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Die neue Welt · 1937-05-05 · Heft 653 (5.5.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 653 (5.5.1937)
Date
1937-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 653 vom 5. Mai 1037 DAß NEUE WELT Seite 9 AUS ALLER WELT lieber Rassismus Aus Paris: Der Anthropologe Professor Jeacques M i 11 o t hat vor kurzem ein Werk, „D i e Menschenrassen", veröffentlicht, das in wissenschaftlichen Kreisen lobend aufgenommen wurde. Der Verfasser kommt auch auf die moderne Bewegung des „Rassismus" zu sprechen und führt u. a. aus: „Der Rassismus, der sich von Qobineaus Anschauungen ableitet, basiert auf drei Postulaten: 1. Bestehen reiner Kassen (in erster Linie der „arischen"); 2. Ungleichheit der Rassen; 3. Inferiorität der Mischrassen. Das Bestehen der rassischen Konstitution — schreibt Millot —> foll nicht geleugnet werden. Aber die die Rassen «rennenden Differenzen sind minimal. Das Pustulat der Existenz reiner Rassen setzt deren Stabilität voraus. Die Rassen ändern sich jedoch unaufhörlich. So gibt es heute den neu aufgekommenen amerikanischen Rassentyp. Nicht einmal die Neger Amerikas ähneln mehr ihren afrikanischen Ahnen. Laut Gobineau sind die Schwarzen und die Gelben die großen „minderwertigen Spielarte n". Aber unsere ganze westliche Kultur stammt aus dem Orient: wir verdanken sie den Gelben. Lange schon gibt es keine reinen Rassen mehr, es gibt nur noch mehr und weniger gemischte Rassen. Die großen Menschheitswerke sind immer Schöpfungen von Rassen mit gemischtem Erbe, wie es die Aegypter der Pharaonen-Aera und die Griechen der Perikles-Epoche waren. Die Rassen- Wir empfehlen die guten, modernen HEUDEGGER Auto-ii.Hotorrädsciiuien ftßjHeudeggerfliisSßl8 Tal. B-46^5-« und liuersüorf, jii-fl; theorie zielt auf die Vernichtung des humanistischen Erbes unserer Zivilisation ab; darum muß man dieses Idol bekämpfen." * Der „Service d'Informations Etrangeres" (Paris), welcher laufend Stimmen,. hervorragender Gelehrter und fühender Männer der französischen Gesellschaft über den neuen Rassismus verbreitet, veröffentlicht folgende Erklärung des bekannten katholischen Publizisten Louis Martin- Chauffier; , „Jedes Regime, das die. Freiheit und die Entwicklung des Menschen angreift oder auch nur beschränkt, ist verabscheuenswert. Wenn aber ein Regime so weit geht, Menschen wegen ihrer Rasse zu verfolgen, wenn es auf Grund der absurdesten Doktrine eine Rassen-Hierarchie errichtet, greift es das eigentliche Prinzip der Menschennatur an und begibt sich der Zivilisation. Mir als Katholiken scheint der Rassismus ein Sakrileg an der durch den Erlöser besiegelten Bruderschaft der Menschen; mir als R e'p u b 1 ik a n e r scheint er eine untragbare Leugriung der Freiheit und Gleichheit, die die Fundamente einer zivilisierten Gesellschaft sind. Ein Regime, das die Menschenwürde angreift, muß notwendig Christen wie Humanisten in Kampfstellung gegen sich bringen. Der Präsident der Bnc Britli bei Staatssekretär Hull Aua Washington (J. T. A.): Der Präsident des .Weltverbandes der Bne Brith, Alfred M. Cohen, hatte am Dienstag, den 27. April, eine längere Konferenz mit dem amerikanischen Staatssekretär Cordeli Hull, in deren Verlauf die Schließung der Bne-Brith-Logen in Deutschland und die Evakuierung der Insassen aus den Altersheimen der Logen erörtert wurden. Der Präsident der Bne Brith lehnte es ab, über seine Besprechungen mit Staatssekretär Hull Mitteilungen zu machen. De la Rocque über die Juden Aus Paris: Der Führer der französischen Feuerkreuzler, Oberst de la Rocque, veröffentlichte eine Erklärung über die Haltung seiner Partei zur Juden frage. In dieser Erklärung behauptet de la Rocque, daß „die Politik des Premierministers Blum Antisemitismus in Frankreich hervorrufe und die Rechtsparteien veranlasse, sich mit der Judenfrage zu befassen". Seine Partei habe keine antisemitischen Tendenzen, sehe jedoch in der Einwanderung von Juden nach Frankreich „eine Invasion von Parasiten", gegen die sie kämpfen werde. Oberst de la Rocque kündigt an, daß seine Partei den Kampf auch gegen jene Juden in Frankreich führen werde, die, obwohl französische Staatsbürger, sich nicht assimilieren wollen und an dem französischen nationalen Gemeinwesen keinen Anteil nehmen. Aus zwei Gründen, erklärt de la Rocque, sind wir keine Antisemiten. Erstens respektiert