Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 658 (26.5.1937)
- Date
- 1937-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 658 vom 26. Mai 1937 DIB NEU!! WELT t*t* WodtekSfUeQd An die Sdiäditgegner „Die Fleischbeschau der jüdischen Priester war über Jahrtausende die beste der Welt." Reklor Prof. Bürgi (Zürich, 1S37). Rechenschaft geben! „Die jüdisch». Bevölkev-j.itg Palästina« und die Juden in aller Welt sollten ihre Ohren und ihre Herzen dem donnernden „Nein" öffnen, das Ussischkin den umlaufenden Gerüchten von einer Kantonisierung des Landes entgegengesetzt hat, die aus dem Londoner Nebel zu uns gedrungen sind... Dreißig Prozent der Einwohner Eres Israels sind Juden; aber ihnen gehören nicht mehr als sieben Prozent des palästinensischen Bodens, Geben wir uns Rechenschaft davon, was diese Zahlen zu bedeuten haben in einer Zeit der Gefahr für unser Werk und unser Ziel?" Dr. M. Gl ick söhn (Haaretz, Tel-Aviv). &*jzji&z Xounö -9&outcko£Tone IN DEM SENSATIONELLEN K R. I AM NALPI LAA NACHDEM THEATERSTÜCK von Ladislaus FodOl* /uetro\ ™ #Ws STONE SessiaRALPH \Gö4dm/A INS EMUSCHEÜgERTRAÖEN VON BEßNARD MEKKIVALE W'EIITE i. OPERtli. Unsere große Aulgabe „Wir haben eine große geistige Tradition zu hüten und zu erneuern, die als nationales und religiöses Kulturschaffen von den ältesten Teilen der Bibel über den Talmud bis hinauf zu Maimonides reicht und von da mit Spinoza in das allgemein-europäische Kulturschaffen hinübergleitet, zugleich damit aber aus dem jüdischen im eigentlichen Sinn hinausgeführt hat. Wir haben diese Tradition nicht nur zu erneuern, sondern zugleich auch mit dem Besten zu vereinen, was «ns europäischer Kulturgeist in seinen verschiedenen nationalen Höchstgestaltungen für unser geistiges Leben zu geben vermag." Prof. Dr. K. J. Grau (Jerusalem). England — Palästina — Indien „England hat an Palästina nur so lange Interesse, als es Indien besitzt. Ob und wie lange es noch die Herrschaft über Indien behalten Aüird. ist von so vielen Faktoren abhängig, daß eine Voraussage nicht gewagt werden kann. Jedenfalls sollte jeder an Palästina interessierte Jude wissen, was in diesen für Indien vielleicht historischen Tagen sich hier abspielt. Die Kenntnis der augenblicklichen politischen Lage dürfte für den an Palästina Interessierten schon deshalb interessant sein, weil sie zeigt, welche Folgen die Oktroyierung einer nicht gewünschten Verfassung haben kann." Dr. Anita Kashyap-Michelson (Indien, 1937). BialikiKuIturstätte Das Haus des hebräischen Dichters Bialik in Tel- Aviv ist in den Besitz der Stadt Tel-Aviv übergegangen und wird als Kulturstätte benützt werden. Bialiks Witwe hat ihre Besitzrechte an die Stadt abgetreten. P a 1 c o r-Meldung aus Jerusalem. Politik und Melodie „Die jüdische Geschichte kennt das Beispiel der Paare und das historische Bündnis von gleich starken Persönlichkeiten: Esra und Nehemias stellen ein solches Paar dar; der Schriftsteller und der Praktiker; einer, der die Thora erlöst, und der andere, der Jerusalems Mauern erbaut; Ein Erlöser und Erbauer. Rabbi Akiba und Bar- Kochba, der große Schriftgelehrte und der kriegführende Held, repräsentieren ein solches Beispiel. In der modernen zionistischen Geschichte gibt es das große Bündnis von Leo Pinsker und Ach ad Ha am, dem zionistischen Wirklichkeitsmenschen und dem national-philosophischen Ideologen, und noch fundamentaler: das Nebeneinander von Theodor Herzl und Ohaim Nachman Bialik, der Politiker des Judenstaates und der Melodiker unserer Innerlichkeit." Dr. Max Nußbaum (Berlin). Ilie scliarf-scliaiire die den wildesten Bart in einem Schwung umlegt, ist Teilung Palästinas — widersinnig! ArbeitslosemDemonstration in TeLAviv Aus Tel-Aviv: Eine Gruppe von 100 Arbeitslosen demonstrierte vor dem Rathaus von Tel-Aviv. Der Bürgermeister Israel Rokach empfing eine Abordnung der Demonstranten, die ihm die Forderung überbrachten, daß die Stadtverwaltung