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Die neue Welt · 1937-06-08 · Heft 661 (8.6.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 661 (8.6.1937)
Date
1937-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 661 vöM 8. Juni' iöäT vtt mvv WELT &ett« 8 AUS ALLER WELT Eine Üftterhaussitziüig, für den Peet-ßerleht Aua London: in der Unterhaussitzung vom 2. Juni wurde bekanntgegeben, daß für die Er* örterüng des Berichtes der Kgl. Komra,is8ion für Palästina eine besondere Sitzung des Unterhauses anberaumt werden wird. Üer Abgeordnete Lunn brachte die Frage des Kommlssidns» berichtes zur Sprache, indem er durch den Antrag, das Bitdgct des Kolonlciimitilstcrlunis um 100 Pfund zu kürzen, eine Debatte eröffnete. Er erklärte, er habe erfahren, daß ein besonderer Tag für .die. Erörterung von Palästina-Angelegenheiten im Unterhaus angesetzt werden soll, sobald der Bericht der Kgl. Kommission in den Händen des Kabinetts sei. Koionlfeumlnister Ormsby-öoro unterbrach den Äedncr mit der Bemerkung, daß der ße* rieht in der drittondunlwoche unterzeichnet werden wird. Daraufhin stellte der Abgeordnete Lunn fest, daß der Bericht, der den Abgeordneten noch nicht vorliege, wie er erfahre, vor dem Ende der Session erörtert und daß cfn besonderer Tag zu diesem Zweck festgesetzt werden wird. c Abg.. Mftn der fragte, ob der Minister nicht vor der Entscheidung der Regierung über ihre künftige Pfllästiria-Pölltik die Veröffentlichung des Berichtes der Kgl. Kommission veranlassen wolle, da es wünschenswert sei, für jegliche Politik, die die Regierung der Mandatskommission vorschlagen seilte, sei es durch Ate entschlossene Aüfrechterfialtung der Ordnung unter den*.gegenwärtigen System öder durch Teilung, die größtmögliche Unterstützung der Oeffentlichkeit zu erlangen. Minister Ormsby-Gore antwortete er sei nicht in - der Lage, seiner ausführlichen Antwort vom 24. Mai zu diesem Gegenstand etwas hinzuzufügen. Er verneinte aUch die weitere Frage des Abgeordneten, ob er im Besitz neuer Informationen über den Termin der Veröffentlichung des Berichtes sei. Indische Moslem-Delegation zugunsten der Araber Palästinas "t Aus Bombay (j.'TV'Ä.): iEäinc Delegation der indischen Moslems hat sich nach London begeben, um Bei der englischen Regierung wegen einer Aendörung Ihrer gegenwärtigen Palästina-Politik Vorstellungen zuerheben. Die Delegation, die aus zwei Mitgliedern der gesetzgebenden Versammlungen der vereinigten Provinzen'; und * Böngaldils, N a'w a b M o h ä ni e d 19 m a i 1 Kah:rt' uffd*Äb'ciü 1 R eh man' S i"üdi gue, besteht, hat die'' AÜfgäbe, die' englische Regierung über die "Haltung der indischen Moslems in der Palästinafrage zu informieren' und von ihr mehr Entgegenkommen gegenüber den Bestrebungen der palästinensischen Araber zu erwirken. Aüf dem Wege näCh London nehmen Ismail Kahn Und Siddigue kurzen Aufenthalt in Jerusalem, um tnit. flöh arabischen Führern und dem High Commissioner Fühlung zu nehmen. Kopf in den Sand! Aus Bukarest: In einer Pressekoni'cieiiz erklärte, der rumänische Handels- .und Industrieminister Valcr Pop zu derp Gesetzentwurf betreffend Romänlsierung von Handel und Industrie,in Rumänien u. a.s , Die. n a t i o n a l.e n . M i n d e r h e i t e n einschließlich der Juden brauchen das neue Gesetz nicht zu fürchten. Es bezweckt nichts anderes, als den Schutz der Interessen, der nationalen rumänischen Arbeiter. Am 