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Die neue Welt · 1937-05-05 · Heft 653 (5.5.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 653 (5.5.1937)
Date
1937-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 653 vom 5. Mai 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 Antisemitismus und Antiziomsmus in Itaifen Aus Rom wird berichtet: Die in Florenz erscheinende jüdische Zeitschrift „I s r a e 1" veröffentlicht einen Protest der Juden Italiens gegen die in letzter Zeit von einzelnen italienischen Zeitungen gegen die jüdischen Bürger erhobenen Beschuldigungen und insbesondere gegen die Behauptung, daß Zionismus mit italienischer Vaterlandsliebe unvereinbar sei. Der Zionismus, wird in der Protestkundgebung erklärt, sei keine probritische Bewegung. Er sei keine englische, sondern eine rein jüdische Angelegenheit, und die Stellung der Juden gegen England, mit welchem Italien sich heute in Konflikt befindet, sei nicht weniger ablehnend als die der anderen. Das Bekenntnis italienischer Juden zum Zionismus sei stets öffentlich und mit Zustimmung der Behörden in der Ueberzeugung erfolgt, daß es hier nicht nur um eine judische und humanitäre Sache, sondern auch um eine italienische gehe. Die Tatsache, daß der Zionismus in Sowjetrußland verfolgt wird, sei ein Beweis dafür, daß er keine Bewegung des Umsturzes ist. Während die anderen Zeitungen diesen Protest ruhig behandeln, antwortet die Zeitung „II Tevere", heute die führende im Antisemitismus, mit heftigen Ausfällen und verzeichnet mit besonderer "Verbitterung die Tatsache, daß in einem jüngst erschienenen Werke über hervorragende zeitgenössische Italiener ungemein viele Juden angeführt sind. Sechzehnmal so viel, als dem Prozentsatze der Juden in Italien entspricht! * Der Fall Italien gibt ein Bild des wahren Wesens der Judenfrage, er demonstriert ihre Unabhängigkeit von Ort und Zeit. In Italien hat es seit Errichtung des Out passende Herrenhemden nach Mall in allen Preislagen /Feldgasse 1 i-pezial-Herrenwäsche- Erzeugung Telephon A*S7-S-47 Einheitsstaates, also seit mehr als siebzig Jahren, keine Diskussion der Judenfrage gegeben. Die absolute Gleichberechtigung der führenden Bürger, ja, ihre Gleichartigkeit und ihr Charakter als Träger vollitalienischen Wesens wurden als selbstverständlich anerkannt. Und das nicht etwa von einer Majorität, sondern von der Gesamtheit des italienischen Volkes. Es hat auch keinen kleinen Antisemitismus, keine kleine antisemitische Partei und Presse gegeben. Die antisemitische Strömung ist förmlich über Nacht entstanden und ihr Hereinbruch spottet der gebräuchlichen Erklärungen. Hat sich die Zahl der Juden in Italien merkbar vergrößert? Nein. Auf tausend Italiener kommen kaum zwei Juden, und daß der Juden zu viele sind, wird auch jetzt von den radikalsten Schreiern nicht behauptet. Werden die Juden auf wirtschaftlichem Gebiete als lästig empfunden? In Italien gibt es jetzt wenig Arbeitslose und die Leitung der großen Wirtschaftsunternehmungen liegt nicht in jüdischen Händen. Auch die grimmigsten Kämpfer auf antisemitischem Felde behaupten nicht das Gegenteil. Gibt es zuviel jüdische Führer im politischen und geistigen Leben Italiens? Nein. Man wird in den Auslassungen der Antisemiten vergebens Namen von Juden suchen, die als Beherrscher des italienischen Lebens denunziert werden. Die Juden in ihrer Gesamtheit, das namenlose Judentum Italiens, unabhängig von seiner Zahl und seinem Einfluß im 'Lande, wird als Feind und Ursache nationaler Not hingestellt. Schlanke Linie, meine Dame, erreichen Sie nicht durch Hungern. Kuranstalt Helia, Wien, I., Fleischmarkt 7, erreicht es durch phy,s%alisch-!kas!metische Methode verläßlich. E Die Erklärung ist darin zu suchen, daß sich Italien im Zustande hoher Spannung befindet. Es hat wohl große Fortschritte auf politischem, wirtschaftlichem und militärischem Gebiete zu verzeichnen, aber es ist bei