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Die neue Welt · 1937-06-11 · Heft 662 (11.6.1937) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 662 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 662 vom 11. Juni 1937 .......»........<..................t»MMMMMMMM>l SIEGM. KORNHEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Berggasse 19, Tel. A-17-3-99 u, A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für -^-Fleisch anter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Ist. Kultusgemeinde Wien Autezustallung kostenlos IX.. Berggasse 15 / XVIII., Währlngerstr. 97 Ii Judiidie „Piratensdtiffe Von Dr. Israel Zwi Kann er (Wien) Spricht man von jüdischer Schiffahrt, so denkt man an die steuerlose Arche Noahs, an die Segnungen Jakobs und Moses', an das Deborahlied (die von den an der Küste wohnenden Stämmen erzählen) und schließlich an die Stellen der Königsbücher, die von den Schiffen Salomos und Joschaphats berichten. Die Schiffe Salomos waren phönizischer Herkunft. Joschaphat nahm seine Fahrten allein, ohne phönizische Hilfe, auf. Die Schiffe der jüdischen Könige waren keine Passagierschiffe, sondern hatten die Aufgabe, Schätze aus fernen Ländern zu holen. Wenn man eine gewöhnliche Seereise antreten wollte, mußte man — wie der Prophet Jona — ein nichtjüdisches Schiff benützen. In der hellenistischen Periode wurden alle Küstenstädte in griechische Kolonien verwandelt. Deshalb rechnete es sich der Hasmonäer Simon als besonderes Verdienst an, durch die Zurückeroberung Jaffas wieder einen Ausgang zum Meere geschaffen zu haben. Zur Zeit Hyrkans gab es bereits jüdische Handelsschiffe. Auf den von ihm geprägten Münzen befindet sich ein Anker. Neben den Handelsschiffen gab es noch Schiffe, mit denen man auf das hohe Meer hinausfuhr, um Fische zu fangen. Diese spärlichen und kurzen Berichte könnten in uns die Vorstellung erwecken, daß wir es mit einer unbedeutenden und unentwickelten Schiffahrt zu tun haben. Wir werden aber eines Besseren belehrt, sobald wir durch Josephus Flavius und andere römische Geschichtschreiber erfahren, daß jüdische Schiffe es waren, die R ö m auszuhungern drohten.' Die Kornkammer Italiens war Aegypten. Die römischen Schiffe fuhren im Sommer wegen der widrigen Winde von Aegypten in das Heimatland nicht ..auf dem. kürzesten Wege, sondern aus Sicherheits-; gründen entlang, der palästinensischen Küste. Die Juden aber konnten es nicht ruhig hinnehmen, daß die Römer das jüdische Gewässer ohne ihre Erlaubnis befuhren. Schon darin sahen sie eine Verletzung der Souveränität des jüdischen Staates. Genugtuung wurde gefordert. Sanktionen mußten ausgeübt werden. In fieberhafter Eile wurden die Handels- und Fischerschiffe in Kriegsschiffe umgewandelt. Jaffa wurde Kriegshafen. Die mit Getreide beladenen römischen Schiffe wurden abgefangen und ins Meer versenkt. Kein Schiff wagte mehr, aus Angst und Furcht vor den jüdischen ,,Piratenschiffen", das palästinensische Meer zu befahren. Wochen, ja Monate, vergingen und das Getreide blieb aus. Die Römer begannen zu hungern. Das Volk schrie nach Brot. Der Senat hatte anfänglich geglaubt, daß jüdische Piraten im palästinensischen Gewässer ihr Unwesen treiben und hoffte, mit ihnen rasch fertig zu werden. Die Römer wollten die einzigen Herren im Mittelmeer sein. Die Flotten jeder anderen Nation nannten sie — Piratenschiffe. Bald aber mußten sie sich davon überzeugen, daß die Juden es gar nicht notwendig hatten, Getreideschiffe abzufangen, da Erez Israel mit reichen und fruchtbaren Getreidefeldern gesegnet war. Nicht Piraten, sondern jüdische Nationalisten hatten dem römischen Volke den Krieg erklärt. 