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Die neue Welt · 1937-05-14 · Heft 655 (14.5.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 655 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 die iyeue WELT Nr. 655 vom 14. Mai 1937 Nach Amerika iiiiiiiiiiüiüf mit Koscher-Küche | auf den Dampfern 1 H „QUIEN MARY". W.tfiu t. der schnellste Dampfer der Welt § ff „QUEEN MARY"......19. Mal E s „AQUIYANNIA"......26. Mai 1 „QUEEN MARY" ...... 2 Juni I H „AQUITANNIA"......9. Juni : § 1 CUNARO WHITE STAR UMITfcD 1 | WIEN I. KÄRNTNERRING 4, TEL. U-42-0-43, U-46-2-4S | rjl'!,i::!1,!!i!l!iiiii;ii!IH!!i||IM bei, der Palästina-Regierung des Herrn Wauchope und den englischen kolonialen Kreisen eine die jüdischen Interessen und Rechte schädigende Politik als risikolos erscheinen zu lassen. Wir erwarten einen den »Gefühlen des jüdischen Volkes entsprechenden Kampf zur Sicherung unserer Rechte, insbesondere des Rechtes auf Einwanderung. Mehr soll in dieser schicksalsschweren Stunde nicht gesagt werden. Stimmen der hebräischen Presse Wie aus Jerusalem gemeldet wird, tritt die ganze hebräische Presse mit größer Empörung gegen die soeben erteilte Schedule auf. Die Blätter betonen, daß diese Schedule ganz offenkundig das Prinzip der Aufnahmefähigkeit des Landes verletzt und die Entwicklung des jüdischen Nationalheims gefährdet, wenn die Einwanderung in solchem Maß beschränkt wird. Die Gegner des Mandats hätten Grund, die letzte Schedule als Vorspiel zur faktischen Liquidierung des Mandats zu betrachten. „H a b o k e r" erklärt, daß die Jude*. \a keinem Fall den Kampf gegen eine solche Zertifikatenzuweisung aufgeben werden. „Haarez" betont, daß durch diese Schedule die Msudatsmacht das ganze jüdische Volk am Vorabc.xü der Londoner Krönungsfeierlichkeiten provoziert habe. Das jüdische Volk werde niemL^s mit 4olch einer Haltung zu den grundsätzlichen und international gesicherten Rechten in bezug auf Palästina einverstanden sein. „Wir werden niemals", schließt das Blatt, „unseren.; Hals unter das Messer der Mandatsmacht legen» nachdem wir. bewiesen haben, die schändlichen Angriffe der arabischen Progromisten abwehren zu könen." „Da v a r" schreibt in einem Leitartikel, daß die jetzige Schedule alseine Kriegserklärung an die Juden, aufgefaßt werden müsse. Wenn der englische Partner. den Krieg wolle, würden die Juden die Herausforderung annehmen. Vom Jüdischen Wellkongreß Aus Genf: Das Büro des Weltkongresses teüt mit: Soeben ist das stenographische Protokoll der ersten Tagung des Jüdischen Weltkongresses erschienen. Das 450 Seiten starke Protokoll enthält ein alphabetisches Verzeichnis der 291 Delegierten sowie die Zusammensetzung der Kommissionen und bietet ein Bild des Kongresses der größten jüdischen Weltorganisation. Es enthält ferner eine wörtliche Wiedergabe der auf dem Kongreß gehaltenen Reden, insbesondere der von Dr. Nahum Goldmann, Dr. Stephen S. Wise, Prof. Georg Bernhard, J. Leszynski, J. Efroikin, Dr. Tartakower, Rabbiner Rubinstein sowie der Generaldebatte in der jeweiligen Originalsprache; lediglich die in jiddischer Sprache gehaltenen Reden mußten aus drucktechnischen Gründen in deutscher Uebersetzung wiedergegeben werden. Schließlich enthält das Protokoll sämtliche vom Kongreß angenommenen Resolutionen sowie den Inhalt der mündlichen und schriftlichen Begrüßungen. Aus Warschau: Unter dem Vorsitz von Peruz Zuckermann fand in Warschau eine Sitzung der seinerzeit von den polnischen Mitgliedern üe3 Administrative Committee des. Jüdischen Weltkongresses gewählten Kommission statt. Es wurde beschlossen, für den 31. Oktober 1937 einen KongreßdespolnischenJudentums einzuberufen. Auf dem Kongreß sollen u. a. die politische und wirtschaftliche Repräsentanz der Juden Polens gewählt werden. Die Wahlen zum Kongreß werden am 17. Oktober stattfinden. Zur Organisation der jüdischen Welt|ugend Aus Paris wird gemeldet: Das Zentralinitiativkomitee des Weitverbandes der Jüdischen Jugend teilt mit, daß alle Mitglieder der jüdischen Jugendorganisationen, welche Paris in Verbindung mit der Weltausstellung besuchen wollen, gebeten werden, sich