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Die neue Welt · 1937-05-26 · Heft 658 (26.5.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 658 (26.5.1937)
Date
1937-05-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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185 Titl. Universitatsb. Preis 20 Groschen Mittwodi, den 26* Mai 1037 tir+ 6S8 V. h. K Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6die par ^editeur,, DIE NEUE WELT REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.80. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig; Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire-B.—, vierteljährig Lire l&»s Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50, Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. mn ri DBzeic n n eig Anzeigen Dtoa eocgeiuiou. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, leL A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freit 09 Ormshy*Gore will Parlament ausschalten Aus London meldet die J. T. A.: In der letzten Sitzung des englischen Unterhauses hat der Kolonienmihister Ormsby-Gore wichtige Erklärungen bezüglich des erwarteten Berichtesder Kg 1. Kommission und des gegenwärtigen Sicher heitszustandes in Palästina abgegeben. Abgeordneter M a n d e r fragte beim Minister an, ob die Regierung es für nötig erachte, dem Parlament die Möglichkeit einer Diskussion über den Kpmmissionsbericht zu geben, noch bevor die Regierung endgültige Beschlüsse in dieser Angelegenheit gefaßt habe. Ormsby-Gore: Nein, die Regierung hält es für ihre Pflicht, vor das Parlament mit klar formulierten Richtlinien in dieser Sache zu treten. Es ist daher unzweckmäßig vor dem Bericht der Regierung eine Parlamentsdebatte zu eröffnen. Der Arbeiterführer Abg. M o r r i s o n fragte den Kolonienmihister, ob man damit Rechnen könne, daß der Bericht der ..Kgl. Kommission vor dem .11. Juli erscheinen werde. -••/■• " . ,.;'..t.'.'y Der, Minister antwortete daräuf: Lord Peel glaube, daß der Bericht von allen Mitgliedern der Kommission in der. zweiten Hälfte des Monats Juni unterschrieben sein werde. Der Bericht werde sofort der Regierung übergeben werden, welche unverzüglich ihre Beschlüsse formulieren und sie zusammen mit dem Bericht der Kgl. Kommission veröffentlichen werde. Weiters äußerte sich Ormsby-Gore über die Sich erheits Verhältnisse im Lande in der Zeit vom 1. Jänner bis zum 10. Mai d. J., indem er erklärte, daß das Ziffernmaterial bezüglich der Anschläge, der Streikenden usw. eine Besserung der Verhältnisse'beweise. Aus dieser Nachricht geht hervor, daß die britische Regienmg die Absicht hat, eine Einflußnahme des Parlaments auf ihre Pläne bezüglich Palästinas zu verhindern. Ormsby-Gore befürchtet offensichtlich, daß das Parlament, welches, sich bisher für . das zionistische Aufbauwerk eingesetzt und die Palästina-Politik des Colonnal Office fast einmütig verurteilt hat, eine Verkleinerung des jüdischen Palästina ablehnen würde. Schlanke Linie, meine Dame, erreichen Sie nicht durch Hungern. Kuranstalt H e 1 i a, Wien, I., Fleischmarkt 7, erreicht es durch physikalisch-kosmetische Methode verläßlich. E Mussolini arbeitet in Palästina Unter dieser Anschrift bringt der Londoner „Daily Herald" folgenden Bericht aus J eru s alem: Italienische' Agenten, von den faschistischen Zentralstellen in Rom und Kairo dirigiert, arbeiten mit Geld unter den palästinensischen Arabern. Sie wenden sich in der Hauptsache an Arbeiter, und Student e n.. Vor kurzem wurden 41 Hörer-der Ackerbauschule in Tulkarem (Anm. der Red.: Mit dem Gelde des Juden Kadorie errichtet!) wegen antibritischer und anti jüdischer Ausschreitungen ausgeschlossen. Sofort wurde ihnen angeboten, ihre