8. Juni wird der Gesetzentwurf veröffentlicht werden. Es sei für das rumänische Staatsvolk untragbar, daß die nationalen Minderheiten in.Rumänien die Vorherrschaft in Handel und-Industrie innehaben. In Zukunft wird der Anteil der Minderheiten am wirtschaftlichen Leben des Landes entsprechend ihrem peucntuellen Anteil an der Bevölkerungszahl festgesetzt wird. Der Minister trat der Behauptung entgegen, daß die Juden nicht zum - Staatsdienst, zu den Gerichten und zur Armee zu-r gelassen werden, und erklärte, daß auch auf diesen Gebieten in Zukunft der Grundsatz des perlen tu eilen Anteils restlos beobachtet : werden wird. . Die Zcntralausschüsse der deutschen und der ungarischen Minderheitin Rumänien haben beschlossen, beim Völkerbund gegen das geplante Gesetz Protest zu erheben. ■ ■ Wie der J.-T.-A.-Vertretec erfährt, hat der Zentralrat der rumänischen Juden keinen derartigen Beschluß gefaßt und dies damit begründet, daß die Juden in Rumänien sich nipht als nationale M in da r h e i,t, sondern als r um anlache Staatsbürger jüdischen Glaubens betrachten. Anm, der Red. Für' die jüdisch-rumänischen Asaimilationsjuden existiert das Drama um die „deutschen KBNO«PROGRAMME k€" Hilf EI) EN Elaanor Powell BROADWAY-MELODIE A 49 - 0 * 00 Täglich Von 10-5 Uhr Ub«n<« Z«ltuns, Kurt filme fand International« Wodi«nlM» V.8» VA V»l» r*au.n. AUeinaufführung für Wien: M. G. M, Tateachenberlchte Staatsbürger jüdischen Glaubens", welche auch keine nationale Minderheit sein wollten, nicht. Sie haben nichts gelernt und stecken den Kopf in den Sand. Der jüdische Schulverband der Bukowina geschlossen Aus Cernauti: Nachdem, wie die J. T. Abgemeldet hat, vor einigen Tagen die Räume der B n c~ BrIth-Loge in Cernauti auf polizeiliche Anordnung geschlossen worden sind, ist nunmehr auch das Büro des Jüdischen Schul verband es der Bukowina behördlich geschlossen worden. Die Verbandsbibliothek, die 2000 Bücher jüdischen Inhalts umfaßt, wurde versiegelt. , Bsro-Bidsdian Änsiedlung von 100.000 Juden In den nächsten fünf Jahren Aus Moskau (I. T. A.): Der Vorsitzede der ftegierungskommision für die Änsiedlung von Juden auf dem flachen Land, M. T r o i t s k y, sprach vor Pressevertretern über den dritten FHinf jahreplan für Biro- Bidschan: Die jüdische Bevölkerung von BirorBi: dschan soll in den nächsten f ü nf Jahren von 2 5.Ö Ö 0 aüf 125.000 Seelen erhöht werden. Von den iOO.000 Neueinwanderern werden 30.000, d. s. 65Ö0 Familien, in Kollektiven angesiedelt werden. Die Hauptziele bei der Entwicklung des neuen Ansledlungsgebietea sind: Schaffung von Bedingungen, die den Ausbau des Rayohs als national-jüdisches Territorium begünstigen; Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Rayons; Ergreifung von Maßnahmen zur Unterbringung der Einwanderer und ihrer Versorgung mit den notwendigsten Bedarfsartikeln; Errichtung von autonomen Zentral- und Distriktsbehörden. Der Rayon soll auch ein Zentrum der jüdischsowjetistischen Kultur werden. Zu diesem Zwecke ist die Errichtung einer Universität, einer Verlagsanstalt, einer Musik- und Kunstakademie, eines Museums und eines jüdischen Theaters geplant. Zwei Jugendgruppen wegen zionistischer Betätigung verbannt Aus Jerusalem: „Dawar", bringt eine Meldung seines Sonderkorrespondentenaus Biro-Bidschan, wonach zWci Gruppen der dortigen jüdisch-kommunistischen Jugend, die . im-..; .