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Die neue Welt · 1937-05-20 · Heft 656 (20.5.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 656 (20.5.1937)
Date
1937-05-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 656 vom 2G. Mai 1937 DIB NEUE WEL1 Seite 5 „EnfMung der deutsch« Reichskulturwalter H i n k e 1, der Beauftragte des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels für die Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden in Deutschland, hat sich zu einem Schriftleiter der „Nationalsozialistischen Partei-Korrespondenz" über die gegenwärtige Situation der jüdischen Kulturbetätigung in Deutschland geäußert. Der Nationalsozialismus, so sagte er u. a., habe zunächst aus den für das deutsche Kulturschaffen in Frage kommenden Kulturständen planmäßig die jüdischen Mitglieder und den jüdischen Einfluß ausgeschaltet, auf der anderen Seite aber den Juden Gelegenheit gegeben, ihre eigenen, im Rcichsverband Jüdischer Kulturbünde zusammengefaßten Kulturorganisationen zu errichten und sich in ihnen kulturell zu betätigen. Der Prozeß der Entjudung der deutschen Kultureinrichtungen und des deutschen Kulturschaffens dürfte im großen ganzen als abgeschlossen betrachtet werden. Es heißt dann weiter, der 1935 herausgegebene Arbeitsbericht des Reichsverbandes Jüdischer Kulturbünde habe mitgeteilt, daß von der zuständigen Stelle (Reichskulturwalter Hinkel) u. a. folgende Auflagen gemacht worden seien: 1. Nur jüdisches Publikum; 2. nur jüdische Künstler; 3. nur jüdisches Verwaltungs- und gewerbliches Personal; 4. Einführung eines mit Lichtbild versehenen Mitgliedsausweises, genaue Kartei; 5. Vorlagen aller Spielfolgen und Texte; 6. Berichterstattung und Propaganda aus- Gut passende Herrenhemden nach Maß in allen Preislagen FISCHER, VIII, Feldgasse 1 Telephon A-S7-2-47 Spezlal-Herrenwäschc-Erzeugung schließlich nur durch die jüdische Presse. Ueber die Programmgestaltung sagte Reichskulturwalter Hinkel noch folgendes: „Behendig und stets im Vordergrund, sobald es sich um Fragen der Kulturwirtschaft handelt, bestreitet der Jude hilflos die Programme seiner eigenen Kulturveranstaltungen mit Schöpfungen aller Art, teils von Juden, die gerade bisher Wert darauf legten, „deutsch" genannt zu werden, teils von Nichtjuden, die zufällig einmal Themen aus der jüdischen Geschichte behandelten. Im übrigen nehmen Namen, wie Moliere, Shakespeare, Verdi, Johann Strauß, n Kultur abgeschlossen'' Shaw und Ibsen nicht unbedeutende Plätze im Spiel' plan ein. Als Anmaßung muß jedoch empfunden werden, wenn bei Vorschlägen, bzw. Anträgen zu Veranstaltungen der Judenschaft unter sich Werke von Beethoven, Goethe und Mozart auftauchten; denn es ist nicht der Zweck der Uebung, inhaltlich deutsche Kulturbünde mit jüdischen Mitgliedern aufzuziehen. Vielmehr soll dem Judentum Gelegenheit zur Entfaltung in den eigenen geistigen und schöpferischen Grenzen gegeben werden. Sollte diese Entfaltung der Juden zu dürftig sein, dann wird er es um so besser verstehen, warum wir ihn nicht als Herrn und Meister über unser Kulturleben haben mögen." •» Nachdem einmal den Juden in Deutschland Gelegenheit gegeben worden war, sich im eigenen Bereich kulturell zu betätigen, sollte billigerweise die Programmgestaltung den Juden selbst überlassen werden. Die jüdischen Kulturbünde in Deutschland haben unter Heranziehung aller geistigen, künstlerischen und materiellen Kräfte Theater- und Musikabende für sich