Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 655 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712280--6478-2720235- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
T Seite $ DIE NEUE WELT Nr. 655 vom 14. Mai 1937! 31 BERGHAM, I RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTG. 6 KÖLLNERHOFGASSE 1 Große Auswahl und Kinder «Wäsche, Weißwaren, Bettwäsche, Strick« und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise RUNDSCHAU Die Herren Studenten ♦ ♦ ♦ Aus Warschau: Als am 1. Mai der Zug des jüdischen „Bund" an der Ecke Mila-Novollpje vorbeimarschiert war, gaben plötzlich einige uniformierte polnische jugendliche Nationalisten Schüsse ab und verschwanden. Gleich darauf wurde eine Bombe geworfen. Durch die Schüsse wurde der 5jährige Abraham Schenker, den seine Mutter auf dem Arm trug, getötet. Schwere Schußverletzungen erlitten der 51jährige Abraham Englischer, die 6jährige Eva KIEVKA Mottensäcke IN DROGERIEN UND PARFÜMERIEN! Wagmann, der 43jährige Hirsch Dramalewski, der 8jährige Gerschon Perlmutter, der 17jährige Leiser Nissenbaum. Feige Jurom wurde sterbend ins Spital eingeliefert. Nach mehrtägigen Recherchen ist es jetzt der Polizei gelungen, die Mörder des fünfjährigen Abraham Schenker festzunehmen. Es sind dies die Hörer der medizinischen Fakultät der Warschauer Universität Jan Smolinski und Janus Oleiniczak, der Hörer der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät Henrik P a t u r und der Jusstudent Konstantin O k i n c z i k. Die bei den Tätern vorgenommenen Hausdurchsuchungen förderten zahlreiches belastendes Material zutage. Bei Patur wurden Bomben sowie eine größere Menge Sprengstoff gefunden. Das Begräbnis des ermordeten Kindes fand um 5 Uhr früh in aller Stille auf dem jüdischen Friedhof statt. Die Beisetzung, der nur die Eltern und allernächsten Verwandten des ermordeten Kindes beiwohnen durften, erfolgte in einem von der Jüdischen Gemeinde Warschaus zur Verfügung gestellten Ehrengrab. * Aus Budapest: Die Studentenschaft der Universität Szeged beschloß, eine Aktion einzuleiten, die Wir empfehlen die guten, modernen mm Äiito-u.HoJorfailsciiulen Wien 8.NßU{Ieggergass&l8;ttl.;B-4B:5-7i;:ijhd;-. In*« «dort/ H.-Ö. darauf hinausgeht, daß Geschäfte, Unternehmungen und Kleingewerbebetriebe von „Christen von Geburt" zur Orientierung der christlichen Kunden mit einem weißen Kreuz versehen werden. Der Rektor der Szegeder Universität, Dr. Ladislaus Erdelyi, äußerte sich gegenüber einem Vertreter des „Az Est": Es handelt sich um eine Aufwallung, die nicht allzu gefährlich ausfallen wird. * Im Sächsischen Garten im Zentrum Warschaus überfiel eine Gruppe mit Messern-bewaffneter nationalistischer Studenten jüdische Passanten. Vier der Ueberfallenen, Abraham Rosenzweig, Abraham Semsch, Mischa Bernstein und Feiwel Bornstein, erlitten Stichverletzungen. üdisches Kinder-Ferienheim ,AT1D* Spital am Semmering (820 m) Inhaber und pädagogischer Leiter: A. TACLICHT Modernil Rituell Erstrangig Ständige ärzfl. Kontrolle. Glänzende Erholtingserfolge. Ärifereferenxen SEKRETARIAT: Wien IX, SchwarxspanlerstraOe 12 Telephon A-26-3-73 Hakenkreuz und Diamanten» Industrie Aus Avn t w e r p e n wird berichtet: Unternehmer und Arbeiter der Diamantenindustrie und des Diamantenhandels Belgiens, eines der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Landes, haben sich zu einer gemeinsamen Abwehraktion gegen die Bemühungen einer kleinen Gruppe belgischer N a z i s t e n, die Juden aus der Diamantenmdustrie zu verdrängen, zusammengeschlossen. In einer von dem Verband der Diamantenindüstriellen Belgiens und der Gewerkschaft der Diamantenarbeiter erlassenen Proklamation wird bekanntgegeben, daß eine Gruppe belgischer nazistischer Diamantenhändler der Regierung ein Memorandum unterbreitet, habe, in dem der Ausschluß der Juden aus der Diamantenindustrie verlangt wird. Dieses Ansinnen werde an die Regierung gestellt, obwohl es Juden waren, die diese Industrie aufgebaut und ihr ihre geachtete Stellung auf dem Weltmarkt gesichert