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Die neue Welt · 1937-05-20 · Heft 656 (20.5.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 656 (20.5.1937)
Date
1937-05-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 656 vom 20. Mai 19S7 DIE NEUE WELT DIE MAUKE MS VEHTHAUEHS / WIEN V., PI LG RAM GASSE 6. Das wichtige RassenprobSem „Leider interessieren sich Juden für das Gebiet der Rassenforschung viel zu wenig; nur selten findet man eine gewisse Kenntnis der maßgebenden Literatur, geschweige denn ein ernsthaftes Urteil über die wichtigsten Teilprobleme. Die Folge hiervon-ist, daß in jüdischen Kreisen über Rassenbildung, Rassenhygiene und Vererbungslehre Ansichten vertreten werden, die — wissenschaftlich längst als unhaltbar nachgewiesen — gerade noch aus unserer psychologischen Situation heraus verständlich, aber nicht verzeihlich sind. Der Vergleich zwischen unserer Lage und der vergangener jüdischer Generationen gegenüber dem Christentum, drängt sich auf; es blieb unserer Zeit vorbehalten, eine objektivere Haltung im Rahmen jüdisch-nationalbewußter Geschichtsdarstellung zu versuchen. Man könnte diese Tat als Markstein der inneren Emanzipation werten. Wir sollten heutigen Bewegungen, Theorien und Richtungen mit eben derselben inneren Unbefangenheit gegenübertreten. Es sollte unser Ziel sein, die Erscheinungen der Galuth-Psychologie zu überxmnden." H. Z. Silberstein (Berlin) JerusdiaBagim des heimkehrenden Volkes Jerusalem i s t heute bereits im wesentlichen eine jüdische Stadt, und wird es von Tag zu Tag mehr. Seine arabische Bevölkerung ist stationär, loächst fast nur durch den natürlichen Zuwachs; die jüdische nimmt ständig durch Einwanderung zu. Das geistige wie das wirtschaftliche Leben Jerrisalems werden von den Juden be- Proteste gegen die neue Schedule Bei chronischen Katarrhen der Gallenblase und Galengänge, bei Gallengrieß und Gallensteinen ist eine Trinkkur mit dem natürlichen „Franz-Josef"- Bitterwasser dann besonders wirksam, wenn es morgens auf nüchternen Magen, mit etwas heißem Wasser gemischt, schluckweise genommen wird. herrscht. Sie haben der Stadt einen neuen Charakter gegeben, haben sie wieder lebendig gemacht. Bei aller Anerkennung der Ansprüche, die andere Religionen an das alte Jerusalem, an die „Heilige Stadt(( haben mögen: das neue Jerusalem unserer Tage ist das Jeruschalajim des heimkehrenden jüdischen Volkes. Darin liegt nicht nur ein Anspruch, es liegt darin auch eine Gewißheit. Alle Pläne werden nicht verhindern können, daß Jerusalem immer mehr zu einer jüdischen Stadt werden xoird, gleichgültig, wer in ihr „herrscht". Das jüdische Leben in ihr wird stärker sein, als alle am grünen Tisch ausgeheckten „Lösungen". C. Z. Kloetzel (Jerusalem) Was {Minderheitenschutz bedeutet „Die tschechosloioakische Nation ist sich dessen wohl bewußt, daß die zahlreichen, wirtschaftlich und kulturell in so hohem Maße entwickelten Minderheiten ihre innenpolitischen Aufgaben komplizieren und ihre Verantwortung erhöhen. Sie hat diese Verantwortimg seit Beginn des selbständigen Staatslebens vor allem in dem Sinne begriffen, daß der Minderheitenbevölkerung alle Grundbedingungen der Existenz und der kulturellen und wirtschaftlichen Entwickhing im gleichen Umfang gesichert werden müßten wie der Mehrheitsbevölkerung. In diesem Sinne nahm die tschechoslowakische Nation auch die Verpflichtungen des internationalen Minderheitenschutzes auf sich." Josef Chmelat, „Die nationalen Minderheiten in Mitteleuropa" B>as Schicksal* Judenfrage * „Es ist richtig, es gibt Völker und Nationen, in welchen die Juden alle Rechte genießen, wo sie als Bürger angesehen und geehrt werden. Hat aber in diesen Ländern die Judenfrage aufgehört, eine Bedeutung zu haben, gilt dort etwa im innersten Gefühl des Volkes der Jude als ein Teil der Nation, unter welcher er lebt, wie sie dem Boden verhaftet, und taucht nicht bei irgend einem äußeren Anlaß die Problematik seines Daseins stets von neuem auf?" „Isr. Familienblatt" (Berlin) Richtige Senkfiißelnlagen <«>V\ FACHFIRMA Bandagen-Mikolasch, Taborstraße 22 Aus Jerusalem wird gemeldet: Nach der Bekanntgabe der neuen Arbeitereinwanderungsschedule für die Monate April bis Juli 1937 hat der Leiter des politischen Departements der Exekutive, Mosche S h e r t o k, den