„Komsomol'1! organisiert waren, wegen zionistischer. Tätigkeit von Biro-Bidschan strafweise nach Kaikaskstan v e rschickt worden sind. „Die Tage der Reform sind vorüber" Aus N e w - Y o r k: Die Wiederannäherung des amerikanischen Reformjüdentums an die religiöse Ueberlieferung wurde von dem Vorsitzenden der Zentralkonferenz amerikanischer Reformrabbüier (Central Conference of Amerikan Rabbis) anläßlich der Eröffnung der 4&\ Tagung dieser Körperschaft angekündigt. Ueber 200 Rabbiner atis allen Teilen der Vereinigten Staaten nehmen an den Beratungen der Konferenz, die in Cohimbus (Ohio> stattfindet, teil. ' Der Präsident der Central Conference, der Rabbiner der Synagogengemeinde Emanüel in Chicago, Felix A. Levy, gab in seiner Eröffnungsansprache offen zu, daß es dem Reformjudentum nicht g elungen sei, auf die große Masse der Judenheit irgendwelche tiefere Wirkung auszuüben. Deshalb sei die Rückkehr zu der traditionellen Religionsübung zu fordern. „Die Tage unserer Reform sind vorüber", sagte Rabbi Levy. Er gab den Anhängern der Reform den Rat, gemeinsam mit den orthodoxen und konservativen (religiös-liberalen) Juden der Gefahr der Säkularisierung des Judentums entgegenzuwirken. Die Central Conference of American Rabbis ist eine der größten und einflußreichsten rabbinischen Körperschaften der Welt. * Das amerikanische Reformjudentum, welches bisher einen sehr großen Teil des amerikanischen Judentums und insbesondere alle wohlhabenden Kreise umfaßte, weist eine sehr radikale Tendenz auf: Sonntagsgottesdienst statt Sabbath, Fortfall aller Speisegesetze, fast völlige Ausmerzung des Hebräischen aus den Gebeten, Abschaffung des Verbotes der Arbeit am Sabbath, Gebet ohne Kopfbedeckung, Zusammensitzen von Männern und Frauen in der Synagoge usw. Zur Pogromdebatte im englischen Unterhaus Aus Warschau: Die großen polnischen Zeitungen befassen sich eingehend mit der Interpellation des Abgeordneten Josiah Wedgwood im englischen Unterhaus über die Verf o lgung der Juden in Polen und mit der Antwort des Außenministers Eden. Während sich jedoch die meisten Zeitungen eines Kommentars enthalten, richten die beiden polnischen antisemitischen Zeitungen „Dziennik Warszawski Narodowy" und „Gonlec Warczawski" heftige Angriffe gegen Wedgwood, dem sie vorwerfen, sich in innerpolnische Angelegenhelten eingemischt zu haben. „Dziennik Warszawski Narodowy" erklärt, es sei unerhört, daß innerpolnische Fragen In dem Parlament eines fremden Staates erörtert werden. Die Zeitungen verlangen, daß die Regierung ein« «Charfe Protestnote ftn die englische Regierung wegen der Interpellation Wedgwoods richte. „Goniec Warszawski" fügt hinzu, daß die Anfrage Wedgwoods im Unterhaus auf jüdische Inspiration zurückzuführen sei. Zertifikate für Juden anläßlich der Krönung Aus Warschau: Anläßlich der Krönung Georg VI. hatten «ich zahlreiche Juden aus Provinz- Städten in Polen att den König mit der Bitte um Zuteilung von Palästina-Einiwanderungszertifikaten gewandt und dabei auf die schwere Not. der Juden in Polen hingewiesen. Viele Bittsteller haben nunmehr die Benachrichtigung erhalten, daß ihr Gesuch berücksichtigt worden ist. Sie wurden gleichzeitig aufgefordert, die Vorbereitungen für die Uebersiedlung nach Palästina zu treffen. Die Polnische Bauernpartei verurteilt die Ausschreitungen von Brest-Litowsk Aus Warschau: Die „Zielony S z t a n d ä r" (Grüne Fahne), das . Zentralorgan der Polnischen Bauernpartei, stellt