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Die neue Welt · 1937-04-30 · Heft 652 (30.4.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 652 (30.4.1937)
Date
1937-04-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 652 vom 30. April 1937 DIE NEUE WELT Seite 5 Hofrat Stern zur Ministerrede Der ungarische Ministerpräsident hat, wie bereits berichtet, eine Rede gehalten, in welcher er erklärte, daß es zu viel Juden in Ungarn gibt, und daß die Juden das Wirtschaftsleben zu sehr beeinflussen. Die ungarischen Assimilationsjuden fühlen sich durch diese Rede arg betroffen und ihr Führer, der Präsident der Budapester Judengemeinde Hofrat Samuel Stern hat, im „Pesti Naplo" zur Rede Stellung genommen. Er stellt zuerst bedauernd fest, daß jetzt so oft und nun auch von r kompetentester" Stelle die Judenfragc aufgeworfen "wird, wo doch „so viele andere schwerwiegende Fragen allgemeinen Charakters einer dringenden Losung harren." Dann geht er daran, die Rolle der Juden im ungarischen Wirtschaftsleben zu behandeln und schreibt: „Das ungarische Judentum kann nur im Tone tiefer Trauer und Bitterkeit zu der aufs Tapet gebrachten Frage Stellung nehmen, deren extreme Propagandisten es gewissermaßen für alle Folgen der nationalen Katastrophe zur Verantwortung ziehen wollen, wo doch die Juden zumindest ebenso leidende Opfer der durch Trianon verursachten wirtschaftlichen und sozialen Krise des Landes sind, wie irgendwelche andere Schichten der Nation." „Immer wieder wird dem Judentum vorgeworfen, daß es im Wirtschaftsleben über seine Verhältniszahl hinaus zur Geltung gelangt sei. Standen aber jahrhundertelang andere Berufe den Juden offen als eben wirtschaftliche? Und gab es andersgläubige Söhne des Vaterlandes, die sich einem wirtschaftlichen Berufe hätten zuwenden wollen? Haben sie nicht offen erklärt, daß sie dies für keine „h e rrenmaßige" Beschäftigung halten, und haben sie nicht lieber die bescheidensten Stellungen im Dienste des Staats, des Komitats oder der Städte angenommen, als hinter dem Pult oder Schreibtisch einer Wirtschaftsunternehmung zu arbeiten? Nicht Tadel, sondern Anerkennung gebührt dem heimischen Juden-«, tum für seine Betätigung auf wirtschaftlichem Gebiete." : „Die Trianon-Katastrophe (Aufteilung Ungarns) hat aber eben den wirtschaftlichen Existenzen die Lebensmöglichkeit immer mehr erschwert, zumal da die um ihre Positionen gekommenen anderen Berufsschichten immer zielbewußter ihre Unterbringung in den Stellungen forderten, die bisher hauptsächlich vom heimischen Judentum bekleidet wurden. So kommt es, daß das Judentum immer mehr die Arbeitsgebiete verliert, auf denen es bisher Wurzel geschlagen hat, ohne in den öff entliehen Aerat e r n oder auf anderen Gebieten Placierung finden zu können, wo es seine Fähigkeiten sicherlich ebenfalls in wertvoller Weise entfalten könnte. Auch wir begrüßen mit Freunden die Bestrebungen zur sozialen und konfessionellen Proportionierung auf wirtschaftlichem Gebiete, indessen müßte diese Proportionierung auch in den Berufen zur Geltung gelangen, von denen das Judentum derzeit sozusagen völligausgeschlossen ist." Hofrat Stern zählt dann eine Reihe statistischer Daten zur Erhärtung der Verschlechterung der Lage des heimischen Judentums auf. Er hebt u. a. hervor, daß von 1920 bis 1930 die Zahl der jüdischen Bevölkerung um 6 Prozent — von 473.000 auf 440.000 — zurückgegangen, während die Seelenzahl der Katholiken um 10,4, der Reformierten um 8,5 Prozent, gestiegen ist. Noch bezeichnender ist, daß von 1930 bis 1935 dem jährlichen Geburten durchschnitt von 4883 eine Sterblichkeit von 6207 gegenübersteht, ein Zeichen dafür, daß bei den Juden bereits eine natürliche Pqpulationsabnahme eingetreten ist, während die Geburtenziffer der Katholiken die Zahl der Todesfälle um mehr als 3 0 Prozent tibersteigt. Was das „Einsickern" fremder Elemente betrifft, so stellt der Artikelschreiber auf Grund der neuesten Daten des Zentralstatistischen Wir empfehlen die guten, modernen mm;Auto-u,HotorraiIschülen Wjetn 8j HeüUeggei'gdsse 18 ' fei.!