Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 660 (4.6.1937)
- Date
- 1937-06-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712285--6512-2720274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
187 Preis 20 Groschen frrffag, den* 4* Jhntf If * Jahrgang Nr* 660 V« b h. Zeitung vom Verleger verwendet „Journal exp6dle par r&Utenr*4 REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumünien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich' Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich - Lire 6.—, vierteljährig Lire Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag R I V I E' R A Wochen-Arrang. 8 Tage . S \ 35 DALMATI EN- ÄÄ,.<h.'§ 42"- P L E N m Sonderzug, Abfahrt jeden Sonntag PARIS" Sonderzug (hin und zurück) . . . . S 36 Anmeldungen: REISEBÜRO ORBIS" Ii I., Kärntnerstraße 41 Telephon: R.21-5-78 BrestsLitowsk Ein Opfer gestorben Der 47jährige jüdische Uhrmacher Baruch Silberberg, der während des. Pogroms von . Brest-Litowsk lebensgefährlich verletzt worden war, ist in der Nacht zum 30. Mai im Warschauer jüdischen Krankenhaus (Seinen Verletzungen erlegen. Ins Krankenhaus eingeliefert, mußte er sich zwei Operationen unterziehen, doch gelang es nicht, ihn am Leben zu erhalten. Silberberg hinterläßt eine Frau und zwei kleine Kinder. Knapp vor seinem Tode bat er, daß seine Leiche nach Brest-Litowsk überführt werde. Interpellation im Senat Der jüdische Senator ^rok'enJtftetm^lÄt ätt..den. ^^ister^räsidenten und Innenminister Slawoj . Sklad- Kowski eine. Interpellation wegen der Vorfälle von Brest-' jLitowsk' gerichtet, Sie schildert. die Untätigkeit der 'Behörden, wobei das sonderbare Verhalten des Wojwoden hervorgehoben wird. Senator Trokenheim fragte den Ministerpräsidenten, ob er gegen den Wojwoden einzuschreiten gedenke und auch den Starosta, sowie alle für den Fortgang der Ausschreitungen verantwortlichen Beamten zur. Rechenschaft sieben werde. Weiter wird der Ministerpräsident gefragt, ob den Opfern des Pogroms sofortige Hilfe gewährt werden würde, damit sie imstande seien, ihre wirtschaftliche Existenz aufrechtzuerhalten. Die von dem jüdischen Abgeordneten Dr. Sommerstein im Sejm eingebrachte Interpellation über die Vorfälle von Brest-Litowsk ist' bis jetzt nicht behandelt worden. Wegen Protestes verurteilt Zwölf jüdische Jugendliche, die an Demonstrationen teilgenommen hatten, bei denen gegen den Pogrom von Brest-Litowsk protestiert wurde, sind zu Gefängnisstrafen yon 8 bis 40 Tagen verurteilt worden. Die Bne-Brith-Loge in Cernauti geschlossen Aus Cernauti: Die Polizei von Cernauti hat über Weisung des rumänischen Innenminifit eri ums der BnerBrit-Loge in Cernauti jede weitere Tätigkeit untersagt. In der Zenrale der Bne- Brith-Loge wurde eine Haussuchung vorgenommen und das Gebäude versiegelt. Keine Verschiebung des XX« Zi'onfsfen* kongresses Aus Jerusalem: Die Zionistische Exekutive dementiert in einer Erklärung an die J. T. A. die in verschiedenen Zeitungen aufgetauchten Gerüchte,' daß die Exekutive beabsichtige, den XX. Zionistenkongreß auf Oktober zu verschieben. Bekanntlich ist in einer Reihe jüdischer Zeitungen die Nachricht verbreitet worden, daß der XX. Zionistenkongreß statt am 3, August erst im Oktober eröffnet werden soll, weil die im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Bericht der Kgl. Kommission zu führenden Verhandlungen einen früheren Termin der Eröffnung des Kongresses nicht zulassen würden. Der J.-T.-A.