haben. In der Denkschrift wird erklärt, es sei gefährlich, die Konzentrierung der Diamantenindustrie in jüdischen Händen zuzulassen, da die Juden mit keinem Lande fest verbanden seien und jederzeit die gesamte Industrie mit Leichtigkeit aus Belgien nach einem anderen Lande verlegen könnten. Demgegenüber wird in der Proklamation des Industriellenverbandes und der Gewerkschaft hervorgehoben, daß die Juden für die Diamantenindustrie Belgiens wichtiger sind als die kleine Gruppe der belgischen Nazisten, die das judenfeindliche Memorandum unterzeichnet haben. Die in der Denkschrift enthaltenen Behauptungen werden als bewußte Lügen bezeichnet, mit denen beabsichtigt werde, Unterscheidungen zwischen belgischen Bürgern und Angehörigen verschiedener Glaubensbckennt- KIEVKA Nottensäcke IN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! nisse zu machen. Es wird verlangt, daß die fünfzehn Unterzeichner des Memorandums aus dem Diamnntenhandel entfernt werden, da dessen Bestand durch diese judenfeindliche Propaganda gefährdet werde. * Hiezu wird weiters gemeldet: Der Führer der belgischen nazistischen Diamantenhändler, Joss Hellings, der der Hauptinitiator der antijüdischen Bewegung in der belgischen Diamantenindustrie ist, wurde aus dem Diamantenhändlerklub ausgeschlossen. Der Ausschluß erfolgte mit der Begründung, daß Hellings' antisemitische Umtriebe die Interessen des Diamantenhandels schädigen. Ssr Herbert Samuel Zum Grafen ernannt Aus London: Anläßlich der Krönung König Georgs VI. wurden an eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten Ehrentitel verliehen. Der ehemalige Innenminister und Führer der Liberalen und gewesene High Commissioner für Palästina, Sir Herbert Samuel, wurde zum V i s c o u n t ernannt. Dieser Rang entspricht dem eines Grafen. Herbert Samuel wurde 1S70 in Liverpool geboren, war 1902 bis 1918 liberaler Abgeordneter für Yorkshire, von 1905 bis 1909 Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern und Mitglied des Kabinetts unter Asquith, von 1910 bis 1916 mit kurzen Unterbrechungen Postminister, 1916 bis zum Sturz Asquiths Minister des Innern. 1917 war er Vorsitzender der gemischten „Commission for National Expenditure". Nach den Wahlen des Jahres 1918, bei denen Samuel nicht mehr kandidierte, wurde er Präsident der Royal Statistic Society, 1919 Special Commissioner für Belgien. Als Innenminister trat er für die Heranziehung der russischen Juden in England zum Kriegsdienst ein. Im März 1919 besuchte er auf Einladung des Generals Allenby Palästina; kurz darauf, nach Auflösung der britischen militärischen Okkupationsverwaltung, wurde zum High Commissioner Palästinas für fünf Jahre ernannt. Als infolge der Unruhen 1921 die Frage des jüdischen Nationalheims wieder aufgerollt wurde und eine heftige antizionistische Kampagne in England einsetzte, entwarf Samuel die unter dem Namen „W e i ß b u c h" berühmt gewordene Interpretation der Balfour-Deklaration, die vom Kolonienminister Churchill im Juni 1922 dem Parlament vorgelegt wurde. Im August 1922 gab Samuel Palästina eine Verfassung, die einen Gesetzgebenden Rat vorsah, jedoch wegen des Widerstandes der Araber nicht in Funktion trat. * Der Name Herbert Samuel lastet wie ein FluchaufderzionistischenGeschichie. Die traurige politische Lage, in welcher sich das jüdische Palästina heute befindet, ist zum größten Teil Frucht seiner unseligen Arbeit. Ab Oberkommissär von Palästina hat er alles getan, um das jüdische nationale Aufbauwerk zu gefährden. Die Losreißung Transjordaniens von Palästina, das „Weißbuch", welches den ersten Bruch mit der Balfour-Deklaration darstellte, die Etablierung einer antizionistiseben und antisemitischen Bürokratie in Palästina, die Ernennung des Großmufti, des Haupthetzers gegen die Juden, zum höchsten Würdenträger, all das sind traurige Heldentaten des nunmehr In den Grafenstand erhobenen Herbert Samuel. Die Engländer haben seinen Namen in die Liste ihrer Adeligen eingetragen. Die Juden müssen seinen Namen in der Liste der Schädlinge am