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Die neue Welt · 1937-06-04 · Heft 660 (4.6.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 660 (4.6.1937)
Date
1937-06-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ffr. 660 vom 4. Juni 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 ] lü/oihmfuefä Unaufhaltsam ,J)ie Zukunft Erez Israels ist für um nicht eine frage der Untersuchung. Nichts kann uns daran hindern, unsere Arbeit fortzusetzen. Unsere Stellung zu Palästina wird sich unter keinen Umständen ändern. Die Araber können Misere Arbeit erschweren, sie sind aber nicht imstande, sie aufzuhalten. Auch die Engländer können uns die Arbeit schwermachen. Aber auch sie können unser Werk nicht verhindern." M. M. Ussischkin (Jerusalem). Feindschaft gegen den Geist Sobald der Jude den Boden Erez Israels trifft, entlädt er sich des Wenigen, was ihn noch an die geistige Vergangenheit seines Volkes band, und wird toeniger verantwortungsbewußt, was Bestand und Zukunft seiner Kultur betrifft. Es scheint ihm geradezu, daß das Wohnen in Palästina ihn vieler Pflichten entbinde. Und er löst vor allem seine Verbindungen mit geistigen Werten. Er fragt nicht nach ihnen und glaubt nicht an ihren Nutzen.. Es gibt Feindschaft gegen den ,Geist' in Palästina." Der hebräische Schriftsteller Elieser Steinmanh (Tel-Aviv). Nie ist's ihnen tedit „Wenn die Juden sich zurückhalten» ihre eigene Ueberlieferung pflegen und darauf verzichten, auf die politische und kulturelle Entwicklung des ,Wirtsvolkese Einfluß auszuüben, dann steht dem Antisemitismus der Vorwurf zur Verfügung, die Juden seien Fremdkörper im Staate, ihre Zurückhaltung sei ein Zeichen ihres Hochmuts. Sind aber die Juden bereit, ihre volkliche Eigenart und ihre religiösen Traditionen abzulegen und suchen sie sich mit dem ,Wirtsvölk' zu vermischen und ihre geistigen Kräfte in den Dienst seiner Kultur zu stellen — dann heißt es, die Juden würden sich uberall vordrängen, die Politik, die Literatur, das Theater, die Wissenschaft des Wirtsvolkes mit Beschlaff belegen und dessen nationalen Geist verfälschen." „Nationalzeitung" (Basel, 1937). Das sdttedite Jahr 1936 „In Anbetracht der Störungen bei unseren Bemühungen, Boden zu kaufen, war dieses Jahr das schlechteste von allen. Während sechs bis acht Monaten war es unmöglich, Bodenverkäufer oder die Vermittler zu treffen, und selbst heute noch sind Besuche in neuen Gebieten zwecks Untersuchung und Vermessung keine leichte Sache." Bericht der Palestine Land Development Company Ltd. 1937. 2>er binataonale Gedanke ,JDer Gedanke einer Zweiteilung des Heiligen Landes ist nicht neu. Ihr erster Vertreter war der hebräische Publizist Itamar ben Avi. Auch von zionistischer Seite hat man sich verschiedentlich mit dem Gedanken des binationalen Staates beschäftigt. Professor. Weizmann hat in ihm eine brauchbare Lösung der jüdisch-arabischen Differenzen gesehen. In den englischen Gesichtskreis ist er durch die Propaganda ehemaliger Beamter der Palästina-Regierung gerückt worden." „Basler Nachrichten", 31. Mai 1937. 1^5 San Remo. Pensione Feiice Corso dell* Imnero 184. Unter Aufsicht des Hamburger Vereines. Direktion: Dr. med. Alex Schwär? lieber Judentum und Deutschtum Aus V e v e y: Der berühmte Theologie-Professor Leonhard Ragaz von der Universität Zürich hat an den in Vevey lebenden Philosophen Dr. Jakob Klatzkin ein Schreiben gerichtet, das eingangs eine eingehende Würdigung von Klatzkins Buch „Die Judenfrage der Gegenwart" enthält. In dem Schreiben heißt es weiter: „... Und nun ist die Formel, die sich mir aufdrängt, die: „Diese Schrift könntest Du selbst geschrieben haben, vom ersten bis zum letzten Wort sozusagen, so sehr entspricht sie Deinem eigenen Denken". Dabei ist das Merkwürdige, daß ich selbst sicher nicht das Tröpfchen eines Tröpfchens jüdisches Blut in mir habe, sondern bloß vom Geiste her mit Israel und dem Judentum (die ich unterscheide) im tiefsten verbunden und damit freilich gewissermaßen Jude geworden bin. Das spricht für die Notwendigkeit dieser Gedanken." „An zwei Punkten ist mir diese Uebereinstimmung besonders auffallend gewesen: darin, daß auch Sie