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Die neue Welt · 1937-05-05 · Heft 653 (5.5.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 653 (5.5.1937)
Date
1937-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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186 Rrtfc 20 Groschen MfüWMfcs dteii S* Mtof 1937 Wti. Ünivi Nr* 653 V« b* b« ers/f Zeitung vom Verleger versendet „Journal expMie par rsditeur'1 REVU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 13.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel' jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5__. vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung; IX, Universitä'sstr.8, Jet, A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Wegen gesetzlichen Feiertags vom 6. Mai erscheint die nächste Ausgabe unseres Blattes Dienstag, den 11. Mai. SUTU „ORBIS" zu PFINGSTEN «-* POLEN CZERN0WITZ Abfahrt: 13. Mai 1937 Ausküntte und Anmeldungen: Otfiz. Pom. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-si-s-78 Oesterreichisches Verkehrsbüro f. Friedrichstrane 7. 8-87-300, ». Graben 20. IM9»0<35 Redhensdiafft über Gefühle Mehr als erwartet, „schlug" unsere Betrachtung „Der österreichische Jude im Kreuzfeuer" („Die Neue Welt" vom 23. April 1937) ein. Wir stellten fest, daß auch innerhalb verantwortlicher Kreise, ja sogar von Männern der Vaterländischen Front Angriffe gegen das jüdische Ehrgefühl gemacht und Verdächtigungen gegen die. patriotische Gesinnung der jüdischen Staatsbürger von öffentlicher Tribüne ausgesprochen werden. Wir hatten den am 20. April stattgefundenen Appell der -Vaterländischen Front Leopoldstadt (Bayrischer Hof) im . Auge, wo vor der Anspractfe^des Bürgermeisters ein Redner die Juden .Wiens in unerhörter Weise, beleidigte. Nach den uns zugekommenen Mitteilungen war der Angreifer der .Leopoldstädter Bezirksführer. Wir erfuhren später, daß der einleitende Redner der Rat der Stadt Wien Karl Holaubek war, ein Umstand, den wir nunmehr korrigierend wiedergeben, der aber den Fall nicht weniger kraß macht. Es ist traurig, feststellen zu müssen, daß ein öffentlicher Funktionär, ein Mann in höchst verantwortlicher und Zurückhaltung erfordernder Stellung, die Juden Wiens in beschämendster Weise angriff. Nach der unwidersprochenen Mitteilung eines Wiener Blattes sagte nämlich Herr Holaubek wörtlich: „Die Saujuden haben zwar beflaggt, aber ob sie es im Herzen gemacht haben, ist eine andere Frage." Die Juden Wiens sind zwar Herrn Holaubek keine Rechenschaft über ihre Gefühle schuldig, aber sie haben ein Recht darauf, von ihm nicht beleidigt zu werden. Mit derlei Aeußerungen erwirbt man sich keine. Sympathien. Wir schrieben in unserer Ausgabe vom 23. April: „Einerseits an die Opferfreudigkeit appellieren, andererseits diese Opferfreudigkeit, wenn sie sichtbar wird, verdächtigen, bezeugt einen bedauernswerten Mangel an politischem Verständnis." Die Erregung über die verdächtigenden Worte eines Rates der Stadt Wien innerhalb der Wiener Judenschaft ist groß. Es ist hier eine eindeutige Erklärung der verantwortlichen Stellen notwendig. Mit Stillschweigen ist dieser Fall nicht zu erledigen. Vom jüdisdien Wehkongreß Tagung des „Administrative Committee" am 19. Mai in Wien Das „Administrative Committee" des Jüdischen Weltkongresses wird am 19. Mai in Wien zusammentreten. Delegierte aus allen Staaten Europas werden an dieser Tagung, die zwei Tage dauern soll, teilnehmen. Auf der Tagung soll die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern Europas erörtert und insbesondere der Plan einer Hilfsakt ionfürdieJuden- Polens erwogen werden. Eine der Hauptfragen, mit denen sich die Tagung zu befassen haben wird, wird das Problem der jüdischen Emigration aus einer Reihe europäischer Länder bilden. •Manchester Guardian* für den .kleinen1 Judenitaat Aus London: Die große englische Tageszeitung „Manchester Guardian" veröffentlicht einen aufsehenerregenden Leitartikel, in welchem sie den Juden empfiehlt, auf den Plan einer Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat einzugehen. Die Teilung Palästinas, schreibt die Zeitung, ist aus verschiedenen Gründen möglich und wünschenswert. Die jetzige Lage in Palästina ist h o f f n u n g s- 1 o s und unhaltbar. Abgesehen von allen Schwierigkeiten ist die eigentliche Frage bei diesem Teilungsplan die, daß in einem jüdischen und arabischen Staat die verhängnisvolle Vergangenheit ein Ende finden und im neuen Staat sich allmählich gegenseitiges Vertrauen zwischen Juden und Arabern entwickeln wird. Der Plan der Teilung Palästinas soll auf die Tagesordnung kommen und die interessierten Faktoren sollen ohne Vorurteile an die Prüfung herantreten. Bei Ischias, Rheuraa, N e r v e n 1 e i den modernste Heilbehelfe in der Kuranstalt HeLia, I., Fleischmarkt 7. Alle Krankenkassen. „Manchester Guardian" stellt fest, daß die bisherige Politik