geschaffen, selbstverständlich mit der erkennbaren Absicht, sich. von ihrem bisherigen deutschen Kulturbereich zu distanzieren. Zahlreiche Werke der hebräischen und jiddischen Literatur mußten dem Mangel an jüdischer Substanz in deutscher Sprache abhelfen, indem man sie ins Deutsche übersetzte und dem Publikum mundgerecht machte. Das sollte aber nicht bedeuten, daß die Juden Deutschlands nunmehr auf die Beschäftigung mit den großen Schöpfungen der Kulturvölker verzichten würden. Die Werke der Meister wie Beethoven, Goethe und Mozart gehören heute allen Völkern und es wäre eine Vermessenheit, sie gerade den Juden vorenthalten zu wollen. (Beethovens 100. Todestags wurde im jüdischen Palästina durch eine Aufführung der IX. Symphonie, Goethes 100. Todestags durch Vorträge über Goethe an der-hebräischen Universität Jerusalem feierlich gedacht.) Gerade die Herren des Dritten Reiches haben am wenigsten ein Recht auf die Monopolisierung ein&s geistigen Guts, das sie — wenn's nottut, d. h. wenn es ihren Dogmen widerspricht — erbarmungslos dem Scheiterhaufen preiszugeben bereit sind. Im übrigen haben die Juden den gleichen Anspruch auf Beethoven, Goethe und Mozart, wie ihn die „Nichtjuden" auf Meyerbeer, Mendelssohn, Heine, Spinoza, Freud, Einstein usw. haben. Herr Hinkel sollte mit seiner Bemerkung von der „dürftigen jüdischen Entfaltung" etwas vorsichtiger sein. Pogrom unt§ Aus Warschau (J. T. A.): Die Zahl der täglichen pogromartigen Ausschreitungen in Polen wurde am 13. Mai durch einen Vorfall in Brcst-Litowsk vermehrt, der schwerwiegende Folgen gehabt hat. Die Vorgänge werden von verschiedenen Seiten verschieden dargestellt, so daß sich ein klares Bild nicht gewinnen läßt. Die Zeitungen, namentlich die jüdischen, dürfen aus Zensurgründen Nachrichten auf Grund der Wahrnehmungen von Augenzeugen nicht bringen. Laut der polizeilichen Version haben sich die Vorgänge ungefähr wie folgt abgespielt: In dem Fleischerladen des Juden Szczerbowski hatten Polizeibeamte eine Revision vorgenommen, bei welcher zehn geschlachtete Kälber vorgefunden wurden, die entgegen dem neuen Schächtgesetz rituell geschachtet worden waren. Als die Polizei das konfiszierte Fleisch wegschaffen wollte, sammelten sich vor dem Laden mehrere Juden an, die die Polizeibeamten daran hindern wollten. Der Postenführer forderte die Menge auf, auseinanderzugehen. In dem hierauf entstandenen Handgemenge stieß der 17jährige Sohn des Fleischers, Wolf Szczerbowski, dem Polizeipostenführer ein Fleischermesser in den Nacken. Der Schwerverletzte gab einige Revolverschüsse ab, durch welche der Besitzer des Fleischerladens verletzt wurde. Nach Einlieferung ins Krankenhaus starb der Postenführer an den erlittenen Verletzungen. Der Täter konnte flüchten. Die Nachricht von dem Tode des Polizeibeamten verbreitete sich rasch in der Stadt und rief unter der Bevölkerung Empörung hervor. Noch in den Vormittagsstunden setzte ein J u d e npogrora ein. Die Ortsbevölkerung sammelte sich in den meist von Juden bewohnten Straßen der Stadt, demolierte alle jüdischen Geschäftsläden und Wohnungen. Am Ringplatz wurden alle jüdischen Verkaufsstände demoliert, die Waren vernichtet und Fleisch und Brot umsonst an die Ortsbevölkerung verteilt. Jlidische Straßenpassanten wurden überfallen und verletzt. In einer hauptsächlich von Juden bewohnten Straße wurde ein Brand gelegt, der sich rasch ausbreitete. Der Juden bemächtigte sich eine Panik. Sie flüchteten auf