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Die neue Welt · 1937-05-20 · Heft 656 (20.5.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 656 (20.5.1937)
Date
1937-05-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 ©IE NEUE WELT Nr. 656 vom 20. Mai 193T At&eUende tkeustlm wissen, daß zu erfolgreicher Arbeit better Krättetustand, ruMg« Nerven, gut« SWmmun§ notwendig sind. Zur KrlfttgUng Des Körper», mr Behebung van htotttg* keitsgefOht gibt es ein zuvir* ISssiges Mittel: d MIT MENTHOL Beste» EMirelbamlttel, hervorragend zur Mund-, Zahn- und ftachenpflege und zu mannigfachen anderen Zwacken. . ie^em besseren Geschäft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich „Diana" und nehmen Sie nur „Diana". Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen A EIN ^fflB is- ^8H| artige // // Gleichschaltung ist ein Begriff aus dem deutschen nationalsozialistischen Vokabular; ein Begriff, der seine schreckhafte Bedeutung in vollem Maß erhält, wenn man sich erinnert, wie im hakenkreuzlerischen Deutschland alles, was national und sozial von der herrschenden Partei verschieden war, mit Feuer und Schwert, d. h. mit Kerker und Handbeil beseitigt wurde. Die Vormachtstellung des Nationalsozialismus gegenüber allen anderen Strömungen und Regungen wurde mit pathologischem Haß deklariert — und den einzelnen Ländern als Musterbeispiel staatlicher Kulturpolitik vor Augen geführt. Das deutsche Beispiel und die deutsche Propaganda blieben nicht ohne Erfolg. In Rumänien entstand eine nationalsozialistische, antisemitische Presse nach deutschem Muster und diese Presse verwendete mit unermüdlicher Leidenschaftlichkeit die hitleristischen Schlagworte von den nationalen Belangen bis zum nichtrumänischen Untermenschentum. Die Antisemitenführer, ihre eisernen Garden und ihre Cusa-Anhänger wurden vom Dritten Reich als „Erwachtes Rumänien" gefeiert. .._r<(fe.rA Nun geht, wie die rumänischen Blätter melden, die Regierung daran, das deutsche Beispiel gesetzlich zu verankern. Sie beabsichtigt nämlich, in irgend einer Form, entweder durch einen Numerus clausus oder durch Uebertragung gewisser diktatorischer Vollmachten auf den Handelsminister,.. den Rumänen eine Vormachtstellung sogar in den P r i v a t b t r i.eb e n zu sichern. Ein in Vorbereitung befindliches Dekretgesetz zur „Regelung der nationalen Arbeit" soll der beabsichtigten Rumänisierung Rechnung tragen. Auch ohne Kenntnis der zu erwartenden Gesetzesnovelle kann man wohl annehmen, daß hier die in Hitler-Deutschland gegen die Juden ergriffenen Maßnahmen, welche zur Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben führten, nachgeahmt werden sollen. Nationale Gleichschaltung heißt Vernichtung der nicht der Staatsnation angehörenden Staatsbürger. Natürlich hat die Absicht der rumänischen Regierung unter den Minderheiten Rumäniens, also auch unter den Deutschen, Besorgnis hervorgerufen, unter denselben Deutschen, welche mit unverhohlener Wollust die hitleristischen Verleumdungen gegen die Juden und die jüdische Minorität in Rumänien nachplapperten und überall dabei v/aren, wo der rumänische Antisemitismus sich etabliert hatte. Jetzt plötzlich, da die Rumänen für sich, eine Vormachtstellung im Staat schaffen wollen, berufen sich diese nazideutschen Antisemiten auf Recht und Gesetz. Die „Wiener Neuesten Nachrichten", welche sich seit jeher des Auslanddeutschtums in politischer und kultureller Beziehung annehmen und ihre national- P&tsUu* hhieia - Smtnem^ deutsche Betontheit niemals verleugnet haben, schreiben in ihrer Ausgabe vom 16. Mai zu der Lage der Deutschen in Rumänien: „Die Presse der Volksminderheiten hat eine Abwehrkampagne ergriffen und unter den Sieben- . bärger Sachsen sind große Volksversammlungen und Protestkundgebungen gegen diese Absicht abgehalten worden. Es ist heute noch nicht gewiß, wie die Entscheidung der Regierung, innerhalb deren noch Verhandlungen, geführt werden, ausfallen wird. Tatsache ist, daß eine Durchführung dieses Prinzips, durch das die rumänischen Staatsbürger nichtrumänischer Volkszugehörigkeit in enge Grenzen ihrer Erwerbsmöglichkeit gewiesen und zum Teil aus ihren Arbeitsstellen verdrängt würden, um Rasserumänien Platz zu machen, einen Bruch des Minderheiten schütz v ertrage« und damit eines Staatsgrundsatzes wie auch eine Verletzung der rumänischen Verfassung bedeuten würde. In