Studien ganz auf Kosten der italienischen Regierung in Italien fortzusetzen. Sie haben das Anbot angenommen. Italienische Unternehmer übernehmen in Palästina Arbeiten zu minimalen Preisen, beschäftigen nur Araber und keine Juden. Sie zahlen verhältnismäßig gute Löhne, dank der großen Subventionen, welche sie von Rom erhalten. In Jerusalem, Jaffa und Haifa sind arabischfaschistische Klubs gegründet worden. Die Schwarzhemd- Uniform wird den Arabern gratis beigestellt. Italienische Lehrer unterrichten umsonst. Journalisten und Studenten bekommen Freibillete nach Italien. Unter dem Einfluß der italienischen Agenten haben sich die Araber von den Krönungsfeierlichkeiten ferngehalten. Dafür haben sie am Geburtstage des Propheten ihre Häuser geschmückt, vor« »$Bi»s& J8& ßttaera M.ii»jiAWÄi»vtelÄ-.H4-tU»Pr ,,. Die Tragödie in Brest-Litowsk Folgen der verbredterisdien Hetzpropaganda Schreckliches ist in Brest-Litowsk geschehen. Ein judenfeindlicher Mob hat, ärger als im zaristischen Rußland, gewütet, Leben und Eigentum jüdischer Einwohner zerstört. Der [Vorsitzende der von der Regierung entsandten Untersuchungskommission erklärte den Führern der Brest-Litowsker Judenschaft, er hätte sich niemals vorgestellt, daß derartige Zerstörungen möglich seien. Einen erschütternden Eindruck hat der Selbstmord der 50jährigen Sarah Reimann (der Tochter eines angesehenen Juden in Brest-Litowsk« die vor kurzem aus ihrem ständigen Wohnsitz Palästina zu Besuch nach Brest-Litowsk gekommen war) unter den Juden Polens hervorgerufen, die sich in einer, plötzlichen Anwandlung von Verzweiflung in einen Teich stürzte. Die Erregung ist ungeheuer. Es ist erwiesen, daß die Polizei nicht eingriff, obwohl sie sich in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes der Vorfälle befand. Dieser Umstand ist das, was die Juden Polens am meisten bedrückt und entmutigt. Penn sie sehen in der Gleichgültigkeit der für Ordnung und Recht verantwortlichen Faktoren eine Ermutigung der ver,* brecherischen Elemente, welche sozusagen rlsikolbs ihren Blutdurst und ihrer Raublust frönen können. Aus dem Gefühl der Empörung und des Protestes heraus richteten die jüdischen nationalen Organisationen und der jüdische parlamentarische Klub an die jüdische Bevölkerung Polens einen Aufruf, worin die Regierung der Tolerierung der blutigen Vorfälle und der Ausrottungspolitik gegenüber den Juden beschuldigt wird. In dem Aufruf wurde auch ein zweistündiger Streik für Montag, -den - 24. Mai, proklamiert.' Der Auf ruf'stellt ü". ä.' fest,"" ~ daß fast die gesamte jüdische Bevölkerung von Brest ihr Vermögen, ihre Arbeits- und Wohnstätten verloren habe und daß der Pogrom das. lluYEM'nßfi Jeden Bart bezwingen I Ergebnis der verbrecherischen antisemitischen Hetzpropaganda ist, die unter dem herrschenden Kurs ungestraft betrieben wird. Interpellationen Im Sejm hat der Vorsitzende des jüdischen Parlamentsklubs, Dr. Sommerstein, an den Ministerpräsidenten und Innenminister General Skladkowski eine Interpellation gerichtet und die Frage aufgeworfen, welche Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Vorfälle getroffen wurden, ferner Entschädigung der Opfer und die Ermöglichung der Wiederaufnahme der Geschäftsbetriebe verlangt. Hilfsaktion für die Opfer Das Koniitee zur Hilfeleistung für die Opfer ist durch Hinzuziehung der jüdischen Parlamentarier' Senator Schorr Abg. Sommerstein, Abg. Gottlieb und Abg< Rubinstein, sowie des früheren Senators Raphael Szereszewski und des apint-pirektors. Gitermann erweitert worden. Aus den Mitteln des allgemeinen polnischenHilfsfonds sind Beträge für die dringendste, erste Hilfe nach Brest-Litowsk überwiesen worden. Die jüdischen Zeitungen in Polen