im Büro des Weitverbandes (83, Avenue de la Grande Armee, Paris XVI.) zu melden. Das Initiativkomitee.. wird sich freuen, einen persönlichen Kontakt'mit den Jugendvertretern der verschiedenen Länder herzustellen, und ist gerne bereit, seinen Mitgliedern Informationen Uber alle Fragen bezüglich der Organisierung der jüdischen Jugend, ftu geben. Schützet die jüdischen Blinden! Vor antisemitischer Roheit In der letzten Nummer der „Neuen Welt" wurde berichtet, daß die anscheinend unter nationalsozialistischem Einfluß und Druck stehende ,,Interessengemeinschaft blinder Musiker, Klavierstimmer und Musiklehrer" den A r i e x* Paragraphen in ihr Statut aufgenommen und die j ü dischen Blinden aus dem Verband und damit auch von der Arbeitsvermittlung ausgeschlossen hat. An den Bericht war die Aufforderung an die verantwortlichen Behörden, gegen diese Boykotthetze einzuschreiten, und die Mahnung an die jüdische Oeffentlichkelt, die jüdischen Blinden zu schützen, angeschlossen. Nun erhielt die „Neue Welt" ein Schreiben des „Hilfsvereinsder jüdischen Blinden Oesterreichs", in welchem dem Blatt der innigste Dank für sein Einschreiten ausgesprochen wird und in dem folgender Passus enthalten ist: „Wir richten an Sie die Bitte, in Ihrem Blatte sobald als möglich veröffentlichen zu wollen, daß der „H i 1 f s v e r e i n der jüdischen Blinden, Wien, II., Rembrandt« straße 18, Tel. A-47-2-7 7", für die blinden jüdischen Musiker, Klavierstimmer und Musiklehrer Arbeits -Auf träge entgegennimmt. Durch dieses Entgegenkommen würden Sie den aus der „Interessengemeinschaft" a u sgeschlossenen jüdischen Blinden eine große AUS ALLER WELT Jüdische Touristeilgesellschaft überfallen Aus Budapest: Am Sonntag abends wurde in der Umgebung von Budapest eine jüdische Touristengesellschaft, die sich auf dem Heimwege befand, von einem Meierhbf aus von etwa zwanzig jungen Leuten überfallen, von.denen einige das Bei. fahler, graugelber Hautfärbung, Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemütsstimmuhg, schweren Träumen ist es ratsam, einige Tage hindurch auf nüchternen Magen ein Gläs natürliches „Franz- Josef "-Bitterwasser zu trinken. Aerztlich empfohlen. S e n s e n.k reuzhemd trugen. Die wenigen in der Nähe befindlichen Polizisten waren, machtlos.. Erst" herbeigerufene Polizeiverstärkung schaffte Ruhe. Die zwanzig Angreifer verschwanden. Acht der Angefallenen wurden von der Rettungsabteilung auf der Stelle verbunden, drei mußten ins Spital geschafft werden. Die rumänischen Advokatenkammern beschließen den Numerus clausus Aus Bukarest: Der am 9. Mai abgehaltene Kongreßder Reichsunion der rumänischen Advokatenkammern, des Pflicht Verbandes der rumänischen Advokaten, hat die Einführung des Numerus clausus für die nichtrumänischen Advokaten sowie die Ueberprüfung H Gaumen IM si iil Mi! In jahrelanger Erfahrung und Verbesserung wurden die EISEN-Felnwurst- und Selctiwn auf eine unerreichbare Höhe der Qualität und des Wohlgeschmacks gebracht Achten Sie, bitte, bei jedem Einkauf auf die hier abgebildete Marke! aller seit dem Jahre 1919 vorgenommenen Eintragungen in die rumänische Advokatenliste beschlossen. Die demokratischen rumänischen Anwälte sowie die s 1 a w ischen, ungarischen und jüdischen Anwälte waren zum Kongreß, dessen Tagesordnung einzig nur die Behandlung der erwähnten Gegenstände umfaßte, nicht zugelassen worden, Die Nichtzugelassenen bildeten ihrerseits einen Rumpfkongreß, der die Beschlüsse des Hauptkongresses als ungesetzlich erklärte und gegen sie entschieden protestierte. Farinacci setzt seinen antijüdischeu Feldzug fort Aua C r e m o n a (.T. T. A.): Der durch seine wieder-' holten antisemitischen Artikel und Reden bekannte italienische Publizist Abgeordneter Roberto Farinacci, früher Generalsekretär der faschistischen Partei, hielt im „Faschistischen Kulturinstitut" einen Vortrag über die gegenwärtige politische Lage in Europa. In diesem Vortrag greift Farinacci das Judentum heftig an, dem er vorwirft, daß es durch seine zersetzende Tätigkeit die moralischen und politischen Positionen des natio- Uensim tckstm - SehtMtikp Wohltat