Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 661 (8.6.1937)
- Date
- 1937-06-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 661 vom.S. Juni 1937 AUS PALASTINA Die brave palästinensische szei Vor kurzem ging die Nachricht durch die Presse, vornehmlich durch die des Nahen Orients, daß auf den Jerusalemer Mufti ein Attentat verübt worden sei, an dem auch Juden irgendwie beteiligt waren. Die Polizei des Herrn Wauchope hatte nämlich ein Communique1 herausgegeben, das in echt orientalischer, d. i. romantischer Art den Mufti zum Heiden eines Bravourstückes machte, zu einem Helden mit einem großen, elden Herzen. Wer die romantische Geschichte des Attentats ein wenig aufmerksam gelesen hat, der konnte erkennen, daß man hier über das Maß eines Polizeiberichtes weit hinausgegangen war. Die Jerusalemer Polizei, die im allgemeinen sehr wortkarg ist, hatte nämlich schon im Vorstadium der Untersuchung Dinge mitgeteilt, deren Wahrheitsgehalt sehr gering war. Das mußte jedem Laien auffallen. Der Abgeordnete Wedgwood fragte daher mit Recht im englischen Unterhaus den Kolonienminister Ormsby-Gore, warum die Polizei ein so ungewöhnliches Communique veröffentlicht habe. In diesem Communique wird nämlich erzählt, daß der Mufti gelegentlich des gegen ihn gerichteten Attentats einige Juden vor einer Menschenmenge geschützt habe, die sie töten wollte. Ormsby-Gore gab auf Wedgwoods Frage die Antwort, daß er einen telegraphischen Bericht erhalten habe, wonach zwar die Angelegenheit nicht aufgeklärt sei, von einem Ueberfall auf den Mufti seitens Juden aber nicht die Rede sein könne. Wedgwood aber fragte weiter: „Warum hat die Polizei die außerordentliche Maßnahme getroffen, ein Communique über die Sache herauszugeben? Warum wurde in dem Communique erklärt, daß der Mufti Juden das Leben gerettet hat?" Die Antwort des Kolonienministers war nichtssagend, das Produkt seiner Verlegenheit: Es sei notwendig, Communiques zu veröffentlichen, damit nicht Gerüchte Unruhe hervorrufen. Ueber die Phantasie der Polizei, die den Mufti Juden retten -.r.h, aagte Ormsby-Gore nichts. Wenn Juden von Mufti-Anhängeru getötet werden, findet die Polizei es nicht für nötig, der Oeffentlichkeit etwas mitzuteilen. Aber vom Mufti weiß sie sehr rasch etwas Heldenhaftes mitzuteilen. So ist die Palästina-Administration. Eine Sache, die vieles erklärt. Flüchtlingsslend auch in Palästina Aus T e 1 - A v i v: Die jüdischen Flüchtlinge, die während der vorjährigen Unruhen Jaffa verlassen mußten und vorübergehend in Rischon le Zion untergebracht worden sind, haben vor dem Stadthaus in Tel-Aviv eine stürmische Kundgebung veranstaltet. Sie versuchten, in das Gebäude einzudringen, um eine endgültige Regelung ihrer Unterbringung zu verlangen. Die Demonstranten wurden von der Polizei zerstreut. Drei Personen wurden verhaftet. Für den Kongreß in Washington Aus Tel-Aviv: Die Teilnehmer an einem von den Allgemeinen Zionisten Gruppe B in Tel- Aviv einberufenen Massenmeeting haben eine Entschließung gefaßt, in der sie sich für die Abhaltung des nächsten Zionistenkongresses in Washington aussprechen. Die jüdischen Beamten in Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): In dem Bericht des Jerusalemer Vereins jüdischer Beamten wird festgestellt, daß die Zahl der Mitglieder von 1934 bis 1936 von 478 auf 983 gestiegen ist. In den nationalen Institutionen arbeiten 277 Beamte (vor drei Jahren 178), in Geschäften 132 (94), in Privatbüros 142 (54), in Banken 112 (75), in der Stadtverwaltung 82 (6), in öffentlichen Institutionen 51 (28), in den Institutionen der Histadruth 54 (28). Die übrigen Mitglieder sind zur Zeit arbeitslos. Neun Kommunisten aus Palästina ausgewiesen Aus Jerusalem: Neun Kommunisten, die wegen politischer Umtriebe in Palästina verhaftet worden sind, wurden aus Palästina