Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 653 (5.5.1937)
- Date
- 1937-05-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite » DDE NEUE WELT *fr. 653 vom 5. Mai 1937 /•Siabetiher, StufjluerftoyftcN I cffcn mit Vorteil baS fett Sa^cnten öeroäljrte I I Ötntonsbrot in bünnen Schnitten mit Butter uttb I I Sdjmlen. &id)t öerbaulid), sugleid) belitat. €5eljt I I bequem: SimonSbtot-Sc^mttenpacE^cn tn ©tattttiol. I I 3n oflett guten geintoftfjanbl. u. öäcfereiett $u Ijabett, I V'S»wott«brotfabrif 2Biett--$agran öö. $ägl. Sßoftüer}.^ Pflicht jedes aufrechten Christen, gegen jede Form von Verfolgung und rassischer Diskriminierung zu protestieren. Wohl gibt es eine Judenfrage, doch ist sie lediglich ein Produkt der Bedingungen, unter denen die Juden zu leben gezwungen waren und sind.' Chacham Dr. Moses G a s t e r führte aus, er »preche als Jude, der seit mehr als 60 Jahren im öffentlichen Leben stehe und zahlreiche Pogrome miterlebt habe. Das Gift des Antisemitismus gedeihe dort, wo Freiheit und Menschlichkeit unterdrückt werden und wo auf dem Gebiete des geistigen, politischen und wirtschaftlichen Lebens ein Niedergang in Erscheinung tritt. Für die nächste Zeit werden seitens großer Verbände Aktionen erwartet, die dem energischen Kampf gegen alle Arten der unterirdischen Nazipropaganda dienen sollen. Die Palästina-Regierung verbietet die Propaganda für Umwandlung Palästinas in eine Kronkolonie Aus Jerusalem (J. T. A.): Vor einiger Zeit hatte sich in Palästina eine Gesellschaft gebildet, die Propaganda für die Umwandlung Palästinas in eine englische Kronkolonie betreiben will. Die Gesellschaft hatte ihre Eintragung in das Vereinsregister beantragt, aber vom Distriktskommissär des Süddistrikts einen ablehnenden Bescheid erhalten. Es heißt darin, daß die Satzungen der Gesellschaft mit den geltenden Gesetzesbestimmungen nicht im Einklang stehen. Denn diese verbieten die Gründung einer Gesellschaft, die eine Aenderung der gegenwärtigen Staatsform erstrebt. Es verlautet, daß die Gründer der Gesellschaft gegen diesen Bescheid Einspruch einlegen werden. Es solle dann im gerichtlichen Verfahren geltend; gemacht werden,- daß die Ziele der Gesellschaft nicht illegal seien. Die Gesellschaft beabsichtige. nicht, Propaganda für eine Aenderung der Verfassung Palästinas durch revolutionäre oder illegale Methoden zu betreiben. Man. nimmt an, daß der Distriktskbmmissär vor Erlaß seines Bescheides den Generalstaatsanwalt und sodann das Kolonienministerium um Stellungnahme ersucht hat. Amerika verlangt die Verlegung des zwanzigsten Zionistenkongvesses Aus New York: Anläßlich einer Versammlung, mit welcher die Schekelaktion in New York eingeleitet wurde, erklärte Dr. Stephen Wise, Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, daß er den Beschluß des Aktionskomitees, den 20. Kongreß nach der Schweiz einzuberufen, für verfehlt halte. Er glaube, daß die Entwicklung der nächsten Wochen eine Aenderung dieses Beschlusses und die Einberufung des Kongresses nach den Vereinigten Staaten erforderlich machenkönne. Dr. Wise wies auf die kritische Lage der zionistischen Bewegung hin und unterstrich die Notwendigkeit der Abhaltung des Kongresses inmitten der größten und freiesten jüdischen Gemeinschaft, die unter einer Regierung lebt, deren rege Anteilnahme an den zionistischen Bestrebungen in Palästina wiederholt erwiesen worden ist. Aufruhr beim Nebi Musa*Fest