namen der drei größten bulgarischen Freiheitskämpfer tragen; es sei daher nur seine Pflicht als Jude und Revisionist; dem vierten Schiff den Namen des jüdischen Freiheitskämpfers J abotinsk y zu geben. Rustschuk ist der größte bulgarische. Donauhafen. .Von den 40.000 Einwohnern sind etwa 2800 Juden. Die Herzogin von Afhoitt gegen Judenverfolgung Aus London: Zur Hilfeleistung für jüdische feinder in Polen veranstaltete das „Ladies' Cpmmittee" in Leeds ein Bankett, dessen Reinertrag, 1000 Pfund, der Aktion zugeführt wurde. Dem Bankett wohnte als Ehrengast die Herzogin von Atholl bei. In ihrer Ansprache führte die Herzogin u. a. aus: Es ist unsere Pflicht, den jüdischen Kindern in Polen zu helfen, ebenso wie wir den baskischen Kindern geholfen haben. Die Diskriminierung der Juden in Polen seit Errichtung der polnischen Republik äußert sich in einer Kette antisemitischer Ausschreitungen, deren letztes Glied der Pogrom in Brest-Litowsk gewesen ist. England hat als einer der Völkerbundstaaten, die durch ihre Unterschrift die Minderheitenrechte der Juden Pol 1 e n s garantiert haben, diesen gegenüber große Verpflichtungen zu erfüllen. Es muß dahin wirken, daß die Rechte der polnischen Juden nicht verletzt werden. Dies sind wir Engländer schon den jüdischen Bürgern unseres Staates schuldig, für all das, was sie für unser Land getan haben. für die ffiüdilBinge aus Deutsehland Aus Brüssel: An der Sitzung des Liaisön Cömites des Höhen Kömmissars für die deutschen Flüchtlinge, die in Brüssel am 7. Juni stattfand, nahmen Vertreter von 28 jüdischen und nichtjüdischeh Organisationen teil. Der Jüdische Weltkongreß war vertreten durch die Mitglieder seiner Exekutive Rev. M. L. Perlzweig aus London und Dr. Leon K u b o- W i t z k i aus Brüssel. Den Vorsita der Sitzung führte Herr Gottschalk, Vertreter des Belgischen Flüchtlings- Komitees. Der Hohe Kommissar, Sir Neill Malcolm, heriohtete über die Tendenz einiger Regierungen, die staatenlosen Flüchtlinge, die nicht frühere deutsche Staatsbürger gewesen sind, gegenüber den Flüchtlingen aus Deutschland zurückzusetzen. Rev. P e r 1zweig protestierte gegen die Zurücksetzung und stellte den Antrag auf Fassung einer Resolution durch das Liaisön Comite, die daB Hohe Kommissariat ersuchen solle, eine Aktion zu unternehmen, damit auch die staatenlosen Flüchtlinge unter die Jurisdiktion des kommenden Statuts fallen. Es wurde eine Resolution in diesem Sinne durch Prof. Bentwich ausgearbeitet Und einstimmig angenommen. Es wurde der Beschluß gefaßt, eine Kommission zu ernennen, die Aenderungsvorschläge zu dem Entwurf der Konvention ausarbeiten solle, Welche vom Hohen Jüdin Staat tpartei der Tschechoslowakei Ortsgruppe präg Palästina in Ueber dieses Thema sprechen Mittwoch, den 16. Juni, um 20 Uhr im „Merkur", Praha I, Pariiekä" 9 1. J. u. Dr. Franz Friedmann, Stadtverordneter der Stadt Prag 2. Ing. Robert Stricker, Wien, Mitglied des zionistischen A. C, Vizepräsident der Kultusgemeinde Wien 3. Meir QtoBwann, Tel-Awiw, Vizepräsident des zionistischen A. c, Präsident der Weltexekutive der Judenstäatspartei ORTSGRUPPE BRÜNN Pallstlna in Gefahr Ueber dieses Thema spricht Donnerstag, den 17. Juni, um 20.30 Uhr im Typoasaal in Brünn Neir Großmann Tel-Awiw, Vizepräsident des zionistischen A. C, Präsident der Weltexekutive der Judenstaatspartei Elti antisemitischer Schay&roseH Der geschändete GerlchtssaaS Das Warschauer Gericht hat nach achttägiger Verhandlung deh