High Commissioner Sir Arthur Wauchope besucht und mit ihm eine mehrstündige Besprechung abgehalten. Zionisfen Polens verlangen Ablehnung Aus Warschau: Das Zionistische Koordinierungskomitee, dem Vertreter aller zionistischen Parteien angehören, hat nach Referaten von Dr. Kleinbaum und Dr. Hellmann über die Tagung des Aktionskomitees und* die gegenwärtige Lage in Palästina eine längere Debatte Uber die neue Schedule geführt. Es wurde einstimmig beschlossen, im Namen der gesamten Zionistischen Organisation Polens die Exekutive telegraphisch aufzufordern, die von der Regierung bewilligte niedrige Zahl von Zertifikaten nicht anzunehmen. Die Liga für das arbeitende Palästina Aus Warschau: Das Zentralkomitee der Liga für das arbeitende Palästina hat beschlossen, den Waad Hapoel der Histadruth energisch aufzufordern, die neue Schedule abzulehnen. In der Kundgebung des Zentralkomitees wird die gesamte Bewegung zu Protest und Kampf gegen die Absicht einer Schmälerung der jüdischen Rechte und gegen Konzessionen an die arabischen Politiker auf Kosten der brennenden Lebensinteressen der zionistischen und chaluzischen Bewegung aufgerufen. Protest der Juden Deutschlands Aus Berlin: Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat an die Exekutive in Jerusalem das folgende Telegramm gerichtet: „Die Juden Deutschlands empfinden die bewilligte Anzahl von Zertifikaten als einen Hohn auf ihre Lage und den allenthalben bestehenden Drang nach Erez Israel. Die »Zionistische Vereinigung für Deutsch« land vertraut der Exekutive in ihrem unermüdlichen Kampfe um unsere verbrieften Rechte und um Vergrößerung der Schedule." * Im Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" wird darauf hingewiesen, daß der jetzige Kolonienminister ^aknremigend | ^}akfterkaltend Die Zahnpasta Ormsby-Gore vor einigen Jahren die Notwendigkeit einer „vollen und breiten physischen Existenz" des jüdischen Volkes in Palästina betont habe. Die Zeitung führt weiter aus: „So sehr wir die geringe Zahl der Zertifikate bedauern, so schwer sie viel Wartende und die ganze Bewegung trifft, es ist in diesem Moment eine Frage zweiter Ordnung (!) gegenüber den Hauptfragen, die zur Entscheidung stehen. Zum ersten Male ist die Schedule nicht bis Oktober, sondern nur bis Juli festgesetzt. Denn im Juli, so glaubt man offenbar, beginnt die neue Aera, dann wird ohnedies alles auf eine neue Grundlage gestellt. Die Tatsache, daß der Kolonienminise Ormsby-Gore persönlich in Genf die neue britische Politik im Juli vertreten wird, deutet darauf hin, daß eine entscheidende Wendung bevorsteht." Die Tagung der For§dmngs* Abteilung „Judenfrage" Aus Berlin wird berichtet: Die Forschungsabteilung „Judenfrage" des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland trat, wie der „Völkische Beobachter" berichtet, in München zu ihrer zweiten Jahrestagung zusammen. Der geschäftsführende Leiter de* Forochungsabteilung, Dr. Wilhelm;.^ dte. Arbeit . zur Schaffung archivalischer Unterlagen für. die Erforschung der Judenfrage. Ein weiteres Forschungsunternehmen sei eine „Historische Statistik der Judentaufen und Mischehen in Deutschland, besonders im 19. und 20. Jahrhundert" und eine vollständige Bibliographie zur Geschichte der Judenfrage in den Jahren 1750 bis 1848, also in der wichtigsten Zeit der Judenemanzipation, die in nicht ferner Zeit veröffentlicht werde. Der Präsident der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, Prof. Dr. Johannes Stark, sprach über „D e r jüdische Geist in der Naturwissenschaft". Er wies darauf hin, daß die Naturwissenschaft eine Schöpfung des germanischen Geistes sei. Der jüdische Geist erstrebe die Durchsetzung seiner Lehrmeinung und Theorien durch willkürliche Definition, er verbinde damit sein Streben nach persönlichem Vorteil und Herrschaft. Den stärksten Einfluß auf die Naturwissenschaft habe der jüdische Geist in Deutschland während der zwei letzten Jahrzehnte in der Physik durch die Entwicklung d4» Relativitätstheorie und der Quantentheorie ausgeübt. Prof. Dr. Otmar Freiherr von Verschuer (Frankfurt a. M.) behandelte das Thema „Was kann der Historiker, der Genealoge und der Statistiker zur Erforschung des biologischen Problems der Judenfrage beitragen?" Prof. Max Wundt (Tübingen) sprach Uber „Das Judentum in der Philosophie". Die