Aus Jerusalem: Die Gegnerachalt zwischen den Anhängern des Mufti und der Partei von Nashaahlbi führte in Jerusalem zu zahlreichen Auaschreitungen. Am Vormittag wurden in der Nähe des Damaskus-Tores vier Autobusse in Brand gesteckt, die Saleh Abdo, einem Führer der Antimufti-Partei, gehörten. Abdo war vor kurzem das Opfer eines Attentate, bei dem er verwundet wurde. Auf Grund einer zwischen den Behörden und dem Mufti getroffenen Vereinbarung, wonach £ie Nebl-Musa- Wallfahrer am Gründonnerstag uc<i Karfreitag der griechisch-orthodoxen Kirche nlP>it durch die Via Dolorosa ziehen dürften, hatte tSie Polizei den üblichen Weg nach der Altstadt ge^errt und versucht, den Pilgerzug abzuleiten. Die Pilger bewaffneten sich mit Steinen und Stühlen, mit denen sie die berittene Polizeipatrouille bewarfen. Die Polizei setzte sich unter Benützung von Stöcken und Revolvern zur Wehr, wobei ein arabischer Pollzeiinspektor zwei Mohammedaner verwundete. Der Zug schlug trotzdem den verbotenen Weg ein. * Infolge der Unzufriedenheit gewisser Elemente in der griechisch-orthodoxen Gemeinde mit dem neu ernannten Patriarchen, kam es heute zu einer Schlägerei, als der Versuch gemacht wurde, ihn an der Ausübung seines Amtes während des Gründonnerstag- Sottesdienjtes zu v^rhtederai, XBalsoftjg RUNDSCHAU Ein paar Zitate „... Es ist klar, daß die Führung von Front und Staat nicht mit sich spielen und vor allem sich nicht hineinlegen läßt. Wir wissen, welchen Weg wir gehen, bis zu welcher Grenze wir ihn gehen können, und wir wissen vor allem auch, daß zum Hineinlegen zwei gehören: einer, der das will, und einer, der sich läßt." Das sagte der österreichische Bundeskanzler bei der Einweihung der neuen Räume der Bundesführung Wien der Vaterländischen Front am 30. April. Und knapp danach bei einem Empfang der Vaterländischen Front sagte er: „Eine Politik des doppelten Bodens wird in Oesterreich nicht gemacht. Ich empfehle nach allen Seiten hin, sich vollkommene Klarheit über den Weg, den man weitergehen will, selber schaffen zu wollen. Die Hand bleibt ausgestreckt für jeden, aber düpieren lasse ich mich nicht und meine Mitarbeiter erst recht nicht." Nach der Konferenz in Venedig, an die alle möglichen Kommentare geknüpft wurden, erscheinen die Worte des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg als eine deutliche Absage an diejenigen, welche bereits mit der Nazisierung des öffentlichen Lebens kokettierten. Denn die Worte, daß man sich nicht täuschen lassen werde, bedeuten nichts anderes, als die Erkenntnis, daß gewisse Kreise nur zu dem Zweck sich in die Vaterländische Front eingliedern ließen, um hier ihre nationalsozialistischen Kunststücke spielen zu lassen. FAHRRAD- FABRIK LUMAQ Kindcrwagenverkauf: VII, Neubaugasse 21 / XVII, Kulmgasse 34 X, LaxenburgerstraBe 82 / XX, Jügerstrafle 41 FahrradFabrlk: VII, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis.' KINDERWAGEN* FABRIK von S 35.