Wirtschaftskreisen wird ferner auf die volkswirtschaftlichen und sozialen Gefahren einer derartigen Vernichtung der Unternehmerfreiheit und Einführung einer verkappten bürokratischen Wirtscliaftsdiktatur hingewiesen." Man traut seinen Augen nicht, wenn man die Worte „Rasserümänien", „Verletzung der rumänischen Verfassung", „Vernichtung der Unternehmerfreiheit" in den Spalten der „Wieher Neuesten Nachrichten" liest; eines Blattes, das nicht nur den Vernichtungsfeldzug des Nationalsozialismus, b2w. der Rassedeutschen gegen das Judentum in Deutschland wohlwollend zur Kenntnis nimmt, sondern eine Nachahmung der reichsdeutschen Methoden in Oesterreich mit rassedeutscher Genugtuung aufnehmen würde. Was bedeutet den „Wiener Neuesten Nachrichten" und ihren Gleichgesinnten überall in der Welt ein Bruch der Verfassung, eine Vernichtung der Unternehmerfreiheit, ein Verdrängen aus den Arbeitsplätzen, wenn es um die Juden geht! Die rumänischen Auslandsdeutschen allerdings — das ist etwas anderes! Da wird nicht bloß das Prinzip des Rechts angerufen, sondern fast eine Drohung ausgestoßen, indem man als Schlußpointe des Falles schreibt: „Es ist zu hoffen, daß die Regierung ein derartiges Experiment unterläßt, das in einem Lande mit einer fast zu einem Drittel den völkischen Minderheiten angehörenden Bevölkerung in jeder Hinsicht riskant wäre." Riskant? Was versteht das Blatt hier unter „riskant"? Vielleicht die Gefahr, daß diese Minder heiten sich gegen die Verletzung der rumänischen Verfassung (Gleichheit aller Staatsbürger!!) wehren und der nationalen Majorität, den Rasserumänen, unangenehm werden könnten, gar wenn das große bürgtf ür Qualität. An ihm erkenntman it' die sich durdh ihre Bekömmlichkeit und Wohlgeschmack auszeichnen. Man schütze sich vor minderwertigen Erzeugnissen, denn Dritte Reich.sich seiner Rassedeutschen usw. sich annehmen würde? Zu den völkischen Minderheiten Rumäniens gehören auch die Juden. Also zählen die „Wiener Neuesten Nachriphten" auch die Juden zu einem Element, mit dem zu experimentieren riskant wäre... Sonderbare Konstellation! Wenn's um die Rechte der Deutschen (der deutschen Minorität in Rumänien) geht, empfinden die deutschantisemitischen „Wiener Neuesten Nachrichten" sogar die verpönten Juden als Bundesgenossen. Allerdings irrt das Blatt. Die Juden Rumäniens, fast eine Million an der Zahl, werden sich im Kampf der rumänischen Deutschen um ihre Minderheitsrechte nicht als Vorspann verwenden lassen. Wie bisher, werden sie ihre Rechte allein, nur unter dem Wohlwollen aller freiheitsliebenden Völker und Staaten, verteidigen. Sie werden sich mit dem rumänischen Staatsvolk, mit dem rumänischen Volk aussprechen, in der Hoffnung, daß der Schutz aller Rechte nur durch Aussprache von Volk zu Volk erreicht werden kann. Die von den „Wiener Neuesten Nachrichten" angedeutete Drohung („in jeder Hinsicht riskant") werden sich die Juden Rumäniens nicht zu eigen machen. Sie haben am hitlerdeutschen Beispiel gesehen, wie weit man in der Verfolgung der Juden gehen , kann, ohne daß es „in jeder Hinsicht riskant" wäre. Der Glaube an den Endsieg der Gerechtigkeit und der Kampf für diesen Sieg ohne „List und Tücke" — das sind die moralischen Grundlagen der jüdischen Existenz in der Welt. Und diese moralischen Grundlagen wird das jüdische Volk nicht aufgeben, wenn man ihm noch so verlockende Angebote macht. o. r. Belhlen klagt Regierung Gömbös an Im Zusammenhang mit seiner großen Rede im ungarischen Abgeordnetenhaus gab Graf Stephan Bethlen der Budapester Zeitung „Pesti Futar" weitere Erklärungen zur ungarischen Judenfrage, deren Lösung nach seiner Meinung mit ruhigem Kopf und ohne Haß gefunden werden müsse. Bethlen wandte sich gegen den militanten Antisemitismus und griff hiebet die Regierung Gömbös an, die bekanntlich die Methoden des Dritten Reiches in Ungarn einführen, bzw. gutheißen wollte. Der (inzwischen verstorbene) Ministerpräsident Gömbös weilte längere Zeit in Deutschland, wo er sich in ständiger Fühlung mit den führenden Persönlichkeiten des Naziregimes befand und auch längere Unterredungen mit Hitler C Sisnottsbrot t ■ noch immer unerccic&t ol§ ©ejunbüeits* unb ßroft- I 6t0t. flieid) an bett fO nric^titjett 0lät)rfa^ett. @e&r I Bequem: ©imonSBrot*@d)hittenpäcfd)en itt ©tänrtiol. I gtttdjtenbrot: Aufbau* uttb $arm«$eguIator. $u I §äuen in $emfoft(jättbtUnQen unb itt totelert Sftää*erden, ^©intüns&rotfabrif 2Öieit*Äaürnn 65. SägL Sßofiuerf.