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Die neue Welt · 1937-05-26 · Heft 658 (26.5.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 658 (26.5.1937)
Date
1937-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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{ Seite 2 DIE .NEUE WELT Nr. 658 vom 26. Mai 1937 PETER LORRE m HOCHVERRAT ab Freitag, den 28. Mai Kreuz»Kino I. Votlvpark-Kino IX. Staat würde ein internationales Statut erhalten, Mitglied des Völkerbundes werden, für seine militärische Verteidigung würde England verantwortlich sein. Eine Entscheidung sei in etwa U Tagen zu «mvarten, . . * Aus Kairo: Der bekannte Publiizst Emüv Said befaßt sich im „Mokattam" mit der Aktion der englischen Regierung in den arabischen Ländern ' im Zusammenhang mit dem Bericht der .Peel-Kommission. Er erklärt, der Leiter der Orient-Abteilung des Foreign Office habe den Irak, Hedschas und die Länder am Persischen Gölf sowie Aegypten besucht und mit den regierenden Kreisen alle ihr Verhältnis zu England und ihre B eziehung zu Palästina berührenden Fragen erörtert. Die arabischen Herrscher hätten einmütig verlangt, daß das Palästina-Problem in einer Weise gelöst werde, die sowohl sie als auch die Araber Palästina zufriedenstellt. Es würde ihnen im Kriegsfall sonst schwer sein, in ihren Ländern die Ordnung aufrechtzuerhalten. Der Plan einer Teilung Palästinas sei von den arabischen Herrschern abgelehnt worden. Nur „ein großer arabischer Führer" (offenbar Emir Abdullah) habe in einem Gespräch mit Lord Peel die Vereinigung In den Wechseljahren besitzt man in dem rein natürlichen „Frajiz-Josef "-Bitterwasser ein alterprobtes Hausmittel, die meisten Alterationen, von welchem Teil der Verdauungsapparates sie auch ausgehen mögen, sofort zu bannen. Aerztlich bestens empfohlen. Palästinas mit Transjordanien befürwortet und sich dafür ausgesprochen, daß die j ü d ische Einwanderung nach' Palästina eingestellt, nach Tz'ansjordanien dagegen unter gewissen Einschränkungen zugesagt werden soll. Auf dieser Basis werde jetzt*'vön dem betreffenden arabischen. Führer, in London mit Lord Peel und den britischen Staatsmannern weiter.. verhandelt. Nach einem allen Rezept Die Demonstrationen der unentwegten Nazis beim Handballkampf Oesterreich—Deutschland im 'Wiener Stadion haben ein Nachspiel. Es ist zwar nicht unterhaltend, aber lehrreich — lehrreich insbesondere für die unbelehrbaren, kultivierten Oesterreicher, die lieber an einer unangenehmen Sache schamhaft vorübergehen, als sich mit ihr einzulassen. Wiederum zeigte sich, daß — wie das christlichdeutsche „Neuigkeits-Welt-Blatt' schreibt — die illegalen Nationalsozialisten mit echt nordischer List ver- . suchten, sich offiziell als Akteure der Befriedung aufzuspielen, inneroffiziell aber die Geschäfte einer in Oesterreich verbotenen Partei betreiben, wobei es allerdings* gelang, die Politik des doppelten Bodens zu entlarven und unschädlich zu machen. Das hervorstechendste Merkmal dieser Affäre ist aber ein anderes; es ist der Reflex der reichsdeutschen Presse auf die Skandalszenen im Stadion, wo der vaterländisch gesinnte Teil des Publikums gegen die Naziprovokateure Stellung nahm, gegen einen Haufen, der sich anmaßte, die eigenen Landsleute zu verspotten, das Oesterreichertum zu verhöhnen. So leistet sich beispielsweise das „Berliner Tageblatt" folgendes: „Schade war es nur, daß die Vaterländische Front wieder einmal die Gelegenheit wahrnahm, sich in Kundgebungen lästiger Art zu gefallen. Besonders auf dem Sektor D ging es recht lebhaft zu, hier saßen in der Hauptsache V.