— Auch der österreichische Staatssekretär Z e rnatto, ein Schriftsteller von Ansehen, gebrauchte in einer Rundfunkrede am 30. April eine Wendung, die eine klare Absage an die hakenkreuzlerischen Methoden und Phrasen, an die Nachahmung des neudeutschen Regimes aufzufassen ist: „Wir bauen nicht für ein Jahrtausend. Ein Jahrhundert ist lang... Wir bauen für die nächsten Generationen.'' Dr. Rehrl, der Landeshauptmann von Salzburg, der als solcher hohe österreichische Kulturgüter zu wahren hat, legte bei einem Empfang für die Vaterländische Front ein klares Bekenntnis zum demokratischen Gedanken ab, wobei er allerdings die „Auswüchse der Demokratie" ablehnte, aber den guten Kern der Demokratie der Pflege einer weisen und vorausschauenden Staatsführung empfahl, wobei er hinzufügte: „Es ist unsere große und hohe Aufgabe, zu beweisen, daß die Ideale der Freiheit und der Gerechtigkeit noch lange nicht zu kapitulieren brauchen vor der despotischen Totalität, vor Geistlosigkeit und Massenwahn, vor Schlagwort und Phrase ..." pjksim tcksim - Srnmemf Die Anspielung auf die Totalität im Dritten Reich ist in die Augen springend. Auch der Bürgermeister von Wien, Richard Schmitz, hat in einer Rede den Nationalsozialismus in seiner Gänze abgelehnt und die Tarnungsmanöver der illegalen Hakenkreuzler mit den schärfsten Ausdrücken bedacht. Die Zitate, die wir anführen, geben die Stimmung wieder, in der sich der Neuaufbau Oesterreichs im Rahmen der Vaterländischen Front vollziehen soll. Das ist eine ebenso klare wie unbestreitbare Feststellung. Es wäre nur erfreulich, diese Feststellung dahin ergänzen zu können, daß der Sinn der Zitate auch gegenüber den jüdischen Staatsbürgern Oesterreichs wirksam wird; erfreulich, wenn alle berufenen Organe der Verwaltung auch im Judenpunkt die „Ideale der Freiheit und Gerechtigkeit" anstreben würden. o. r. Wo die Gefahr liegt Der Führer der deutschen Arbeitsfront Dr. Ley erließ zum 1. Mai einen Aufruf, der unter dem Schlagwort „Deutschland ist schöner geworden, freut euch des Lebens", dem deutschen Arbeite^ politische Richtlinien gibt, indem er ihm erzählt, wie gut es ihm geht, während in anderen Ländern die sozialen Zustände jämmerlich seien... Ob Deutschland schöner geworden, das zu entscheiden ist nicht unsere Sache. Daß es für die Funktionäre der nationalsozialistischen Partei schöner geworden ist, schöner auch für die obersten Führer, die mit ihrer Macht nach Belieben schalten .können — das bezweifein wir nicht. Es ist auch nicht unsere Aufgabe, festzustellen, ob sich die deutschen Arbeiter jetzt ihres Lebens freuen. Das ist eine rein deutsche Angelegenheit. Aber, wenn wir nicht schon die Geduld verloren haben, können wir den Worten lauschen, die Herr. Dr. Ley gelegentlich seines Aufrufe« dem Judentum gewidmet hat „Die Juden", sagt Ley wieder einmal, „sind dazu auserwählt, die Völker der Erde zu morden und zu vernichten. Die Spanien-Kämpfe, die Unterjochung Rußlands ist das Werk der Juden. In Rußland wird ein Volk von 170 Millionen Arbeitern von jüdischen Vampiren auf teuflische Art ausgesogen." Die bekannte PENSION HINTERBROHL Gießhüblerstraße Nr. 29/33 wird am 15. Mai eröffnet und vom Besitzer geleitet. Bette Verpflegung, eeitfemäßc Preise. Auskünfte: »rüder GrUnfcld, Wien 1, SeltenstetteiiKasssc6. Telephon U-26-2-Ö« |) Herr Ley ist natürlich gebildet genug, um 2B wissen, daß das, was er den deutschen Arbeitern hier erzählt, pure Lüge ist, Lüge, und vor allem — Unsinn. Er kann nicht viel Respekt vor seinen Zuhörern haben, wenn er ihnen zumutet, das was er ihnen von den Juden erzählt, zu glauben. Aber er hält nach hitlerlstlschem Rezept dafür, daß eine Lüge, mag sie die dümmste und lumpigste sein, oft und laut wiederholt, doch irgend eine Wirkung haben wird. Die verbrecherische Methode des HitlerLsmus, das jüdische Volk durch ununterbrochene Verleumdungen auch dort zu diffamieren, wo es noch so etwas wie