Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 655 (14.5.1937)
- Date
- 1937-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712280--6475-2720232- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 20 Groschen Freitag/ den 14* Mai 1937 1*t/. *SN, 655 V* b« b« vom Verleger versendet -«die par l'edlteux* "S'^,. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, viertel jähr I« Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX,Universitäfsstr.8,7et.A-20-2'78 - Erscheint Dienstag u.Freitas? jtkemetk 5691 Warum sil^M^f;,w;;::; : Präsident Weizmann X Von Ai.ns e.re m Londoner „Korrespondenten. " :' ' " r L o n d o n,. 11. Mai 1937. Palästina .wird aufgeteilt — in. zwei, drei oder vier Karitöhe zerschlagen —, drei/ Viertel des kleinen, durch die Abtrennung. Transjordaniens verstümmelten Landes, sollen den Arabern reserviert, und den Juden verschlossen werden;— statt A,ufbau des jüdischen Nationalheims im Sinne der Balfour-Deklaration — Bildung von• zwerghaften Operetten-Staaten... Das sind die Meldungen,, welche in den Spalten" der Londoner Zeitungen täglich registriert und diskutiert werden.'. Nicht etwa nur in den jüdischen Blättern. Die ■ allergrößten englischen Organe widmen dieser Frage den breitesten Raum und immer mehr kommt die Ansicht zum Vorschein, daß es sich nicht um leere Gerüchte handelt, sondern daß die Königliche Untersuchungskommission tatsächlich solche Vorschläge erstatten wird , und daß , es so gut wie gewiß sei, daß die englische Regierung in irgend einer Form diesen Vorschlägen, die auf ein Fallenlassen der Balfour-Deklaration und' der .Mandatsbestimmungen über das Jüdische Nationalheim hinauslaufen, Rechnung tragen wird. Alles schreibt, redet und schreit! Nur ein Mann schweigt: Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Professor Weizmann! . 1 . Tatsache ist, daß Professor Weizmann der Sitzung der obersten Kontrollinstanz der Zionistischen Weltorganisation, des A. C, welche vor einer Woche in Jerusalem tagte und fast ausschließlich der Behandlung der Frage der Zerschlagung Palästinas gewidmet war, ferngeblieben ist. Tatsache ist, daß diese A.-C.- Sitzung und eine riesige Zahl zionistischer und jüdischer Organisationen Kundgebungen gegen die Teilung Palästinas veranstaltet haben. Tatsache ist die erschütternde Aufregung, in welche das jüdische Volk versetzt wurde. Und Tatsache ist, daß Präsident Weizmann bis zur Stunde auch nicht mit einem Worte aiuf diese Kundgebungen und verzweifelten Proteste eines um seine Zukunft kämpfenden Volkes, seines Volkes, reagiert hat. Das Schweigen des Mannes, welchem die Majorität der Zionistischen Weltorganisation unbedingtes Vertrauen entgegengebracht und absolute Vollmacht gegeben hat, erregt berechtigtes Aufsehen sowohl in RICHTIGE LEIBBINDEN und StUtimieder als Resultat umfasiendsr Erfahrung. FACHFIRMA Bandagen-Mikolasch, Taborstraße 22 Faktische Einwanderungssperre in 155 Zertifikate pro Monat — ein Hohn Nun liegt endlich nach langem, bangem Warten die. offizielle Mitteilung bezüglich der Zertifikatenzuteilung vor: „Die Palästina-Regierung hat für Rechnung der Einwanderungs-Schedule für das laufende Halbjahr (April bis September 1937) vorläufig für die Zeit vom 1. April bis 31. Juli eine Einwanderungsquote von 770 Arbeiter-Zertifikaten bewilligt. Von diesen behält die Regierung 150 zur nachträglichen Legalisierung von Touristeneinwanderern, die sich später dauernd im Lande niedergelassen haben, zurück." Es verbleiben also insgesamt 620 Zertifikate für vier Monate, was einer Anzahl von 155 Zertifikaten pro Monat entspricht. Diese Schedule steht natürlich en keinem Verhältnis zu der von der Zionistischen Exekutive geforderten Zahl und ist auch viel kleiner als die Zahl, welche von der Regierungskommission auf Grund der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes empfohlen wurde. Die Exekutive schlug der. Regierung eine .Schedule von rund Ü.ÖÖ0 Zertifikaten für das" lauf ende'. Halbjähr (April Oktober 1937) vor, während die Regierungskommission, in der sich auch Araber befinden, Arbeitsmöglichkeit für 8000 Neueinwanderer feststellte. Die Wauchope-Regierung ist also ihren eigenen Weg gegangen. Nicht nur die lächerlich kleine Zahl von Zertij fikaten, sondern auch die Schedule für bloß vier ' Monate hat in allen jüdischen Kreisen Enttäuschung und Empörung hervorgerufen. 