eine Art Ghetto, aber nur in einem höheren und wohltätigen Sinn, als eine Zukunftsform des Judentums unter den Völkern annehmen (Israel soll, bis zu einem bestimmten Punkte, einer gewissen Absonderung unterliegen, im Interesse seiner höchsten Mission) und darin, daß Sie den f u ndamentalen Gegensatz zwischen Judentum und Deutschtum genau so sehen wie ich. Es ist vielleicht der tiefste Qegensatz der Geschichte. Freilich folgt daraus, daß das Deutschtum das Judentum als Korrektiv besonders nötig hat. Wenn Hitler .und mit ihm ein gewisses Deutschtum gegen das Judentum wüten, diesem Instinkt des Gegensatzes gehorchend, so ist er auch darin, wie im Uebrigen, der Zerstörer des Deutschtums und sein einziger Ruhm wird sein, daß er ein großer Wieder her steiler des Judentums gewesen sein wird,t Araber und Türken Wie es den Arabern unter türkischer Herrschaft erging Zu den vielen Lügen, mit welchen die arabischen Demagogen in Palästina arbeiten, gehört auch die Behauptung, »daß die Araber in Palästina unter türkischer Herrschaft wie im Paradiese lebten, während sie jetzt, da mit der englischen Mandatsregierung die Juden ins Land gekommen sind, bedrückt werden rnd im Elend leben müssen. Insbesondere der Mufti und der extremistische Araberführer Auni Abdul Hadi haben vor der Königlichen Kommission und in der Presse diesen Standpunkt vertreten. Nun veröffentlicht der alte Kolonist und Führer im jüdischen Pflanzerverbande,Ascher Sapir ausPetach-Tikwa in der palästinesischen Prese einen offenen Brief an seinen Schulfreund Auni Abdul Hadi, mit dem er vor dem Kriege in Paris studierte und freundschaftlich zusammenlebte. In diesem Briefe heißt es u. a.: „Ich möchte meinen Schulfreund Auni an einige Tatsachen erinnern, die mit den türkisch-arabischen Verhältnissen vor und während des Weltkrieges im Zusammenhang stehen Bereits das zweite Mal im Laufe der letzten Monate tritt Auni Bei mit einem großen Lobgesang auf das türkische Paradies vor dem Weltkrieg hervor. Geehrter Auni Bei, werden Sie mir erlauben, einige einfache Fragen an Sie zu richten? In Ihrer Antwort an den Vertreter des ägyptischen Blattes auf seine Frage, „ob die Araber unter der türkischen Herrschaft glücklich gewesen seien", haben Sie gesagt: „Unzweifelhaft. Sie haben mit den Türken wie mitBrüdern gelebt, genossen alle Rechte türkischer Bürger, waren in allen Red6sid£ficU und Gesunde, bestätigen, daß die denkbar beste Wirkung erzielt wird durch Diana Franzbranntwein. Anwendung: AeuOerlich zu Einreibungen, Umschlägen, Abwaschungen; innerlich als Mund- und Gurgelwasser;f erner zu verschiedenen anderen Zwecken, Ein Versuch überzeugt, kaufen Sie «S heute noch ana FRANZBRANNTWEIN mitMENTHOL gieruhgsstellen vertreten, usw." Wenn das alles richtig ist, weshalb mußte dann der arabische Gesandte von Bassra, Talib Bei A Nakib an den Scherif Hussein, der damals Emir von Mekka war, den bekannten Brief vom 12. Safar 1329 richten, der von allen arabischen Abgeordneten im türkischen Parlament in Konstantinopel unterzeichnet war, und der den ersten Schritt für die Bildung der arabisch-politischen Parteien darstellte? Was schrieb ferner der gleiche Talib Bei A Nakib an den verstorbenen König Hussein? — „Die Feinde unserer Sprache und unseres Volkes (d. h. die Türken) und vor allem Chalil Bei (der damalige Parlamentspräsident), haben uns erklärt, daß, wenn wir Araber nicht nach ihrem Willen und nach ihren Anweisungen handeln, sie uns wie Schafe hinschlachten werden... Wir sind zu einem Aufstand unter deiner Führung bereit, um das auf den Arabern lastende Joch zu zerbrechen und sie aus der Tyrannei und Knechtschaft zu befreien." Es möge mir erlaubt sein, einige Zitate aus den bekannten Aufrufen zu bringen, die von der arabischen Verschwörerorganisation Al-Ahad veröffentlicht worden sind, die unter der Führung hoher arabischer Offiziere im türkischen Heere, so z. B. von dem Emir Asis-Al-Massari, einem Hauptmann im türkischen Generalstab, Selim Dschunavi, geleitet wurde, der während des Weltkrieges auf Befehl Dschemal Paschas in Damaskus gehenkt wurde. Was stand in diesen Aufrufen, die unter den Arabern verbreitet wurden, um sie gegen das