-F.-Mitglieder, die nicht bloß ihre rot-weiß-roten Fähnchen in der Luft schwenkten, sich auch sonst unliebsam bemerkbar machten, sp daß sogar die Polizei einschreiten und einige Verhaftungen vornehmen mußte." Wäre die Gesinnung, die aus diesen Zeilen spricht, nicht so bedrohlich, müßte man sich darüber kranklachen. Eine Groteske noch nicht dagewesener Art! Es wird den Oesterreichern vorgeworfen, daß sie in Oesterreich ihre österreichische Gesinnung zur Schau tragen. Man macht sich in Oesterreich unliebsam bemerkbar, wenn man rot-weiß-rote Fähnchen zeigt. Jetzt werden die Oesterreicher an Hand dieses Beispiels wohl erkennen, wie man mit Verdrehung der Tatsachen Politik macht. Das wird nun auch den wohlwollendsten Betrachtern des hitleristischen Nazismus klar werden. Das ,,Neuigkeits-Welt-Blatt" schreibt: „Wir stellen fest, daß sich die ganze deutsche Presse mit dem amtlichen „D. N. B." an der Spitze, nach einem alten nationalsozialistischen Rezept, das Umkehrung der Tatsachen heißt, der Radaumacher annimmt . . Dieses Rezept wendet der Nationalsozialismus natürlich auch gegenüber den Juden an. Er be- An die Judenstaafszi'omsten I Am 1. Juni geht die Scheitel» kampagne zu Ende. Sichert euch das Wahlrecht! Kauft den Scheitel und verbreitet ihn! Nützt die letzten Tage zu intensivem Schekelverkäuf aus! Schekelhefte und einzelne Schckallm sind anzufordern täglich von 9 bis 15 Uhr im Sekretariat, IX., tlnivcrsitätsstraße 8, Tel. A-20-2-78 sowie in den Heimen des Verbandes: II., Erlafstraße 5; II., Praterstraße 30; IL, Rote Sterngasse 12 (Stadtkibbuz); VI., Halbgasse la; X., Herndlgasse 23; XIV., Schanzstraße 32; XVIII., Semperstraße 19; XX., Treustraße 7 und Staudingergasse 16. Bis zum 1. Juni müssen alle Schekalim abgerechnet sein. Alle Gg. werden daher ersucht, die übernommenen Schekalim zeitgerecht abzurechnen. Je früher die Abrechnung vorgenommen wird, desto wesentlicher wird unsere Arbeit erleichtert. Abrechnung täglich von 9 bis 15 Uhr im Sekretariat, Wien, IX., Universitätsstraße 8. Wir empfehlen die guten, modernen i«b Restaurant Manie nt^D II, Taborstraße 13 Telephon R-A8-A-A6 HUGO und JULIE HETLINGER geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts / Exakte . Bedienung / Schöner, schattiger Galten Angenehmer Aufenthalt © schimpft und verleumdet das jüdische Volk; er erzählt, daß die Juden die anderen Völker unterdrücken; er fabelt von einer jüdischen Vorherrschaft . . . obwohl alle Welt sieht, daß die Juden in den meisten Ländern härtester Unterdrückung und namenlosem Elend ausgesetzt sind. Leider ist in den Kreisen, wo das nationalsozialistische Rezept der Umkehrung der Tatsachen erkannt und entlarvt ist, die Erkenntnis, daß dieses Rezept vornehmlich den Juden gegenüber angewendet wird, noch nicht durchgedrungen. Im Gegenteil. Man hat sich selbst dieses Rezept zu eigen gemacht und benützt es mit-der gleichen Virtuosität wie die Hakenkreuzanbeter,:. „Ebenso kühri. 