den Bahnhof, um die Stadt zu verlassen, wurden jedoch daran gehindert und zahlreiche von ihnen blutig geschlagen. Zwei Hauptstraßen der Stadt bieten ein Bild der Verwüstung. Auf der Straße verstreut liegt vernichtete Ware. Die Ausschreitungen dauerten bis in die späten Abendstunden an, ebenso die Demolierung; jüdischer Geschäftsläden und Wohnungen. Die zahlenmäßig schwache Polizei des Ortes war außerstande, die Ruhe hei'zustellen. Erst gegen Abend trafen größere Militär- und Polizeiabteilungen ein. Nach den bisherigen Meldungen sind bereits zwei Tote und sechzig Verletzte zu verzeichnen. Wieder vier Juden ermordet Aus Warschau: In der Nähe des polnischen Städtchens Slonim wurden zwei jüdische Hausierer auf der Landstraße ermordet aufgefunden. Neben den Leichen lag das Pferd der Ermordeten, das ebenfalls getötet worden war. Die Mörder konnten bisher nicht ermittelt werden. Die polizeilichen Erhebungen sind eingeleitet. Wir empfehlen die guten, modernen EUDEGQER Auto-u.Hotorradsctiuien Wien fi.NßüdeggergcisselS Tel.; «nd' Inxcttäorf,H.-ü. Im Dorfe Juchampol bei Zaleszcziki drangen Huligans in die Wohnung des einzigen jüdischen Dorfbewohnerp N e u f e 1 d ein und ermordeten ihn und seine Frau. Die Huligans konnten flüchten. In Grabow im Kreise Warschau kam es am Samstag und Sonntag zu schweren antijüdischen Ausschreitungen und Exzessen, deren Ursache, eine Auseinandersetzung zwischen einem Juden und einem Christen war. Im Verlaufe der Auseinandersetzung wurde der Christ niedergestochen. Mehrere Juden wurden während der Ausschreitungen erheblich verletzt und über dreihundert Fensterscheiben jüdischer Wohnungen und Läden eingeschlagen. Taufwello In den jüdischen Zeitungen wird darauf hingewiesen, daß sich in letzter Zeit die Uebertritte jüdischer Angehöriger der freien Berufe zum Christentum mehren, obwohl die judenfeindliche Strömung in Polen Unterschiede zwischen Glaubensjuden und getauften Juden nicht macht. Zahlreiche Taufen sind auf das Bestreben zurückzuführen, amtliche Anstellungen zu erlangen. Aber auch unter den Studenten ist eine Reihe von Tauffällen zu verzeichnen. Es dürfte dies im Zusammenhang mit der Einführung der Ghetto-Sitzordnung an den Hochschulen stehen. HAURICE CHEVALIER in der . entzückenden musikalischen Filmkomödie ergiltellagatad Nach dem gleichnamigen Roman von W. J. Locke (Deutsche Ausgabe, Verlag W. Frick) Regie: Kurt Bernhard Musik: Darius Milhaud Im Beiprogramm das einzigartige, gewaltige Kulturdokument Flieger über dem Mount Everest ■ 1 Ein Film der 20th Century Fox 2SS5SESES5SE „Munkaczer Rebbe" gestorben Trauer in der Chassidim-Wclt — Sein Schwiegersohn Baruch Babinovvicz zu seinem Nachfolger gewählt Aus Mukaöevo: Am 12.Mai starb im67.Lebensjahre der in der Chassidim-Welt berühmte „Munkaczer Rebbe" Lazar S p i r a. Rabbi Spira bekleidete neben seinem Rang als Leiter eines großen Zweiges der chassidischen Bewegung auch den Posten eines Oberrabbiners der orthodoxen jüdischen Gemeinde von Mukaöevo in Karpatho-Rußland. Rabbi Lazar Spira wurde im Jahre 1871 in der Gemeinde Strzyzow in Ostgalizien geboren und kam 1882 mit seinem Vater und Großvater nach Mukaöevo, wo sein Großvater zum Oberrabbiner gewählt wurde. Nach dem Tode des Großvaters wurde sein Vater Oberrabbiner und zugleich ein chassidischer Rabbi, dessen Anhängerschaft immer mehr wuchs. Im Jahre 1913 starb sein Vater. Rabbi Lazar Spira folgte ihm sowohl als Oberrabbiner von Mukaöevo als auch als