jüdischen Arbeiter Jüda Chatzh e 1 e w i c z, welcher den Sergeanten B u j a k des 7. Ulanenregimentes erschossen hat, zum T ö d e durch den Strang verurteilt. Der Verurteilte, ein krankhaft veranlagter Mensch, hegte gegen Bujak, welcher ihn als militärischer Vorgesetzter mißhändelt hatte, tödlichen Haß, der nach acht Jahren zum Ausbruch kam. Die medizinischen Sachverständigen erklärten Chätzhelewicz für unzurechnungsfähig, aber das Gericht ging über däs Gutachten hinweg. Dies der Tatbestand. Aber schon zu Beginn des Prozesses wär es klar, daß es den Richtern und dem Staatsanwaltnicht um den Angeklagten und seine Tat ging, sondern um das gesamte polnisch^ J u d e n t ü m, vöri welchem mehr und brutaler gesprochen wurde,, als vom Angeklagten. Die. Funktionäre des Gerichtes haben in schamlosester Art das jüdische „Mördervolk" verdächtigt und besudelt. Ganz in der Art, wie Schauprozesse in Berlin und Moskau geführt werden, wurde in Warschau ein Mordprozeß mit einfachem Tatbestände, dazu benützt, . das Land gegen eine ganze Gruppe von Staatsbürgern auf* zuhetzen. mit Tanz u. Vorträgen II, Praterstr. 8 Jeden Dienstag auf der herrlichen FETZER-TERRASSE, Beginn halb 9 Uhr Konaumation Inkl. aller Abgaben S 1.60 Vornehm, söhon und jüdisch! Wer dies sucht, ist herzlichst willkommen! Sommer-Klubheim Cafe FctjCr, II, Praterstr. 8, R.4Ö.Ö-S8 Jgcjeft üönneratag KlübäbCnd . r_ _ TÄGLICH J.K.J.'BRIDGKSIUBE (Unterricht Üösienlos) und gesellige Zusammenkilnite Wenn man die Ausführungen des Staatsanwaltes und der dichter liest, so kommt man zu dem Schlüsse, daß die Justiz hier in niederträchtigster Weise gehandelt hatte. Ohne vom Vorsitzenden behindert zu werden, erklärte Staatsanwalt ZelihSki in seiner Anklagerede, daß „der-Mord an Bujak die logische Konsequenz der Haltung der Juden gegenüber de* polnischen Armee sei, daß der Mord von einem Element begangen worden Sei, das mit Bolen nicht das geringste gemeinsam habe, und daß es sieh um eine vorbedachte Tat des polnls c he n Judentums handl e". Aber noch entsetzlicher wirkt die B e g r ü nd u n g d e S U11 e i 1 e s. Es heißt im Urteil: „Der endgültige Entschluß des Mörders zur Durchführung seiner Tat ist in gewissem Ausmaße und möglicherweise sogar in entscheidendem Ausmaße von der feindseligen Haltung beeinflußt gewesen, die gewisse Kreise der jüdischen Bevölkerung und Presse gegen den polnischen Staat, seine Behörden und die p Ö1 h i s c h e A r m e e an den Tag legten. Diese feindselige Haltung ist insbesondere in den letzten Monaten vor dem Mord noch aggressiver geworden!" Zynischer und verlogener hat wohl noch kein Gericht an die niedrigsten Instinkte der Massen appelliert. In einem Lande, wo die Juden gehetzt werden wie wilde Tiere, wo sie ausgehungert und progromiert werden, wagen es Träger staatlicher Würden, diese gemarterten Juden als die Provokateure und Staatsfeinde dem antisemitischen Mob zu denunzieren. So geht es heute im Staate Polen zu, dessen Befreiung aus „zarischer Gewalt" von der ganzen Welt als edelste, gerechteste Sache gefeiert wurde. Die polnische Öffentlichkeit hat den Wink de3 „Gerichtes" verstanden. Regierungsblätter schreiben, däß ijölit der bankrotten Doktrin von der Gleichberechtigung jetzt endlich Schluß gemacht werden müsse" und empfehlen als erste Maßnahme den Ausschluß aller Juden aus dem polnischen Heere... Der Zweck des Schäüprozesses ist erreicht. Wenn es nun zu katastrophalen Ausbrüchen kommt, dann kann