Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1937-06-04 · Heft 660 (4.6.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 660 (4.6.1937)
Date
1937-06-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712245-2712285--6516-2720278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 6SÖ vom '4. Juni 1037 DIE NEUE WELT Seite 5 Ein Jahr — Hafen in Tel*Aviv Aus Jerusalem: Anläßlich des ersten Jahrestages der Schaffung des Tel-Aviver Hafens, veröffentlicht das Hafenkomitee interessanten Ziffern über den Hafen, seine Entstehung und Entwicklung während seines kurzen Bestehens. Am 15. Mai 1936, etwa einen Monat nach Ausbruch der Unruhen in Palästina, erhielt das politische Departement der Zionistischen Exekutive die Erlaubnis, am Strand von Tel-Aviv einige Gruppen von Waren zu löschen. Am 19.' Mai, vier Tage später, landete am Strand von Tel-Aviv das erste Schiff „Schewrot i" (jugoslawischen Ursprungs) mit einer Ladung von 1000 Tonnen Zement. Am 20. Mai begann man, den eisernenLades t e g zu bauen, dessen Errichtung Anfang September beendet wurde. Die Zahl der in Tel-Aviv befindlichen Landungsboote — beim Löschen des ersten Schiffes benützte man insgesamt ein Motorboot — erhöhte sich auf 35. Ferner wurden in Tel-Aviv Werkstätten für die Herstellung von B o o t e n geschaffen. Anfang November 1936 begann man, einen modernen Landungsplatz für Boote zu bauen. Dieser Landungsplatz kann heute 30 große Boote aufnehmen und wird nach seiner Beendigung 80 solche Boote fassen können. In der nächsten Orangensaison 3937/38 wird man bereits im Tel-Aviver Hafen 2 bis 2'/2 Millionen Kisten Orangen verladen können, während man in dieser Saison über den Hafen Tel-Aviv nur 366.327 Kisten verladen hat. Am 1. März 1937 wurden im Tel-Aviver Hafen 1239 Tonnen Waren gelöscht. Am 19. Mai 1936 betrug das Quantum der gelöschten Waren nur 20 Tonnen. Im ersten Jahre des Bestehens des Tel-Aviver Hafen sind in ihm 249 Schiffe mit einer Gesamttonnage Von 246.216 Tonnen vor Anker gegangen, die an 208 Arbeitstagen 68.197 Tonnen ein- und ausgeladen haben. Die Fläche des Tel-Aviver Hafens umfaßt 80.000 Quadratmeter. In seiner ersten Arbeitsperiode waren im Tel-Aviver Hafen durchschnittlich 400 Arbeiter täglich beschäftigt. Billig Palästina Wien-Haifa.......$ 188.— Wien-Haifa—Wien . . .$359.— AUSTRO^LLO YD (üa r tc^n b a^u'^relephon1 Nr.UR?S-0^ Auch sämü. In- 11. Auslandsreisen billigst. Verlangen Sie Prospekte Verband der Juden§taaf§zionisten Österreichs Vortragsrciso Rabbiner Dr. I. Z. Kanners Knlttofeld: Am 24. d. sprach im Verbandsheim Herr Rabbiner Dr. Israel Zwi Kanner über das Thema „Ghetto oder Judenstaat". Der Redner wies auf die katastrophale Lage der Juden in der ganzen Welt hin, und sagte, daß die letzte Station unserer. Wanderung Erez Israel sei. Nur in der Galuth konnte man uns ins Ghetto sperren, in Palästina werden wir uns dagegen zu wehren wissen! Mit temperamentvollen Worten trat er für einen integralen, ungeteilten Judenstaat ein. Reicher Beifall belohnte die Ausführungen Dr. Kanners. Den Vorsitz führte Gg. Bauernfreund. Judenburg: Am 25. d. sprach Rabbiner Doktor Kanner in den Räumen des Verbandsheimes über das Thema: „W ozuvParteien im Zionismus?" Der. Vortragssaal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Der Redner führte aus, daß wir kein Rechts, kein Links und keine Mitte kennen. Wir kennen nur ein einiges Volk von Judenstaatlern. Wir werden eine bessere jüdische Zukunft bauen, nicht im Kampf gegeneinander, sondern in der Arbeit miteinander. Der Redner wurde fast die ganze Zeit durch Applaus unterbrochen. Den Vorsitz führte Herr Kommerzialrat Benedek. Graz: Der Verband der