haben eine Sammlung zur Beschaffung von Brot für die Juden von Brest- Litowsk eröffnet, da sämtliche 28 jüdischen Bäckereien in Brest vernichtet worden sind. Die Warschauer Engros,- Kaufleute haben beschlossen, den Kaufleuten von Brest«« Litowsk ein Moratorium zu gewähren* Der Ministerpräsident hat seine Zustimmung zur Durchführung einer großen Geldsammelaktion der jüdischen Gemeinden in Polen zugunsten der Juden von Brest-Litowsk erteilt. Die Aktion wird einen vollen Monat dauern. Mehr als 60 jüdische: Ge«< meinden haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt» Die Schuld der Behörden Aus Warschau wird berichtet: Der amerikanische Generalkonsul begann mit der Sammlung von Material über die Ausschreitungen von Brest-Litowsk» um sie dem Auswärtigen Amt in Washington zuzuleiten. Unter anderem liegt eine Anzahl von photographischen Aufnahmen vor, die als Beweis dienen, daß dijs Polizei von Brest-Litöwsk die Huligans zur Fortführung ihrer Vernichtungsarbeit ermutigt hat. Weiters wird berichtet: Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Brest-Litowsk hat Ministerpräsident und Innenminister Skladkowski den Starosten des Bezirkes, Francyszek Czernyk, und den Bezirkshauptmann Kazimir Rolewicz abgesetzt, weil sie nicht genügend energische Maßnahmen zur Unterdrückung der Ausschreitungen getroffen hatten, Um die Teilung Palästinas In der großen englischen Presse wird jetzt viel über Palästina geschrieben. Das Problem erweckt das größte Interesse und die Vorschläge der Kgl. Kommission, welche die Ursachen der Unruhen in Palästina zu prüfen hatte, werden mit großer Spannung erwartet.' Inzwischen veröffentlichen die Zeitungen mutmaßliche Anträge der Kommission, die sie von verläßlichen Informatoren erhalten haben wollen. „Daily Mail" erklärt, daß die Kgl. Kommission einen endgültigen Beschluß gefaßt habe, der die Schaffung eines jüdischen Staates vorsehe, dem ein Dominion-Statut gegeben werde. Die Mitglieder der Dominions seien der Auffassung, daß dies das einzige Mittel sei, um den Reibereien ein Ende zu machen, die nun schon seit Jahren andauern. Großbritannien würde also vor dem Völkerbund formell den Antrag stellen, das palästinensische Land zu teilen. Diese Teilung soll vom Galiläischen Meer bis zum Toten Meer erfolgen. Das Gebiet, das östlich dieser Linie liegt, soll in einen arabischen Staat unter dem Emir Abdullah von Transjordanien verwandelt werden, während der jüdische Staat entlang der Küste entstehen 80)1« Haifa soll ein internationaler. Hafen werden und die Heiligen Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth würden weiter britisches Mandat bleiben. Großbritannien würde die Verantwortung für Aufrechterhaltung der Ordnung im neuen jüdischen Staat tragen. „Sunday Dispatch" veröffentlicht den von der Kgl. Kommission für Palästina angeblich, ausgearbeiteten Plan, demzufolge die britische Regierung ihr Mandat Uber Palästina mit Zustimmung des Völkerbundes zurücklegen und aus Palästina ein britisches Dominion mit eigener Zentralregierung, mit eigener Finanz-, Zoll-, Boden- und Einwanderungsverwaltung geschaffen werden soll. Die jüdischen und arabischen Städte würden vollkommene Unabhängigkeit erhalten. Das neue Dominion würde Mitglied des Völkerbundes werden. „Daily Herald" berichtet über die neue Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat. Dieser Plan sei von der Kgl. Konimission ausgearbeitet worden und habe große Aussicht auf Verwirklichung. Die ToUungsgrenze würde vom See Galiläa bis zum Toten Meer verlaufen. Der neue jüdische .Moderne Bmchbancflagen ) absolut beschwerdefrei t FACHFIRMA Bandagen-Mikolaseh, Taborstraße 22

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