'Gegen Piraten hätte ein Bruchteil einer Legion genügt, gegen das jüdische Volk aber mußte ein ganzes Heer mobilisiert werden. Es begann ein Kampf um die Vormachtstellung im mittelländischen Meer. Doch auch Vespasian konnte die jüdische Flotte nicht besiegen. Da kam ihm Elementargewalt zu Hilfe. Durch einen gewaltigen, noch nie dagewesenen Orkan zerschellten die jüdischen Schiffe an den vorgelagerten Klippen. Die Freude der Römer war ungeheuer groß. Die Zerstörung der jüdischen Flotte rettete Rom vor einer Aushungerung. Nicht nur die Menorah, sondern auch jüdische Schiffe wurden als Siegestrophäen naöh Rom gebracht. Drei Kaiser — Vespasian, Titus und Domitian — ließen zum'Andenken daran goldene, silberne und eherne Münzen prägen, die einen römischen Soldaten zeigten, der den Schiffsschnabel, die Spitze eines jüdischen Schiffes betritt. Auf der Reversseite stand geschrieben: JUDAEA NAVALIS. Die Geschichte des römisch-jüdischen Krieges muß also dahin korrigiert werden, daß dessen Ursache nicht in einem kleinlichen Bruderkrieg, nicht in einer religiösen Verletzung u. a. zu suchen ist, sondern in der Tatsache, daß die Juden eine gutentwickelte Flotte besaßen, die dem römischen Imperium im Nahen Orient hätte gefährlich werden können. Ernst Waldinger Jehuda Maleups Tod (für Ludwig Lewisohn) Dichter der verlornen Heimat, deines Reiches Traumvasalle, Mit dem Stab iyn Sande stochernd, fuhrst du durch die Lande alle, Nur an eines fern verloren, wie von Tauben licht umkreist Von den Schwingen der Gesichte; sahst du schon die Tempelhalle, Die aus deiner Sehnsucht aufsteigt, Zions Zinnen, unverwaist? Kanaan, du Knecht des Wortes, pilgerst du nach leerem Schalle, Ist ein Name Tor nur, Täuschung f jedes Tier gehört dem Stalle, Nur im Lied hast du die Heimat und in Gott, der nur verheißt. Doch ah ob vor deinem Fuße wirbelnd sich die Wolke balle, Flammend jene Feuersäule durch die Wüstennächte walle, Findest du den Weg des Volkes, den dein Herz zu zieh'n dich weist, Zieh'n wir ewig aus Aegypten? Rast im Leid nur, das ihr Kralle Uns'rer Unrast, heimverlangend, in das Fleisch der Seele reißt f Und am letzten Wandertage lag die Stadt vor ihm; Gelalle, Trunken bricht's aus seinem Munde: Zion: köstliche Koralle! Hüll' dein Haupt, du bist nicht würdig, daß das Licht , vor dir ergleißt! Knie in Demut und erschauernd löse deiner Schuhe Schnalle, Streif sie ab und wirf dich nieder, küß die Spur von Gottes Geist! Ins Gebet so hingesunken, sieht er nicht den Sarazenen, Der vom Kampfspiel als Besiegter, hoch zu Roß, in Grimm und Galle', Heim zur Stadt sprengt; wie ein' Bündel Kleider, das man seitwärts schmeißt, Trifft der Huf ihn, tritt ihn tödlich, mitten in erfülltes Sehnen; Selig seufzen seine Worte: „Wie es dir, o Herr, gefalle, Der du uns mit Leben heiligst und durch Tod die Zukunft speist." Aus dem Gedichtband „Der Gemmenschneider" (Saturn-Verlag, Wien). Kinderferienaktion Die Aktion der Wiener Kultusgemeinde „Kinder aufs Land" nimmt einen erfreulichen Fortgang. Besonders der an die höher besteuerten Mitglieder gerichtete Appell, sozusagen als Ablöse statt der Mitnahme eines armen Kindes aufs Land, ganze oder halbe Freiplätze (S 90.— oder S 45.