Judenstaatszionisten hat in der Steiermark bereits einen sehr guten Namen. Anders ist der glänzende Besuch, den der Vortrag Dr. Kanners am 26! d-, unter dem Titel: „V o r d e m 2 0. Zionistenkongreß", aufzuweisen hatte, nicht, zu erklären. Der kommende Kongreß, führte Dr. Kanner aus, ist nicht nur ein Jubiläumskongreß, sondern auch ein Kongreß der Entscheidung. Die Mehrheit des Kongresses ist zu der Erkenntnis gelangt, daß die Opposition in ihren Warnungen recht behalten hat. Wie sollen wir von den Arabern verlangen, daß sie auf das jüdische Palästina als auf eine feste Tatsache blicken, wenn wir unser Endziel selbst verschweigen?! Das Schicksal Erez Israels wird nicht entschieden werden durch die Engländer, nicht durch die Araber, sondern einzig und allein ducrh den Willen des jüdischen Volkes! Die von den Herren Dr. Kadisch und Dr. Braun geführte Versammlung brachte unserer Werbearbeit großen Erfolg. * Vortrag in Horn. Am 27. Mai sprach, im Anschluß an die Generalversammlung des Bif Ortsgruppe Horn, bei welcher Herr Siegfried Adler den Vorsitz führte und Ing. Polifka aus Wien, Uber die Arbeiten des Bif das Wort ergriff, der Generalsekretär des Verbandes der Judenstaatszionisten, Theodor Grubner, über: Aktuelle zionistische Fragen. Wie der erste zionistische Vortrag in Horn, der den Erschienenen ein anschauliches Bild über die behandelten Probleme vermittelte, hat auch dieser der Judenstaatsbewegung neue Freunde geschaffen. * Sohekclabreehnung. Durch Verfügung der Exekutive wurde der Schekelabrechnungstermin endgültig filr S o ii n t a g, den 6. d., festgesetzt. Alle Gg. werden fluher aufgefordert, die übernommenen Schekallm Sonntag, denO. d., Im Helm, II., PraterHtraße SO, in der Zeit von II bis .1 Uhr vormittags und von 3 bis 5 Uhr nachmittags abzurechnen. Tel. E-45-1-60 U. Herzl-Grabgang. Sonntag, den 20. d., findet der diesjährige Herzl-Grabgang statt. Näheres wird zeitgerecht bekanntgegeben werden. AUS ALLER WELT PaläsiinaiPavillon auf der Weltausstellung Aus Paris: Der Palästina-Pavillon auf der Pariser Weltausstellung ist eröffnet worden. Die Eröffnung vollzog sich in feierlichem Rahmen und in Gegenwart zahlreicher hervorragender Persönlichkeiten des französischen öffentlichen Lebens und der jüdischen Vereinigungen. Der französische Handelsminister Bastld, Senator Justin Godart, der Präsident des Comite France-Palestine, der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, der Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Goldmann, der Präsident des Palästina- Pavillons, Louis Asscher, und der Regierungskommissär für die Weltausstellung, L'Abbe\ hielten Ansprachen. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten war auch ein Vertreter des englischen Botschafters zugegen. Anwesend waren ferner Mrs. Edgar D u g d a 1 e und die Witwe Max N o r d a u s. Die Außenarchitektur des Pavillons stammt von Architekt Tamir, die Innenarchitektur von Architekt Saposchnikoff, der in Palästina unter dem Namen El Chanani bekannt ist. Von Saposchnikoff stammt auch die künstlerische Anordnung der Ausstellungsgegenstände sowie die Photomontage. Die Gesamtleitung liegt in den Händen der Direktion der Tel-Aviver Levantemesse. Gezeigt wird — da die palästinensischen Araber die Beteiligung abgelehnt haben — nur das jüdische Aufbauwerk in den verschiedenen Phasen seiner Entwicklung, vor allem aber in seinem gegenwärtigen Stand. Der Pavillon heißt darum offiziell nicht „Palästina", sondern „Israel en Pal est ine". Gleich beim Eintritt in den Pavillon zeigt eine 30 Quadratmeter große Photomontage den Zug einer Gruppe von Chalüzim durch die blühenden Felder des Emek. Daneben, als Gegensatz, einige