Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 660 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712285--6513-2720275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit* 2 Dlte NEUE WEL% Nf, 660 vom f Juni 1937!i!lllllll!ll!!!llliil!li!iil!!!!lin!|^ i „QUEEN MARY**, 81.000 t. s „AQUITANM".......9. Juni Ig- „BIRiNGARIA" ...... 12. Juni ig „QUEEN MARY".....16. Juni 1 „AQUITANIA".......23. Juni CUNARD WHITE STAR LIMITED 1 WIEN I, KÄRNTNERRINQ 4, TEL. U-42-0-43, U-46-2-48 , alillUilillUIIHIIflllllUIIIIM^ 20. Zionistenkongreß." (Dr. Goldmanns Worte, zitiert nach der Jüdischen Pressezentrale, 28. Mai 1937.) ' Weit gebracht! Man spricht bereits von einem „Staate"! Dr. Goldmann ist um seine Bescheidenheit zu beneiden. * Gewiß haben wir es weit gebracht! Der zionistische Gedanke hat sich Durchbruch verschafft. Er dominiert in Hirn und Herzen des jüdischen Volkes der Gedanke des Herzischen Großzionismus. Aber daß heute bereits von einem „Staate" gesprochen wird, kann nicht auf das Konto unserer Exekutive gebucht werden, schon gar nicht in bezug auf unserer Tage, ■wo gerade der judenstaatlerische Zionismus Gefahr "läuft, über Bord geworfen au werden. Es ist Gewissenlosigkeit, von den zionistischen blassen ruhige Nerven und Vertrauen auf die Entscheidungen des 20. Kongresses zu verlangen, wenn man nicht den Mut zu einem offenen Bekenntnis aufbringt und glaubt, ein Held zu sein, sobald man die letzte Zertifikatenzuteilung eine „Farc e" nennt. Das Wort „Farce", richtig angewendet, könnte leicht auf die Exekutive zurückfallen, die bisher den wirklichen Herzischen Judenstaat bekämpfte, jetzt aber, wo es sich um" die Farce eines Judenstaates in Taschenformat handelt, die Pose der getreuen Judenstaats- Hüterin annimmt. o. r. '.Ii'. _ if - ■ '! Pension ttfatm - SemnetiH^ Aufruf des Oberrabbiners: von Palä§tma Aus Jerusalem: Der Oberrabbiner von •Palästina, Rabbi Jizchak Isaac Halewi H e r t z o g, hat folgenden Aufruf „an die religiöse Judenheit im Lande und in der Gaiut" erlassen: „Anläßlich des bevorstehenden Z io niste n- . kongresses, rufe ich unsere jüdischen Brüder im Lande und in der Galut zur Erfüllung der heiligen . Pflicht auf, am Kongreß mit allen Kräften den Einfluß . unserer heiligen Relgion zu stärken. Der Misrachi bemüht sich, bei allen Fragen des Kongresses das Wort der Thora zu Gehör zu bringen. Jeder Jude, dem die Herrschaft der Thora im Zionismus am Herzen liegt, ist verpflichtet, den zionistischen Schekel zu kaufen, um die Kraft des-religiösen Judentums innerhalb der Zionistischen Organisation zu stärken." „Mit tiefem Schmerz sehen wir im Jischuw zahlreiche Verstöße gegen die Sabbatruhe,, Kaschruth u. a. Weit wirkungsvoller können wir wichtige praktische Maßnahmen zur Verhütung dieser Verstöße durchzuführen,, wenn die Stimme unserer heiligen Thora auf dem Kongreß gehört wird.. Schließet euch zusammen, und seid stark, liebe Brüder, werbet um jedes jüdische Haus. Beseitigt die Schäden, bahnet die Wege, erbauet Zion nicht nur äußerlich, sondern auch geistig, im Geiste der Thora und der Propheten, im Geiste . des Glaubens und der Tradition. Diese Stunde ist sehr schwer für das jüdische Volk und sein Land und wir benötigen große Barmherzigkeit. Möge es unserem Vater im Himmel Wohlgefallen, unseren Brüdern in der ganzen Welt und besonders im Heiligen Lande, seinen himmlischen Geist zu