-B-46-5^2 «rtd Inietsdorf, K>Ö. Amtes fest, daß im Jahre 1935 insgesamt 1990 aus anderen Ländern Zugezogene Aufenthaltsbewilligungeu erhielten, unter denen sich nur 104 Juden befanden. Unter diesen wiederum stammten lediglich 4 (vier) aus Polen! Zum Schlüsse seiner Ausführungen hebt Hofrat Stcr.u hervor, daß die „einseitige" Erledigung der Judenfrage — durch Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben — eine ganz andere Judenfrage aufwerfen würde, nämlich auf welchem Gebiete für die vex'drängten Juden neue Unterbringungsmöglichkeiten gesichert werden könnten. Ein anderes großes Problem wäre auch, ob entsprechender Ersatz gefunden werden, könnte und ob nicht für das gesamte Wirtschaftsleben Ungarns nichtwiedergutzumachender Schaden entstünde. Auf Grund seiner Vergangenheit und Gegenwart könne das heimische Judentum mit Recht verlangen, daß es aus dem Körper der N a t i o n; dessen organischen Bestandteil es bildet, nicht eliminiert werde. An Stelle der Judenfrage sollte die allein auf der Tagesordnung stehende wirklich große ungarische Frage dominieren, wie das gemeinsame Leid der christlichen und jüdischen Ungarn mit gemeinsamer Kraft gelöst werden könnte. «• Aus dem Artikel geht hervor, daß die ungarischen Assimilationsjuden zu einer Aenderung ihrer bisherigen Haltung genötigt wurden. Bisher versteiften sie sich auf die Behauptung, daß es in Ungarn überhaupt keine Judenfrage gibt. Hofrat Stern kann den Bestand einer Judenfrage nicht mehr leugnen und muß zugeben, daß sie nicht nur von „Antisemiten und^ Zionisten", sondern auch von der „kompetentesten" Stelle erhoben wird. Er verlegt sich *OHYtt*6 MARKEN STRÜMP?! MARKEN WASCHE SCHÖN VERPACK? VON DER GUTE MARKEN STRUMPF 1 PAAR IM GOLDKARTON S 2.90 3 PAAR IM GOLDKARTON S 8.70 AUCH IN DER NEUEN FARBE ROSENQUARZ NATURSEIDEN STRUMPF 1 PAAR IM GOLDKARTON S 3.90 3 PAAR IN HOLZKASSETTE S 11.70 WÄSCHE IN DEN NEUEN MODEFARBEN GOLDREGENundFLIEDER S 4.80, 5.80 S 3.40, 3.90 S 7.50, 9.80 ALLES SCHÖN VERPACKT UNO ALLES VON ILBY HEMDCHEN ILB Y HÖS'CHEN. . ILBY UNTERKLEID lediglich auf den wohl aussichtslosen Appell, man möge statt der Judenfrage lieber „für Ungarn viel wichtigere, andere Fragen behandeln." Angesichts der nicht mehr zu übersehenden Gefahr geht Hofrat Stern auch so weit, die „konfessionelle Proportionierung auf wirtschaftlichem Gebiete", d. h. den Numerus clausus, „mit Freuden zu begrüßen". Wahrlich, eine ganz unerhörte Sache, für Hofrat Stern und seine Gesinnungsgenossen, die sich bisher nur als Magyaren fühlten und keinerlei Unterscheidung zwischen sich und den anderen zur Kenntnis nehmen wollten. Und noch etwas: Ministerpräsident D a r a n y hat einen Teil seiner Rede den „zugereisten, gewinnsüchtigen polnischen Juden" gewidmet. Bisher haben die „bodenständigen" Kreise um Hofrat Stern gern solche Gelegenheit benützt, um die Schuld an antisemitischen Ausfällen den „Zugereisten" aufzubürden. Hof rat Stern verzichtet darauf, er fällt1 auf diesen Schwindel nicht mehr hinein und beweist auch in Ziffern, daß der Kampf gegen alle Juden in Ungarn geht und der Ministerpräsident seinem Antisemitismus nur ein „galizisches" Mäntelchen umgehängt hat. II. Landeskonferenz der ludenstaafspartet in der C. S. R, Die II. Landeskonferenz wurde für den 9. Mai nach Prostejov einberufen. Die Eröffnung findet um 10 Uhr vormittags im Beth Haam statt. An der Konferenz wird von der Weltexekutive Herr Oberbaurat Robert Stricker (Wien) teilnehmen. Die Konferenz-Adresse lautet: Ing. Josef Mandl, Prostojov. Anmeldungen bis spätestens 4. Mai und Auskünfte beim Sekretariat in Mor.