von Tel-Aviv sich mehr um die Arbeitslosen kümmern möge. Der Bürgermeister versprach, im Stadträt die Frage zu behandeln, worauf sich kUe Demonstranten zerstreuten, Es ist wohl so gut wie sicher, daß die Kgl. Kommission (Peel-Komm.), welche die Ursachen der Unruhen in Palästina zu prüfen hatte, die Teilung Palästinas in. ein jüdisches, ein arabisches und ein mehr britischer Herrschaft verbleibendes „neutralisiertes" Gebiet vorschlagen wird, um den Frieden zwischen Arabern und J ü d e n und die Errichtung eines, wenn auch kleinen, „Jüdischen Nationalheims" zu sichern. In einem Memorandum, welches von einem Kenner der Verhältnisse verfaßt und seitens der britischen Palästina-Gesellschaft allen britischen Parlamentariern und Kabinettsmitgliedern übermittelt wurde, wird nachgewiesen, daß die beabsichtigte Teilung Palästinas nur zu einer Verschärfung der Gegensätze führen muß, daß sie die weitere jüdische Aufbauarbeit unmöglich macht, also widersinnig ist. Nachstehend einige Abschnitte des Memorandums. Araber und Juden nach der Teilung In ganz Palästina leben jetzt rund 420.000 Juden. Da Jerusalem, mit über 60.000 Juden, ferner Haifa, Jaffa und andere Gebiete, welche nicht in der den Juden bestimmten Küstenebene liegen, ausscheiden, werden im jüdischen Teile nur zwischen 300.000 und 320.000 Juden sein. Demgegenüber ist festzustellen, daß — wie auch die Teilung vorgenommen werden sollte — im „jüdischen" Teile nicht viel weniger Araber verbleiben werden. Wenn nicht mehr! Mit anderen Worten: Die Araber werden im jüdischen Teile eine gewaltige Minorität bilden, sicher mehr als 45 Provent. Wenn man eine — in Anbetracht der Kleinheit des jüdischen Teiles — sehr hoch gegriffene jüdische Einwanderung von 50.000 bis 60.000 annimmt, wird sich die arabische Minorität wohl verkleinern. Anderseits ist aber der weitaus größere natürliche Zuwachs (Geburten) der Araber in Rechnung zu ziehen. Dann aber auch die Anziehungskraft des durch jüdische Arbeit, Kapital und moderne Feinwurst und Selchwaren in unerreichbarer Qualität. Unentbehrlich für Weekend und Reise Filiale Baden, Rqinerring18 Prater-Hauptallee (Praterfee) geöffnet Arbeitsmethoden ungemein gehobenen jüdischen Landesteiles auf die Araber. Auf eine lange Zeit — wie lange kann man nicht sagen — werden die Juden ihr kleines Land mit einer gewaltigen arabischen Minorität teilen müssen und unter dem ständigen Druck der aus ihrem armen Lande in das reiche jüdische Land strebenden Araber stehen. Nun könnte man an einen Bevölkerungsaustausch denken. Juden aus dem arabischen Teil in den jüdischen und umgekehrt. Das würde aber so gut wie gar nicht in die Waagschale fallen. Denn, wenn man von Jerusalem absieht, leben nur wenige Juden außerhalb. Eine jüdische Abwanderung aus Jerusalem wird aber wohl kein Jude empfehlen wollen, auch wenn er noch so sehr bereit ist, den Teilungsplan zu akzeptieren. Die Bodenfrage Wenn wir Juden die Hälfte Palästinas bekommen, werden 90 Prozent dieses Bodens in arabischen Besitz sein, wenn wir ein Viertel bekommen, werden es 80 Prozent sein. Fast die ganze arabische Orangenzucht wird im jüdischen Teile sein. Ein Bodenkampf durch Juden wird in diesem Teile fast unmöglich werden. Die Preise werden ins Ungemessene gehen. Die Araber, welche so glücklich sind, Besitz im hochkultivierten jüdischen Teile zu haben, werden nicht geneigt sein, ihn abzugeben. Im Gegenteil. Sie werden ihn mit allen Mitteln festzuhalten trachten. Hiezu kommt noch die spezielle Frage der christlichen Araber. Wo mohammedanische Araber herrschen, wird das Christentum unterdrückt. Kein christlicher Araber wird auch nur einen Augenblick daran denken, seinen Sitz im jüdischen Teil aufzugeben. Es wird im jüdischen Teil kein Boden für jüdische Siedlung zu haben sein. Die strategische Lage -— katastrophal Der Plan der Teilung, soweit er bis jetzt bekannt ist, lautet: Die Ebene den Juden, das Hügelland