jüdischen Volke verzeichnen. Au§ Hitler*Deut§di!and Die A. E. G. judcnrein. Aus Berlin: Der „Reichsanzeiger" vom 5. Mai teilt mit, daß den Prokuristen der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft (A. E. G.) Kurt Aschenheim, Walter Cohn-Byk, Artur Goldstein, Dr. Ludwig Merzbach, Dr. Oskar Singer und Dr. Erich Philippi die Prokura entzogen wurde. (Damit ist die A. E. G. judenrein.) Sämtliche Bäder in Nürnberg für Juden verboten Aus Nürnberg: Die „Bayrische Volkszeitung** meldet, daß Juden der Zutritt zu sämtlichen Sommerbädern der Stadt Nürnberg verboten ist. Bade-Ghetto in Breslau Aus Breslau: Die ..Schlesische Tageszeitung" berichtet, daß Juden von diesem Jahr ab in Breslau der Zutritt zu sämtlichen städtischen Bädern verboten ist. Ihnen stehe allein die Kallenbachsche Schwimmanstalt zur Verfügung. Bisher konnten noch verschiedene Bänder von Juden besucht werden. Dr. Schacht und seine arische Abstammung Aus Kopenhagen: Mehrere tausend deutsche Bürger, die aus dem nach dem Versalller Vertrag an Dänemark abgetretenen Teil Nordschleswigs stammen, KIEVKA Mottensäcke IN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! jetzt aber in Deutschland wohnen, haben den Nachweis ihrer arischen Abstammung erbringen müssen., Die nordschleswigischen Kirchen- und Gemeindeämter sind seit Jahren mit der Ausstellung solcher Nachweise beschäftigt. Vor kurzem hat auch der Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht vom P-astor seines nordschleswigischen Geburtsortes einen Nachweis über seine arische Abstamn mung erbeten und erhalten. Bassenhaßpropaganda, eine Gefahr für die Menschheit. Englische Staatsmänner gegen die Judenverfolgungen in Deutschland. Aus London (J. T. A.): Auf einem vom Frauenhilfskomitee für jüdische Frauen und Kinder aus Deutschland veranstalteten Bankett hielt der englische Abgeordnete Commander Oliver Locker Lampson eine scharfe Rede gegen die Judenverfolgungen in Hitler-Deutschland. Er erklärte, er habe es stets für das Zeichen einer niedrigen. Gesinnung gehalten, die dem Engländer fremd sei, eine Menschengruppe nur ihrer Religion oder ihres Blutes wegen zu verfolgen. Die Rassenhaßpropaganda, die in Deutschland betrieben werde, sei eine Gefahr für die Menschheit. Vizekanzler Stocks bezeichnete die Unterdrückung der Idee der Humanität als Gefahr für die Zivilisation. PARKSANAT0R10N SAUERBRUNN Binnenland, Dr.-Holfmann-StraBe 3 ganzjährig geöffnet, waldige Höhenlage; für innere, nervöse und Stoffwechselerkrankungen. Mastu.-Entfettungskuren, jedwede diätetische Behandlung. Zeitgemäße Preise Leitende Aerzte: Dr. Friedrich Weiss, Dr. Daszö Sleinsr PROSPEKTE IN DER REDAKTION Krönungsfeierlichkeiteii In Palästina Palcor meldet: Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa sind aus Anlaß der Krönung bcilaggt. Die jüdiHcheu nationalen Institute und britische Regierung»- und Privatgebäude sind bunt geschmückt und illuminiert. Vor dem Tel-Avivcr Rathaus Ist ein Triumphbogen errichtet. Misrachi-Koniereiiz gegen Teilung Palästinas Aus New York (J. T. A.): Samstag, den 8. Mai, wurde in Atlantic City die 20. Landeskonferenz der Misrachi-Organlsation Amerikas eröffnet. Der Präsident des amerikanischen Misrachi Leon Gelninn erklärte in seiner Eröffnungsansprache, England sei schuld an dem Blutvergießen in Palästina. Der Redner erhob gegen die englische Regierung auch die Beschuldigung, daß sie ihr den Juden gegebenes Versprechen nicht erfüllt habe. Zum Schluß erklärte er, eine Teilung Palästinas werde von keinem Juden geduldet werden. In der Sonntagssltzung hielt der Misrachiführer Gedalja B u b 1 i k eine Rede, in der er verlangte, daß der bevorstehende Zionistenkongreß der englischen Regierung formell erklären solle, daß die Juden in eine Kantonisicrung Palästinas niemals einwilligen werden. Auf dem Kongreß werde weiter der Misrachi gegen die zionistische Exekutive Anklage wegen Verletzung des vom Luzerner Kongreß beschlossenen Abkommens über die Wahrung der religiösen Vorschriften im öffentlichen Leben Palästinas erheben.