Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 652 (30.4.1937)
- Date
- 1937-04-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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f 6eite £ ME NEUE WELT Nr. 662 vom 30. April 1937 MONNMl I RABENSTEIG 3 -JjlMMEl^FOR^ KÖLLNERHOFflASSE 1 Große Auswahl und Kinder-Wäschs, WeiOwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjama», Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise raus repräsentiert, hat dem DFC. seinen Platz solange zur Verfügung gestellt, bis der DFC. den ihm von der staatlichen Regulierungskommission zuzuweisenden neuen Platz haben wird. Das Wort »Milde« Nach all den Dingen, die im Dritten Reich den Juden durch Gesetz und Uebung angetan wurden, nach dem Raub an den Bne-Brith-Logen, nach all dem Jammer und Schreck, der sich über die Judenschaft Deutschlands ergossen hat, gibt es kaum mehr etwas, das uns in bezug auf hitleristische Barbarei überraschen könnte. Wir sind — man muß es gestehen — abgestumpft gegen die Meldungen von Angriffen auf Ehre und Menschenleben und Gut; es ist, als ob sich die Kulturwelt mit den nazistischen Greueln abgefunden hätte, als ob kaum mehr ein Rest von Em- KI E V K A Mottensäcke IN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! ^mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmt pörung gegen das Hakenkreuzlertum geblieben wäre. Scham vor diesem Treiben verschließt uns den Mund und die Feder wird müde, dergleichen aufzuschreiben, "bis wiederum ein Augenblick kommt, dessen abgründige Scheußlichkeit einen Reflex hervorruft. . . . Wir lesen im „Oberschlesischen Anzeiger" (Ratibor): Zwei jüdische Eheleute waren vom Gericht Beuthen wegen Vergehens gegen das Schächtgesetz angeklagt. Sie hatten — in den Jahren 1935 und 1936 — Fleisch geschächteter Tiere aus Oberschlesien nach Deutschland (Breslau und Landeshut) geschickt, obwohl das Schächten in Oberschlesien nur für den Bedarf innerhalb dieses Gebietes erlaubt ist. Da die Angeklagten das Fleisch nur ihren nächsten Verwandten geschickt hatten und keinen Gewinn aus dieser Handlung zogen, ließ das Gericht Milde walten : es verurteilte das Ehepaar zu je zwei Monaten Gefängnis. Von einer Geldstrafe sah das Gericht ab, weil damit der Strafzweck nicht erfüllt würde. Zwei Monate Gefängnis dafür, daß man Verwandten Koscherfleisch schickte! Und dazu das Wort „M il d e"! Dieses Wort „Milde" im Zusammenhang mit der Gefängnisstrafe muß man sich merken. Es ist wohl nur als Ausdruck von Sadismus zu verstehen. Der ewige Fußtritt Die Erklärungen des Obersten Kowalewski, des Stabschefs des „Lagers dernationalen Einigung" in Warschau, waren zahlreichen Deutungen ausgesetzt. Zunächst einmal wurde die Frage aufgeworfen, ob auch Juden in diese Vereinigung aufgenommen werden. Diese Frage wurde zunächst dahin beantwortet, daß im nationalen Lager alle Staatsbürger Polens Platz haben, -die sich zur polnischen Nationalität bekennen, und flugs suchten die jüdischen Assimilanten hier Unterschlupf. Für Anfang Mai war seitens der assimilatorisch eingestellten jüdischen Gruppen Polens eine Konferenz einberufen worden, auf der ein „jüdischer Sektor" des Lagers gebildet v/erden sollte. Um jeden Preis wollte die Assimilation sich rasch einen Platz im Lager der Polnisch- Nationalen sichern, in einer Organisation, die als eine Art Regierungsfront angesehen' werden kann. Aber die Enttäuschung, bzw. der Fußtritt ließ nicht lange auf sich