^ hatte. Bethlen entlarvte in einem Interview die antisemitischen Tendenzen der Gömbös-Regieruhg, wobei er folgende Auffassung ausdrückte: „Die Judenfrage muß unschädlich gemacht und derart behandelt werden, wie ich es vor zehn Jahren getan habe. Wenn der Antisemitismus an Leidenschaft zugenommen hat, so geschah dies, weil man ihn künstlich geschürt. Vor dem Regierungsantritt Gömbös war diese Frage von der aggressiven und heftigen Atmosphäre, in der sie heute erörtert wird, frei, weil die Regierungen vor Gömbös bewußt in beruhigender Richtung arbeiteten, während die Regierung Gömbös das Gegenteil tat." Selten noch wurde eine Regierung von einem führenden Politiker und Staatsmann in sölch eindeutiger Weise der antisemitischen Hetze bezichtigt, wie dies Graf Bethlen gegenüber dem hitleristischen Gömbös tut. Ein neuer jüdischer Lord Man schreibt uns: Der „jüngste" englische Lord, der kürzlich nach der üblichen Zeremonie ins Haus der Lords eingeführte Lord Man« c r o f t, entstammt der ältesten jüdischen Familie Englands. Lord Mancroft, bisher Sir Arthur M. Samuel, wurde in Norwich geboren, in dem Hause, das die Familie Samuel seit acht Jahrhunderten bewohnt. In Norwich gab es 1144 eine Ritualmordaffäre, in deren Verfolg die dortigen Juden, obwohl ihnen die Schuld nicht nachgewiesen wurde, die Stadt verlassen mußten. Es war der erste derartige Fall in England. 1290 wurden alle Juden vertrieben. Nur die Familie Samuel blieb im Lande, so wird berichtet, und zwar auf Grund der Fürsprache der hohen englischen Geistlichkeit. Die Samuels waren nämlich die einzigen ■ und offenbar unersetzlichen Chirurgen für Nierensteinleiden, die in der Gegend infolge der Härte des Norwicher Wassers sehr häufig waren. In dem Norwicher Haus befindet sich ein geheimer Keller mit einer vollkommen eingerichteten Synagoge und einem Ofen zum Mazz o t h b a c k e n, alles in der normannischen Architektur des 11. Jahrhunderts. Daraus wird geschlossen, daß die Samuels eine Art Marannendasein geführt und ihr Judentum nur insgeheim ausgeübt haben. Tatsache ist, daß noch der Ur-Urgroßvater und der Urgroßvater des neuen Lords in dieser unterirdischen Synagoge beteten, aber nicht, weil sie ihr Judentum noch verbergen mußten, sondern weil es in Norwich noch keine andere Gelegenheit für einen jüdischen Gottesdienst gab. Der Ur-Urgroßvater der Mutter des jetzigen Lords, Abraham Richard Jacobs, war das erste jüdische Mitglied eines englischen Gerichts. Lord Mancroft selbst wurde 1912 Lordmayor von Norwich, was 1924 bis 1927 Staatssekretär im Außenministerium, als erster Jude in einem parlamentarischen Amt des Foreign Office. Bei der zeremoniellen Einführung leistete Lord Mancroft den traditionellen Schwur nach jüdischer Weise auf die Bibel. Schlanke Linie, meine Dame, erreichen Sic nicht durch Hungern. Kuranstalt H e 1 i a, Wien, I., Fleischmarkt 7, erreicht es durch physikalisdi-kosmetischo Methode verläßlich. ■ E Antisemitismus in England Aus London wird uns berichtet: Vor einigen Monaten gab es in der „British Union of Fascists", der Partei des Sir Oswald M o s 1 e y, eine Palastrevolution. Sie endete mit dem Hinauswurf zweier alter Führer, William J o g e e und John B e k e 11, welche bereits vor Mosley die faschistische Agitation in England begonnen hatten. Die beiden Ausgeschlossenen haben nun eine neue Partei „National Sozialist. League" gegründet. Es bestanden Zweifel darüber, ob die neue Partei auch den antisemitischen Punkt in ihr Programm übernehmen wird. Diese Zweifel sind beseitigt. Auf eine Anfrage von „Jewish Chronicle" antworetete William Jogee mit fol-. gender Erklärung: „Unsere Haltung ist entschlossen antisemitisch. Wir erblicken im Kommunismus ein Mittel der jüdischen Financiers, um die Arbeiterschaft dem nationalen Ideal aibspenstig zu machen. Das Ziel ist ein internationaler Staat, in welchem scheinbar die kommunistischen Demagogen, in Wirklichkeit aber die jüdischen Kapitalisten regieren. Wir lehnen Üeberfälle auf Juden (gemeint sind die Üeberfälle der „Schwarzhemden" Mosleys im jüdischen Viertel)' ab, weil wir die Gesetze des Landes respektieren. Wir wollen die Ent« Scheidung in der Judenfrage durch eine Volksabstim« mung. Das britische Volk hat zu entscheiden^

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