meine Partei jede Religion, zweitens kann es in Frankreich, dessen Bevölkerung sich aus verschiedenen Rassen zusammensetzt, keine Rassenfrage geben. Es wäre töricht, einen Franzosen wegen seiner Abstammung oder Religion anzugreifen, besonders, wenn er am Kriege teilgenommen hat. Für uns gilt als einziges •Kriterium seine restlose Assimilation und vorbehaltlose Annahme «iler französischen Sitten uftd Gewohnheiten, frspzösischen Fühlens und Denkens. Als Fremde betrachten wir alle jene, die — wiewohl im Besitze eines französischen Passes — sich unserer Nation gegenüber als Fremde verhalten. Zum Schluß erhebt de la Rocque gegen Blum den Vorwurf, daß er „sich seine Mitarbeiter ausschließlich aus den jüdischer. Reihen wähle". Joint hat 3 Millionen Dollar für deutsche Juden gegeben Aus Paris: Wie aus dem soeben veröffentlichten Bericht des Pariser Büros des American Joint Distribution Committee hervorgeht, hat das J. D. C. seit der Machtergreifung durch Hitler über drei Millionen Dollar für deutsche Juden ausgegeben, zur Hälfte für Juden in Deutschland und jüdische Flüchtlinge aus Deutschland. Der Bericht des J. D. C. stellt weiter fest, daß es heute in Deutschland 40.000 arbeitslose Juden Bei Asthma und Bronchitis ist die Regelung der Darmtätigkeit durch zeitweisen Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef"-Bitterwassers — früh nüchtern ein Glas voll — von großer Wichtigkeit. gibt, die Opfer der allmählichen zwangsweisen Ueberführung der jüdischen Betriebe in arische Hände geworden sind. Der Bericht des J. D. C. betont, daß man an der Tatsache nicht vorbeigehen könne, daß für absehbare Zeit eine beträchtliche Anzahl von Juden in Deutschland werde leben müssen, und stellt fest, daß Kredithilfe die beste Möglichkeit sei, die ökonomische Position der Juden im Dritten Reich zu halten. Krediterleichterungen gewähren über 60 jüdische Darlehenskassen, die sowohl mit eigenen Geldern arbeiten als auch mit den Krediten, die ihnen von der American Joint Reconstruction Foundation zur Verfügung gestellt werden. 570.000 Mark von den insgesamt 1,250.000 Mark Grundkapital wurden von der Foundation zur Verfügung gestellt. Die Zahl der Juden, die bis zum Jahre 1936 Deutschland verlassen haben, wird in dem Bericht mit 112.000 beziffert. Nach Ansicht der Reichsvertretung der Juden in Deutschland werden während der nächsten vier Jahre jährlich 12.000 bis 20.000 Juden aus Deutschland auswandern, davon die Hälfte nach Palästina. Zum Schluß stellt der Bericht fest, daß die Abwanderung sich katastrophal auswirkt, da die Auswanderer meist junge Leute sind, während die ältere Generation, die in vielen Fällen von der jüngeren unterstützt wurde, nunmehr den jüdischen Gemeinden zur Last fällt. Von den 1400 Gemeinden in Deutschland bedürfen 276 dringender Hilfe. Ein Teil hat sich bereits aufgelöst, die Synagogen wurden verkauft. AEtwesden a./u/igMeißert JOE E. BROWN Der König des Lachens als Der geborene Verkäufer Eine Anleitung zum reibungslosen Dienst an Kunden und Bräuten Rotenturm-Kino I. / Johann-SfrauO-Kino IV. Staffa-Kino VII. / Vofivpark-Kino IX. mm^^^^^^m Ein Qroßfilm der Warner Bros. D möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch leicht erreichbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. Ein hervorragendes Mittel für Massagen (Einreibungen), die mit verjüngender kraft erfüllen, ebenem wertvoll zur Mund- und Haarpflege ist l/IANA- FRAN ZBRANNTWEIN mim entho t Oesterreidusdie Landsmannschaft in Palästina Aus Jerusalem wird uns berichtet: Gleich den Schwestervereinen Tel-Aviv und Haifa, hat die „Hltachduth Olej Austria" in Jerusalem ihre allwöchentlichen Zusammenkünfte durch belehrende Vorträge über das Leben des Jischuw ausgestaltet. Dem Einleitungsvortrag von Dr. E. M. Zweig Uber die „P o 1 itische Lage" folgte am 14. April ein Referat von Doktor F. Rottenstreich über die „Wirtschafts- 1 a g e". Keiner wie er, als Leiter des Ressorts für Handel und Industrie in der Sochnuth Jehudith ist berufener, über lebenswichtige Fragen Aufschluß zu geben. Obmann Robitschek und Dr. Zweig begrüßten den Gast, der sich schon in Europa als Nationalökonom und im Warschauer Senat als mutiger Sachwalter jüdischer Interessen hervorgetan hat. Dr. Rottenstreich sprach streng sachlich, dabei spannend und populär. Unser Jischuw hat der durch den Abessinienkrieg und den Araberaufstand provozierten