Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 662 (11.6.1937)
- Date
- 1937-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712287--6531-2720295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DIE NÜUB WELT N*. 662 vom 11. Juni 1937 3 x BERGMANN,!.: RABENSrira 3 HIMMELPFORTQ^S KÖLLNERHOFQASSE t i Große Auswahl und Kinder• Wasche, Weißwaren, Bettwäsche, Strlck- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Madewaren, Hemden, Untftrhosön, Pyjamas, Dressinggowns, Trlkot.WSsche, Damen- Kleine Preise folgt: Ungarische Juden gibt es nicht, sondern nur -r- — Ch abaren mosaischen Glau* b e n s. Die Vermutung, daß aüch die israelitischen Kultussteüerzahler in Budapest und Szegedin vom alten Volke der Bibel abstammen dürften, ist glücklich als Irrtum erwiesen. Ihre Väter kamen nicht als Wanderer aus Zion ins Land, mit wunden Füßen, sondern als Eroberer aus den Steppen Innerasiens, hoch zu Roß. * Deutschlands Juden als Bruderstamm der Friesen und Hessen, Oesterreichs Juden als Abart der Tiroler, Ungarns Juden als Nachkömmlinge mongolischer Steppenreiter... Unter diesem Titel kämpfen sie um Menschen- und Bürgerrechte. In dieser tollen Maskerade erscheinen sie vor Gericht, und statt ihr ehrliches jüdisches Gesicht zu zeigen, schneiden sie germanische und mongolische Grimassen. Kann ein Prozeß, der so geführt wird, jemals gewonnen werden? Robert Stricker. AUS ALLER WELT Der Abschiedsbrief Helmut Hirschs an seine Eltern Die in Prag lebenden Eltern Helmut Hirschs erhielten den Abschiedsbrief ihres Sohnes, in dem es u. a. heißt: „Liebe Mutter, lieber Vater, Hebe Käthe! Soeben wurde mir mitgeteilt, daß meine Begnadigung abgelehnt wurde. Es ist so weit. Ihr wißt, daß ich in dieser Zeit noch ganz zu mir selbst und zum Leben gefunden habe. Alle Schönheit steht nun vor dem unerbittlichen Ernst. Ihr müßt durchstehen. Es darf für Euch kein Aufgeben geben. Ihr dürft nicht weich werden. In dieser Zeit habe ich noch ganz ,Ja', sagen gelernt zu allem. Nicht nur ertragen, sondern das Schicksal lieben, wie es ist. Es ist unsere innere Gravitation, das Gesetz, nach dem wir angetreten sind. Es muß Euch doch weiterhelfen, daß ich weiß, daß ich jetzt mein Innenbild ganz ausfülle und vollkommen bin. Das einzige, wodurch ich Euch noch danken kann, ist, bis zur letzten Sekunde zu zeigen, daß ich alle Eure Liebe und Güte dazu benüt2t habe, ein ganzer Mensch meiner Zeit und meines Herkommens zu sein..." „Oer Reformgedanke hat sich überlebt0 Aus New York: Auf der in Columbus abgehaltenen 48. Jahresversammlung der amerikanischen Reformrabbiner hielt der Präsident der Konferenz, Dr. Felix A. Levy, eine Ansprache, in der er zur Rückkehr zur Tradition im jüdischen Leben aufrief. Er führte aus: „Es ist dem Reformjudentum nicht gelungen, in das jüdische Leben entscheidend einzudringen. Wir müssen zugeben, daß die Anhänger der Reformbewegung in der Beseitigung der althergebrachten jüdischen Formen und rituellen Bräuche weitergegangen sind, als ursprünglich in unserer Absicht gelegen war. Der Reformgedanke hat sich Überlebt. Die Rückkehr zum traditionellen Judentum ist ein «Gebot der Stunde. Die Konferenz wird einen Weg suchen müssen, um die lebendige Verbindung mit den jüdischen Massen und ihren Lebensformen wiederherzustellen und gemeinsam mit dem orthodoxen und konservativen Judentum den Gefahren der Verweltlichung wirksam zu begegnen. Das amerikanische Reformjudentum stehe vor" einer vollkommenen Neuorientierung in der Richtung einer Annäherung an das konservative Judentum. Was not tut, ist ein Zusammenschluß aller religiös gesinnten Juden und eine Abkehr vom Geist des Materialismus. Der Materialismus verherrlicht die Brutalität und vergottet den Diktator. Das hat das Beispiel des Nationalsozialismus; Faschismus und, Stalinismus gezeigt." Unter den zur Annahme gelangten Resolutionen wird zu den Fragen des Sabbatschutzes, der Heranziehung der Arbeiterkreise zur jüdischreligiösen Bewegung und der Zusammenarbeit mit dem Verband der konservativen Rabbiner Stellung genommen. Abgeordneier Nemelh zur Judenfrage Aus Budapest: Im ungarischen Abgeordnetenhaus nahm im Verlauf der Ermächtigungsdebatte der Abgeordnete der Regierungspartei Emmerich N e m e