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Die neue Welt · 1937-06-11 · Heft 662 (11.6.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 662 (11.6.1937)
Date
1937-06-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Äk. Nr. 662 vom 11. Juni 1937 Körperliehe und geiitige Fri§ehe aifld die kostbarsten Güter des Lebens lh der Jugend tfie insbesondere im Atter. Bewahren und mehren Sie diese Schätze, durch ständige, sorgsame Pflege Ihres Körpers. Das beste Mittel Alf all« Zwecke der Körperpflege — Einreibungen. Packungen (Umschläge), Mundwasser usw. — ist Tag der jüdi'§dten Jugend Sportfest in Wien Ein Festtag für den Makltabl*Gedattken, für den Franzbranntwein mit Manfhol In jedem besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich .Diana" und nehmen Sie nur .Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen. Antijüdi'sdie Stimmen in Italien In der letzten Zeit ist die italienische Presse mit einer Reihe von Artikeln hervorgetreten, die eine deutlich erkennbare antisemitische Tendenz verrieten. Große Blätter, wie „Popolo d'Italia" und „Tribuna", verdächtigten die italienischen Juden antipatriotischer Haltung, da sie sich „der Weitjudenheit verbunden" fühlen, und verlangten — wieder einmal — ein eindeutiges Bekenntnis zum römischen Vaterland. Im Zusammenhang mit dem Buche des Prof. O r a n o „Die Juden in Italien" wird eine Zeitungskampagne gegen das italienische Judentum geführt, das bisweilen an die hitleristischen Methoden erinnert. Man kann hie und da vernehmen, daß die offiziellen italienischen Kreise mit Besorgnis die im Ausland notierten Meldungen über Antisemitismus in Italien verfolgen, da sie angeblich auf freundschaftliche Beziehungen zu den Juden innerhalb und außerhalb. Italiens Wert legen. Vor kurzem betonte das Ministerium für Volksbildung in Rom, daß es in Italien keinen amtlichen Antisemitismus gebe. Was die einzelnen Blätter schrieben, sei für die offizielle Politik Italiens nicht maßgebend; es sei dies die persönliche Anschauung der Ärtikelverfasser. Am 6. Juni d. J. hatte das offizielle Italien Gelegenheit, seinen Standpunkt in bezug auf die Juden Italiens zum Ausdruck zu bringen. An diesem Tage nämlich erschien der Oberrabbiner von Italien, Prof. Davido P r a t o, in längerer Audienz beim Außenminister Grafen Ciano und berichtete ihm,..,.daJS „die,... an^semj^.che#,. vAj$|kveJ.,t einzelner maßgebender italienischer Zeitungen unter den Juden Italiens Beunruhigung hervorgerufen haben. Graf Ciano nahm gegen die Blätter keine Stellung, aber er erwiderte, daß in den Beziehungen der italienischen Regierung zu den Juden keinerlei Aenderung eingetreten sei. Dieser Erklärung stehen allerdings Neusten Idstein - Semtnem^ Tatsachen gegenüber, die, von einer breiteren Plattform betrachtet, zu Bedenken Anlaß geben. Die genannten italienischen Blätter machen den Juden (den nationalen und den zionistischen) den Vorwurf, daß sie im Vorderen Orient, das ist in Palästina, mit England kollaborieren, mit einer Macht, deren Aspirationen im Mittelmeer mit den Lebensfragen Italiens zusammenstoßen, und verlangen die Lossägung von :der britischen Mandatsmacht. Hierberühren sich w.e 1 t p o.l i t i s c h e ..Interessen- und. darum ist es widersinnig, vom jüdischen Volke Verzicht auf eine Sache zu verlangen, die weit über den Rahmen der Tagespolitik hinausgeht. Die Zionismen wollen ihren jüdischen Staat schaffen, nicht, um Spannungen zu erzeugen, sondern um einer Befriedung im Völkerleben zü dienen. Zufälligerweise ist es Italien, das heute bei der