ausgewiesen. Sämtliche Ausgewiesenen äußerten den Wunsch, nach Spanien gebracht zu werden. Eine neue städtische Siedlung: Ir-Hamifraz Aus Haifa (J. T. A.): In Haifa wurde eine Gesellschaft gegründet, die sich die Errichtung einer städtischen Siedlung im.Emek-Sebulun auf einer Fläche von 5000 Dunam zur Aufgabe gemacht hat. Die Gesellschaft verfügt über ein Vermögen von 150.000 Pfund. Aktionäre sind u. a. einige ausländische Kapitalisten und die Pflanzungsgesellschaft „Hanoteah". Die Parzellierung der Bodenfläche ist zum Teil bereits durchgeführt. In den nächsten Tagen wird mit dem Bau der ersten 50 Häuser begonnen werden. Die Einwohnerschaft der neuen Siedlung, die den Namen „Ir-Hamifraz" tragen wird, setzt sich in der Mehrzahl aus Angehörigen des Mittelstandes, Beamten usw., zusammen. Ein Kind ermordet Aus Jerusalem: Ein achtjährigerKnabe, Sohn jemenitischer Juden, wurde in der Nähe von Rehovoth erdrosselt aufgefunden, nachdem er über Nacht von den Eltern vermißt worden war. Neuer Militärflugplatz Aus Jerusalem: Die hebräische Tageszeitung „Dawar" teilt mit, daß die Militärbehörden einen neuen .Flugplatz für militärische Zwecke beim Flughafen von Lydda in Schechunat einrichten wollen. Nötigenfalls sollen beide Flughäfen vereinigt und damit der größte Flughafen im Nahen Orient geschaffen werden. In wenigen Monaten soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, für die 200.000 Pfund veranschlagt sind. Neuer großer Bau der Anglo Palästine Bank Aus Jerusalem (Palcor): In den nächsten Tagen beginnt man mit dem Bau des neuen Gebäudes der Anglo Palestine Bank in Jerusalem. Der Bau wird 40.000 Pfund kosten und ausschließlich mit Steinen aus jüdischen Steinbrüchen errichtet werden. Bei der Arbeit werden über 100 Arbeiter beschäftigt sein. Araber streiken häufiger als Juden Aus Jerusalem: Die statistische Abteilung der Palästina-Regierung veröffentlicht eine Statistik über Arbeitskonflikte in Palästina, " aus der hervorgeht, daß die Lohnkonflikte und Streikbewegungen im Jahre 1936 zurückgegangen sind. Es zeigt sich dabei, daß die Arbeitskonflikte unter den arabischen Arbeitern größer sind als unter den jüdischen. Diese haben im Jahre 1936 durch Streiks durchschnittlich dreieinhalb Arbeitstage verloren, während die Araber durchschnittlich 17 Tage verloren haben. Die „Märachi"-Bank zahlt 7 Prozent Dividende Aus Jerusalem (Palcor): Auf der letzten Generalversammlung der „Misrachi"-Bank wurde beschlossen, an die Aktionäre 7 Prozent Dividende für das Jahr 1936 auszuzahlen. Jüdische Bevölkerungsbewegung in Wien Aus dem in der letzten Sitzung des Kultusvorstandes erstatteten Bericht geht hervor, daß der rapide Rückgang der jüdischen Bevölkerung anhält. In den Monaten März und A*p r i 1 wurden beim Matrikelamt der Kultusgemeinde 146 Geburten angemeldet, und zwar 75 männliche und 71 weibliche. Die Zahl der Sterbefälle dagegen betrug in diesen zwei Monaten 506, so daß . sich für diese zwei Monate ein Bevölkerungsdefizit von 360 ergibt. In drei Monaten sind 111 Juden aus der jüdischen Gemeinschaft ausgetreten! Diesen Austritten stehen 53 Eintritte, beziehungsweise Wiedereintritte ins Judentum gegenüber, so daß auch hier ein Defizit von 58 Personen zu verzeichnen ist. * Laut amtlicher Statistik betrug die Zahl sämtlicher Mittelschüler in Oesterreich im Schuljahr 1935/36 49.723, hievon 6912 jüdische. Die Statistik stellt einen Rückgang in der Zahl der jüdischen Schüler gegenüber dem Vorjahr um zirka 10 Prozent fest. Austritte aus dem Judentum Anna Stoik, Kontoristin, geb 14. März 1906 Wien, ledig, VII., Kirchengasse 24. — Rudolf Reich, Student, geb. 8. April 191$ Wien, ledig, VTL, Neustiftgasse 104.