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Die neue Welt · 1937-04-30 · Heft 652 (30.4.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 652 (30.4.1937)
Date
1937-04-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 652 vom 30. April 193' DIE NEUE WELT Seite 3 Wegen des Staatsfeiertages am 1. Mai und des gesetzlichen Feiertages am 6. Mai erscheint die nächste Ausgabe unseres Blattes In der kommenden Woche MiSSufocft, den 5. Mal rechtzeitig ihre Stimme gegen die Untaten eines Liberberg und eines Chawkin erhoben hatten. Zum Schluß heißt es: Das Zentralkomitee der kommunistischen Partei wird Mittel und Wege finden, um diese Geschwulst mit dem Seziermesser auszuschneiden. (J. T. A.) Agudi'sfen wollen einen arabischen König ♦.♦ ktodmsfäegd Der Lseblingsgedanhe der Binalfonafen „Man hat in letzter Zeit davon gehört, daß der High Commissioner seinen Lieblingsgedanken des Legislative Councils wieder aufgegriffen hat. Wäre es nicht an der Zeit, ihm und den Arabern unsere Verständigungsbereitschaft zu beweisen, indem wir uns mit diesem Oedanken auseinandersetzen? Hoffentlich ist es dazu nicht schon tsn spät. Wohl mancher jüdische Politiker wäre angesichts der drohenden Veränderungen geneigt, seine Einstellung zum Legislative Council heute einer Korrektur m unterziehen." „Jüdische Rundschau" (Berlin, 23. April 1937). Die alte Gesditdife „Die Placierung der jüdischen Ungarn auf den verschiedenen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens ist vom Standpunkt der gesellschaftlichen Hygiene vielleicht nicht die idealste. Aber wer ist dafür verantwortlich? Wohl jene seit fünfzehn Jahren in steigendem Maße betätigte Praxis, die durch verschiedene künstliche Maßnahmen die ungarischen Staatsbürger jüdischen Glaubens aus einem großen Teil der Laufbahn ausschloß. Auch das halten wir nicht für nottoendig, daß die nationalen und ethischen Postnlate, quasi Rechenschaft fordernd, eben gegen das ganz* Judentum betont werden." „Magyar Hirlap" (Budapest, 1937). Als Bude leben „Wenn Palästina weit über die für den Zionismus gewonnenen jüdischen Kreise hinaus seine Anziehungskraft bewährt und dauernd steigert, dann finden wir eine Erklärung für dieses Phänomen in der Tatsache, daß die Menschen, die nach Palästina gehen, auch dort', und gerade dort, als Juden leben." „Ist. Familienblatt" (Berlin, 1937). Arabisches Dotf als Gewehrlieferanl „Im Zusammenhang?ni£_ dem Raub einer Viehherde in der jüdischen Kolonie Mizpah bei Tiberias wurde das arabische Dorf Hittin mit einer Kollektivstrafe belegt, die in Form von Geld und Gewehren zu bezahlen ist." „Palcor" (Jerusalem, 1937). Wenn es um die eigene Haut geht Die J. T. A. meldet aus London: Der Amsterdamer jüdische Arzt Professor Oljenic hat die Tochter des deutschen Botschafters in London, des Herrn von Ribb entr op, vor dem Erblinden gerettet. „Daily Herald" berichtet: Frl. Bettina von Ribbentrop hatte Ende des vergangenen Jahres einen schweren Autounfall. Ihr Vater, Botschafter Ribbentrop, war damals lange Zeit in Deutschland am Krankenlager seiner Tochter geblieben, deren Genesung nur geringe Fortschritte machte. Die Verletzung hatte schließlich eine Gehirnentzündung zur Folge und die Patientin geriet in Lebensgefahr, zumindest in Gefahr des Verlustes des Augenlichtes. Als sich alle ärztliche Kunst als machtlos erwies, zog es Ribbentrop im Konflikt zwischen den Pflichten eines hohen SS- Offiziers und der Vaterliebe vor, die heiligen Rassegrundsätze seines „Führers" mit Füßen zu treten. Er vertraute sein Kind der Heükunst eines großen jüdischen ärztlichen Spezialisten an, dessen Wiege im ehemals österreichischen Kronland Galizien gestanden hat. Prof. Oljenic übernahm die Behandlung. Bettina von Ribbentrop wurde gesund und ist in die deutsche Botschaft in London zurückgekehrt. Allerdings war in den Listen der Amsterdamer Klinik, in der Prof. Oljenic Bettina von Ribbentrop behandelte, eine Patientin des Namens von Ribbentrop nicht eingetragen, vielmehr figurierte dort ein Fräulein Henkel! # Die