den Arabern. Wie soll unter diesen Umständen die schmale, lang gezogene jüdische Ebene verteidigt werden? Die Juden sitsea un.ten2 die Araber sitzen auf den Höhen und können jederzeit auf einer weiten Linie von obenher einfallen und angreifen. Man braucht kein fachlich ausgebildeter Stratege zu sein, um zu erkennen, daß diese .Situation einfach katastrophal .ist. Wa« esicIi Im Frieden, eine ungeschützte arabi- Die richtige Zahnpasta! — i tyerkmdert I ^aknbelafr | sehe Grenze bedeutet, das hat eine traurige Erfahrung die Juden Palästinas gründlich gelehrt. Jerusalem Es ist als sicher anzunehmen, daß die Kgl. Kommission beantragen wird, gewisse Landesteile, welche besondere strategische (Haifa) und religiöse Bedeutung haben, weder den Juden, noch den Arabern zuzuteilen, sondern abzutrennen und unter britischem Regime zu belassen. Vor allem Jerusalem! Nun entsteht die Frage: Können sich die Juden mit einem Jüdischen Nationalheim ohne Jerusalem abfinden — mit einem Zionismus ohne Zion? Und dann: Welche Rechte werden die. Juden in Jerusalem haben? Jerusalem hat bereits eine jüdische Majorität. Die letzten Wahlen haben bewiesen, daß die Juden ein Recht auf den Bürgermeisterposten haben. Man hat ihn endieses Recht einfach geraubt. Was wird in Zukunft sein? Wenn die Entwicklung ungehindert weiter geht, wird Jerusalem bald eine jüdische Stadt sein. Wird man diese Entwicklung hindern? Wird man etwa den Juden verbieten, nach Jerusalem zukommen? Kann man sich damit abfinden, daß Jerusalem von der jüdischen Welt abgeschnitten wird? * Das sind nur einige Stellen aus dem Memorandum, welches beweist, daß eine Teilung Palästinas — wie sie auch ausgeklügelt werden mag — einen vernichtenden Schlag gegen das jüdische Aufbauwerk und ewigen Krieg in Palästina bedeutet. Truppensendungen nach Palästina Aus Jerusalem: „Dawar" veröffentlicht aus zuverlässiger Londoner Quelle eine Nachricht, derzufolge drei Divisionen englisches Militär in England den Befehl erhalten haben, sich für die Ahreise nach Palästina bereitzuhalten. Sie sollen offenbar die derzeit in Palästina stationierten Truppen, die bald das Land verlassen werden, ersetzen. Bei Ischias, Rheuma, Nervenleiden modernste Heilbehelfe in der Kuranstalt Helia, I., Fleischmarkt 7. Alle Krankenkassen. 25.000 Juden besuchen die Klagemauer Aus Jerusalem: Am ersten Schewuot-Tag haben rund 25.000 Juden die Klagemauer besucht. Neben den Einwohnern von Jerusalem hatten sich auch zahlreiche Gäste aus Tel-Aviv und Haifa, Siedler aus den Kolonien und ausländische Touristen eingefunden, die den ganzen Tag die zur Klagemauer führenden Straßen der Altstadt füllten. Eine Abteilung von 500 Polizisten sorgte dafür, daß e3 zu keinen Zwischenfällen kam. Die Churwa-Synagoge, in der unter der Leitung von Oberrabbiner Herzog der Gottesdienst um 7 Uhr morgens begonnen hatte, war überfüllt. Später besuchte auch der Oberrabbiner in Begleitung des Distriktsbeamten Kisselow die Klagemauer. Nebi Deoud, die Grabstätte König Davids, wurde am ersten Schewuot-Tag von 200 orientalischen Juden, am zweiten Tag von zahlreichen aschkenasischen Juden aufgesucht. Ein Beauftragter der Komintern in Tel-Aviv verhaftet Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Polizei verhaftete in Tel-Aviv den Spezialbeauf tragten der Komintern Skubowsky, der in der letzten Zeit in Palästina eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet hatte. Jugoslawien liefert Vieh nach Palästina Aus Tel-Aviv: Der jugoslawische Viehexporthaudel hat «die regelmäßige Belieferung Palästinas mit Vieh aufgenottnirern. £s».e Ausfuhr erfolgt gegen feste Rechnung, während nach Aegypten auf Kommission geliefert wird. Die erste Lieferung nach Palästina soll etwa 350 bis 400 Stück Vieh betragen. Glückwunsch. Die Redaktion und Verwaltung unseres Blattes gratuliert ihrem geschätzten Mitarbeiter Herrn M. S. Brafmann zu seiner Vermahlung mgfr Eräuleü* Eanny; WoUtzer,