t h dagegen Stellung, daß man die Judenfrage als eine Art Mädchen für alles mißbrauche und den Anschein erwecke, als gäbe es keine anderen Probleme. Er bezeichnete es als eine sehr gefährliche. Erscheinung, daß sich die Frage der Weltanschauungen auf ein einziges Problem, die Judenfrage, konzentriert und die wichtigsten Probleme des Landes ausschließlich aus dem Gesichtspunkt dieser Frage beurteilt werden,.die sieh allmählich Zu einer alles andere' beherrschenden staatsrechtlichen Frage des Landes entwickle. Wenn einer sich zum Antisemitismus bekenne, werde er als guter Ungar betrachtet. Diese Psychose habe auch die Gegenwart erfaßt, und jeder, der gewisse Reformen mit großem Nachdruck fordert, wie die Bodenreform, die gesunde Entwicklung der Genossenschaften, die Erziehung zu Kollektivgesinnung, wird als reaktionär, Hitlerianer und Faschist bezeichnet. Jeder denkende Ungar müsse einsehen, daß man die großen Fragen unseres Landes, also auch die Judenfrage, nur durch eine einzige große Synthese lösen könne. Pavillon für antisemitische Bücher auf der Budapester Mustermesse Aua Budapest (J. T. A.): Der J. T. A. wird von einem Besucher der Budapester Mustermesse mitgeteilt, daß ein bekannter Verlag in einem besonderen Pavillon antisemitische Literatur ausgestellt hat. Irland tum Zionismus . Aus Dublin (J. T. A.): Der Bürgermeister von Dublin und Mitglied des irischen Parlaments, Alderman Alfred Byrne, und der Abgeordnete Robert B r i s c o e eröffneten im Mansion House zu Dublin einen Bazar des Keren Kajemeth Lejisrael. Byrne würdigte in warmen Worten das Werk des Jüdischen Nationalfonds. Die irische Nation, sagte er, hege Sympathie für die Juden, die daran gehen, für ihre über die ganze Welt verstreuten heimatlosen Brüder ein National.heim zu errichten. Byrne, der eine der bekanntesten Gestalten im irischen politischen Leben ist, hat wiederholt an jüdischen öffentlichen Aktionen teilgenommen und bei verschiedenen Gelegenheiten den Fleiß und den Patriotismus der Juden hervorgehoben. t Abg. Robert Briscoe, ein führendes Mitglied der De-Valera-Partei, unterzog die gegenwärtige britische Politik gegenüber den Juden in Palästina einer eingehenden Kritik. Wenn man schon, sagte er, den Juden nicht hilft, so sollte man sie in ihren Bemühungen, eine Zufluchtsstätte für ihre verfolgten Brüder aufzubauen, wenigstens nicht hindern. üdisches Kinder-Ferienheim ,ATID4 Spifal am Sernriiering (820 m) Inhaber und pädagoglicher Lader: A. TA C.LICHT Modernst Rituell Erstrangig, Standig« ärztl. Kontrolle. Glänzend« Erholungserfolg«. Äratt«refer«ns«n SIKRETARIAT: Wien IX, Schwarzftpanltrstrao* 13 Telephon A-26-3-73 Die jüdischen Lehrer Iii Buenos Aires enthaftet Aus Buenos Aires (J. T. A.) i-Von-'den 22 jüdischen Lehrern, die im Zusammenhang mit der Schließung einiger jüdischer Schulen in Buenos Aires und in einigen Städten der argentinischen Provinz wegen Verdachtes kommunistischer Umtriebe verhaftet worden waren, sind inzwischen 19 aus der Haft entlassen worden. Die Lehrer der in Buenos Aires geschlossenen Schulen'haben eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Verdächtigung, daß in ihren Schulen kommunistische Propaganda betrieben werde, entschieden zurückweisen. In einer Petition än den Kongreß wird die Wiedereröffnung der Schulen veriangt. Die große rabbinische Schule in Bagdad niedergebrannt Aus Jerusalem: Aus Bagdad wird gemeldet, daß dort die jahrhundertealte große Jeschiwa „Midrasch Beth Salka" vollständig niedergebrannt ist. Die Bibliothek, die die größte. im ganzen Irak w#r,'. sowie eine Anzahl Manuskripte von großem literarischen und historischen Wert sind dem Brande zum Opfer gefallen. Der Schaden wird auf 40.000 Pfund geschätzt. Die Thorarollen konnten gerettet werden. Die Entwicklung der Jeschiwa ist mit der Ge-- schichte der Juden im Irak eng verbunden, Generationen von Rabbinern im Nahen Osten gehörten zu den Schülern der Jeschiwa. Ausschluß jüdischer Rechtsanwälte Aus Bukarest: Der Beruf ungsausschuß der Rechtsanwältekammer von Jässy hat sechs jüdische Rechtsanwälte (Segal, Barasch, Rotmann, Smrach, Alterescu und Zalman) aus der Kammer ausgeschlossen. Als Grund für den Ausschluß gibt der Berufungöausschuß an, daß die