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Die neue Welt · 1937-05-20 · Heft 656 (20.5.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 656 (20.5.1937)
Date
1937-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Donnerstag, den 20* Mai 1917 If ♦ Jahrgang Nr« 656 V. b« b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp£dl6 par l'6diteurrt EVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—% Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, let. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag 5.bisl3,VI. «■ komplett S I V Italien S 98, Finnland S 345, Schweden S 298 VIENNA (Liszkay), VII, Burggas3e23, Tel. B-30-7C4 PARIS Die Exze§§e Aüs Warschau wird berichtet: Der Pogrom in Brest-Litowsk am 13. Mai dauerte von frühmorgens bis Mitternacht. Der jüdische Vizebürgermeister von Brest-Litowsk teilte dem Vertreter der J. T. A. mit, daß die Exzesse in der Nacht zum 14. Mai wieder aufflackerten. Zahlreiche jüdische Geschäfte wurden demoliert und Hunderte Fensterscheiben jüdischer Wohnungen zertrümmert. Sämtliche jüdischen Geschäfte sind geschlossen, nachdem sie restlos geplündert wurden. Die 25.000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung zittert vor der Möglichkeit des Ausbruches neuer Unruhen, ähnlich denen des 13. Mai. Wer nur kann, verläßt die Stadt. Freitag sah es in Brest-Litowsk bereits ruhiger aus, obzwar es noch in verschiedenen Teilen der Stadt zu vereinzelten Ausschreitungen kam. Die Besitzer von nichtjüdischen Geschäften und Häusern haben aus Furcht vor den Pogromisten an ihren Türen r e 1 i g i ö s e christliche Emble m e angebracht..,Sl;arke;Ppiizeiabteilungen, die aus Warschau eingetroffen sind, patrouillieren. durch die Straßen der Stadt. Der Schaden, ■ den die jüdischen Geschäftsleute durch die Plünderungen erleiden, wird auf 2 Millionen Zloty geschätzt. Der Abgeordnete Dr. Emil Sommerstein sprach beim Gouverneur von Brest-Litowsk vor und verlangte die Wiederherstellung von Ordnung und Gesetz in der Stadt. Der Gouverneur versprach, daß er Ausschreitungen mit allen Mitteln unterdrücken werde; außer den am 13. Mai nach Brest-Litowsk entsandten 150 Polizisten trafen am 14. Mai weitere 250 Mann Polizei aus Warschau ein. Auf die von Abg. Sommerstein geäußerten Befürchtungen hin, daß es anläßlich des Begräbnisses des an den Folgen des Messerstiches ums Leben gekommenen Polizeioffiziers Stephan Kodziora zu neuerlichen Unruhen kommen könnte, erwiderte der Gouverneur, daß alle Maßnahmen ergriffen werden würden, um Unruhen während des Begräbnisses vorzubeugen. Als Abg. Sommerstein am Morgen des 14. Mai Brest-Litowsk verließ, wurde er von zahlreichen Juden flehentlich gebeten, sie nicht zu verlassen. Der jüdi-; sehen Bevölkerung der Stadt hat sich eine verzweifelte Stimmung bemächtigt. Dennoch sind die lokalen jüdischen Führer überzeugt, daß das Aergste vorüber und daß die Ordnung wiederhergestellt sei. Die Behörden befürchten den Ausbruch neuer a n t i j ü d i s c h er Exzesse in den umliegenden Ortschaften, wo national-radikale Agitatoren versuchen, die Bei Ischias, Rheuma, Nervenleiden modernste Heilbehelfe in der Kuranstalt Helia, I., Fleischmarkt 7. Alle Krankenkassen. Bevölkerung gegen die jüdischen Einwohner aufzuhetzen. Es wurden in diese Orte starke Polizeiabteilungen entsandt. „Kurjer Poranny", das Hauptorgan des neugegründeten Regierungslagers der nationalen Einheit, 'schreibt im Zusammenhang mit den Ereignissen von Brest-Litowsk, daß die Juden ununterbrochen die Polen provozieren (!) und die Folgen dieser Provokationen zu tragen haben. Die Mitglieder des Jüdischen Parlamentarischen Klub3 haben im Innenministerium wegen der Vorfälle in Brest-Litowsk interveniert und die Zusicherung erhalten, daß die Behörden alle nötigen Maßnahmen getroffen haben, um eine Wiederholung der Exzesse zu verhindern. Die Freitagnummer der jüdischen Tageszeitung „Nasz Przeglad", die nähere Details über die Vorgänge in Brest-Litowsk enthielt, wurde konfisziert. (Weitere Nachrichten im Innern des Blattes.), Ktönungsiubel in Zion Die Judenheit des ganzen britischen Weltreiches hat mit tiefer Bewegung an der Feier der Königskrönung teilgenommen. Schon am Vorabend der Krönung waren die Hauptstraßen der jüdischen Stadtviertel von einer erwartungsvollen Menge gefüllt, die Gebäude der jüdischen Institutionen, die Synagogen und Privathäuser trugen reichen Fahnen- und Blumenschmuck, und in allen Gotteshäusern des britischen Imperiums fanden Festgottesdienste , statt. Die jüdischen Bürger Großbritanniens nahmen mit ganzem Herzen an der Freude der britischen Nation teil. Eine besondere Stellung nimmt hiebei das jüdische Palästina ein, das in London durch einen Delegierten vertreten war. Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) hatte an die jüdische Bevölkerung einen Aufruf zur Feierung des Krönungstages erlassen, dem überall freudige Folge geleistet wurde. Die Altstadt von Jerusalem und die neuen jüdischen Viertel erstrahlten in festlicher Beleuchtung. Jüdische und englische Flaggen wehten von den Häusern, Feuerwerkskörper wurden abgebrannt, ein riesiger Magen David erstrahlte ^vom Gebäude der Zionistiganzen Kulturwelt erwartet wird — mit den Terroristen gründlich aufzuräumen und eine seinem Prestige entsprechende Politik betreiben will. Es wäre eine harte Anforderung an die Nerven des jüdischen Jischuws in Palästina und der ganzen am Nationalheim interessierten Judenheit, wenn England sich nicht auf seine klarumschriebenen Verpflichtungen des Mandats und der Balfour-Deklaration besinnen sollte. Das jüdische Volk hat die Krönung Georgs VI. zum König von England mit respektvoller Freude gefeiert. Es erblickt in dem jungen König den Garanten aller den Juden zukommenden Ansprüche und den Vollstrecker der britischen Verpflichtungen. Es erwartet eine Regierung der Gerechtigkeit im Geist des Vertrages, der zwischen Großbritannien und Zion geschlossen wurde. Für die jüdische lugendbewegunq Wie aus London berichtet wird, rufen Lionel de Rothschild, Lord Bearstead und Sir Robert Waley Cohen in den „Times" zur Schaffung eines Zentralen Krönungsfonds für die Förderun g. d erjüdischen Ju g e n d- Thema; Donne.rstag, den 20. Mai 1937' §| halb 9 Uhr abends im Hotel „Con- {§ tinental", Wien II, Taborstraße 4, g frei zugänglicher Vortragsabend | Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Vize- § Präsident der Israelitischen Kultus- gemeinde; Dr. Salomon Wolf, Vizepräsii dent des Verbandes der Judenstaatss zionisten; Rabb. Dr. J. Z. Kanner, Theodor §f Grubner, Vizepräsident des Palästina- §§ Amtes Judenstaat oder Kantonisierung — Nationale Solidarität oder Klassenherrschaft — Einwanderungssperre — Was unternimmt die Zionistische Exekutive? — Sind wir gerüstet? sehen Weltorganisation. Auch Tel-Aviv beging den Vorabend der Krönung, festlich. (Nur an einer Stelle wurde, wie die J. T. A. meldet, die Festesfreude gestört, als ein britischer Polizeioffizier und ein Polizist an einer Polizeistation eine aus Jaffa gebrachte arabische Flagge hißte, die allerdings nach wiederholtem Einschreiten der jüdischen Stadtverwaltung niedergeholt wurde. — Ueber die Provokation liegt vorläufig ein genauer Bericht nicht vor.) Bei der Festesstimmung im jüdischen Palästina spielte zweifellos auch der Umstand eine Rolle, daß gerade in den letzten, politisch so stürmischen Monaten die Verbindung des englischen Königs mit dem Mandatsland deutlich und ungestüm ins jüdische Bewußtsein trat. Der Begriff „Königliche Kommission" drückte diese Verbindung vor der politischen Welt mit besonderem Nachdruck aus, und aus der allgemeinen Konstellation heraus ist anzunehmen, daß die Entscheidung über das Palästina-Problem zu den nächsten Aufgaben der englischen Regierung, des englischen Parlaments gehören wird. Die Entschlüsse über die Zukunft Palästinas wird man wohl nicht überstürzen: Die Königliche Kommission wird Ende Mai ihren Bericht abliefern und die Permanente Mandatskommission beim Völkerbund wird erst Ende Juli die Palästina-Frage behandeln. Aber gerade zwischen diesen beiden Terminen wird England die Richtlinien seiner künftigen Palästina-Politik zu bestimmen haben. England wird sich entscheiden müssen, ob es seine schwankende, zögernde Haltung gegenüber den arabischen. Ruhestörern.beibehalten oder — was von der. bewegung auf. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß der Herzog von Gloucester in einer vor kurzem gehaltenen denkwürdigen Rede die Arbeit der Juden in der nationalen Jugendbewegung Englands begrüßt hat. Der jüdische Teil dieser Jugendbewegung, der in den Jungen- und Mädchenklubs der Jugendbrigade (Jüdische Pfadfinderabteilung) und ähnliche Einrichtungen seinen Ausdruck findet, sollte nunmehr durch einen Fonds gefördert werden, der zum Gedenken an die Krönung von allen jüdischen Untertanen des Königs ge* schaffen werden soll. Se. Majestät, der stets tiefes Interesse für die Jugendbewegung bekundete, habe seiner Freude Uber diesen neuen Plan Ausdruck gegeben. Die jüdischen Jugendorganisationen, so heißt es in dem Aufruf weiter, leistem dem Vaterland einen besonderen Dienst, indem sie die heranwachsenden jüdischen Bürger mit dem Geist der Gemeinschaft und Zusammarbeit erfüllen, der für das englische Volk kennzeichnend ist, und in dem britischen System der Freiheit und Toleranz eine wichtige Rolle spielt. Für den Fonds sollen mindestens 100.000 Pfund aufgebracht werden. Fast 50.000 Pfund sind von einigen großherzigen Spendern bereits gezeichnet worden. Vor einer Erklärung der Exekutive Aus Jerusalem wird gemeldet: Wie die J. T. A. erfährt, hat die Jewish Agency eine Erklärung zu der Ausgabe der stark gekürzten Einwanderungsschedule vorbereitet. Ihre Veröffentlichung ist jedoch mit Rücksicht auf die Krönungsfeier vorläufig zurückge* stellt worden.

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