Bilder, die das jüdische Elend in der G a 1 u t symbolisieren. Gezeigt werden insbesondere Darstellungen der kolonisatorischen, industriellen, baulichen und kulturellen Entwicklung des Landes. In Wort, Bild und Ziffern werden Grundsätze und Werk des Keren Kajemeth, der Pica und Keren Hajessod, insbesondere auf dem Gebiete des Erziehungswesens und des Ausbaues der . . .i ■ . ' . landwirtschaftlichen Siedlungen, das Wachstum der Stadt Tel-Aviv und ihres Hafens, die Entwicklung der palästinensischen Industrie, der Zitruskultur und des palästinensischen Kunstgewerbes dargestellt. Auch der Aufbau und die Entwicklung der hebräischen Universität erfahren eine eingehende Darstellung. Gefängnis für den Berner Synagogenschänder; Aus Z,ürich: In d,er Nacht, vom 6. auf den 7. Aprü war an der Synagoge in Bern mit großen Buchstaben die Aufschrift „Juda verrecke!" angebracht worden. Die zunächst unbekannten Täter hatten überdies eine obszöne Zeichnung und ein Hakenkreuz an der Fassade des G-tteshauses aufgemalt. Die Nachforschungen der Polizei führten zur Ermittlung des Täters; es ist dies ein gewisser Fritz Schöchlin, der sich als „Kunstmaler" bezeichnet und der der „Nationalen Front" angehört. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn Anklage wegen Herabwürdigung der Reli- Wir empfehlen die guten, modernen HEUDEGGER Auto-u. Motorradschulen Wien 8: Neudeggergasse 18 Tel; 0-46-5-72 Vnd Iniotsdorf; tJi-ö. g i o n in Realkonkurrenz mit vorsätzlicher Eigentumsbeschädigung. Der Verteidiger versuchte geltend zu machen, daß der Tatbestand weder subjektiv noch objektiv gegeben sei, der Angriff habe sich nicht gegen die jüdische Religion, sondern gegen die politischen und wirtschaftlichen Praktiken des Judentums gerichtet. Das Gericht lehnte es ab, auf diese Argumentationen einzu-, gehen und verurteilte Schöchlin zu einer Gefängnisstrafe von zehn Tagen. Elf jüdische Schulen in Argentinien geschlossen Aus Buenos Air es: Die Behörden haben elf jüdische Schulen, davon sieben in Buenos Aires, geschlossen, und als Grund für diese Maßnahme angegeben, daß in diesen Schulen kommunistische Propaganda getrieben werde. Es handelt sich um Schulen für Kinder von 5 bis 13 Jahren. 22 Lehrer wurden verhaftet, zahlreiche Dokumente und Bücher beschlagnahmt. Die antisemitische Presse nutzt diese Tatsache für ihre antijüdische Propaganda aus. Die Behörden erklären, daß sie nicht beabsichtigen, gegen die anderen 57 jüdischen Schulen in Buenos Aires vorzugehen. Drei Juden in den holländischen Senat gewählt Aus Amsterdam: Zu dem Ergebnis der Parlamentswahlen in Holland ist noch ergänzend mitzuteilen, daß auch in die erste Kammer drei Juden, die Senatoren van den Bergh, Prof. van Embden und Delab e 11 a, gewählt worden sind. Dem früheren Senat gehörten fünf Juden als Mitglieder an. Insgesamt gibt es jetzt in Holland in beiden Kammern zehn jüdische Parlamentarier. Drei Juden im Parlament von Chile Aus Santiago de Chile (J. T. A.): Bei den soeben stattgefundenen Parlamentswahlen in Chile» wurden die Juden Angel Faivovitch, Chile, früherer Präsident der Circula Israellta; Dr. Natalie B e r m a n, [ Conception, früherer Präsident der Zionistischen Föderation von Chile, und der Journalist Marcos C h a m u d e z, Valparaiso, gewählt. Alle drei waren als Kandidaten auf der Volksfrontliste geführt. Eg ist zum erstenmal in der Geschichte von Chile, daß drei Juden dem. Parlament angehören. Leicht«, poröse SOMMERHEMDEN fertig und nach Maß, in allen Preislagen Spezial - Herren «Wäsche Erzeugung FISCHER, VIII, Feldgasse 1 4-27-2-47 Fünfzig Jahre jüdische Gemeinde in Schanghai Aus Schanghai (J. T. A.): Die Jüdische Gemeinde in Schanghai wird im Herbst die 50jährige Wiederkehr ihrer Gründung feiern. Die. erste Zusammenkunft jüdischer Einwohner in Schanghai zur Gründung einer Gemeinde fand während der hohen Feiertage des Jahres 1887 statt. Einige der ältesten Juden, die bei der Gründungsversammlung zugegen waren, sind noch heute innerhalb der Gemeinde tätig. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten .wird die Große Synagoge der aschkenasischen Gemeinde, die jetzt 4000 Personen zählt, eröffnet werden. Gegenwärtig gibt es nur eine aschkenasische und zwei sephardische Synagogen in Schanghai. Jiddischer Kulturverein in Dänemark Aus Kopenhagen: In Kopenhagen ist ein Verein „Zukunft" gegründet worden, der es sich zur Aufgabe macht, die jiddische Sprache und den jiddischen Kulturschatz unter den Juden Dänemarks zu pflegen. Es werden Vorlesungen aus jiddischen Werken und Aufführungen jiddischer Dramen veranstaltet, femer wird die Herausgabe einer Zeitschrift, die der jiddischen Kultur gewidmet sein soll, geplant. Eine Reihe von Werken bekannter jiddischer Autoren soll in die dänische Sprache übersetzt werden. üdisches Kinder-Ferienheim 9ATID* Spifal am Semmering (820 m) Inhaber und pädagogischer Leiter: A. T A G L I C H T Modernst Rituell Erstrangig Ständige ärztl. Kontrolle. Glänzende Erholtingserfolge. Ärztereferenzen SEKRETARIAT: Wien IX, Schwarzspanferstraße 12 Telephon A-26-3-73 Ein jüdisches Thema im Salonilticr Rund lunk Aus Saloniki: Im Rundfunk von Saloniki ist. zum erstenmal ein jüdisches Thema behandelt worden. Der Geschichtsschreiber Isaac Cabile hielt einen Vortrag über „Griechen und Juden im Lauf der Geschieht e". Er zog eine Parallele zwischen der griechischen und der jüdischen Geschichte und hob den Beitrag der griechischen und der jüdischen Kultur zum allgemeinen menschlichen Fortschritt hervor. Verbot zionistischer Geldsammiungen in Japan Aus Tokio (J. T. A.): Die japanischen Behörden haben sämtliche Sammelaktionen für Palästina verboten. Die Leiter der Sammelkampagne, die von den jüdischen Gemeinden in Yokohama und Tokio durchgeführt werden sollte, wurden in die Polizeidirektion geladen, wo man von ihnen die Erbringung des Beweises verlangte, daß die zu sammelnden Gelder nicht nach Moskau für die Komintern geschickt werden. Obwohl die Leiter der Kampagne die verlangten Beweise einwandfrei erbringen konnten, wurden diese dennoch für unzulänglich erklärt und das Verbot aller Geldsammlungen für Palästina daraufhin ausgesprochen. Es ist dies das erstemal in Japan, daß die Behörden den bekannten Repräsentanten der jüdischen Kolonie, die zum großen Teil Mitglieder auswärtiger Konsulate und Leiter bedeutender Handelsunternehmungen sind, Mißtrauen entgegenbringen. Man nimmt an, daß das Verbot auf die antijüdische Propaganda der deutschen Nationalsozialisten zurückzuführen ist. Sitzung der permanenten Mandatskommission Aus Genf: Am 31. Mai wurde in Genf die 31. Sitzung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes unter dem Vorsitz von Pierre Orts, belgischem Vertreter und Vizepräsidenten der Kommission, eröffnet. Marquis Theo doli (Italien), der Präsident der Kommission, war bei der Eröffnungssitzung nicht zugegen. Die Sitzung wird keine Palästina-Fragen erörtern. In seinem Bericht an die Kommission teilte der Berichterstatter mit, daß die Palästina-Fragen auf einer außerordentlichen Sitzung der Permanenten Mandatskommission, die Ende Juli abgehalten werden soll, erörtert werden würden. Zum Präsidenten der Mandatskommission für das laufende Jahr wurde Pierre Orts mit sechs Stimmen gegen eine Stimme, zum Vizepräsidenten William Rap« p a r t gewählt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.