'irtrie bl;ö d" ' nennt das ,,Neuigkeits-Welt-Blatt" <$fr;V^rsüch "der Nazipresse, die Mitglieder der Vaterländischen Frontv für die Störung des Länderspielesim Stadion verantwortlich zu mächen.'Ebenso kühn wie blöd ist auch die Behauptung nicht-nationalsozialistischer Kreise, daß die Juden, die Artfremden, die Zugereisten, an den österreichischen Wirtschaftssorgen schuld sind. .Vor kurzem erklärte Bundeskanzler Dr. Schuschnigg bei einem Frontappell, daß 100.000 Oesterreicher ihre Arbeitslosigkeit den Saboteuren der allgemeinen Wirtschaft bei uns zu verdanken haben, denjenigen, welche die Ruhe bei' uns stören, Spannungen verurursachen und seit Jahren durch ihre perfiden Angriffe auf Staat und Heimat (Juli 1934 usw.) dem schwer ringenden Land unermeßlichen Schaden zufügen. Diese Schädlinge sind aber keine Juden, keine Artfremden, keine Zugereisten, sondern „Bodenständige", Söhne des österreichischen Vaterlandes, verhätschelte „Ureinwohner" Oesterreichs, kurzum der schärfste Gegensatz zum — Juden, zu demselben Juden, zu dessen Behandlung man das alte nationalsozialistische Rezept, das Umkehrung der Tatsachen heißt, ohne jede Hemmung anwendet. Nicht unterhaltend, aber lehrreich ist das Nachspiel zu den Nazidemonstrationen. Lehrreich hoffentlich auch im Zusammenhang mit dem Judenpunkt. o. r. fausim ttksteik - Semnetikf /#Die Frage, um die sie sidi herumdrücken ♦ ♦ ♦!" Der Hausdichter der „Union" In der seinerzeit führenden deutschen Kulturzeitschrift „Kunstwart" (herausgegeben von Ferdinand Avenarius) erschien im Jahre 1912 ein Aufsatz des jüdischen Schriftstellers Moritz G o 1 d s t e i n, der die Assimilanten mahnte, sich durch die scheinbare Toleranz der Deutschen nicht täuschen zu lassen, sondern sich' darüber Rechenschaft zu geben, daß die Juden bei den Deutschen stets auf innere Ablehnung stoßen werden, auch wenn sie die Aufgaben der Deutschen zu ihren eigenen zu machen suchen. Die Assimilanten, schreibt Goldstein in seinem, „Deutschjüdischer Parnaß" betitelten Aufsatz, mögen sich nicht trügerischen Hoffnungen hingeben. Die Tarnung der literaturbeflissenen Juden als Deutsche müsse von den ehrliebenden Juden selbst als unerträglich empfunden werden. Goldstein ruft die getarnten Juden zur Demaskierung auf, bzw. stellt ihnen eine gewaltsame Demaskierung in Aussicht, indem er schreibt: EGGER flüto-u.Motorrndschulßn Wien fi. HeudcggergassG in Tel. ynd Iniersdorf, H.-ö. „Die Herren Kritiker aus jüdischem Hause, die Hauptmanns Christus - Roman („Emanuel Quint") rezensieren, ohne mit einem Worte anzudeuten — was sage ich? — ohne mit der leisesten Regung zu empfinden, daß sie nicht zu dem Publikum gehören, für das der Dichter schrieb. Die Herren Literarhistoriker, die, ohne sich jemals etwas dabei zu denken, über Luther und die Reformation arbeiten; die Herren Poeten, die sich als .deutsche Dichter' unter dem Weihnachtsbaum photographieren lassen, wir werden sie aU3 ihrer Naivität und Objektivität aufscheuchen, wir werden ihnen die Frage, um die sie sich herumdrücken, vor aller Welt in die Ohren schreien, wir werden sie zwingen, sich als Juden zu bekennen oder sich taufen zu lassen." Moritz Goldstein schließt seinen Aufsatz: „Wenn wir Juden erst alle so weit sind, nichts anderes sein zu wollen als Juden, so wird vielleicht auch Europa dahin gelangen, uns für nichts zu nehmen als für Juden, so wird es sich eingestehen, daß