erweisen und könnten die in Rede stehenden jüdischen Blinden wenigstens teilweise bis Mir (£zLdjitxxU und Qesunde, bestätigen, daß die denkbar beste Wirkung erzielt wird durch Diana Franzbranntwein. Anwendung: AeuBerllch zu Einreibungen, Umschlägen, Abwaschungen; innerlich als Mund- und Gurgelwasser; ferner zu Verschiedenen-anderen Zwecken, Ein Versuch überzeugt, kaufen Sie 41 heute noch ana FRANZBRANNTWEIN mit MENTHOL Ordnung der Verhältnisse schadlos gehalten werden." Wir schließen an diese gerechtfertigte Bitte der, jüdischen Blinden die neuerliche Aufforderung an das jüdische Publikum an, insolarige nicht gründliche Ab- Stellung der antisemitischen Vorstöße erfolgt ist, aus ganzer Kraft den jüdischen Blinden Hilfe und Schutz angedeihen zu lassen. nalen Regimes untergraben wolle. In den Synagogen und Freimaurerlogen würde, nach Ansicht Farlnaccis, der Haß gegen andere Völker gepredigt und gefördert. Das Judentum stütze die morschen Demokratien und den Kommunismus, um die Herrschaft über die korrumpierten und geschwächten Völker und Institutionen leichter ergreifen zu können. Die von Farinacci herausgegebene Zeitung „Regime Fäscistä" veröffentlicht den genauen Wortlaut der Rede Farinaccis, wobei sie die antisemitischen Stellen der Rede besonders hervorhebt. Die bekannte PENSION HINTERBRUHL Gießhüblerstraße Nr. 29/33 wird am 15. Mal eriiffnet und vom Besitzer geleitet. ... : Beste Verpflegung, zeitgemäße Fjrelse*. Auskünfte: Brüder Grünfeld, Wien I, Seltenstcttcngasäsc5. Telephon Vr26r2r6fl , ....... , •. Gegen einen nichtreligiösen Jüdenstaat Aus London: Auf der hier abgehaltenen Konferenz der Agudas1 Jisroel (Trennungs-Orthodoxie) wandte sich der Präsident der agudistischen. Weltorganisation; Jacob Rosen heim gegen „unverantwortliche. Vorschläge" einer Zwangsauswanderung großen Maßstabes, erklärte aber, für die ungeheuer schweren wirtschaftlichen Probleme, vor die die Judenheit gestellt ist* müsse eine Lösung gefunden werden. Mit der Politik des Separatismus müsse Schluß gemacht werden. Es sei an der Zeit, daß die großen jüdischen Organisationen, der Welt sich zu gemeinsamer Arbeit vereinigen. Der Vorwurf des Separatismus sei gerade der Agudas Jisroel oft gemacht worden. Dieser Separatismus bestehe aber nur da, wo die Thora ihn verlangt. Dagegen sei es kein Vergehen, in allgemeinen Wirtschaftsfragen zusammenzuarbeiten. Was Palästina betrifft, so sei die Agudas Jisroel mit der Jewish Agency einig in der Ablehnung eines „verstümmelten sogenannten Judenstaates an der palästinensischen Westküste"* Vor allem aber lehne sie jeden Judenstaat ab, dessen Grundlagen nicht die Thora und der Glaube sind« Ein Staat ohne Thorä Sei der Vernichtung geweiht. „Die Assimilation verstehe ich, den Zionismus bewundere ich." Aus Prag. (J. T. A.): Im Rahmen der Prager Zionistischen Vortragsabende sprach am 4. Mai der Abgeordnete Dr. M a c c k, ein führender tschechischer Sozialdemokrat, Uber die Judenfrage. Dr. Macek warf die Frage auf, ob die Judenfragc eine nationale, religiöse oder politische Frage sei und kam zu dem Ergebnis, daß sie auf einer irrationalen Aversion gegen die Juden beruhe und ebenso unerklärlich sei. wie die Avorsion der Weißen gegen die Neger in den südlichen Staaten Nordamerikas. Seiner Ansicht nach sollen die Juden dem Antisemitismus ihren nationalen Stolz entgegensetzen und den Völkern zeigen, was sie für die Kultur geleistet haben und noch immer leisten. Er sieht die Zionisten auf dem besten Wege, da er in der nationalen Renaissance die beste Reaktion der Juden auf den Antisemitismus erblicke. Im Laufe der Diskussion stellte ihm der jüdische Abgeordnete Dr. Angelo Goldstein die Frage: Zionismus oder Assimilation? Dr".'Macek antwortete darauf: „Ich erkenne die Assimilation als Tatsache an; ea gibt Juden, die sich vollkommen als Teile des tschechischen Volkes fühle und anerkenne. Meine Sympathien aber gehören der zionistischen Bewegung. Die Assimilation versteh© ich, den Zionisten aber gehört meine Bewunderung, weil sie es unternommen haben, ihr. Volk neu aufzubauen/'

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