der britischen Regierung in Palästina nicht erfolgreich gewesen ist. Die Regierung. hat keinen Erfolg mit der Idee des Jüdischen Nationalheims gehabt. Nach der Teilung Palästinas in zwei staatliche Organismen, einen jüdischen und einen arabischen, werden die Schwierigkeiten viel kleiner sein. Insbesondere wird im Falle eines eigenen jüdischen Staates die Frage der „jüdischen Invasion gegen den Willen der Araber", fortfallen. „Manchester Guardian" schließt: Jedenfalls werden im Falle der Verwirklichung dieses Planes sowohl die Araber als auch die Juden Herren ihres eigenen Schicksals werden und die gegenwärtigen Konflikte sowie gegenseitige Furcht, Mißtrauen, Neid und Eifersucht ein Ende finden. Anm. d. Red.: Dieser Artikel im „Manchester Guardian" bedeutet eine Wandlung der Haltung des Blattes, welches bisher immer für die restlose Einhaltung des den Juden gegebenen Versprechens, Palästina zum jüdischen Nationalheim zu machen, eingetreten ist. Englands Stimme gegen antisemitischen Faschismus Nach der Wahlniederlage der Mosley-Partei war in England die Hoffnung vorhanden, daß der antisemitische Faschismus seine aggressive Tätigkeit einstellen oder ganz von der Bildfläche verschwinden werde. Diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Die englischen Schwarzhemden machten sich nach wie vor bemerkbar und wagten sogar, in geschlossenen Gruppen im jüdischen Viertel Londons, Whitechapel, aufzutreten. Die öffentliche Meinung Englands reagierte auf diese Herausforderung mit einer scharfen Ablehnung der von Hitler-Deutschland herübergenommenen Methoden. Im Parlament und in der Presse wurden die schärfsten Maßnahmen gegen die Störer der staatlichen Ordnung und die Unterminierer der englischen Demokratie verlangt und Vertreter der Regierung gaben die Erklärung ab, daß eine Offensive gegen irgendwelche Bürger Großbritanniens nicht geduldet werde. Im Zusammenhang mit dieser Erklärung fand in London Ende April eine Konferenz statt, die die Stimmung der englischen Gesellschaft gegenüber dem antisemitischen Faschismus eindeutig wiedergab. Die Tagung war vom National Council für Civil Liberties (Nationalverband zum Schutz der bürgerlichen Freiheiten) und vom Jewish Peoples Council against Fascism and Antisemitism (Jüdischer Volksverband gegen Faschismus und Antisemitismus) einberufen und vereinigte über 320 Vertreter von 189 politischen, sozialen und industriellen Verbänden. Man kann von einer außerordentlichen Kundgebung sprechen, zumal Resolutionen gefaßt wurden, die ganz deutlich gegen jeden Versuch nazistischer Propaganda gerichtet waren. „Die Konferenz", heißt es, „der zahlreiche Delegierte der großen religiösen und politischen Organisationen Londons beiwohnen, verurteilt aufs schärfste die antisemitische Propaganda und rassische Verhetzung. Sie stellt fest, daß der faschistische Angriff auf einen Teil der Bevölkerung nur ein Vorspiel des allgemeinen Angriffes gegen die Freiheit der Menschheit ist. Der Antisemitismus berührt daher letzten Endes in gleichem Maße Nichtjuden wie Juden. Die Entwicklung auf dem Kontinent zeigt klar, daß die rassische Diskriminierung eines Teiles der Bevölkerung zur Vernichtung der religiösen und politischen Freiheit der gesamten Bevölkerung zu führen imstande ist. Es ist die Pflicht aller, denen an der Erhaltung persönlicher Freiheit gelegen ist, jene Bewegung zu bekämpfen, die sich unter dem Deckmantel antisemitischer Propaganda nach England eingeschlichen hat." In einer weiteren Resolution, die in einen Appell an den Innenminister ausklingt, wird die Einberufung eines „Tages der Verbrüderung und der Demokratie" proklamiert, an dem die religiösen, politischen, industriellen Körperschaften sich ohne Unterschied der Rasse und Religion zur Verteidigung der gemeinsamen Interesssen aller demokratischen Kräfte zusammenschließen und gemeinsam die Verbreitung des Rassenhasses verurteilen sollen; ferner werden sämtliche staatlichen und privaten pädagogischen Körperschaften und kirchlichen Institutionen aufgerufen, den gesamten Lehrerstab anzuweisen, allen antisozialen Tendenzen bei der ihnen anvertrauten Jugend energisch entgegenzuwirken. Großen Eindruck machte die Erklärung des Dekans der St. Pauls-Kathedrale, Dr. Matthews, welche lautete: „Ich fühle die Verpflichtung, meine Stimme gegen die Verfolgung der Juden in aller Welt und gegen den Versuch, diesen Geist des Hasses auch in unser Land zu tragen, zu erheben. Es ist die Gluck und Zufriedenheit durch einen Haupttreffer bei tchelhamm Die erste Ziehung der 37. Klassenlotterie beginnt schon am 12. Mai d. J. Über 0% MILLIONEN SCHILLING werden in dieser Lotterie ausgelost. Durch einen Losbezug beim HAUPTTREFFER-BANKHAUS $chGlhamni6r& fchaftsra * sichern Sie sich die Hoffnung auf dieses Glück — Lospreis: V, S 6.-, Vi S 12.—, V, S 24.—, Vi S 48.— }

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