Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 653 (5.5.1937)
- Date
- 1937-05-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ME JCfeüE WEIT Nr. 6&3 vom 5. Mai 193t BERGHAM, I RABENSTEIB 3 HIMMELPFORTG. 5 ^mmmmmmm»mmmt*m . KÖLLNERHOfGASSE 1 i<BMltM^IMlUtt«IMfc Große Auswahl und Kinder• Wäsche, Weißwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewären, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kl eine Preise War es doch dieses Unterhaus, welches Vor einem Jahr das Projekt des Legislativen Rates in Trümmer ge schlagen hat. Nun frage ich: ist das alles ein Grund für uns, sich von jeglichem Kampf zurückzuziehen? Ich glaube alles eher als das. Ich glaube, daß wir jeden Örund haben, einen glücklichen Ausgang eines internationalen jüdischen Oppositionskampfes zu erhoffen. 2. Man sollte auch verstehen, daß, wenn die Juden heutzutage in Palästina auch keinen entscheidenden Faktor bilden, sie trotzdem bereits stark genug sind, um sich eventuellen Raub- und Verteilungsplänen wirksam entgegenzusetzen. Voraussetzung hierzu ist allerdings eine entschlossene Leitung, die den Gefühlen des Jischuw entsprechenden Ausdruck verleihen kann. KIEVKA Mottensäcke IN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! 3. Es ist vielleicht richtig, daß der mikroskopische „Judenstaat", wie manche Zionisten glauben, günstiger für die jüdische Sache als die sogenannte Kantonisierung des Landes sei, denn die Kantonisierung nimmt uns alles, ohne dafür etwas zu bieten, wogegen der kleine Judenstaat uns zwar drei Viertel unseres Territoriums raubt, dafür aber einen Knochen . in Gestalt gewisser Arbeitsmöglichkeiten zuwirft. Das berechtigt aber bei weitem nicht zu einer positiven oder sogar halbpositiven Stellungnahme gegenüber dem kleinen „Judenstaat". Denn der Unterschied zwischen diesen beiden Vorschlägen ist viel zu unbedeutend, daß wir dessentwegen auf den Großteil des palästinensischen Territoriums Verzicht leisten, Man soll sich nur nicht einreden, daß die eventuelle Bildung eines neuen arabischen Staates auf dem Territorium des Mandatsgebietes ein bloßes „Provlsorium" bleiben werde. Dies können nur Leute behaupten, die aus der Geschichte nichts gelernt haben. Auch die Abtrennung Transjordaniens wurde von den Zionisten im Jahre 1922 als bloßes Provisorium angesehen. Wie dieses „Provisorium" jetzt aussieht, bedarf keiner Kommentare. Auch der nunmehr zu bildende neue arabische Staat wird sich im Laufe der Zeit als ähnliches „Provisorium" erweisen. Ich glaube sogar, daß trotz seiner Nachbarschaft zum sogenannten „Judenstaat" es sich sehr schnell herausstellen wird, daß er für uns in noch größerem Maße verloren ist als Transjordanien, inwiefern von einem „noch größeren Maße" die Rede sein kann. England wird es kaum zulassen, daß in der Nachbarschaft eines halbwegs geordneten Judenstaates ein armer, hungriger arabischer Staat seine elende Existenz fristet. Es wird infolgedessen zweifelsohne die Kasse des Judenstaates für die Entwicklung und Stärkungdes arabischen Staates in Anspruch nehmen, um das berühmte „Gleichgewicht" zwischen den beiden Staaten aufrechtzuerhalten, und wir werden es dann mit einem vom jüdischen Geld aufgebauten arabischen Staat zu tun haben. 4. Der Trost, daß wir wenigstens innerhalb dieses jüdischen Zwergstaates Handlungsfreiheit genießen werden, ist ebenfalls ein sehr zweifelhafter. Es wird kein unabhängiger Judenstaat, iondern ein kleiner, schwächlicher englischer Vasallenstaat sein, welcher nicht von einer jüdischen Regierung, sondern von einem englischen Gouverneur oder „Ratgeber" verwaltet werden wird, Und dieser „Ratgeber" wird schon dafür sorgen, daß keine allzu große jüdische Einwanderung Platz greift, daß die im jüdischen Zwergstaat verbliebenen Araber nicht „ihrer Rechte beraubt werden", daß die eventuelle jüdische Armee zu keiner ausschlaggebenden Stärke gelange, daß die jüdische Wirtschaftspolitik keine ungünstigen Rückschläge auf den benachbarten Araberstaat habe usw... Alles, was wir jetzt gegen das Jerusalemer Oberkommissariat einzuwenden haben, werden wir dann gegen den Tel-Aviver britischen Ratgeber einwenden müssen. Es wird sich nur die Adresse unserer Beschwerden, nicht aber ihr Wesen ändern, denn die geographischen Aenderungen in Palästina werden keine Aenderung der bisherigen Einstellung Großbritanniens im Nahen Osten zur Folge haben. Es ist deshalb eine pure Naivität und eine Chimäre, etwas für den Zionismus vom Zwergstaate zu erhoffen. 