es die polnische „Justiz" für sich in Anspruch nehmen, daß sie das möglichste dazu getan habe. Beisetzung eines Todesopfers des Pogroms von Brest-Litowsk Aua Warschau: In Brest-Litowsk wurde ein Todesopfer des Fogromä, der Schneider Oser Luttenb e r g, unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Die jüdischen Geschäfte blieben während des Leichenbegängnisses geschlossen. Die ärmliche Einrichtung der Wohnung Lutten/bergs war bei dem Pogrom vollständig vernichtet worden. Die in Arbeit befindlichen Kleidungs- Stücke hatten die Huligans zerschnitten. Kommissariat Ende März an die Regierungen versandt wurden, die der Konvention entweder bereits beigetreten waren oder noch beitreten sollen. Mitglieder dieser Subkommisslon sind die Vertreter folgender Organisationen: Internatlohale Federatiött der Gewerkschaften, Christliches Komitee für deutsche Flüchtlinge, Jüdischer Weltkongreß, Hioem, Council for German Jewry, Internationale Föderation der Flüchtlinge aus Deutschland. Au» Griechenland bie Universität Athen ernannte den jüdischen Professor Dr. A. A. Hijmans van den Bergh von der Staatlichen Universität zu Utrecht zum Ehrendoktor der Medizin. Erst vor kurzem war Prof. van den Bergh als korrespondierendes Mitglied in die Gesellschaft für medizinische Wissenschaft in London aufgenommen Worden. * Die Stadtverwaltung von S ä 1 o n i k i hat der Jüdischen Gemeinde mitgeteilt, daß sie ihr mit Rücksicht äüf die großen finanziellen Schwierigkeiten, niit denen die Gemeinde zu kämpfen hat, die 25ahlürig der P&cht für elft ganzes Stadtviertel erlassen hat; es handelt sich ütti das Viertel, daß die Jüdische Gemeinde seinerzeit zur Unterbringung jüdischer Qdbachlöser gepachtet hatte. Die Stadtverwaltung efWägt auch die Streichürig der PachtsChuld für das Jahr IDS7. (J. T. A.) ChafciliReaJgyinnasiuirt Bei der am 0. ds., unter Vorsitz des Herrn Direktor Alfons Haltmeyer abgehaltenen Reifeprüfung erhielten von 14 Kandidaten sieben ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung; die restlichen sieben wurden für reif erklärt. Wegen proiitallenisdber Propaganda aus PaÜfcätad ausgewiesen AUS Jerusalem: Der Chefredakteur des in Jaffa erscheinenden .Örgäns der arabischen UnabhängigkeitSpartel Palästinas (Istiklälpartei), „El Dschamea el Islamia", der in Syrien geborene Chäill Jussuf, hat von der Polizei die Verständigung erhalten, daß er wegen p r oitalienischer Propaganda Palästina binnen vierzehn Tagen zu verlassen habe. , Gegcm dffc trt^iftaitaiifsdie und pro« deutsche Propaganda Aus Jerusalem (Pälcör): Im Anschluß an die p r ö - i t ai i e.n i s c h e und pro-deutsche Agitation, die unter den Arabern Palästinas gelegentlich der jüngsten Feier von Mohammeds Geburtstag zu Spüren war, Schreibt das arabisch-syrische Blatt „Zwat Al-Achräd" u. a>: „Gleichzeitig mit der großen Begeisterung der palästinensischen Araber für Mussolini und Hitler hÄbftn die Mohammedaner in Tripolis, Libyen und Abesslhien schreckliche Leiden vom Faschismus zu erdulden. Aber flicht tiür Sie, die Araber in der ganzen Welt haben Furcht davor, vorn Faschismus beherrscht zu werden. Die Araber könhert äüCh die Beleidigungen nicht vergessen, die die Faschisten und Nazis ger semitischen Rasse zugefügt haben Und noch zufügen, und ebensowenig die Worte, daß die semitischen Völker dazu bestimmt sind, Sklaven anderer zu seift. Diese Methode, den Faschismus zu propagieren, so schreibt das glatt weiter, können für die