warten. Der Stabschef Kowalewski erklärte nämlich, daß auch zur polnischen Nationalität sich bekennende Jüden nicht aufgenommen werden. Man will unter sich sein. „Juden polnischer Nationalität" empfindet man als Widersinn. Unter solchen Umständen mußte die Konferenz, die einen „jüdischen Sektor" im Bereich der „nationalen Einigung" gründen wollte, abgesagt werden — nach der Sachlage — für immer. Noch immer nichts gelernt? Sie, die Assimilanten, müssen einen tüchtigen Fußtritt bekommen, bevor sie merken, daß etwas los ist. PARKSANATORIUH SAUERBRUNN Burgenland, Dr.-Hotfmann*Straße 3 ganzjährig geöffnet, waldige Höhenlage; für innere, nervöse und Stoffwechselerkrankungen. Mastu. Entfettungskuren, jedwede diätetische Behandlung. Zeitgemäße Preise Leitende Aerzte: Dr. Friedrich Weist, Dr. Deszb* Siefner PROSPEKTE IN DER REDAKTION Vom Jüdischen Weltkongreß Bericht über die Tätigkeit der Exekutive seit dem I. Jüdischen Weltkongreß In Genf, 8. bis 15. August 10S6 Politische Aktionen: 1. Ueberrelchung der auf dem I. J. W. K. angenommenen Palästina-Resolution an die Britische Gesandtschaft in Bern. In dieser Resolution wird gegen die eventuell in Aussicht genommene Beschränkung der jüdischen Einwanderung in Palästina protestiert (August). 2. Ueberrelchung eines Memorandums an die Mitglieder des Völkerbundes, in welchem gegen die Nürnberger Parteitagsreden und gegen die Identifizierung von Judentum und Kommunismus protestiert wird (September). 3. Unterredungen von Dr. N. Goldmann mit dem Außenminister von Polen, dem neuen rumänischen Außenminister und der französischen Delegation* bei der Völkerbundtagung bezüglich der jüdischen Lage in den verschiedenen Ländern (Oktober). 4. Beteiligung der Exekutivemitglieder des J. W. K. an der Sitzung der jüdischen und internationalen Organisationen, die sich mit der Flüchtlingsfrage befassen und in deren Namen ein Memorandum an den Völkerbund mit Vorschlägen für den Schutz der Flüchtlinge aus Deutschland überreicht wurde (Oktober). 5. Protesterklärung der Exekutive des J.W.K. gegen die Pläne der polnischen Regierung bezüglich jüdischer Massenauswanderung. 6. Verhandlungen im französischen Kolonialministerium wegen einer Einwanderung für möglichst große jüdische Massen in die französischen Kolonien (Oktober). Aller Anfang igt schwer. Sobald das Kind die Zahnbürste selbständig gebrauchen kann, sollte die Mutter es lehren, täglich die Zähne zu putzen. Nur wer gesunde Milchzähne hat, bekommt gute bleibende Zähne. Für Kinder nur Chlorodont, die bekannte Qualitäts- Zahnpaste. E KIEVKA Mottensäcke IN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! 7. Beteiligung an der Sitzung des H i g h - C o mmissioner für deutsche Flüchtlinge in London und Wahl eines Exekutivemitglieds des J. W. K. in den Beirat des High-Commissioner (Dr. N. Goldmann, Stellvertreter: Rev. M. L. Perlzweig, M. Jarblum) (November). 8. Protest bei dem Minister von IrakinGenf und P ä r i s in bezug auf die fortdauernden Angriffe auf jüdisches Leben und Eigentum durch die Araber (November). 9. Verhandlungen bezüglich der russischen Juden (November). 10. Memorandum an die Mitglieder des Völkerbundrates bezüglich der Situation der Juden in Dan zig (Dezember). 11. Vorstellungen und Verhandlungen in Sachen der deutschen Flüchtlinge in Spanien mit dem Internationalen Roten Kreuz, dem High-Commissioner für deutsche Flüchtlinge, der spanischen Regierung und den spanischen Gesandten in Paris und London. 