Gewissen und öffentliche Meinung gibt, hat da und dort bereits Nachahmer gefunden. Nachahmer mit Erfolg. Da liegt die Gefahr. Darum heißt es, den Versuchen der Nachahmer rasch Widerstand entgegenzusetzen. Es ist schändlich, eine Nation ♦♦ ♦ Die antijüdische Haßwelle tobt derart wütend, daß man sich über die „landläufigen" Angriffe auf Ehre und Gut nicht mehr aufregt. An der Spitze steht — trotz gefährlicher- Konkurrenz einiger Länder — immer noch Hitler-Deutschland; die Verfemung der Juden hat einen nie geahnten Grad erreicht und ihre Aushungerung gehört, man verzeihe die grausame Wortwendung, zum täglichen Brot des Nazismus. Und wenn schließlich die infernalische Drangsalierung der Juden sich in körperlicher Peinigung, seelischer Erniedrigung und Vermögensraub erschöpft hat, verbucht die „geistige" Führung des heutigen Deutschland, das jüdische Volk an den Pranger zu stellen — vor den Augen der zivilisierten Staaten, die vor Abscheu bloß zurückschrecken, aber nicht die letzten Konsequenzen ziehen... Herr Goebbels zwang seinerzeit einen jüdischen Schauspieler, in einem, Horst Wessel verherrlichenden Film einen „gemeinen jüdischen Bolschewikenhund" zu spielen. Ein Pranger war's, nichts anderes. Der Zufall trägt uns eine Bemerkung Goethes zu, die das Verächtlichmachen der Juden auf dem deutschen Theater betrifft. In Biedermanns „Gesprächen mit Goethe" findet sich die Stelle: „Ueber Wurms (Autor und Schauspieler) ' Bestreben, die Juden von der Bühne herab dem Gespötte preiszugeben, geriet er (Goethe) in Zorn und sagte: Es ist schändlich, eine Nation, die so ausgezeichnete Talente der Kunst und Wissenschaft aufzuweisen hat, gleichsam an den Pranger zu stellen! Solange ich das Theater zu leiten habe, dürfen derartige Stücke nicht gegeben werden." So sprach Goethe im weimarischen Deutschland. Im Deutschland der Streicher, Goebbels und Ludendorff ist der Judenpranger ein beliebtes und belobtes Requisit. Allerdings ist auch Goethe selbst verpönt und man kriegt ihn nur nazistisch gereinigt in den Buchhandlungen. Die oben zitierte Stelle aus Biedermanns „Gesprächen mit Goethe" wird man in der derzeitigen Ausgabe in Deutschland schwerlich finden. Sie ist getilgt wie alle Aeußerungen der Kultur und Humanität. Dieser Umstand sei uns ein Trost in diesen sonst trostlosen Tagen! Verb« d. ludenstaalszioiusten Oesterreisdts Sektion Pratcr. Mittwoch, den 5. Mai, ys9 Uhr abends, Leitungssitzung im Heim, II., Erlauf - straße 5. — Donnerstag, den 6. Mai, 6 Uhr, Sondervorstellung im JUdisohen Kulturtheater, I., Kai 3, „Schwer zu sein ein Jud". — Die Sektion Prater gratuliert herzlichst ihrem Freunde und Gg. Moses Goldhirsch zu seiner Verlobung mit Frl. Emilie Seidmann. Sektion X., Her ndlgasse 38. Mittwoch, den 9. Mai, Uhr abends, Mitarbeiterbesprechung. — ponnerstag, den 18. Mai, ^9 Uhr abends, Vortragsabend. Redner: Theodor Grubner, Fritz Richter. Thema: Vor dem XX. Ziouistenkongreß. Sektion XIV./XV., S c h a n z s t r a ß e 83. Dienstag, den 11. Mai, Uhr abends, Vortrag Dr. Sal. Wolf: Die Projekte um Palästina. * Montag, den . 10. Mal, %d Uhr abends, im Oaf6 Neue Welt, XVII., Hernalscr Hauptstraße 88, freizugänglicher Vortragsabend. Redner: Fritz Richter, Theodor Grubner. Thema; Probleme des XX. Zionisteiikougresses. Judenstaats Jugend. Mittwoch, den 5. Mal, 8 Uhr abends, im Heim, II., Erlalstraßo 0, wichtixe Sitaung aller K. K. L.-Rcfcreuten. Erscheinen tot Pflicht.