es uns braucht — als Juden." Der Aufsatz des Nationaljuden Moritz Goldstein in der Zeitschrift des Avenarius bildete die Grundlage für eine Diskussion über das Judentum und die deutsche Literatur. Infolgedessen erhielt die Zeitschrift „Kunstwart" eine lange Reihe von Zuschriften, die zu der These und den Forderungen Goldsteins Stellung nahmer. Unter den Einsendern befindet sich auch Ernst L i s s a u e r. Er schrieb in seiner Entgegnung: „Da das religiöse Element immer mehr für den deutschen Juden versinkt, so wird die innere Möglichkeit, zur Landeskirche überzutreten und auch äußerlich den Anschluß an die Kulturgemeinschaft zu vollziehen, immer größer; er kann jene Bindungen leichter abstreifen, als es früher möglich war." : San Rm Pensfolie Felice Corso dell' Impero 184. Unter Aufsicht dos HamburgerVereines. Besitzer: Dr. Mcth, Alex. Schwarz Es ist pikant, diese Reminiszenz auszugraben: die Feststellung des Zionisten und des Assimilanten zur Frage des Judentums in der deutschen Literatur,, zur Frage der Teilnahme des deutschen Juden an der deutschen Kultur. Goldsteins Worte sind mahnend, prophetisch, von heiligem Eifer erfüllt. Lissauer macht es sich bequemer; er plädiert für die Assimilation, ja für die Formaltaufe. Goldstein, der Zionist, könnte heute in der Wirklichkeit die Bestätigung seiner Voraussicht finden. Lissauer, der Assimilant, steht wie alle seine Gesinnungsgenossen, vor einer tragischen Enttäuschung. Leider hat auch die härteste und brutalste Wirklichkeit den Schriftsteller Ernst Lissauer keines Besseren belehrt. Er ist nämlich der Hauspoet der „Union österreichischer Juden" geworden. Lord Melchett in New York Gouverneur Lehman zeichnet 4000 Dollar für Palästina Aus New York (J. T. A.): Zu Ehren von Lord Melchett veranstaltete der United P al es tine Appeal in New York ein Bankett, an dem tausend Gäate teilnahmen. Lord Melchett erklärte, Palästina sei die einzige Hoffnung für Millionen europäischer Juden- Für die Flüchtlinge bleibe als Alternative nur der Selbstmord übrig. Die Aufnahmsfähigkeit Palästinas lasse sich durch Ausbau der Landwirtschaft so steigern, daß zweieinhalb bis drei Millionen Juden Platz finden könnten. Weitere fünf bis sechs Millionen könnten einwandern, wenn die Grenzen Transjordaniens geöffnet werden. Zu dem bevorstehenden Bericht der Kgl. Koni* *, misslon bemerkte Melchett, kein Rückschlag, so schwes er auch scheinen möge, könne unsere Bewegung vernichten und kein Hindernis den schließlichen Triumph unserer Sache verhindern. Weitere Ansprachen hielten Dr. Stephen S. Wise, Felix M. Warburg, Richter Julian Mack und der frühere Auswandcrcrkommissär James G. MacDonald. Staatsgouverneur Herbert H. Lehman hatte ein Schreiben gesandt, in dem er bekanntgibt, daß er 4000 Dollar für den United Palestine Appeal zeichnet. Erste Hilfe für die Opfer der Pogrome in Polen Aus New York: Auf Grund des telegmphischen Berichtes der in Warschau, wellenden Direktoren des American Joint Distribution Committee Dr. Bernhard Kahn und David J. Schweitzer über die Lage der Juden in den von Pogromen heimgesuchten Städten in Polen, hat das J. D. C. beschlossen, für die Opfer in den unmittelbar betroffenen Orten 50.000 Dollar als erste Hilfe zur Verfügung zu stellen.

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