12. Unterredung von Dr. Goldmann mit dem polnischen Außenminister (Dezember). 13. Memorandum, unterbreitet dem Völkerbundsekretariat und den Völkerbundmitgliedern, das die G e n eralisieruhg der Minoritätenrechte verlangt für alle dem Völkerbund gegenwärtig angehörenden und später hinzukommenden Länder (Dezember). 14. Vorstellungen bei den Ministern von Uruguay in Frankreich und in England in bezug auf das Verbot der jiddischen Sprache in Zeitungen und öffentlichen Versammlungen (Dezember). 15. Unterhandlungen bezüglich der Erneuerung der deutsch-polnischen Konvention in Oberschlesien und dem Schutz der Minoritätenrechte mit dem polnischen Außenminister und den französischen und englischen Außenminlsterieh (Dezember und Jänner). 16. Neues Memorandum an die Mitglieder des Völkerbundrates in Sachen der Lage der Juden in Dan zig (Jänner). 17. Aktion zur Verhinderung eines Gesetzes über die Revision der Staatsangehörigkeitslisten in Rumänien. Verhandlungen mit dem Völkerbundsekretariat und der rumänischen Regierung. — Pressekampagne, i 18. Intervention im französischen Kolonialministerium bezüglich der Frage der jüdischen Einwanderung in die französischen Kolonien durch M. Jarblum (Jänner). 10. Empfang Dr. Goldmanns durch M, Marius Moutet, französischen Kolonialminister (Jänner). Dank an die tschechoslowakische Regierung Aus Paris: Die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses hat dem bevollmächtigten Minister der Tschechoslowakei in Paris die auf der letzten Sitzung der Exekutive angenommene Resolution überreicht, wflche lautet: „Die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses drückt ihre tiefe Befriedigung aus über die jüngst erfolgten Beschlüsse der tschechoslowakischen Regierung hinsichtlich der Verstaatlichung der hebräischenSchulenin Karpathorußland und der Erfüllung weiterer Forderungen der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei. Die tschechoslowakische Regierung hat durch diese Entscheidung erneut ihre wahrhaft freiheitliche und liberale Haltung in der Behandlung der Minoritäten des Landes bewiesen und erneut dokumentiert, daß die Regierungspolitik gegenüber der jüdischen Minorität auf den Prinzipien voller Gleichberechtigung und der loyalen Verwirklichung der in der Verfassung und in den internationalen Verträgen gesicherten Minoritätsrechte beruht." Verb« <L fudenftfaafszfonfcfen Oesleriei's&s Sektion Prater. Donnerstag, den 6. Mai, um 0 Uhr nachmittags Sondervorstellung Im Jüdischen Kulturthaeter: „Schwer zu sein ein Jud'". Sektion X, Herndlgasse 3 8. Samstag, den 1. Mol, y39 Uhr abends, wichtige Mitarbeiterbesprechung. Sektion XIV/XV, Schanzstraße 83. Samstag, den 1. Mai, 8 Uhr abends, Palästina-Lichbtldervortrag. -~ Montag, den 8. Mai, wichtige Leitungssitzung. — Dienstag, den 4. Mai, y39 Uhr abends, findet der verschobene Vortrag Oberbaurat Robert Strickers über „Die A.-C.-Sitzung in Jerusalem. — Vor dem XX. Zionistenkongreß" statt. * Der Verband der Judenstaatszionisten gratuliert seinem verdienstvollen Parteiratsmitglied Herrn Moses Goldhirsch zu seiner Verlobung mit Frl. Emilie Scidmann aufs herzlichste. Die Judenstaatsjugend gratuliert herzlichst ihrem Freund und Gg. Herrn Moses Goldhirsch anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Emilie Seidmann. XX. Sammlung im Altersheim des Wiener Gremiums durch Frau Ida Ryfczis zugunsten des Hechaluz Haleumi S 22. . Allen Spendern herzlichster Dank! Aus