betroffenen Anwälte gelegentlich ihres Gesuches vorfünf Jahrenum Aufnahme in die Anwaltskammer bei Ausfüllung des Gesuchsformulars einen Fehler begangen hätten, der nunmehr entdeckt wurde. Die ausgeschlossenen Anwälte haben beim Justizminister und beim obersten Berufungsgericht protestiert. Man befürchtet, daß dem Ausschluß der sechs* Anwälte zahlreiche weitere Ausschlüsse aus den Anwaltskammern im ganzen Lande folgen werden. Während die demokratische Presse den Beschluß der Anwaltskammer von Jassy scharf kritisiert, erklären die nationalistischen Zeitungen, daß er der langersehnte Beginn eines nötwendigen Reinigungsprozesses sei, der bäld in sämtlichen Anwaltskammern Rumäniens durchgeführt werden wird. Die polnische Aerzfekantitter gegen Numerus clausus Aus Warschau: Die polnische Aerztekammer hat sich gegen die Einführung eines Numerus clausus für jüdische Aerzte ausgesprochen. Den Anlaß zü dieser bedeutsamen Entscheidung bildete der Antrag eines polnischen Arztes in Posen, über den die Aerztekammer in Warschau zu beschließen hatte. Bemerkenswert ist, daß von den 38 Aerzten, die ah der Abstimmung teilnahmen, nur drei Juden» waren. Dagegen hat die Aerztekammer beschlossen, bei der Regierung durchzusetzen, daß die N o s t r ifizierung von Aerzten, die an auswärtigen Universitäten ihr Studium beendet haben, verboten werde. Ferner sollen Karthoteken für die den nationalen Minderheiten angehörenden Aerzte angelegt werden. Von einem Verbot der Nostrifizierung würden in der Hauptsache jüdische Jungärzte betroffen werden, die wegen der an den polnischen Universitäten herrschenden Zustände gezwungen sind, ihre Studien im Ausland abzuschließen. Eine Verordnung des Handelsministeriums Aus Warschau: Laut^ Erlaß des Handelsministeriums müssen in Zukunft an Läden und Geschäftsunternehmen die Vor- und Zunamen der Inhaber deutlich sichtbar angebracht werden. Zuwiderhandelnde werden mit 1000 Zloty oder 14 Tagen Gefängnis bestraft. Praktisch wird diese Maßnahme dazu dienen, die antisemitischeBoykottpropagandain Polen zu verschärfen. Antijüdische Ausschreitungen in Warschau Aus Warschau: In der Marszalkowska, einer der Hauptverkehrsstraßen Warschaus, kam es in der Nacht zum 5. Juni zu ernsten antijüdischen Ausschreitungen, bei denen eine Anzahl jüdischer Passanten überfallen und blutiggeschlagen wurden. Zehn von ihnen wurden erheblich verletzt. Die Polizei verhaftete ^ie Anzahl Huligans, darunter einen nationaldemokratisoHen Studenten. Christliche Gastwirte wollen die jüdische Konkurrenz ausschalten Aus Warschau: Der Verband der nichtjüdischen Gastwirte Polens hat der Regierung ein Memorandum überreicht, worin gefordert wird, daß Juden die Eröffnung von Gaststätten in Gebieten, die vorwiegend von Christen bewohnt sind, verboten wird. Antischächtgesetz nunmehr auch in Polnisch- Oberschlesien Aus Warschau: Das polnisch-oberschlesische Parlament in Kattowitz hat die Einführung eines Gesetzes beschlossen, das die Beschränkung der Schechlta (Schächtung) vorsieht. Das Gesetz wird am 16. Juni In Kraft treten; an diesem Tage erlischt die Gültigkeit der deutschpolnischen Genfer Konvention bettreffend Oberschlesien. Wegen dieser Konvention konnte daö Antischächtgesetz, das in Polen bereits seit dem 1. Jänner 1937 in Kraft ist, in Oberschlesien bisher nicht erlassen werden. Eine jüdische Zeitung muß in rumänischer Sprache erscheinen Aus Bukarest (J.'T.A.): Das In Transsylvanien in jiddischer; rumänischer und ungarischer Sprache erw scheinende jüdische Wochenblatt „Die Wahrheit" darf laut behördlicher Anordnung nur noch in r u m ä~ nischer Sprache erscheinen. 500 Jahre Zuchthaus für Rassenschande Aus Prag: Wie die relchsdeutscho Presse mitteilt, ist eine ständig ansteigende Kurve der „Rassenschande"-Prozesso festzustellen, obwohl die Strafen von Fall zu Fall schwerer werden. Im Monat Mal ist in Rassenschandefällen auf insgesamt mehr als 500 Jahre Zuchthaus erkannt worden. Als besonders bemerkenswert ist auch festzustellen, daß immer häufiger arische Angeklagte mit dem Blutschutzgesetz-in Konflikt geraten. Junger Jüdischer Kunsthistoriker .bewährter Pädagoge« sucht ii a » » über den Sommer Stelle als HAffnUStet I Unter „Sport und Oeist" an die Adm. d. Bl.