Verfolgung politischer Interessen im Mittelmeer auf die zionistischen Bestrebungen in Palästina stößt, und dieses Italien ist es, das heute die antijüdichen (und antienglischen) Tendenzen der Araber unterstützt. Wie beispielsweise die J. T. A. aus Jerusalem meldet, wurden die Schüler der arabischen landwirtschaftlichen Schule in Tulkarem (eines der gefährlichsten arabischen Terrornester), die wegen Beteiligung an dem arabischen Aufstandsstreik relegiert worden waren, vom italienischen Generalkonsulat in Palästina eingeladen, ihre Studien an einer italienischen landwirtschaftlichen Schule fortzusetzen. Diese Einladung ist die Antwort Mussolinis auf ein seinerzeitiges Gesuch der relegierten Schüler. Hiebei darf man nicht vergessen, daß ein solches Mäzenatentum — die arabischen Studenten leben fast ganz auf Kosten der italienischen Regierung — die Pflege des chauvinistischen arabischen Nationalismus forciert, eines Nationalismus, der bekanntlich zu den blutigen Unruhen des Jahres 1936 geführt hat und auch weiter nooh Frieden und Ordnung Palästinas bedroht. So gesehen, erscheint die „Pflege der italienisch-arabischen Beziehungen" als Bevorzugung jener Elemente, die man bei größter Objektivitä» und bei weitestem Verständnis für nationale Belange nicht als konsolidierend bezeichnen kann, fifiho/i auf ceuier lybisehen Reise ließ Mussolini er- Sportgeist der nationalen jüdischen Jugend! Mit herzlicher, ja begeisterter ..Teilnahme hat das jüdische Wien die 2500 Sportler empfangen* die Sonntag, den 6, Juni, in Wien zum „Tag d e r! j üd isc h e ri Jugend" angetreten sind. Auf dem Hakoah-Platz hatten sich tausende Gäste aüs allen Kreisen der Wiener Juden* heit eingefunden, um Zeugeft des'Aufmarsches der Makkabi-Sportler aus Oesterreich und den angrenzenden Staaten sowie der jüdischen :• Sportvereine und .Jügendbünde zu sein. In festlicher Sportkleidung marschierte die Jugend an der Ehrentribüne vorbei. Ansprachen, hielten der Protektor des Festes, Präsident Dr. Fried- . ttt an n, der,Delegierte des Welt-Mäkkäbi, Janne r, sowie der Leiter des Österreichischen' Makkäbikreises Dr. Lifczis. Anschließend fanden Maßsenturn- Übungen und SondervöffUhrungen aller Sporteweige statt,, wobei ausgezeichnete Leistungen geboten wurden. Am Abend fand eine Festveranstaltung statt, bei der die Siegespreise .verteilt wurden* Das Sportfest ließ den Willen der jüdischen Jugend erkennen, einen wesentlichen Teil zur Renaissance des jüdischen Volkes beizutragen. Der Eindruck, den die Vorführungen machten, war großartig. Wir können auf unsere von Sportgeist und wehrhaftem Eifer erfüllte Jugend stolz sein. Zu bemerken ist, daß auch heuer wieder der Ordnungsdienst von. der „H aganah" (Wehr- und Selbstverteidigungsorganisation) in musterhafter Weise versehen wurde, die, durch den Dienst in Anspruch genommen, nur mit doer Fahnenabordnung am Aufmarsch beteiligt war. kennen, daß er entschlossen, sei, eine betont pro-arabische Politik am Rande des Mittelmeeres zu machen. Wenn. man. in Betracht zieht, daß der gegen die englische Palästina-Verwaltung .gerichtete arabische Aufstand auf italienische Sympathien stieß, welche sich sogar zu pro-arabischer Hilfeleistung steigerten, dann ergibt, sich für die nächste Zeit, solange die italienischenglischen Gegensätze nicht geklärt sind, ein Hineinspielen europäischer Spannungen in die jüdischarabischen Interessensphären. ■ *i#5 Restaurant Stefanie "WD II, Taborstraße 12 ' Telephon HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl -Reichhaltige Menüs Von 1.6Ö-aufwärts / Exakte Bedienung Schöner, schattiger Garten / Angenehmer Aufenthalt :. mmaammBmgBammmamBBmmm Die Araber selbst lassen sich unter den gegebenen Umständen das italienische Wohlwollen sehr gern gefallen.'Ein bezeichnender Vorfall: Nach.einer Meldung der J. T. A. aus Jerusalem sollte im östlichen Stadtviertel von Haifa eine Anzahl baufälliger -Baracken; "die" von Arabern-bewohnt werden, niedergerissen werden. Die Einwohner demonstrierten gegen die- Delogierung. SieL^e^fben sich zum italienische n K on su 1 a t, wo eine Abordnung von ihnen ^<J&piic1KüM^ die obdachlos Gewordenen in Schutz zu nehmen und ihre Auswanderung hreine der italienischen Kolonien zü ermöglichen. Der Konsul versprach, das Ansuchen an die zuständige Stelle weiterzuleben. Noch deutlicher geht das neue Kräftebündnis aus folgender J.-T.-A.-Meldung hervor: „Anläßlich des von den christlichen Arabern in der Geburtskirche in Bethlehem veranstalteten ' Herz-Jesu-Gottesdienstes wurde ein Gebet für Mussolini, den .Befreier vom britischen Imperialismu s\ verrichtet." Der Einfluß, der sich im Bereich der palästinensischen Araber geltend macht, bringt es mit sich, daß das heutige Italien empfindlicher auf alles reagiert, was im Nahen Orient geschieht, Die antijüdischen Artikel der italienischen Presse sind der Ausfluß einer Nervosität, die aus der britisch-englischen'Spannung im Mittelmeer zu erklären ist. Mit dem Aufhören dieser Spannung wird die faschistische Presse es nicht notwendig haben, von den italienischen Juden überbetonten Patriotismus zu verlangen. o. r. FAHRRAD- FABRIK KINOERWAQEN- F A B R I K von js 35.— LUMAG Kinderwaganvarkaur: VII, Neubaugaste 21 , ' XVII, Kulmaaste »1 X, Laxenburgerttra6e:82 - XX, JSgerstraBe 41 Fahrradfabrik: Vll,.,Burggatse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis * Bericht aus der Holle Die „Union für Recht und Freiheit" in Prag, eine Organisation, die von Persönlichkeiten der tschechischen Intelligenz geleitet wird (Präsidium: Univ.-Prof. Dr., Oskar Fischer, Univ.-Prof. Dr. J. L. Hromädka, Oberregierungsrat Karel Dostäl, Major Jar. Kratochvil, Prof. A, Haba), gibt jetzt die dritte Sammlung von Dokumenten aüs dem Dritten Reich heraus. Sie ist „Deutsche Frauenschicksale" betitelt. Es sind Schilderungen der fürchterlichen Leiden von Frauen in den deutschen Konzentrationslagern und Strafanstalten. Ein Kapitel trägt die Ueberschrift: „Eine Jüdin wird •7verhört." Es heißt darin:. „Zur Katastrophe gestaltete sich das Verhör mit einer polnischen Staatsbürgerin, einer Jüdin. Wahrheitsgemäß schildert dieses Mädchen seinen Leidensweg.. Die Erlebnisse dieses Opfers des Regimes gehören wohl zu den. schrecklichsten, die überhaupt bekanntgeworden sind." Wir entnehmen folgende Stellen: Ich wurde ohne jeden Grund verhaftet und in die Prenzlauer Straße in. einen kleinen Raum gebrächt. Ich durfte mich setzen. Zwei SA-Männer waren im Raum damit beschäftigt, . antifaschistische .Abzeichen zu verbrennen. Plötzlich stürzte ein junger, kräftiger Mann in der Uniform eines höheren Nazifunktionärs herein. Als er mich sah, packte er mich an der Brust und schleuderte mich an die Wand mit dem Gebrüll: „Was, diesem Judenweib habt ihr einen Stuhl gegeben!" Dann kam er nochmals mit ganz langsamen Schritten, wie ein Tier zum Sprung bereit, auf mich zu, holte zum Schlage aus und bearbeitete mit seinen Riesenfäusten meinen Kopf und mein Gesicht. Es war der Sturmbannführer Lenk vom Sturm Prenzlauer Straße. Diese Prozedur erlebte ich noch einigemal und davon habe ich Pfeifen in den Ohren und Sausen im