-Vertreter erfährt weiter, daß die Führer der amerikanischen Zionisten Rabbi Doktor Stephen S. W i s e und Louis L i p s k y, ihre Bemühungen um Abhaltung des Zionis tenkongressesinWashington fortsetzen» , , Um die Farce eines Judenstaates Wenn man die Blätterstimmen, Gerüchte, Reden und Erklärungen beachtet, die rings um den Bericht der Kgl. Kommission registriert wurden, kann man zur Ueberzeugung kommen, daß eine Epoche zu Ende geht, eine neue Epoche beginnt; daß der Zionismus vor einer Umwälzung steht, wie sie in solchem Ausmaß seit der Uebergabe des Palästina-Mandats an England nicht zu verzeichnen war. Es gibt, wie gesagt, viele Zeichen, : welche" darauf hindeuten. Denn alles spricht dafür, daß England etwas Entscheidendes in bezug auf seine Palästina-Politik vorbereite. Schon die einzelnen Bemerkungen der Peel-Kommission in Palästina während der Zeugenaussagen konnten auf radikale'englische Absichten schließen lassend Es sei denn, daß England mit den Untersuchungen, Berichten und Parlamentdebatten nur den -e i n en Zweck verfolgt, Zeit' zu gewinnen. Man tappt also im .Dunkel. So wie die Erteüung von 770, bzw. 620, bzw. 220 Zertifikaten eine UeberraSchung für den offiziellen Zionismus war, so könnte auch in der Frage des künftigen'Schicksals Palästinas die englische. Regierun^^e^'Ziohistisehe - '•••Exekutive' überraschen.. , Denn diese Exekutive hat, so oft ein Schlag gegen das zionistische Werk und die zionistischen Rechte geführt wurde, sehr naiv getan und in ILFE-Ä^ jeden Bart bezwingen! ihrer Verlegenheit jedesmal einen mehr oder minder energischen Appell an die Zionisten gerichtet, ihr bei ihren Anstrengungen behilflich zu sein und sich übrigens auf sie zu verlassen. Meistens waren solche Appelle mit einem loyalen Augenaufschlag zur englischen Regierung und mit einer Bitte um Verständnis für die Lage verbunden. Die Juden sollten arbeiten, kämpfen, sammeln, vertrauen... Alles andere werde von selber kommen. Als nun „alles andere" aber nicht so kam, wie es erwartet wurde, begannen die zionistischen Massen, unruhig zu werden. Man ward nervös, ungeduldig. Und wieder waren es die offiziellen Leiter der zionistischen Politik, die Arbeit, Kampf» Sammlung, Vertrauen verlangten. Es gab Haupttöne, Mitteltöne, Zwischentöne. Auf der A.-C.-Sitzung in Jerusalem hörte man starke, ja patriotische Worte. Man verlangte dort die hundertprozentige Durchführung des Mandats. Ein selbstverständliches Verlangen. (Herr Prof. Weizmann war allerdings nicht anwesend, er war in England.) Und sogar noch auf der Tagung der Zionistischen Organisation Englands in London waren in gewissem Sinne deutliche Worte zu hören. (Herr Prof. Weizmann war allerdings nicht anwesend, er war in Italien.) Der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive, David.Ben Gurion, drückte sich bei seiner Kritik an der letzten Zertifikatenschedule sehr kräftig aus: „Da Einwanderung die Seele des Zionismus ist, müßteso scharf wiemöglich gegen diese erbärmliche Farce und gegen diese Beleidigung protestiert werden." Ablehnendere Worte hätte auch der radikalste Zionist nicht finden können. Man bekommt geradezu Appetit auf einen Kampf mit dem Oberkommissär Sir Arthur Wauchope, in dessen Kompetenz bekanntlich die Zertifikatenausgabe liegt. Ja, es gibt sogar naive Gemüter, die glauben, daß unsere Exekutive, wenn es um große Dinge geht, ihren ganzen „Mannesmut" einsetzt. Es wär' so schön gewesen . * * Ben Gurion wendete im Zusammenhang mit den uns zugeteüten 220 Zertifikaten das Wort „Farce" an. Gewiß war es eine arge Zumutung, uns die 220 Zertifikate