der österreichischen Provinz: Im Zuge der Intensivierung der Schekelkampagne besuchte der Generalsekretär Theodor G r u b n e r die österreichische Provinz* Am Mittwoch, den 7. ds., sprach Herr Grubner im Rahmen der Zionistischen Ortsgruppe Klagenfurt über die nächsten Aufgaben des Zionismus. Redner führte in der gut besuchten Versammlung im wesentlichen aus: Die komplizierte, politische Situation im Zionismus und in Palästina erfordere eine starke zionistische Organisation. Die Schekelkampagne gebe den Zionisten eine gute Gelegenheit, zionistische Propagandaarbeit aktiv zu betreiben. Samstag, den 10. ds., sprach Herr Grubner in einer Propagandaversammlung der Ortsgruppe Knittelfeld des Verbandes der Judenstaatszionisten Oesterreichs. Nach Begrüßung durch den Obmann, Gg. Bauernfreund, behandelte Herr Grubner die Grundprobleme des Zionismus. Er gab einen Ueberblick über die historische Entwicklung KIEVKA Mottensäcke IN DROGERIEN UND PARFUMERIEN! des Judenstaatsgedankens und die Ziele unserer Organisation. Mit einem Appell an alle Gg. Gg., die Schekelkampagne zu einer Demonstration für den Judenstaatszionismus zu gestalten, schloß er seine Ausführungen. Die Gg. Gg. verblieben noch lange beim Singen hebräischer Lieder beisammen. — Sonntag, den 11. ds., nachmittags, fand In Judenburg die Generalversammlung der Bezirksgruppe „Oberes Murtal" unseres Verbandes statt. Nachdem der Vorsitzende-Stellvertreter, Gg. Bauernfreund (Knittelfeld), die Erschienenen begrüßte, ergriff der Vorsitzende, Kommerzialrat Franz Benedek (Pohnsdorf), das Wort zu einem kurzen, einleitenden Bericht. Diesen Bericht ergänzte der Sekretär der Bezirksgruppe, Herr Oskar Gruber, ausführlich. Es folgte dann der Kassabericht durch Herrn Gg. Zucker. Aus diesen Berichten konnte man den bedeutenden Aufschwung dieser Bezirksgruppe in der kurzen Zeit ihres Bestehens feststellen. Den Schluß der Generalversammlung bildete ein ausführliches Referat des Gg. Grubner über die Aufgaben des Verbandes der Judenstaatszionisten. Dieses Referat befaßte sich hauptsächlich mit den organisatorischen Problemen des Verbandes. Reicher Beifall belohnte den Redner. — Sonntag, den 11. ds., abends* sprach Herr Grubner bei einem Gruppenabend der Ortsgruppe L e o b c n unseres Verbandes. Bei diesem Referate zeigte der Redner die ideologischen Differenzen zwischen dem Judenstaatszionismus und dem Revisionismus auf. Er setzte sich auch mit der Poale Zion auseinander. Selbstredend forderte der Redner am Schlüsse seiner Ausführungen die Gg. Gg. auf, den Schekel zu kaufen und zu propagieren. Mittwoch, den 14. d.( veranstaltete die Ortsgruppe Graz unseres Verbandes Im Saale der Kultusgemeinde eine Propaganda« Versammlung, Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden Dr. K a d i s c h behandelte Herr Grubner in einem einstündigen, glänzenden Referate die Probleme des Zionismus und des Palästina-Aufbaues, wobei er die polltischen Aufgaben der Judenstaatszionisten skizzierte. Dienstag, den 20. ds., fand in Gmünd die erste Versammlung der Judenstaatszionisten statt. Die Versammlung eröffnete Gg. Löwy, Th. Grubner referierte Uber die Ziele unseres Verbandes. Auch hier fanden dessen Ausführungen volle Zustimmung. Die Anwesenheit unseres Generalsekretärs in der österreichischen Provinz wurde selbstverständlich auch dazu benützt, im engen Kreise der Leitungsmitglieder der einzelnen Ortsgruppen die Probleme der nächsten Arbeiten zu erörtern.