Philosophie sei im Judentum etwas Künstliches, ein Ereignis der Anpassung. Diese Haltung preise der Jude dann als Sachlichkeit und suche seinen Ruhm darin, was anderen heilig ist, seines Wertes zu entkleiden. Prof. Dr. Hans Alfred Grunsky (München) sprach über Baruch Spinoza. Spinozas Gedankengebäude sei ausgesprochen talmudistisches Denken. Dabei sei dieses talmudische Netz so beschaffen, daß es unmerklich über das Gedankengut der arischen Philosophen geworfen werden könne. Dr. Karl Georg Kuhn (Tübingen) sprach über „Weltjudentum in der Antike". Prof. Gerhard Kittel-Freiburg behandelte das „Konnubium mit Nichtjuden im antiken Judentum". Prof. Hans Bogner-Freiburg sprach über Philon von Alexandrien als Historiker. Er erklärte, Philos Hellenismus erweise sich nur als eine „lose aufliegende Tünche". Ueber „Goethe und das Judentum" sprach Prof. Franz Koch (Berlin), der behauptet, daß Goethe ein ausgesprochener Gegner der Judenemanzipation gewesen sei und sie als eine Gefahr für die Deutschen betrachtet habe. Goethe habe diese Emanzipation als „Humanitätesalbaderel" bezeichnet. Der „Völkische Beobachter" bezeichnet die am letzte». Tag gehaltenen Vortr&xe 4eu ehemaligen Chefs des Nachrichtendienstes der Obersten Heeresleitung, Oberst a. D. Walter Nicolai, und des Gauleiters Julius Streicher als Höhepunkt der Tagung. Streicher, dessen Ausführungen mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden, habe den Wunsch ausgesprochen, die Wissenschaft möge die „bahnbrechende Bedeutung der Nürnberger Gesetze der ganzen Welt verständlich machen". Reichsstatthalter Mutschmann sagte der Forschungsabteilung Judehfrage tatkräftige Förderung zu. Prof. Walter F r a n k, der Päsident des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland, erklärte, die Wissenschaft bedürfe der wissenschaftlichen und die Politik der politischen Methode auch in der Judenfrage. Das Ziel sei dasselbe: die Befreiung von der jüdischen Weltmacht. „Die Forschungsabteilung des Reichsinstituts müsse einst die Forschungsstätte der Judenfrage von internationaler Bedeutung werden." (J. T. A.) Italienische Freundschaft mit den Arabern Aus Jerusalem: Die italienische Regierung hat durch ihr Konsulat in Palästina hundert palästinensisch-arabische Jugendführer zu einem Besuch nach Italien eingeladen. Während der Dauer ihres Aufenthaltes in Italien sind die arabischen Jugendführer Gäste der italienischen Regierung und werden von Mussolini und dem italienischen Außenminister Graf Ciano empfangen werden. Ferner ist vorgesehen, daß die Führer der Jugenddelegation im römischen Rundfunk Ansprachen in arabischer Sprache halten. Wahlen in die Lemberger Judengemeinde Aus Warschau: Am 9. Mai fand die Neuwahl der Vertretung der Jüdischen Gemeinde Lembergs statt. Die Wahlbeteiligung betrug über 53 Prozent. 16.299 Personen haben von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Von den 30 Mandaten erhielt die Vereinigte zionistische Liste 16, der Bund 5, die wirtschaftlichen Gruppen 3, Aguda und Beizer. Chassidim 2 und Hitachdut-Poale Zion und Kleinhändlerverband je eines. Am Wahltage wurden jüdische Passanten vielfach von nationaldemokratischen Studenten überfallen und mißhandelt. Mehrere Exzedenten wurden verhaftet. Flaggenzwischenfall in Jerusalem am Krönungstag Aus Jerusalem: Die hebräische Tageszeitung „Haarez" erhebt in einem Leitartikel Protest gegen das Verhalten der Polizei am Krönungstag. Es wird darauf hingewiesen, daß schwarze Fahnen, die an diesem Tag an arabischen Gebäuden aufgezogen worden waren, ruhig an ihrem Ort belassen wurden, während jüdische Flaggen beseitigt, ja sogar öffentlich zerrissen wurden. Als ein bezeichnender Vorfall wird weiter die Tatsache erwähnt, daß ein britisches Polizeiauto, mit einer arabischen Flagge geschmückt, auf dem Herbert-Samuel-Platz in Tel-Aviv parkte. Schließlich wird festgestellt, daß in dem von der Palästina-Regierung bekanntgegebenen Programm der Feierlichkeiten anläßlich der Krönung nichts über die von der Stadt Tel- Aviv veranstalteten Festlichkeiten enthalten war. Die Macht der Gewohnheit hindert uns oft, Neuq| zu versuchen. Wer einmal das köstliche dunkle Wiene,. Simonsbrot versucht hat, läßt es nie mehr in seinen^ Hause ausgehen,

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