offenbaren, das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder ihren Vätern zuzuwenden, daß unser Recht und das Recht unseres Landes bald hell erstrahle. Ich harre der Hilfe Gottes von Zion her und diene seinem Volke." Die streitbare Aguda Dr. Breuer gegen Judenstaat Der Führer der Aguda Jisroel Dr. Isaak Breuer äußert sich im orthodoxen Organ „JÜdiache Presse" über die Frage, des Judenstaates wie folgt: „In diesen Tagen muß sich das thoratreue Judentum gegen den Judenstaat aussprechen, selbst wenn dieser Judenstaat das ganze, von den Vätern verheißene Gebiet umfassen würde. Die Aguda erblickt in dem geplanten Judenstaat die schlimmste Gefahr, die je die Thora und das Land der Thora bedrohte. Der Protest der Aguda gegen den Judenstaat tot ein Protest der Verzweiflung (!) Für die Süonisten ist das Volk der Träger der Souveränität, während für die Aguda und das thoratreue Judentum der einzige Souverän Gott ist. Weder die Zionistische Weltorganisation, poch derWaadLeumi haben sich bisher dazu verstanden, Gottf Ehrfurcht zu erweisen." Chofex Chajimt Sohn ffif Keren Kajemeth Im Gegensatz zu Dr. Isaak Breuers Verdammung des Judenstaats und des Zionismus fand In Warschau eine große Kundgebung agudistischer Rabbiner aus allen Teilen Polens für den Gedanken der „Erlösung des Bodens Erez Israels durch den Keren Kajemeth" statt, der Erlösung des Bodens, die keinen anderen Sinn als die Vorbereitung zum Judenstaat hat. Unter den hervorragenden Rabbinern, die sich ah dieser Kundgebung beteiligten, befanden sich auch der Sohn des Ohof6 2 C h a J i m, Rabbi Pupko aus Radün, und der Bichower Chassidim-Rabbi, ferner das Mitglied der Zionistischen Exekutive Rabbi J. L. Fish man. Den Vorsitz führte Sejm-Abgeordneter Rabbiner Rubinstein. Der Andrang aus religiösen Kreisen war so groß, daß Tau sende keinen Einlaß finden konnten. Ansprachen hielten Rabbiner Rubinstein und Rabbi J. L. Flshmann, der einen tleberblick über den jüdischen Bodenbesitz, in Palästina gab und darauf ■»= Restaurant Stefanie ™ Iii Taboritiaß« 18 Telephon R-48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Schöner, schaftiger Garten / Angenehmer" Aufenthalt hinwies, daß gerade jetzt vier Millionen Dunam *ür 60. Millionen Pfund erworben werden könnten. Tiefen Eindruck machte die Ansprache des Sohnes des Chofez Chajlm. Wie hoch die Mizw» des Wohnens im Heiligen Lande bewertet wird, so führte Rabbi Pupko aus, gehe schon daraus hervor, daß es erlaubt ist, selbst am Sabbath einen Vertrag über den Kauf von Boden In Palästina durch einen Nichtjuden schreiben zu lassen. Der Redner rief zu einer Mobilisierung der „G edolej Hathor a" und aller Rabbiner für. den Keren Kajemeth auf. : pie, Versammlung faßte eine Reihe von Resolutionen, in ' denen a-11 e -r eHgiösen K re}-&-6yiw Förderung des Keren Kajemeth aufgefördert werden/ * JÄ * ^-'^^^-»^ Ktirturan§prudb und " * Pogromvaluta Es gibt wieder Pogrom. .; Ein schreckliches Wort. Ein Wort, das man schon glaubte vergessen zu dürfen. Aber die letzten Geschehnisse in der polnischen Stadt 'Brest-Litowsk haben all die Erinnerungen wachgerufen, die längst schon versunken waren; 'Totschlägerei, Vernichtung von Hab und Gut und grausames Hohnlächeln nach vollbrachter Tat... - Das Sind die traditionellen Etappen der Zerstörungsprbzesses, den man Pogrom nennt. Im historischen Land der Pogrome, im zaristischen