Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 651 (27.4.1937)
- Date
- 1937-04-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712276--6449-2720202- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 651 vom 27. April 1937 tm msm weit Seite 8 Borat man mit den aratrfitfien Hemdtern t Au« Jerusalem: Die arabische Zeitung „Faiaßtin" bringt die sensationelle Meldung, däß das Colonial Office In London die Regierungen des Irak, Aegyptens, Syriens und Transjofdaniens um ihre Meinung, betreffend Lösung des Palästina-Problems und die Mittel, die 2ur Erreichung einer solchen Lösung in Angriff genommen werden müßten, befragt habe. Die Regierungen Aegyptens und Transjordaniens Sollen bereits Ihre Antworten nach London gesandt haben, während die Regierung des Iräk noch mit der Abfassung des Textes ihrer Antwort beschäftigt sein soll. Die Regierung *on Syrien hingegen soll beschlossen haben, ihre «trenge Neutralität in Fragen Palästinas einzuhalten und die Anfrage des Colonial Office nicht zu beantworten. Aus arabischen Kreisen wird mitgeteilt, daß die nationalistischen Führer sehr enttäuscht sind über das Ausbleiben des Besuches des Irakischen Außenministers m Palästina. Der Minister hätte seine Reise zur Krönungsfeier in London in Palästina unterbrechen sohlen, um hier eine politische Misston au erfüllen. Dies ist aber nicht geschehen. Die Enttäuschung ist besonders groß in den Reihen der Mufti-Partei, die große. Vorbereitungen zurn, Empfang der Gäste aus dem Irak getroffen hat. Iffdfedhes Dorf von Arabern zerstört ® Aus Jerusalem: /Nach Ausbruch der Unruhen Im Jahre 1936 sahen weh die jüdischen Bauern der von arabischen Dörfern, -umgebenen Kolonie A j n S e 11 m bei Safed genötigt^ ihre Häuser und Felder zu verlassen. Die arabischen Nachbarn rissen alle Bäume der Kolonie aus, brannten das Getreide auf den Feldern nieder oder raubten es und eigneten sich schließlich den Boden der Kolonie an. Die Regierung belegte deswegen das arabische Nachbardorf Ajn Zitun mit einer Kollektivstrafe in Form der Entnahme von Weizen. Als aber das Land sich etwas beruhigte, wurde den Fellachen von Ajn Zitun der Weizen zurückgegeben. Diese sahen hierin ein Zeichen, daß jüdisches Gut v o g e 1 f r e i sei. Sie zerstörten nun auch die Häuser der jüdischen Kolonisten und eigneten sich die Türen und Fenster sowie die Inneneinrichtung an. Flugzeuge für den Palästina-Fliegerklub Aus Jerusalem: Das erste der sieben Flugzeuge, die der jüdische Palästina-Fliegerklub (Tel-Aviv) für Lernzwecke anzuschaffen beabsichtigt, ist heute, vom Püoten Major Ziembinski gelenkt, am Flugplatz von Ludd gelandet. Das Flugzeug ist in Polen erworben worden. (Palcor.) * Aus Amman (Transjordanien) wird berichtet, daß die britische Regierung einen Betrag von 100.000 Pfund zwecks Vergrößerung des Militär-Flugplatzes in Amman bewilligt habe. (Palcor.) Die Schiffe des Lloyd Triestino legen in Tel-Aviv an Aus Jerusalem: Die Schiffe des Lloyd Triestino, welche die Levante-Häfen anlaufen, werden, wie seitens der Gesellschaft mitgeteilt wird, ab Juii 1 9 3 7 an der Anlegestelle in T e 1 - A v i v ankern und dort die Passagiere an Land bringen. In der letzten Woche wurde im Hafen von Tel-Aviv ein Rekord.an Arbeit geleistet: Ausgeladen wurden 986 Tonnen ausländischer Ware gegen 63 Tonnen im Mai 1936, dem ersten Monat der Existenz des Hafens. Bauern qegen Pogrompolltik