155 Zertifikate pro Monat kommen — im Verhältnis zum Fehlen vieler tausender Arbeitshände — einer Einwanderungssperre gleich. Kein ernster Kolonialfachmann, kein seriöser Politiker kann glauben, daß einem im Aufbau befindlichen Land mit 155 Neueinwanderern pro Monat gedient sein kann. In gewissen Kreisen sieht man in dieser kargen Zuteüung einen Beweis für die Richtigkeit der - Gerüchte, daß die Regierung ihre zukünftige Palästina- Politik unmittelbar nach oder vielleicht gleichzeitig mit der^ Veröffentlichung des Berichtes der Kgl. Kommission festlegen wird, wodurch eine öffentliche Diskussion über die Vorschläge der Kom- PARIS 5. bis 13.VI. komplett S 168 Italien S 98, Finnland S 345, Schweden S 298 V9ENNA (Liszkay). VII, Burggasse 23, Tel. B-30-704 mission unmöglich gemacht erscheint. Man bezweifelt im übrigen nicht, daß der Oberkommissär Wauchope bei der Erteilung der Schedule ausdrückliche Informationen von der Londoner Zentralregierung erhalten hat. Wie Palcor erfährt, wurde für Dienstag, den 11. Mal, eine dringe ndeaußerorde n tliche Sitzung der Zionistischen Exekutive einberufen, die den Zweck hat, die Stellungnahme zur letzten Schedule festzulegen. Ueber die Haltung der Exekutive zu dieser neuerlichen Verletzung des Mandats, die man schon als Beleidigung der Zionistischen Organisation, ja als Provokation bezeichnen kann, läßt sich nichts Sicheres sagen. Es wäre in diesem Augenblick auch unangebracht, der Zionistischen Exekutive Vorhalte über ihre bisherige Politik zu machen, die nicht wenig zur jetzigen traurigen Lage beigetragen hat. Das alljährliche Betteln um Zertifikate, die bis zum Ueberdruß gemachte Versicherung, daß alles gut stehe, und schließlich die Versuche, die zionistischen Massen von jedem Ausdruck des Protestes und der Kampfbereitschaft zurückzuhalten — all das trug zweifellos dazu Kundgebung Donnerstag, den 20. Mai 1937* halb 9 Uhr abends im Hotel „Continental", Wien II, Taborstraße 4, der Judenstaatszionisten m«*****™™*'" Thema; Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde; Dr. Salomon Wolf, Vizepräsident des Verbandes der Judenstaatszionisten; Rabb. Dr. J. Z. Kanner, Theodor Grubner, Vizepräsident des Palästina- Amtes Vor dem XX. Zionistenkongreß Judenstaat oder Kantohisiefung — Nationale Solidarität oder Klassenherrschaft — Einwanderungssperre — Was unternimmt die Zionistische Exekutive? — Sind wir gerüstet? jüdischen als auch in englischen Kreisen. Man spricht über dieses Schweigen. Man ist bereits so weit, es als Zeichen der Zustimmung zu den Projekten der Teilung zu deuten. Weizmann hat den Widerstand aufgegeben und die englische Regierung ist bereits darüber informiert. Weizmann ist der Sitzung des A. C. ferngeblieben, um jeder Auseinandersetzung und dem Zwange, eine Meinung zu äußern, auszuweichen. Weizmann will nicht kämpfen. Das sind die Nachrichten, welche die hiesige zionistische Oeffentlichkeit in Bestürzung versetzen. Die Bestürzung unter den Anhängern Weizmanns ist begreiflicherweise noch stärker als die Bestürzung unter seinen Gegnern, denn die letzteren waren auf manches gefaßt. Sie erinnerten sich ja immer daran, daß Weizmann nie kämpfen wollte, nicht gegen die Lostrennung Transjordaniens von Palästina, nicht gegen das verderbliche „Weißbuch 1922", nicht gegen die antizionistische Palästina-Regierung, nicht gegen das Parlament mit arabischer Majorität, nicht für den Judenstaat. Die Gegner der Weizmannschen Politik sind seit fünfzehn Jahren mit schwersten Sorgen um die Zukunft erfüllt gewesen. Sie sind es heute mehr wie je. Aber sie sind nicht überrascht. Es gehen Gerüchte um den schweigenden Weizmann. Wie weit sie dem wahren Sachverhalt ent* sprechen, das läßt sich jetzt nicht feststellen; aber weder Weizmann noch seine Freunde haben ein Recht, sich wegen dieser Gerüchte zu beklagen, denn das Schweigen des verantwortlichen Führers in der Zeit höchster Not erscheint der Oeffentlichkeit einfach unfaßbar.