Oberhaupt der „Munkaczer Chassidim". Rabbi Lazar Spira war ein unnachgiebiger Streiter gegen Zionismus und H e b r ä i s m u s. Er hielt oft im Kreise seiner Anhänger überaus heftige Reden gegen die zionistische Bewegung und gegen die nationale jüdische Erziehung. Ein Objekt seiner ständigen Angriffe bildete das Hebräische Gymnasium in Mukaöevo, welches er in den Bann tat und einmal sogar im Rahmen einer religiösen Zeremonie in der Synagoge verfluchte. Er wurde deswegen von der Leitung des Gymnasiums vor Gericht zitiert; der Prozeß endete mit einem Strafurteil gegen den Rabbi. Oft sprach er auch den Bann gegen einzelne zionistische Persönlichkeiten aus. Diese Kämpfe beschäftigten zeitweilig sehr stark die jüdische OeffentliChkeit; nicht nur die jüdische, sondern auch die allgemeine Tagespresse in der Tschechoslowakei und im Auslande veröffentlichte hierüber ausführliche Berichte. Auch in der Chassidim-Welt hatte Rabbi Spira nicht wenige Gegner. Bekannt wurden seine Auseinandersetzungen mit dem „Beizer Rebbe", gegen den Rabbi Spira seinerzeit ebenfalls den religiösen Bann aussprach, diesen jedoch infolge starken Protestes in jüdischreligiösen Kreisen wieder zurückzog. Rabbi Spira betätigte sich auch auf landespolitischem Gebiet und stellte bei lokalen und Landeswahlen Listen seiner Anhänger den Listen der Jüdisch-Nationalen entgegen. Zur Bestattung Rabbi Lazar Spiras hatten sich Tausende und aber Tausende Chassidim und mehrere Rab>< biner eingefunden. Auch aus Ungarn und Galizien waren zahlreiche Chassidim zu diesem Zweck nach Mukaöevo gekommen. Noch am gleichen Tage trat der Vorstand der Kultusgemeinde in Mukaöevo zusammen und wählte Baruch Rabinowicz, den Schwiegersohn Rabbi Lazar Spiras, zum Oberrabbiner. Gleichzeitig übernahm Rabinowicz die Wüx'de des Chassidim-Rabbi. Die Warschauer Rabbiner rufen König Georg VI« an Aus Warschau (J. T. A.): Eine Abordnung des Warschauer Rabbinats legte dem Leiter des politischen Departements im polnischen Außenministerium eine auf kostbarem Pergament geschriebene, künstlerisch ausgestattete Huldigungsadresse an das englische Königspaar mit der Bitte vor, sie anläßlich der Krönung dem König zu übermitteln. Die Adresse beginnt mit dem 72. Psalm, in dem von den königlichen Aufgaben die Rede ist. Zum Schluß wird darauf hingewiesen, daß der Tag der Krönung für das gesamte englische Volk, aber auch für die jüdischen Massen in Polen ein Tag der Freude ist. Aber es gibt in Polen hunderte jüdische Frauen, die bei Lebzeiten ihrer Männer zum Witwentum verurteilt sind, Frauen, die mit ihren Kindern in Polen zurückgeblieben sind, während ihre Männer am Aufbau Palästinas arbeiten. Das Elend dieser Frauen und Kinder ist unbeschreiblich. Darum wird an das Königspaar die Bitte gerichtet, ihnen durch Zuteilung von Zertifikaten die Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen. Der Leiter des politischen Departements erklärte sich mit der Uebersendung der Adresse einverstanden und wies die Abordnung an den englischen Konsul, der die Adresse entgegennahm und sie mit dem Flugzeug, das die offiziellen Vertreter zur Krönungsfeier brachte, nach London befördern ließ. Auch in Leinen das Beste bringt Schuhhaus „Willy". Entzückende Modelle, federleicht, eine Wohltat für den Fuß, dabei elegant und unerhört preiswert. Darum für Sommerwetter nur den elegan- ■ ten Leinenschuh von „Willy",, V>. Pilgramgasse 6« El

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