türkische Regime aufzuhetzen? „Ihr seid Knechte, die mit Blindheit geschlagen sind, Tyrannen unterworfen, die kein Mitleid im Herzen haben. Ihr gleicht Schafen, die man schert, melkt und ins Schlachthaus schickt. Um das byzantinische Königreich zu schützen, werdet ihr gezwungen, die Ehre eurer Frauen und das Leben eurer Kinder preiszugeben. Um den Appetit der Byzantiner zu stillen, strömt euer Blut im Jemen, in Kerak und Hauran. Auf Befehl der Türken kämpft ihr einer gegen den anderen. Schaut auf eure Geschichte in der Neir Großmann in Wien Wie uns aus Palästina berichtet wird, trifft Meir Großmann, Vizepräsident des Zionistischen Aktionskomitees, Präsident des. Weltverbandes der Judenstaatszionlsten, im Verlauf der nächsten Woche in Wien ein und wird Mitte Juni in einem Vortrag vor die zionistische Oeffentlichkeit treten. letzten Zeit und ihr werdet sehen, daß auch nicht einen einzigen Tag lang unser Boden gegen die t ü r k i s c h e Tyrannei geschützt worden ist, eine Tyrannei, die euch grausam unterdrückt, die es in der Geschichte der unterdrückten Völker der Welt nicht gegeben hat." Die wirksame Zahnpasta! | Gesunde I QäKHß 1 CD Und nun wollen wir sehen, wie es in dem Aufruf an das arabische Volk heißt, der im Jahre 1913 von dem Verteidigungskomitee des arabisch-syrischen Kongresses veröffentlicht wurde, und den Sie, lAuni Abdul Hadi, als einer der Ersten unterzeichnet hab e.n. Sie selbst rufen in diesem Aufrufe dazu auf, „das arabische Volk aus Tyrannei und Unterdrückung zu befreien, nicht zuzulassen, daß man unsere Länder erniedrigt und okkupiert. Sie rufen in diesem Aufrufe dazu auf, all denen, für die unser; Schicksal nur ein Spiel ist, zu beweisen, daß wir nicht eine Rasse sind, die ihren Rücken beugt und Beleidgiungen stillschweigend einsteckt". Und jetzt kommen wir zum Weltkrieg:, Es zeigt, sich, Freund Auni Bei, daß die Türken nur aus brüderlichem Gefühl die elf „arabischen Brüder" auf dem Freiheitsplatze in Beyrouth im Jahre 1915 gehenkt haben. Diese jungen Iedalisten, unter denen wir, Sie und ich, sehr liebe Freunde hatten, sie alle sind nicht aus LiebezudenTürke ngestorben. Sie erinrtern'sich sicherlich an die Worte,: die einer-dieser elf Gemarterten, Mohammed al-Mahamsani, sprach, der* unser gemeinsamer Freund und Genosse war. Dieser; Mohammed al-Mahamsani, mit dem wir uns-in unseren Studentenzimmer im Quartier latin in Paris in dem Jahre 1913/14 zu treffen pflegten, wobei wir ein wirkliches Abkommen zwischen Juden und Arabern besprachen, als unser Freund Mohammed al-Mahamsani auf dem Hinrichtungsplatze mit dem Strick um den Hals stand und der Henker ihn fragte, welches sein letzter Wunsch sei, erklärte er u. a.S „Unser Gewissen, das Gewissen der Araber, der Söhna eines der zivilisiertesten Völker der Welt, regt sich, wenn wir auf die Erniedrigung schauen, die wir; von den wilden Reihen der anatolischen Stämme erlitten haben. Wir haben genug vom türkischen Joch. Wir waren lange genug eure Knechte." Dies waren seine letzten Worte. Deine be§ten Begleiter furReiseundWeekend sind die altbekannten EISEN FEINWURST UND SELCHWAREN SPEZIALITOTEN Filiale Baden, Rainerring 18 Prater Hauptallee (Praterfee) geöffnet Erinnern Sie sich ferner, Auni Bei, an die brüderliche Tat der Türken gegenüber Ihren „arabischen Brüdern", als man in Damaskus und Beyrouth im Jahre 1916 auf Befehl Dschemal Paschas, 2000 arabische Führer henkte. Was*sagte damals einer von ihnen, Oberst Dschisari, als der Henker ihm die Brille abnehmen wollte, bevor er den Strick um seinen Hals legte? „Saget dem Verbrecher Dschemal Pascha, er möge sich über meinen Tod nicht zu sehr freuen, weil meine Seele weiterleben und aus dem Grabe den Arabern befehlen wird, ihr Volk zu lieben und die Türken zu hassen." Im Lichte dieser hier geschilderten Tatsachen, so führt Ascher Sapir am Schlüsse seines offenen Briefes an den fanatischen arabischen Führer aus, ist der Schmerz Auni Abdul Hadis und des Mufti und ihr Bedauern, dem sie vor der Royal Commission über das Ende der Türkenherrschaft in diesem Lande Ausdruck gegeben haben, schwer zu verstehen. .

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