5. Man könnte manchmal an dem provinzialistischen Optimismus gewisser zionistischer Führer verzweifeln: die guten Leute, glauben noch immer daran, daß sowohl die Königliche Kommission als die britische Regierung damit beschäftigt sind, einen derartigen Plan zu kombinieren, welcher für d i e Araber eine Falle und für uns Juden eine weitere Entwick1ungschänce be deutet. Ein jüdischer Zwergstaat, so behaupten die Leute ferner, sei den Engländern deshalb an genehm, weil er die Araber beruhigen und die Juden zahlenmäßig und wirtschaftlich vorwärtsbringen werde. Als ob die Engländer nur daran dächten, den zionistischen Aspirationen auf Umwegen Genüge zu tun! Als ob die Königliche Kommission nach Palästina geschickt worden wäre, um die Juden und nicht die A r a b e r zu beschwichtigen! Darin liegt eben die irr tümliche gedankliche Konstruktion dieser Leute. Man darf nie vergessen, daß das gesamte Palästina-Problem diesmal einzig und allein durch die Araber aufs Tapet gebracht wurde, und daß Englands Hauptsorge gegenwärtig der Befriedigung des arabischen Petenten gilt. Im Geiste dieser politischen Linie wird auch der Bericht der Königlichen Kommission verfaßt werden. Die politische Mentalität der verantwortlichen englischen Stellen Palästina gegenüber ist heutzutage nach einem Jähre arabischer Pogrome, eine derartige daß wir in den Vorschlägen der Königlichen Kommission alles eher als eine verkappte projüdische Stellung zu suchen haben. Um die Mentalität dieser Stellen zu. unseren dunsten zu ändern, müssen wir dafür sorgen, daß nach einem Jahr schärfsten arabischen Druckes eine Periode gestärkten jüdischen Druckes kommt. Es hilft eben nicht: eine nationale Bewegung muß manchmal die lächelnde Salondiplomatie durch eine elementarere Kraft des Willens ausdruckes ersetzen. KIEVKA Mottensäcke IN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! 6. Und dann die Frage: Was soll denn mit den Juden geschehen, die im neuzugründenden arabischen Staate ihr Dasein werden fristen müssen? Sollen sie dem arabischen Regime preisgegeben werden? Oder sollen wir diesen Opfern künfti gen „jemenitischen Staatssystems" raten, sich in Geduld zu fassen, bis ihnen Messias aus ihrer Lage heraushilft? Oder wird jemand vielleicht mit dem Vorschlag einer „national-personellen Autonomie" für diese arabischen Juden kommen? ... Wir haben bereits gesehen, wie die „völkerrechtlich garantierte Autonomie" der Juden in Litauen, Lettland, Polen, Rumänien usw. aussieht, und glauben nicht, daß es in Asien besser aussehen wird. Im abgetrennten Transjordanien waren Gott sei Dank keine Juden da. Im abzutretenden Westjordanlahd (sei es Araberland oder arabische Kantone) werden mehrere Zehntausende von Juden, die nach Erez Israel gekommen sind, dem arabischen Wüstenregime preisgegeben sein. Wer von uns wird sich damit einverstanden erklären, dafür die Verantwortung zu übernehmen? 7. Die politische Neuordnung der Dinge im obenerwähnten Sinne hat die Abschaffung des Palästina-Mandats zur Voraussetzung. Demgemäß soll also von nun ab das jüdische Volk in der ganzen Welt nicht mehr mit dem historischen Palästina, wie es vom Mandat festgestellt wird, sondern nur mit dem Liliputstaat am Ufer des Mittelländischen Meeres durch „historische Bande" verbun- PARKSANAT0R1UH SAUERBRUNN Burgenland, Drt»Hotfmann»Sfraflo 3 ganzjährig geöffnet, waldige Höhenlage; für innere, nervöse und Stoffwechselerkrankungen. Mastu. Entfettungskuren, jedwede diätetische Behandlung. Zeitgemäße Preise Leitende Aerzte: Dr. Friedrich Welfl, Dr. Deszü Steiner PROSPEKTE IN DER REDAKTION den werden. Das ist vom historischen Standpunkt eine viel ernstere Sache als die seinerzeitige Abtrennung Transjordaniens, denn diese war auch formell rein provisorischer Natur und wurde auf Grund der Mandatsvorschriften selbst vorgenommen, tastete also in keiner Weise die jüdischen Hoheitsrechte auf dieses Gebiet an. Was j e tzt. geschehen soll, ist die Erlöschung der jüdischen Rechte in bezug auf die abzutretenden Gebiete. Keine jüdische Körperschaft ist berufen, mit derartigen Dingen „diplomatisches Spiel" zu treiben. 