Krise standzuhalten gewußt. Zunächst haben wir unsere kaufmännische Ehre gewahrt und die 10 Millionen Pfund Warenschulden ans Ausland bisher zu 90 Prozent getilgt. Ferner haben wir die Gefahr der von den Arabern geplanten Aushungerung des Jischuws abgewehrt, indem wir den Großhandel in Zucker, Eiern, Mehl usw. an uns zogen und unsere landwirtschaftliche Produktion, zumal in Gemüse, Eiern und Hühnern, mächtig zu steigern wußten. Wankende Fabriken wurden durch zweckmäßige Kredite saniert. Was die jüdische Industrie am arabischen Käufer verlor, brachte sie durch Erfassung der jüdischen Kundschaft reichlich ein. Die Parole „Tozereth Haarez" hat gezündet. Inländisches und — trotz gehemmter Aliah und trotz Devisensperreh — ausländisches Kapital fließt der Industrie für Neuinvestitionen wieder zu. Der Konsum steigt. Das Ausland und nicht zuletzt die Regierung selbst werben um den palästinensisch-jüdischen Markt. Die Sochnuth hat durch verschiedene Maßnahmen und Pläne vorgesorgt, um bei Erneuerung der Unruhen die Unabhängigkeit des Jischuws zu sichern. Dieser jüdischen Initiative gegenüber glaubten sich die Araber auf Terror und Boykott beschränken zu können. Jetzt erst erfassen sie, welch schwere Wunden sie ihrer eigenen Wirtschaft schlugen. Der jüdische Wirtschaftssektor ist nun emanzipiert und wird fortab seinen gesonderten Weg gehen. Der Vortrag fand bei dem sehr zahlreichen Publikum, unter dem sich auch der ö sterreichische Generalkonsul Dr. Jorda befand, verdienten Beifall. Michael. Protest gegen einen Gewalfsfreedh Wir erhalten von der Leitung des Verbandes der Judenstaatszionisten Oesterreichs folgenden Bericht: Wie alle anderen zionistischen Gruppen haben auch wir einen Handwerkerverband gegründet, dessen Mitglieder sich für Palästina ausbilden, resp. fortbilden. Nach Prüfung dieser Vereinigung durch die Leitung des Wiener Palästina- Amtes haben wir um Anerkennung unseres Fachverbandes ersucht. Bemerkt sei, daß es ohne diese Anerkennung unseren Handwerkern unmöglich ist, einZertifikatfürPalästinazu erlangen. Gegen die Anerkennung unseres Fachverbandes begannen sofort Treibereien seitens der die Zionistische Exekutive heute beherrschenden Partei, resp. ihrer Freunde im Wiener „Binjan Haarez". Die Anerkennung wurde verweigert, d. h. den jüdischen Handwerkern, welche auf dem Boden des reinen Herzl-Zionismus stehen, wird nur aus diesem Grunde dasRechtaufPalästina abgesprochen. Sie werden zum ewigen Ausschluß von Palästina verdammt, weü sie sich zur Ideologie der nationalen Einheit bekennen, weil sie die Betonung der Klassenunterschiede und Klassenkämpfe im Zionismus und in Palästina ablehnen, weil sie nicht das Parteibuch der heute Palästina und die Zionistische Organisation beherrschenden „Histadruth" nehmen wollen, weil sie auf dem Standpunkt der freiwilligen und nicht der mit der Hungerpeitsche erzwungenen Organisierung der arbeitenden Menschen stehen. Wir haben in Anbetracht der dem zionistischen Aufbauwerke heute drohenden Gefahr bisher davon Abstand genommen, den Kampf um unser Recht öffentlich zu führen. Wir haben in wiederholten Eingaben an die Zionistische Exekutive in Jerusalem Vorstellungen erhoben, Abstellung des abscheulichen Gewissenszwanges und Anerkennung unseres guten Rechtes, Anerkennung unseres Handwerkerverbandes gefordert. Alle unsere Briefe sind unbeantwortet geblieben. Unsere Handwerker bleiben nach wie vor ausgeschlossen, verfemt. Das zwingt uns, den Weg in die Oeffentlichkeit zu gehen. Wir werden aller Welt das schreiende Unrecht enthüllen, das seitens der Partei .verübt wird, welche die Macht im Zionismus an sich gerissen hat, die sich die Partei aller arbeitenden Menschen nennt, in Wirklichkeit aber, einseitiger und gewalttätiger Parteiherrschaft frönt. Die Leitung der Zionistischen Weltorganisation, welche Mittel und Unterstützung von allen Juden, ohne Rücksicht auf ihre weltanschauliche Einstellung fordert und erhält, treibt Mißbrauch mit der ihr anvertrauten Macht. Der Fall der Verweigerung der Anerkennung der Judenstaatszionisten ist der eindringlichste Beweis hiefür. Wir werden nicht länger schweigen, wir werden nicht länger dulden, wir werden von nun ab in der Oeffentlichkeit kämpfen, nicht nur bis unseren engeren Freunden, sondern allen Juden, die nach Palästina streben, ihr Recht wlrxi.

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