Rußland, rückte die Gesellschaft von den Pogromisten offiziell ab. Zarenhof, Armee, Presse, ja sogar die Huligans selbst bestritten Sympathie, bzw. Teilnahme am Judenmord und Judenplünderung. Immer hieß es, es seien wilde, aufgehetzte Bauern und betrunkene Kosaken gewesen. Denn die Schande, die Schande — wollte niemand auf sich nehmen. „Dort fern im Osten", hieß es, wenn etwas Kulturwidriges geschah. > ■ ■ Diesmal, im Zusammenhang mit Brest-Litowsk, war der Reflex im eigenen Land ein anderer. Nicht nur daß die polnische chauvinistische Presse zu schreiben wagte, die Juden hätten das arme polnische Volk provoziert .... diesmal bekannte sich ein großer Teil der polnischen Gesellschaft, ja sogar ein Teil der R eg i e r u n g s p r e s s e, zu den Untaten und drückte seine Freude darüber aus, daß durch die Unterstützung der jüdischen Pogromopfer aus dem Ausland fremde Valuta ins Land strömen werde, daß also der letzte Pogrom Gott sei Dank etwas Gutes für den polnischen Staat habe. Polnische Ehre und Würde dahin! Die Kultur in Frage gestellt! Aber — fremde Valuta. Ein sonderbarer Ersatz. Bei Grippe und Grippefolgen sorge man auch dafür, daß Magen und Darm durch täglichen Gebrauch einer kleinen Menge natürlichen „Franz-Josef"- Bitterwassers gereinigt werden. Aerztlich empfohlen. Der, polnische Staat, durch den Sieg des Rechtsgedankens über staatliche Gewalt geschaffen, pocht s.eit seinem Bestand auf das Bewußtsein von Ehre und auf das Gut der Kultur. Er ist stolz darauf, nach dem Westen blicken zu können, wo menschliche Würde noch hoch im Kurs steht. .Aber seine Schadenfreude und seine Freude an „fremden Valuten" kann er nicht unterdrücken. Eine polnische Gesellschaft, die sich einerseits auf ihre hohe Kultur beruft, andererseits von Judenpogromen nichts anderes zu sagen weiß, als daß sie Valuta ins Land bringen, h ä t sich s e 1 b »f g erricktsi, o. r. Fronleichnamstag in Polen Aus Warschau: Anläßlich des Fronleichnamsfestes wurde in zahlreichen ProvlhaJtädten Polens den Juden der Rat erteilt, «ich während der 2eit der Pro- Sessionen nicht in den «Straßen zu sei gen. In manchen Ortschaften, so in Zünska-Wola im Kreise Lodz, wo es vor einigen Tagen su vereinzelten judenfeindlichcix Ausschreitungen gekommen war, haben die Behörden diet führenden jüdischen Persönlichkeiten und die Rabbiner persönlich dafür verantwortl ich gemach t, daß Juden während der Fronleichnamsfeier nicht auf den Straßen erscheinen. Die Behörden rechneten mit der Möglichkeit, daß bei diesen Feiern abermals, wie häufig in früheren Zelten, judenfeindliche Ausschreitungen größeren Umfanges beginnen könnten, da die Atmosphäre Uberall sehr gespannt ist. In Miedzyrzec, einem Städtchen.im Kreise Brest-Litowsk, sind die Juden aus den Dörfern der Umgebung eingetroffen, da man ihnen dort angedroht hatte, sie würden am Fronleichnamstag alle umgebracht werden, i Erholung nur.für „christliche Kinder polnischer Nationalität" Aus Warschau: Der Verband der Mittel- und Hochschullehrer Polens hat einen Beschluß gefaßt,.wonach .an den Ferienkolonien für Schüler und Studenten in Polen nur „christliche Kinder polnischer Nationalität" teilnehmen dürfen. Zu Ausschreitungen polnischer Kinder gegen ihre jüdischen. Schulkollegen kam es im Städtchen Mlocsin bei Warschau. Eine Gruppe christlicher Kinder bewarf friedlich spielende jüdische Kinder mit Steinen, wobei einige