Meldung der großen Londoner Tageszeitung liegt einige Tage zurück. Eine Berichtigung seitens des Herrn von Ribbentrop ist nicht erfolgt. Die Sache dürfte aber richtig sein. Sie fügt sich übrigens prächtig ins hitlerdeutsche Charakterbild. Kranke jüdische Kinder und sterbende jüdische Greise aus ihren Heimen stoßen und sich nach getaner Arbeit in warme Betten legen, das steht den Führern unterm Hakenkreuz gut an. Deutsche Arbeiter und Beamte davonjagen, wenn sie es wagen, ihr leidendes Kind von einem jüdischen Arzt ihres Vertrauens behandeln zu lassen. Aber selbst im Flugzeug zu einem Juden eilen, wenn es um die eigene Haut geht — das steht diesen Leuten gut an. Hitler hat gesprochen und Goebbels trompetet es: „Deutscher! Werde hart!" Ja, hart ftnd schmutzäg, Der Frankfurter „Israelit", das Organ der deutschen Trennungs-Orthodoxie (Agudah), bringt einen Leitartikel über die Projekte in Palästina und schreibt „Die vorgeschlagene Schaffung eines jüdischbritischen Korridors von Europa und Afrika nach Asien hat für die Mandatarmacht unstreitig etwas Verlockendes, während für die politischen Zionisten — so kalkuliert man — die Aussicht auf einen .souveränen' jüdischen Miniaturstaat mit Herbert Samuel als Präsidenten, Weizmann als Ministerpräsidenten und den ganzen Apparat von Gesandtschaften, Konsulaten und Völkerbundsitz zweifellos einen gewaltigen geschichtlichen Triumph, zugleich aber die restlose Einlösung der Balfour-Versprechen bedeuten würde." „Die starke Opposition, die der Vorschlag bisher im zionistischen Lager fand, besagt noch nichts. Die positiv eingestellten zionistischen Kreise schweigen eben zunächst." Bisher geht die Sache in Ordnung. Vom agudistischen Standpunkte aus wird die projektierte Zwerg-Judenstaat abgelehnt und die zustimmende Haltung gewisser zionistischer Kreise um Weizmann verurteilt. Aber was will die Agudah? Einen großen Judenstaat? 0 nein! Einen arabischen König. Denn es heißt weiter: „Gott schütze sein Volk vor diesem Spiel mit dem Feuer! Wäre es da nicht besser — Realpolitik statt Fassadenpolitik zu treiben, ein palästinensisch-arabisches Königtum mit Emir Abdullah an der Spitze, mit bi-nationaler Staatsverwaltung, arabischen und jüdischen Ministern und gesicherter jüdischer Einwanderung zu schaffen, die jüdische Wirtschaftskraft mit dem arabischen Prestige zu verbünden und so — unter der bewaffneten Garantie Englands eine Versöhnung anzubahnen? Dann wüßten wir, daß wir auch in Erez Israel im G o 1 u s sind und daß das Ende des Golus nur um den Preis sittlichen Aufstiegs, nicht aber durch Kraftmeiertum und Gewalt, nicht durch jüdische Legionen, aber auch nicht durch ein mit Stacheldraht umzäumtes westpalästinensisches Staatsspielzeug erobert werden kann." Die Zahnpasta! i^^^^^»^^» Wfi Wendend I 'fW^se^äkne^ WMßM Merkwürdig, was sich in den Köpfen dieser so betont frommen Herren abspielt. Sie beten täglich um die Wiederaufrichtung des jüdischen Reiches, aber sie lehnen den Judenstaat ab, nicht nur den kleinen, den ein Herbert Samuel will, auch den großen, wie ihn Theodor Herzl wollte. Sie bezeichnen jeden Judenstaat als Chillul Haschern, als Versündigung am Heiligsten. Alles, nur keinen Judenstaat! Lieber einen arabischen König über Erez Israel! Emir Abdullah als Krönung der frömmsten, heißesten Sehnsucht. RUNDSCHAU Was Henlein den Juden gestalte! Vor einiger Zeit ist hi der Tschechoslowakischen Republik zwischen den deutschen Regierungsparteien und der Regierung ein nationaler Ausgleich getroffen worden, der als das Muster einer großzügigen Minor! tätspolitik bezeichnet werden kann. Die langjährigen Spannungen konnten jetzt liquidiert werden und tatsächlich ging ein Aufatmen durch das Land. Die Deutschen wurden auf die Plattform eines Volkes gestellt, dem innerhalb des Staates bis an die Grenzen der Möglichkeit alle Rechte einer nationalen Minorität zugestanden wurden. Und nun zeigte sich, wer im deutschen Lager eine ehrliche Versöhnung anstrebte: Die Iii« scharf-scharfe die den wildesten Bart in einem Schwung