-Ostrava, Grünwaldova, 39. Moses Go/dhirsch Emilie Seid mann Verlebte Wien, im Ijar 5697 Die /,jüdische II e b er fl Utting" Ungarns Aus Budapest: Die Diskussion über die Szegeder Rede des Ministerpräsidenten D a r a n y i dauert fort. Zeitungen und Versammlungsredner geben den Aeußerungen de» Ministerpräsidenten über die angeblich unverhältnismäßig große Zahl der Juden in Ungarn, ihren dominierenden Einfluß auf das Wirtschaftsleben und die Rolle der „Galizianer" eine antisemitische Deutung. Im „Uj Magyarsag" erklärt Stefan Milotaj: „Wenn wir in früherer Zeit die Kraft besessen hätten, die Grenzschranken niederzulassen, wir hätten heute zumindest um 30 bis 40 Prozent weniger Juden." Demgegenüber stellt der der Regierung nahestehende „Pester Lloyd" fest, daß die Vermehrung der Juden in Ungarn durch Einwanderung nicht länger als bis 1870 gedauert hat. Der Statistiker Dr. Alois Kovacs stellt laut „Pester Llyod" in seinem Werk „Raumgewinn der Juden in Ungarn",, das als statistisches Kompendium des Antisemitismus gelten kann, wörtlich fest: „In allen vier Jahrzehnten von 1870 bis 1910 ist der tatsächliche Zuwachs der Juden geringer, als er kraft des Geburtenüberschusses hätte sein sollen, was soviel bedeutet, daß in den letzten vier Jahrzehnten mehr Juden aus Ungarn ausals in das Land eingewandert sind." Dieser Wanderungsausfall betrage nach Kovacs mehr als 100.000 Seelen. „Pester Lloyd" führt weiter aus: Die große jüdische Einwanderungswelle fällt in die Vierzigerjahre des neunzehnten Jahrhunderts. Die Nachkommen dieser Eingewanderten können heute mit Recht als Alteingesessene gelten. Die letzten Jahrzehnte aber brachten kein Einwanderungsplus mehr, im Gegenteil: seit 1870 haben bedeutend mehr Juden das Land verlassen, als hereingekommen sind. Vor dem Krieg hatte das ungarische Judentum einen bedeutenden natürlichen Zuwachs. Nach dem Kriege hat dieser Zuwachs aufgehört, die absolute . Verminderung betrug im Jahrzehnt 1920 bis 1930 6,1 Prozent infolge enormen Sinkens der Geburtenrate bei den Juden. Jetzt machen die Juden etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung Ungarns aus. In den Jahren 1932 bis 1934 aber bewegte sich die Verhältniszahl jüdischer Kinder unter den Neugeborenen zwischen 2,4. und 2,5 Prozent. Es ist leicht zu errechnen, daß sich hieraus ein rapides Sinken der absoluten und der relativen jüdischen Bevölkerungszahl in nicht ferner Zukunft ergeben wird. Besetzung der Bue-Brith-Institutioncii durch SS-Leute Aus Prag: Wie aus Berlin telegraphiert wird, wurden sämtliche Bne-Brith-Gebäude in Deutschland — nach Auflösung der in ihnen untergebrachten philantropischen, sozialen und kulturellen Institutionen und Aussetzung der Greise, Kranken und Kinder aus den Heimen — von SS-Leuten besetzt. Das Logenhaus in der Kleiststraße, Sitz der Großloge Deutschland und der Mehrzahl der Berliner Logen der. Bne Brith, ein großer Mittelpunkt für jüdische sozial-kulturelle Arbeit in Berlin, in dem mehrere große Fest- und Versammlungssäle vorhanden sind, wurde von einem über 100 Mann starken Aufgebot der SS besetzt. * Aus Warschau: Sämtliche in jiddischer und in polnischer Sprache erscheinenden Warschauer jüdischen Tageszeitungen wurden wegen Veröffentlichung der J.-T.-A.-Berichte über die Austreibung der jüdischen Greise, Kranken und Kinder aus den Häusern der aufgelösten Bne-Brith-Logen in Deutschland konfisziert. Die Behörde erblickte in den Berichten eine Herabsetzung der deutschen Regierung. (J. T. A.) SIEGM. KORNMEHL QROSSFLEISCMHAUEREI * Zeutralü; Berggasse 19, lel. A-17-5-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abfeilungen?u> -^-Fleisch ■MBDoa^naiaMaBHnaanHiM unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr Ktütusgemeiude Wien Autoxustellung koatanlo» »X. Berggasse 15 / XVIII,, Währingerstr. 97 BSavbarei Aus Warschau: Im Dorfe Korzawa bei Lodz wurde der jüdische Student Herz Z w i von Huligans so bestialisch mißhandelt, daß er im Hospital, wohin er gebracht wurde, seinen Wunden erlag. Das Gericht in Wilna verhandelte gegen sechs junge Juden, die beschuldigt waren, an einer Kundgebung gegen die Wilnaer antijüdisäen Exzesse im November 1936 teilgenommen zu haben. Ein Jude wurde zu sechs Jahren, ein zweiter zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Vier wurden als Jugendlich« einer Zwangserziehungsanstalt Uberwiesen,

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