diesem Fortschritte in Konflikt mit den größten Mächten der Welt geraten, mit England, Frankreich, den Vereinigten Staaten und Rußland. Das drückt auf die Freude über die errungenen Erfolge und läßt, wenn auch unausgesprochen, Sorge um die Zukunft aufkommen. Das erzeugt Spannung, die sich auf die Juden entlädt. Man hat Sehnsucht nach einem Sündenbock und findet die Juden. Spannung entlädt sich in der Richtung des kleinsten Widerstandes, also in der Richtung zum Judentum. Was jetzt in Italien vor sich geht, ist ein Beispiel für die Richtigkeit der Grundlehre des Zionismus. Theodor Herzl hat seine Idee darauf gegründet, daß die Juden als eine Minorität, hinter welcher kein Mutterstaat steht, also als eine nationale Minorität von einzigartiger Wehrlosigkeit, immer und überall, hier früher und dort später, den Gegenstand des Angriffes bilden. Nur die Errichtung des Judenstaates kann die Lage der Juden in der Diaspora in dieser Hinsicht anders gestalten. Italien ist ein Land hoher Kultur, ohne katastrophales Massenelend, ohne akute innernationale, religiöse und soziale Kämpfe, also ohne jene Erscheinungen, welche in den meisten Ländern die antisemitische Bewegung anregen oder begleiten. Von diesem Standpunkte besehen, wirken die Vorfälle in Italien als besonders eindringliches Beispiel für die Richtigkeit der zionistischen Auffassung der Judenfrage, als Frage eines Volkes, das überall Minorität, nirgends Majorität ist und keinen Staat hinter sich hat. r. st. Das Präsidium des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens ist zurückgetreten Aus Rom (J. T. A.): Die Mitglieder des Präsidiums des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Italiens (II Consiglio dell' Unione della Comunitä Israelitiche Italiane) gaben ihre Demission. Als offizielle Begründung wird das kürzlich erfolgte Ableben des Präsidenten des Verbandes, Advokat Feiice Ravenna, angegeben, doch liegt der wirkliche Grund in den scharfen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern des Präsidiums, die in der letzten Zeit im Zusammenhang mit einer antizionistischen Artikelserie in der italienischen Presse entstanden sind. Die Artikel stellen Auszüge aus dem Buche des angesehenen faschistichen Abgeordneten | Die gute Zahnpasta! kTleinigt restlos. | Schont den ^aknschmelfr wmmmmwmm Prof. Paolo Orano dar, in welchem dieser den italienischen Zionisten Mangel an Patriotismus vorwirft. Bis zur Behebung der Krise wird ein Regierungskommissär die Verwaltung der Angelegenheiten des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Italiens versehen. Englische gegen italienische Rundfunkpropaganda Aus Jerusalem (J. T. A.): Einer arabischen Pressemeldung zufolge soll demnächst ein englischer Sender in den Dienst der Propaganda unter den Arabern gestellt werden. Die Sendungen werden von Malta aus erfolgen und dazu bestimmt sein, der Propaganda des italienischen Senders Bari unter den' Arabern entgegenzuwirken. Kantonisierung usw. Das heißt: Weiterer Raub jüdischen Territoriums Von Dr. H. Rosenblum Tel-Aviv, 2. Mai. Die palästinensische Presse berichtet, daß das Zionistische A. C. eine Resolution gegen die eventuellen Kantonisierungs-, bzw. Teilungspläne in bezug auf Palästina gefaßt habe. Die Resolution ist, von einigen Kleinigkeiten abgesehen, gut. Wenn man sie aber mit den im A. C. gehaltenen Reden, von denen alle Spatzen von den Dächern pfeifen, vergleicht, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß zwischen der Resolution und den Reden eine Kluft gähnt. Ich selbst habe an der A. C.