Kopf bis zum heutigen Tage zurückbehalten. Ich fiel um. Die beiden SA-Männer hoben mich auf und versuchten, mich abermals an die Wand zu stellen. Mir einen Stuhl zu geben, hatten sie Angst. Bald kam der SS-Mann Karge: „Hören Sie, Sie sind ein Judenweib und wissen, was das heute zu bedeuten hat. Wenn Sie nicht alles sagen, wonach J3ie gefragt werden, werden Sie diesen Raum nicht mehn lebend verlassen." Er fragte mich, was das für Abzeichen sind, die verbrannt werden. Ich antwortete: „Antifa." Im gleichen Moment fühlte ich einen Schlag im Gesicht und vor meinen Augen . tanzten Funken. „Sie verfluchtes Judenweib, Sie Mistsau, infame Judenbrut. Ich werde Ihnen Ihre Antifa gleich' an Ort . und Stelle besorgen", und er hieb auf meinen Kopf ein, daß ich nach rechts und links taumelte, ganz so, wie er die Hiebe austeilte. Wieder ein Faustschlag, daß ich nach vorne taumelte, sofort parierte er mit einem Hieb v daß Zur.. Auffrischung des Blutes trinken feie einige Tage hindurch frühmorgens ein Glas natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser! Aerztlich empfohlen. ich zur Wand zurückfiel. Es ist mir unmöglich, hier anzugeben, mit welch bestialischer Wut . dieser prämiierte Folterknecht sich an meinem Körper austobte. Dann erblickte er meine Handtasche auf dem Tisch und forderte von mir eine Spende für das H o r s t - W e s s e l - D e n k m a l. Ich gab keine Antwort. Er öffnete meine'Tasche und zählte den Inhalt: 45 Mark. „Seht her, was die Judensau für iGeld hat. Wird wohl gut. verdient haben." Die, SA-Männer lachten verständnisvoll Beifall. „Ich sage Ihnen jetzt zum allerletztenmal, wenn Sie nicht sofort eine Spende geben, ist es bald aus mit Ihnen." Ich gab keine Antwort. „Was, Sie verworfenes Weibsstück, Sie Judenhüre, Sie haben nichts übrig für den größten deutschen Helden? Diese Beleidigung sollen Sie auf der Stella büßen!" Und im gleichen Moment sauste der Knüppel über meinen Rücken, daß ich erneut umfiel. i.Zieht ihr das Kleid aus. Mit dem Gesicht an die Wand. Ah, sehr her, die Jüdische hat ja direkt saubere Schlüpfer an." Und nun begann eine regelrechte Auspeitschung auf das Gesäß. Als idh mich noch bewegte, setzte er den Revolver an meine Schläfe und zählte 'langsam „Eins, zwei, drei -- Nein!" sagte er. „Eine Kugel ist zu schade für ein Judenschwein, sie krepiert auch so." Bald wurde ich wieder in ein Auto geschmissen und man fuhr davon. Ich fühlte, wie die Wäsche vom Blut durchtränkt war. Ich wurde dann aus dem Auto gezerrt und eine Treppe hinuntergeschleift, die in einen Keller führte. JOrei Wochen .lang war das Mädchen solchen körperlichen und seelischen Torturen ausgesetzt, dann wurde es entlassen. Es mußte schleunigst ins Krankenhaus, eine schwere Blutvergiftung hatte sich eingestellt. Fünfmal wurde es geschnitten und genäht, monatelang lag es auf Leben und Tod darnieder. Ein schweres Herzleiden blieb zurück. Die Erzählerin schließt: „Mein Körper hat häßliche Narben, mein Haar ist weiß geworden, ich bin um zwanzig Jahre gealtert. Wer nie mit einer Mutter sprach, die Woche um Woche in wahnsinniger Angst um ihr „verschollenes" Kind bangte, das die Gestapo verschleppte, kennt nicht., das heutige Deutschland! Wer nie ein junges Mädel kannte, gesund, kräftig, lebensfroh, und es wiedersah, als es gebrochen, den Leib von SA-Stiefeln zerstampft, oder geschändet, nach wochenlangen Torturen von der Gestapo zurückkehrte, der*weiß nicht, wie tief die Frauenwürde durch den Nationalsozialismus erniedrigt wird."

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