von diesen verletzt wurden. Die Lehrer sahen dem traurigen Unfug zu, ohne einzugreifen. Wieder ein Pogromopfer gestorben Aus Warschau: Im Warschauer Krankenhaus« ist der 30jährige jüdische Schuster Chaim Juda Sziraanowski gestorben, der während des vorjährigen Pogroms in Minsk-Mazowiecki' schwer verletzt worden war und ein Jähr lang unter gräßlichen' Schmerzen im Krankenhaus lag. In Nowo-Swieczien" bei Wilna haben Huligans die Fensterscheiben der beiden Bethäuser und zahlreicher jüdischer 'Häuser eingeschlagen. Mehrere Juden wurden während der Ausschreitungen erheblich verletzt. Die Ukrainer gegen die Judenhetzc . Aus" W a r.s c h a u: Die führende ukrainische Zeitung „Dilo" in .Lemberg veröffentlicht einen Artikel des Ukrainischen Abgeordneten. Baron, ifi welchem .der Verfasser sich gegen die Teilnähme . der Ukrainer " an der gegenwärtig tobenden Judenhetze ausspricht. Ba.fbn, Warnt davor, daß nach dem Kampf gegen die Juden der, Kampf gegen die Ukrainer in Polen beginnen könnte- Anzeichen dafür seien schon heute vorhanden.' ' Ueberseelsche Auswanderung aus Polen Aus Warschau: Vom' April 1936 bis Ende April 1937 sind über 'Wärschau 4764 Juden nach überseeischen Ländern ausgewandert. Nach Nord- und Südamerika gingen 2347, nach Brasilien' 872, nach' Uruguay 205, nach Kanada 288,: nach Südafrika 44, Kuba 106, ParagUay 38, Mexiko 85, Australien 19,' Nicaragua $ nach Columbieh 2 und nach Ecuador 4; nach -Costa Rica gingen 3, nach Chile 28, nach Peru 6, nach Venezuela 11- Graf Siefan Bethlen gegen Antisemitismus und Diktatur Aus Budapest: Ministerpräsident a. D. Graf Stefan Bethlen hielt in seinem Wahlbezirk in Nagykanizsa eine Rede, in der er u. a. darauf hinwies, daß die Vergangenheit noch immer nicht in vollem Maße liquidiert; sei und sich noch immer Rudimente des Gömbös- Regimes In der Tätigkeit der Anhänger dieses Regimes bemerkbar machen, einer Tätigkeit, die im Rahmen getarnter gesellschaftlicher Verbände betrieben wird und sich besonders in einem immer wieder aufflackernden scharfen Antisemitismus äußert. Er'betonte die Notwendigkeit einer großen christlichen und nationalen, bürgerlichen Koalition. Das ungarische politische Leben schreite auf einer schmalen Landzunge vorwärts, die auf der einen Seite von den Wellen des roten, auf der anderen von den Wehen des braunen,Meeres bedroht werde. Das Land dürfe sich von nun an nicht mehr den Luxus gestatten, daß die bürgerlichen Partelen einander bekämpfen und so den Weg für den Radikalismus und in der Folge für den Bolschewismus oder die Diktatur ebnen. Französisches antijüdisches Komitee Aus Paris: Unter dem Vorsitz des Abgeordneten und Pariser Stadtrates M, Darquier de Pcllopoix, des Gründers des reaktionären und antisemitischen „Nationalclubs", dessen heftige Angriffe gegen Leon Blum im vergangenen Jahr im französischen Parlament großes Aufsehen erregt hatten, wurde in Paris ein „antijüdisches Komitee für Frankreich" geschaffen. Dem Präsidium gehören von prominenten Mitgliedern noch an: Henri-Robert Petit, Herausgeber einer Reihe antisemitischer Broschüren, Polrso von' Antl-Fr'elmaurer- Lfga und Jean Bolssol, Herausgeber der radikal antisemitischen Monatsschrift „Revell du Peuple". Das Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, den „jüdischen Einfluß in Frankreich" zurückzudrängen und der „Zu* Wanderung von Fremden und Juden entgegenzuwirken"»