— Helene Czap, geb. Krieger, Haushalt, geb. 14. Oktober 1893 Wien, verh., VII., Wimbergergässe 20. — Wilhelm Czap, Zeichner, geb. 26. Jänner 1892, verh., VII., Wimbergergasse 20. — Anneliese Hegner, Kaufmannstochter, geb. 20. September 1921 Wien, ledig, XIX., Osterleltengasse 12. — Georg Er6nyi, Student, geb. 9. September 1914 Budapest, ledig, IX.; Sensengasse 8. — Elsa Geppel, geb. 3. Juni 1931 Wien, ledig, XX., Kolpingsträße 18. — Franz Josef Engel, Schauspieler, geb. 16. September 1898 Wien, verii., II., Zirkusgasse 21. — Hans Fried, geb. 11. Februar 1902, Kremsier, led., II., Unt. Donaustraße 27. — Kurt Schwartz, Privatbeamter, geb. 17. Juni 1910 Wien, ledig, XVIII., Weimarerstraße 62. — Therese Koppel geb. Schmidt, geb. 30. Mai 1892 Wien, ger. gesch., II., Große Stadtgutgasse 20. — Rosa Roll, geb. Quastler, geb. 2. Dezember 1906 Wien, ger. gesch., II., Herminengasse 4. — Katharina Münstedt, geb. Winkler, geb. 15. November 1911, verh., II., Praterstraße 28. — Ruth Ingeborg Eisinger, geb. 28. Dez. 1930 Wien, ledig, XVIII., Schulgasse 12. — Maria Weiß, geb. Havelka, geb. 9. März 1907 Atzgersdorf, Atzgersdorf. — Egon Hamburger, Schüler, geb. 27. Februar 1923 Wien, ledig, XV, Mariahilferstraße 143. Valerie Stelner, Private, 21. Jänner 1910 Wien, ledig, IV., Goldeggasse 14. — Alice Kornfein, Hausgehilfin, geb. 29. Mai 1919 Wien, ledig, XV, Hütteldorferstraße 56. — Margarete Beck, geb Simoni, Geschäftsfrau, geb. 2. Oktober 1888 Wien, verh., XVI., Wandgasse 1. — Rosa Lisolette Bardach, Schülerin, geb. 26. Mai 1913 Wien, ledig, XIII., Lainzerstraße 35. — Ernestine Schwarz, geb. 15. März 1919 Wien, ledig, II., Vorgartenstraße 182. — Margarete Rindl, geb. Schwarz, Haushalt, geb. 12. Mal 1897 Wien, verh., VIII., Alserstr. 59. — Alfred. Neuhauser, geb. 18. November 1920 Wien, ledig, IL/ Leopoldsgasse 16. — Lucia Trompler, geb. 21. Jänner 1921 Wien, ledig, XX., Hellwagstraße 5. — Paul Hammerschlag, Privatbeamter, geb. 17. Februar 1897 Wien, ger. gesch., I., Vniversitätsstr. 11. — Konrad Kurz, Pension., geb. 22. Mai 1879 Wien, ledig, V, Anzengrubergasse 2/3. — Chanze Kohn, Privatangestellte, geb. 10. April 1903 Radauti, ledig, V., Stollberggasse 10. — Stella Matosiany» geb. Kestllnger, Handelsfrau, geb. 10. Oktober 1901 Elbenschütz, verh. VII., Burggasse 87/1. — Hermine Mayer, geb. Grasel, geb. 14. Mal 1912 Wien, verh.,.L, Wollzeile 34. — Emanucl Bund, geb. 15. Juli 1901 Braila, ledig, IL, Blumauergasse 16. — Dr. Isak Markus Bodlan, geb. 10. Februar 1$10 Störonetz Putilla, ledig, IL, Am Tabor 22. Jüdische Künstlerspiele. Heute Dienstag „Die weiße Blume" als Ehrenabend für Jenny Lovic — Ab Mittwoch, den 9. ds., Wiederauftreten Leo Reuß-Brand« h o f e r in „Zurück zum Volk". „Golddiggers 1937", Porträt 4: Dick Powell ist unumstritten der Operettentenor des amerikanischen Films. Er ist vor allem der Sänger, der Frauen, die sich von seiner einschmeichelnden Stimme hypnotisiert fühlen. Er spielt die männliche Hauptrolle in diesem Auästattungswerk der Warner Bros., das am 11. Juni im Apollo zur Wiener Uraufführung gelangt. Auf der Bühne absolviert die berühmte Diseuse Dela Lipinskaja ein kurzes Gastspiel. Bei Leberkrankheiten, Gallenleiden und Gelbsucht führt ein Glas natürliches „Franz-Josef "-Bitterwasser, auf nüchternen Magen genommen, zur. Entleerung des Nahrungskanals in geradezu vollkommener Weise und beeinflußt günstig den gesamten Stoffwechsel. Es wird ärztlich bestens empfohlen. E prime Stoffe und Kleider zu Preisen — wie noch nie! 98 1 1 1 .39 .40 .90 S .50 .90 90 Bedruckte Sommer-Waschstoffe licht- und waschecht, 80 breit . . . S Kunstseide-Imprime schöne Blumenmuster, Sensationispreis . S Mode-Dirndl-Voile, Imprime neueste Dessins......».»».. S K.-Seiden-Dirndl-Zephirpt . 4.50 indanthrenecht, Karodessins . . . . . S K.-Seiden-Noppe O«40 das aparte neue Gewebe f. Sommerkleider S U Crepe-de-Chine-Imprime (K.-Seide) große Dessinauswahl, 90 breit . , . . 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