umlegt, ist Sudetendeutsche Partei, die Henlein-Leute, anerkannten den Ausgleich nicht, sie sabotierten ihn, indem sie ohne Unterlaß über die Grenze hinüberschielten, wo der Nationalsozialismus seine Herrschaft errichtet hatte. Nun ist die Sudetendeutsche Partei mit ihrem Trumpf herausgerückt: sie hat im Prager Parlament sechs Gesetzentwürfe eingebracht, die alle bisherigen Forderungen übertreffen. Diese Forderungen gipfeln nämlich in der sogenannten Personalautonomie, die — im Gegensatz zur Territorialautonomie — alle Personen einer Volksgruppe umfassen soll, unabhängig von ihrem Wohnsitz innerhalb des Staates. Jeder Staatsbürger soll das Recht und die Pflicht haben, sich zu seinem Volk zu bekennen. Bis dahin ist es Sache der tschechoslowakischen Regierung, wie sie sich zu den sudetendeutschen Forderungen stellt. Aber Herr Konrad Henlein zieht auch die Juden in den Bereich seiner Politik. Er gesteht nämlich in seiner Großzügigkeit den Juden zu, sich entweder zur jüdischen Nation zu bekennen oder zu jener Nation, deren Sprache sie sprechen. Zunächst muß gesagt werden, daß wir jede politische Fürsorge Henleins für uns ablehnen, daß wir keines Vermittlers brauchen, wenn wir uns mit dem tschechischen Staatsvolk auseinandersetzen wollen. Die Freundschaft zwischen dem tschechischen und jüdischen Volk in der Tschechoslowakischen Republik ruht auf einer breiteren Basis als ein paar Gesetzesparagraphen. Gleich bei der Errichtung der Republik wurde die jüdische Minorität als Nation anerkannt und seither haben die Leiter des Staates mehrfach ihre Stellungnahme zur „tschechoslQwaJiischen Judenfrage" positiv, kundgetan. Wenn jetzt Herr Henlein für die Juden der Tschechoslowakischen Republik so etwas wie das Recht auf nationales Bekenntnis statuieren will, so kommt er zu spät. Anders steht es mit seinem Vorschlag des Bekenntnisses zu derjenigen Nation, deren Sprache man spricht. Bekanntlich gibt es in der Tschechoslowakischen Republik immer noch Juden, die nichts von einer jüdischen Volks- und Schicksalsgemeinschaft wissen wollen, sondern sich den Deutschen anbiedern und bei jeder Gelegenheit die „Nationalüberbetonten" spielen. Diesen Juden wäre die Einladung Henleins willkommen, andererseits würden die Henlein-Leute einen von Juden gestellten Zuzug in den deutschen Sprachinseln nicht ungern sehen, soweit eben diese Juden die deutschen Positionen in diesen Inseln stärken könnten. Natürlich nur solange, als diese Positionen gefährdet wären. Dann käme der historische Fußtritt. . » . So war's immer, so war's erst kürzlich, in Brünn, wo das hauptsächlich von jüdischem Geld gestützte Deutsche Theater jetzt zum Angriffsobjekt der antisemitischen Sudetendeutschen Partei geworden ist. Leider entsteht schließlich die Frage: Werden auch diesmal wieder die Juden hereinfallen? Der „Völkische Beobachter" schützt Prager Juden Aus Prag: Unter der Ueberschrift „Ein unangenehmer Irrtum des Hitler-Blattes" zitiert der „Venkov" eine Meldung des „Völkischen Beobachters" aus Prag, die den großen Titel trägt: „Tschechische Vergewaltigung des Prager Deutschtums." In dem Artikel wird tendenziös be- Gul passende Herrenhemden nach Maß in allen Preislagen FISCHER, VIII, Feldgasse 1 Telephon A.J7-8-47 Spezial-Herrenwäsche-Erzeugung richtet, wie der Prager „Deutsche Fußball-Club" seinen Platz auf der Letna räumen mußte; es wird in diesem Zusammenhang von „Gewalttätigkeiten gegen das Prager Deutschtum durch entschädigungslose Wegnahme des DFC.-Platzes" gesprochen. „Venkov" bemerkt dazu, daß das offizielle reichsdeutsche Orga» vergessen hat, daß gerade die Mitglieder des Prager DFC. niemals etwas Gemeinsames mit den Hakenkreuzlern hatten oder haben, denn diesen Klub erhalten die Prager deutschen Juden. Das Grundstück, auf dem sich der Sportplatz des DFC. befindet, wurde längst dazu ausgewählt, daß auf ihm das landwirtschaftliche Museum errichtet werde. Der Prager Sportklub Slavia, also ein Klub, der den tschechoslowakischen Nationalis-*

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