anläßlich der Ausschreitungen von Brest-Litowsk fest, däß die Partei Judenpogrome als „Zeichen der Barbarei" stets Verurteilt habe..Da* Blatt teilt ferner mit, daß in dem Städtchen Wielun bei Kalisz nationaldemokratische. Agitatoren, die im Auftrag der Vereinigung christlicher Kaufleute unter den Bauern Aufrufe zur „Polonisierung der Städte" verteilt hatten, von den Bauern vertrieben wurden, als Sie versuchten, Unruhen hervorzurufen. * Der Stadtrat von Bialyst.ok hat einen Antrag der jüdischen Stadtverordneten, gegen den Pogrom von. Breöt- Litowek zu protestieren, abgelehnt, dagegen den An* trag der Nationaldemokraten angenommen,.das Atidenken des in Brest getöteten Polizisten Kedziora zu ehren. .. * Die Beisetzung des infolge der bei dem Pogrom in Brest-Litowsk erlittenen Verletzungen gestorbenen Barüch, Z i 1 b e r b e r g, die am 1. Juni, nachmittags, hätte stattfinden sollen, wurde im letzten Augenblick auf polizeiliche Anordnung verschoben. Auf dem Friedhof, hatte sich bereits eine zahlreiche Menschenmenge, darunter Abordnungen jüdischer Organisationen aus Brest-LitöWsk, versammelt. Die Beerdigung fand dann Dienstag nachts in aller Stil 1 e 'statt. Der frühere Ministerpräsident frfiftl Aus Warschau: <„Jütrö Pracy" däs-. Organ äea früheren polnischen Ministerpräsidenten Waiery Slawe ks,'des Gründers der Regierungspartei, veröffentlicht einen ungemein scharfen antisemitischen Ar* tikel. Der Verfasser des Artikels kömmt zu dem -Schluß, daß die Juden wohl in erster Reihe durch Maßnahmen der Regierung bekämpft werden müssen, aber auch, durch einen „i d e al is t is ch en P e 1 dz u g", an dem' jeder einzelne Pole teilzunehmen hätte. Es Werden Ausnahmegesetze gegen die Juden und die Koniiskation des gesam ten.' jüdischen Eigentums: in' Poien verlangt. Der „Idealistische Feldzug" soll alle Polend'ie Juden unterstützen, an den Prähger stellen und dahin wirken, daß die Polen jede gesellschaftliche uild kulturelle Verbindung mit den Juden vollkommen abbrechen. Der Artikel schließt mit einem Appell an die polnischen Hausfrauen, die antijüdische Boykottparöle hundertprozentig zu befolgen. . Aus Bulgarien Aus Sofia: Im bulgarischen Judentum, hat es Beunruhigung und Unwillen hervorgerufen, daß. trotz des gesetz 1 i.ehen Verbotes antisemitischer Parteien und Organisationen seit einiger Zeit zwei Organisationen mit eindeutig antisemitischem Programm ungestört Versammlungen abhalten. Eine, der beiden Organisationen entsandte sogar kürzlichi offiziell zwei. Delegierte nach Deutschland, Um dort die Methoden des antijüdischen Kampfes und. die. Möglichkeiten ihrer Anwendung jn Bulgarien zu studieren, , Zu einem Vortrag .des Antisenütenführera, Hristo Kountscheff. wurde .dem J.-T.-A.-Vertreter in Sofia der Einlaß mit der Bemerkung verweigert, daß „Ju den und Hunden cler Zutrl.tt verboten sei", •In der soeben; veröffentlichten amtlichen Kriminal st a ti st ik für Bulgarien wird festgestellt, daß der k 1 e i n s t e Prozentsatz krimineller Vergehen in Bulgarien auf die jüdische Bevölkerung entfällt. In diesem Zusammenhang wird amtlich erklärt, daß die Juden Bulgariens ein die Gesetze streng "beachtendes Bevölkerungselement sind, das sich ausschließlich seinen beruflichen Aufgaben widmet, ohne irgend welchen politischen oder sozialen Kämpfen in dem Lande Beachtung zü schenken. (J. T. A.) .

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