—) zu widmen, begegnet großem Verständnis. Eine ganze Reihe derartiger Widmungen ist bereits erfolgt und es ist zu hoffen, daß die Aktion nach dieser Richtung hin auch weiter schöne Erfolge zeitigen wird. Der Andrang von erholungsbedürftigen Kindern ist größer denn je, so daß sich die Kultusgemeinde — wie bereits berichtet — entschließen mußte, außer ihrem eigenen Heim in Payerbach noch zwei weitere Heime zu mieten. Die Einrichtung und Führung dieser Heime erfordern bedeutende Mittel, deren Aufbringung aus der Sammelaktion „Kinder aufs Land" erhofft wird. Es ist ein dringendes Gebot der Nächstenliebe, daß alle, die das Glück haben, sich und den ihrigen einen Landaufenthalt zu schaffen, auch der tausenden armen und so sehr erholungsbedürftigen Kinder gedenken. Herzls Ahnen Wir erhalten nachstehende Zuschrift: „In Ihrer Ausgabe, vom 4. Juni 1937 veröffentlichten Sie eine Meldung der J. T. A., wonach auf dem jüdischen Friedhof in Zemun das Grab des Großvaters Theodor Herzls gefunden wurde und durch die Grabsteininschrift die Ahnen Theodor Herzls festgestellt seien. Dieser Meldung gegenüber verweise ich auf meine Schrift „Theodor Herzls väterliche und mütterliche Vorfahren" (Verlag Bämberger & Wachsmann, Jerusalem, 1934). In dieser familiengeschichtlichen Abhandlung finden sich selbstverständlich auch das oben erwähnte Datenmaterial über Theodor Herzls Großvater und darüber hinaus auch aktenmäßig festgestellte Daten über Herzls Vorfahren bis in die Reihe von Herzls Ur-Urgroßeltern. Mit Zionsgruß Dr.' Dr. Paul J. Diamant. ludische Künstlerspiele Samstag, den 12. d. M., findet die letzte Vorstellung der jüdischen Tragödie „Die Sendung Semaels", Sonntag, den 13. d. M., die letzte Vorstellung von „Zurück z u m Volk" mit Leo R e u ß - B r andhofer und Jenny Lovic statt. Die nächsten Tage bleibt das Theator wegen Vorbereitung der nächsten Premiere geschlossen. Jüdische Laienspiele unter Leitung Professor Jeßners Der ehemalige Generalintendant der Staatlichen Schauspielhäuser in Berlin, Professor Leopold J e ß n e r, hat die Leitung der „Jüdischen Volksspiele" übernommen. Im Rahmen des Kulturprogramms des Ringes der Altherrenverbände der zionistischen Verbindungen feiert diese Institution mit der deutschen Uraufführung des Festspieles „Palästina-Kalender" ihr Debüt. Das Stück, das von der palästinensischen Dichterin Malka Locker stammt, gibt in vielen, buntbewegten Bildern einen Abriß der Ereignisse der letzten Monate und wird von mehr als hundert Laienspielern mit Hinzuziehung von Sprech- und Gesangschören sowie Orchester dargestellt. Die überaus interessante einmalige Aufführung erfolgt am Dienstag, den 22. Juni, im Offenbach-Saal, IV., Treitlstraße 3, um dreiviertel« Uhr abends, [ Dr* Krüger Heim Jubiläumsfeier Donnerstag, den 3. d. M.. 11 Uhr vormittags, fand aus Anlaß des vierzigjährigen Bestandes des Dr.-Krüger- Heims eine feierliche Jubiläumsfestsitzung im Sitzungssaal des Heims, II., Malzgasse 7, statt. Nach einer musikalischen Einleitung begrüßte die Präsidentin, Frau Herminc Krüger, die zahlreich erschienenen Delegationen und Festgäste. Frau Bundespräsidentin Leopoldine M i k 1 a s, Frau Bürgermeister Schmitz, Herr Minister Oberkommissär Dr. Suchanek in Vertretung des Bundeskanzlers, Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde, ferner Vertretungen sämtlicher Frauenvereine der W i z o, der weiblichen Fürsorge, der Union Österr. Juden, der Israel. Allinaz u. a. Rabbiner Dr. P o 11 a k sprach den Segen für daa weitere Gedeihen des Vereins, Amtsdirektor Dr. Löwenherz brachte die Wünsche des Kultusvorstandes zum Ausdruck. Hierauf sprach Frau Regine Uli mann. Nach Absingung der Bundeshymne und des Dollfuß-Liedes durch die Zöglinge wurde durch Frau Bundespräsidentin Miklas . und Frau Bügermeister Schmitz die Ausstellung der Arbeiten der Frauengewerbeschule eröffnet, die begeisterte Anerkennung fand. * "Wir kommen an dieser Stelle freudig der Ehrenpflicht nach, der Präsidentin und Leiterin der Musteranstalt, Frau Hermine Krüger, für ihr unvergleichliches Wirken zu danken. Das jüdische Wien ist stolz auf diese Frau, die in voller Hingebung an die große Sache Leistungen vollbracht hat, zu deren Bewältigung anderswo große Organisationen geschaffen werden