8. Wovon sollen denn die Juden in diesem Zwergstaate wirtschaftlich leben? Vom Häuserbau oder von Bodenspekulationen? Oder vielleicht vom offiziellen. Optimismus der führenden zionistischen Kreise? Es ist dies nicht die letzte Frage, dieder Beantwortung der Herren Antragsteller harrt. Man erzählt, daß einflußreiche tschechoslowakische und französische Politiker Herrn Dr. Weizmann geraten hätten, den Teilungsplan zu akzeptieren. Wir schätzen die Klugheit dieser Politiker sehr, glauben aber, daß ihren Ratschlägen in bezug auf Palästina keine überragende Bedeutung beizumessen sei. Niemand kann dir sagen, wo dich der Schuh drückt. Und was Dr. Weizmann anbetrifft, so hätte er sich lieber zur Aktions-Comite-Sitzung nach Jerusalem begeben sollen, falls er eines Rates bedurfte. Non possumus! Das ist heute die Antwort des gesamten jüdischen Volkes. Caveant consules! Eine nur dreimonatige Schedutef Aus Jerusalem: Die arabische Presse bringt die Mitteilung, daß die Palästina-Regierung beschlossen hätte, diesmal der Jewlsh Agency nicht einen Aroeiterschedule für einen Zeitraum von sechs Monaten, wie dies bisher üblich war, sondern lediglich einen Schedule für drei Monate (April, Mai, Juni) zu bewilligen. Der Grund sei der, daß die Palästina-Regierung den Schlußfolgerungen im Bericht der Kgl. Kommission nicht vorgreifen wolle. Laut der gleichen Quelle werde die Regierung für das erwähnte Vierteljahr einen Schedulo von monatlich 30t) Zertifikaten bewilligen. (J. T. A.) WßcketoSfde$rt Von der österreichischen Tradition „Innerösterreichisch gesehen, würde sicJi die Monarchie ganz glatt in Oesterreich einfügen. Die Regierung/ ist dafür, Polizei und Beamtenschaft sind wohldiszipliniert, die Armee würde begeistert auf den Ruf des silbernen Horns der Jahrhunderte alten Tradition hören, ein Gardebataillon ist verfügbar für Ehrenbezeugungen, in vielen kaiserlichen Palästen brauchen nur die Vorhänge hochgezogen zu werden. Ein geschickter Propagandaleiter hat fleißig den Boden vorbereitet, und etwas überraschend gab in der letzten Zeit ein starkes Volksgefühl klare Beweise seiner Existenz.. „Times" (April 1937). Jüdisches Heimatgefuhl „Auf allen Wegen lauerten Gefahren, aber das Gefühl, die wiedererrungene Heimat zu verteidigen, und KIEVKA Mottensäcke jN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! das Vertrauen in eine lichtei'e Zukunft waren stärker und bilden auch heute 'einen mächtigen Impuls auf dem Weg zur Konsolidierung und endgültigen Befriedung Palästinas." Dr. J. Christiansen (Kopenhagen). Das Weltgewissen ,J3s gibt noch vollendetere Menschenschönheii als die der größten Heroen des Fanatismus und Ehrgeizes — jene der einsamen Menschen, die zu stolz sind, um ehrgeizig und zu weise, um fanatisch zu sein; die Glück empfinden im Ahnen des Weltgewissens und Glück verbreiten durch das Verkünden dieser Ahnung." Dr. Nathan Birnbaum (1897>. Jüdischer Sport „Man muß sich darüber klar sein, daß eine jüdische Entscheidung, und schon gar eine jüdisch-nationale Entscheidung, stets zugunsten des Sportes in jüdischen Organisationen und zuungunsten eines Sportes von Juden in allgemeinen Vereinen fallen muß. Man hat es früher einmal belächelt, daß jüdischer Sport eine Sache für sich sein soll. Und man ist inzwischen längst zu der Ueberzeugung gelangt, daß jüdischer Sport mehr ist al* nur eine Repräsentationsfrage, sondern daß er Ausdruck für eine neue junge jüdische Bewegung ist." „Isr. Familienblatt" (Berlin, 1937). ffiMe xionistisdie These „Das Wurzeln im jüdischen Volkstum gewährt die einzige Sicherheit vor der Gefahr der Flucht aus dem Judentum." Rabbiner Joachim Prinz (Berlin). Ein weißer Rabe „In Sauerbrunn (Oesterreich) starb kürzlich der jüdische Arzt Dr. Sigmund Hoffmann. In Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste um die Stadt hat der Qemeinderat einstimmig beschlossen, eine Gasse nach ihm zu benennen." J.-T.-A.-Meldung aus Wien,