vorzusetzen und zu glauben, daß wir sie schlucken werden. Aber die ijöhe der. Zertifikate mußte nic;ht das EJ n t s c h e id e n d e in dem ganzen politischen Komplex sein. Man kann sich mit dem Gesichtspunkt befreunden, daß man nächstens mehr und sogar ausreichend Zertifikate bekommen werde. Dieses Jahr haben wir wenig, nächstes Jahr werden es mehr sein . . , Zertifikate sind das Barometer der derzeitigen Politik, sie sind aber nichts Definitives. Man kann eine Schand-Schedule zurückweisen und sie eine Farce nennen, ohne daß das jüdische Schicksal Palästinas für alle Zukunft an diesen einen Zertifikatenakt geknüpft sein muß. Was die Besorgnis. der patriotischen Zionisten., der ganzen judenstaatlichen Opposition erregt, sind die Worte Ben Gurions, die sich mit den Teilungsplanen befassen. „Eine Diskussion hierüber", erklärte Ben Gurion vor den englischen;Zionisten in London, „ist unzeitgemäß und g.efähr 1 ich, da es andere gefährliche Dinge gibt, die aufmerksam verfolgt werden müssen." Die Diskussion über die ...englischen Teilungsprojekte unzeitgemäß oder gar gefährlich nennen . das :kann wohl hur Politikern» einfallen, die eben solch eine Diskussion vermeiden wollen, weil sie halb und halb entschlossen sind, sich vor eine vollendete Tatsache stellen zu lassen. Wann denn soll von den Teilungsplänen gesprochen werden — wenn nicht vor der Entscheidung, und wo denn soll von ihnen gesprochen werden — wenn nicht, vor einem zionistischen. Forum in London? Ben Gurions Worte . lassen1 «Ion Schluß zu, daß die Zionistische Exekutive bereit ist, sich mit einer „plausibeln" Teilung abzufinden, mit einem „imaginären" Judenstaat, mit einem Jüdischen Nationalheim, mag es noch so klein sein.. Klein, aber mein — das scheint jetzt zur Argumentation gewisser offizieller zionistischer Kreise zu gehören. Ben Gurion nannte die Zertifikatenzuteilung eine erbärmliche Farce- Fiel ihm dieses letzte Wort nicht im Zusammenhang mit dem Plan eines jüdischen Miniaturstaates ein? Wenn man Aeußerungen mancher zionistischer; Persönlichkeiten hört und zwischen den Zeilen zu lesen versteht, dann wird man sich bei der Vermutung ertappen, daß die maßgebenden zionistischen Faktoren und ihr Umkreis bereit sind, sich mit der von der'. Kgl; Kommission empfohlenen Lösung abzufinden. Die Zionistische Exekutive ist trotz einzelner Fahfarentöne zu einem Kampf um ein ungeteiltes jüdisches Palästina nicht entschlossen. Sie will im gegenwärtigen Stadium die Nerven der Massen beruhigen und tut so, als würde ihre weise Voraussicht schon alles in Ordnung bringen. Geradezu konsternierend müssen die Worte wirken, die der Vertreter der Exekutive, Dr. Nahunv Goldmann, als Gast beim Delegiertentag der Schweizer Zionisten gesprochen hat; konsternierend wegen ihres plätschernden, im Grunde zu nichts verpflichtenden Optimismus; wegen der oberflächlichen Betrachtungsweise, die zu fürchterlichen Enttäuschungen führen kann.-„Bei den Diskussionen über Kantonisierung oder Judenstaat muß der jüdische Standpunkt sein: es kommt nicht auf äußere Formen an, sondern auf dynamische Entwicklungsmöglichkeiten ... Wir haben das Mandat, wir verlangen die Verwirklichung, und so oder so wird sie einmal kommen. Daß man irii vierzigsten Jahr des Zionismus bereits von einem .Staate' spricht, beweist, wie weit wir es schon: gebracht haben. Kolonisieren wir und treffen wir ruhig unsere Entscheidungen am kommenden KRANKENFAHRSTUHLE neu und gebraucht, von S70.—, auch leihweise oderT«U- Zahlung Bandugen-Mikolaseh taborstrasse n 1