müssen. Auf dem Gebiete der produktiven jüdischen Fürsorge in Wien nimmt diese Frau, welche Hunderte jüdischer Mädchen in den Produktionsprozeß eingeschaltet hat, unbestritten die führende Stellung ein. Sie und der Stab ihrer Mitarbeiter mögen versichert sein, daß alle Juden Wiens ihrer Arbeit restlöse Anerkennung zollen. Fraitzensbad Herr Dr. A. Geber schreibt uns aus Franzensbad: In dieser schweren, alle Werte zerstörenden Zeit muß die Menschheit wenigstens an die Erhaltung ihres, kostbarsten und unentbehrlichsten Schatzes, der Gesundheit, denken. Und wenn man an diese Aufgabe denkt, drängt sich einem gleich der Name Franzensbad auf. Denn dieser von Gott gesegnete Ort ist für die Erholung der gemarterten Menschheit einzig dastehend. Die Heilerfolge sind so mannigfaltig, daß kein anderer Kurort ihm gleichkommt. Nicht nur Frauenleiden, nicht nur Herzleiden, sondern auch Rheuma, Gicht, Stoffwechselkrankheiten, Nieren-' und Harnorgane, Blut- und Nervenkrankheiten, chirurgische Erkrankungen, Magen-, Darm- und Lebererkrankungen, finden hier ihre erfolgreiche Heilung. Daß Franzensbad für Erholungsbedürftige einzig dasteht, ist selbstverständlich. Dieser Ort scheint wie zum Trost der Menschheit in schwerer Zeit geschaffen und glücklich ist der, welcher Gelegenheit hat, diesen gesegneten Ort zur Rettung seiner Gesundheit aufsuchen zu können, da schon ein kurzer Aufenthalt von zwei bis' drei Wochen die Wiederherstellung der Gesundheit wie in keinem anderen Kurort bewirkt. - E. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes), England: Wien, Wien, nur Du allein! Ungarn: Der kleine Kavalier. Frankreich: Roman eines Schwindlers —- Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund. Amerika: Brutal — Tarzans Flucht — Frisco, Stadt ohne Gesetz — Matura — Tanzende Piraten — Die Glückspuppe — Mord in Sing-Sing — Gier nach Gold — Der geborene Verkäufer — Zwischen Haß und Liebe — Menschen im Hotel — Liebe eines Fremden — Die Polizei greift ein, — Die Insel ohne Sünde — Kopf in der Schlinge — Drei kleine Gangster — Hochverrat — Sonnenmädel — Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold.— Es geschah zu Silvester — Golddiggers 1937 — Safari. Filme unter Arierparagraph Ernte — Der Herrscher — Die Kreutzersonate — Vor Liebe wird gewarnt — Der Hund von Baskerville — Sein Modell — Der verkannte Lebemann — Männer im Dunkel — Man spricht über Jacqueline — Der Scheidungsgrund — Susanne im Bad — Condottieri — Zurück in die Heimat — Die ganz großen Torheiten — Amtsschimmel — Entführung an der Rlviera — Schwindeln ist keine Sünd'... — Etappenhase — Ich bleib' nicht Junggeselle — Die Göttliche — Das Mädel vom Ballett — Abenteuer in Lissabon. NEUE FILME Heute: „Verfluchtes Geld." Im Elite- und Opern- Kino erscheint heute der Wallace-Beery-Film „Verfluchtes Geld", welcher dem Künstler, der nach langer Pause zum ersten Male wieder in Wien zu sehen ist, eine Glanzrolle bietet. „Safari." Mitten in die unerforschten Dschungeln führt der neue 20th Century Fox-Film: „Safari" mit iWarner Baxter und June Lang. Der Film, der aufregendste Afrikafilm, der bisher gezeigt wurde, erscheint ab heute im Kreuz- und Votivpark-Kino. Heute: „Es geschah zu Silvester." Im Schweden- Kino findet heute die Festpremiere des Kriminallustspiels der Metro-Goldwyn-Mayer „Es geschah zu Silvester" statt. Die Hauptrollen des Films spielen William Powell, Myrna Loy, Elissa Landi, Joseph Calleia, James Stowart, Jessie Ralph und Asta, der reizende Drahthaar-Terrier. KINO*PROGRAMME SCHWEDEN Von 10Uhr vorm-bis 7uhr abends DIE LEBENDE ZEITUNG A 49 - 0 - 60 Nur'/^S Uhr und 7,10 Uhr abends Es Man zu Silvester

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