-Sitzung nicht teilgenommen, habe aber meine Informationen aus gutinformierter (wenn auch „unveranwortlicher") Quelle geschöpft. Es ist mir bekanntgeworden, daß isch ein bedeutender Teil des A. C. auf den Standpunkt gestellt hat, es gäbe für die zionistische Bewegung im gegenwärtigen Augenblick nur einen der beiden Auswege: entweder die Kantonisierung Palästinas oder die Schaffung eines ganz kleinen Judenstaates auf einem Territorium, welches ungefähr ein Viertel des Westjordanlandes ausmacht. Solche Gedankengänge machen naturgemäß die stolze Resolution zunichte, denn wer sich von vornherein auf den Verzicht vorbereitet hat, kann kein Kämpfer für das ungeteilte Palästina werden. Außer dieser prinzipiellen Stellungnahme gibt es noch eine Reihe von praktischen Erwägungen, die die Verzichtstellung mancher zionistischer Kreise als vollständig unberechtigt erscheinen lassen: ig." 1 rz I ■büro | Regelmäßiger Reisedienst der „Czern. Allg. Ztg. m«. POLEN u.d CZERNOWITZ Nächste Abfahrt: 13. Mai 1937 / Rückfahrt: 25. Mai Anmeldungen ausschließlich Im Reisebüro MarieiUM^«e^i^^^^2^^^y^^^WW^ Das jüdische Volk wird nie einem Territorialverzicht auf Palästina zustimmen. Das müssen die gegenwärtigen Führer der zionistischen Politik im Auge behalten, Sie müssen verstehen, daß, so heilig auch die Einheit der Zionistischen Organisation sein mag, die Einheit Palästinas für Juden und Zionisten eine noch heiligere Sache ist. Die Zionistische Exekutive möge sich daher die Sache nochmals überlegen, ehe sie ihre Zustimmung zur Abtrennung weiteren jüdischen Gebietes erteilt. Endlich t Achtung! Achtung! Inmitten der allgemeinen Preissteigerung ist die in Betrieb gesetzte Wurstu. Selchwarenfabrik doch in der Lage der jüd. Bevölkerung I alle Sorten ia streng I Orth, nws Selchwaren zu bedeutend reduzierten Freisen zu liefern! En gros! En detail! Einmaliger Versuch genügt! Unter Aufsicht des ehrw. Kabbinates der „Adas.Jisroel" (Schiffschul) Fleischhauerei BRÜDER STADLER Wien H, Im Werd 1 Telephon A-43-5-20 ÄO^TÄVWR JOSEPH CALLE!A-JEAN HERSHOLT REGIE : W-S-VAN DYK E\ \>*T EIN PACKENOES SCHAUSPIEL abebh ZWISCHEN JUNGEN MENSCHEN OPIUM 1. Sollte es sich auch bewahrheiten, daß die Königliche Kömmission die Kantonisierung des Landes oder die Schaffung eines mikroskopischen „Judenstaates" vorschlagen wird, so bedeutet es noch immer nicht, daß die zionistische Bewegung die Wahl zwischen diesen beiden Krüppelvorschlägen habe, denn es gibt in diesem Fall einen dritten Ausweg: überzeugt, daß unser Kampf unbedingt mit einer Niederlage enden müsse. Wir waren Zeugen dessen, wie der läge enden müsse. Wir waren Zeugen dessen, wie der konzentrierte Kampf des jüdischen Volkes im Jahre 1930 das antizionistische Komplott Lord Passfields und seiner Gefährten zerschlagen hat: angesichts der stürmischen jüdischen Opposition sah sich der damalige Ministerpräsident Mr. R. M a c- Donald genötigt, die Politik seines Kabinettskollegen Lord Passfield in einem an Dr. Weizmann gerichteten Brief zu desavouieren. Es ist nicht einzusehen, warum die Zionistische Organisation heute, wo es sich um viel ernstere Dinge handelt als dies im Jahre 1930 der Fall war, eine Politik des Verzichtes und der Mutlosigkeit einschlagen sollte. Es wurde uns bei vielen Gelegenheiten von Seiten der Zionistischen Exekutive berichtet, daß sowohl Dr. Weizmann als seine engeren Mitarbeiter „großen Einfluß auf die führenden europäischen und amerikanischen Staatsmänner besäßen". Vor kurzer Zeit ließ Dr. Weizmann nach einem Besuch, bei M. Leon Blum die Nachricht verbreiten, daß „er sich über das Resultat seiner Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten sehr freue". Da wir wohl annehmen dürfen, daß Dr. Weizmann mit M. Blum nicht nur Probleme der abstrakten Philosophie besprochen hat, so können wir aus der Aeußerung Weizmanns auf eine positive Stellungnahme Frankreichs dem Zionismus gegenüber schließen. Es wird sodann von offizieller zionistischer Seite bei verschiedenen Gelegenheiten betont, daß wir in der Person des Präsidenten F. Roose« velt einen warmen Freund der zionistischen Sache hätten. Wir wissen auch aus unserer jüngsten Erfahrung, welch große Sympathien die zionistische Bewegung im englischen Unterhaus besitzt»

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