Aus Bukarest: Der frühere Minister und Senatspräsident Professor Costachescu, einer der Führer der Nationalen Bauernpartei, hielt in Jässy anläßlich der dort bevorstehenden Gemeindewahlen eine Rede, in der er ausführte: Cuzist zu sein ist leicht. Es genügt da „Nieder mit den Juden!" zu schreien. Es ist leicht, den Bauern zu sägen, daß die Juden an allem Uebel Schuld tragen. Die Cuzisten schleudern auch das Schlagwort in die Massen, daß das Land in den Händen der Juden ist. Aber die Kommandoposten in Rumänien haben wir Rumänen inne. Und wenn Mißstände vorhanden sind, dann sind wir die schuldigen. Die Cuzisten,, die bei den Wahlen große Summen ausgeben, sollen uns nicht mit Nationalismus kommen. Ich erhalte weder von Ausländern im Inlande, noch von solchen im Auslande Gelder. Ich war weder in N ü r nb e r g. noch In Berlin, und meine politischen Ideen entsprießen der rumänischen Scholle. Aber die Zeit der Abrechnung wird bald kommen und wir werden dann sehen, wie es mit jenen steht, die sich gegen ihre Brüder bewaffnet haben. * Aus Warschau: Am 22. März war es in dem Städchen Sterdyn (Kreis Warschau) zu Ausschreitungen gekommen. Es entwickelte sich eine Schlägerei zwischen den zu Einkäufen in das Städtchen gekommenen Bauern und Nationaldemokraten, die vor jüdischen Ständen und Läden Posten standen. In der Anklageschrift wird den angeklagten Bauern vorgeworfen, daß sie das Postenstehen vor den jüdischen Geschäften nicht zulassen wollten und auf diese Weise die Schlägerei provoziert hätten. Insgesamt waren 5 Bauern, 2 Nationaldemokraten und 6 Juden angeklagt. Die sieben nichtjüdischen Angeklagten wurden zu einem bis zwei Monaten Gefängnis, von den sechs Juden wurde einer zu 3 Tagen,/ vier zu einem Monat und einer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt., (J, T. A^j Verlegung des Militärkommandos von Aegypten nach Palästina? Aus London: Einer Meldung der „S u n d a y D i s p a t c h" zufolge soll das Hauptkommando der britischen Truppen im Nahen Osten in nächster Zeit aus Aegypten nach Palästina verlegt werden. Die Kommandostellen in Kairo und Alexandrien sollen sich künftig in Jerusalem und Haifa befinden. Die Verlegung soll erfolgen, nachdem die britischen Garnisonen in Kairo und Alexandrien aufgelöst und die Truppen noch vor dem im englisch-ägyptischen Abkommen vorgesehenen Zeitpunkt von dem Suezkanal zurückgezogen sein werden. DieBewachungdesSuezkanals Wif d dann dem Militäroberkommando in Palästina unterstellt sein. Auch die Frage der Bewachung der Brdölleitung von Mossul nach Haifa soll bei dieser Verlegung eine große Rolle spielen. Laut englischen Pressemeldungen soll did Kgl. Kommission bei der Bearbeitung ihres Berichtes diese militärisch-strategischen Aenderungen berücksichtigt haben. Sie soll zu der Ueberzeugung gelangt sein, daß diese Aenderungen auch die Durchführung der politischen Pläne erleichtern werden, die sie zur Lösung des Palästina-Problems vorschlagen will* Sollte die Kgl. Kommission eine Teilung Palästinas in Kantone oder in zwei Staaten empfehlen, dann würden Jerusalem und Häifa als militärische Basis unter einem Mandatsregime verbleiben oder zu einem britischen Kolonial gebiet proklamiert werden. RUNDSCHAU Wie im Cohn . .. Der 19. April des Jahres 1936 reiht sich „würdig" den Tagen an, die als Marksteine der Zerstörung seit Beginn der britischen Mandatsverwaltung gelten. Die schwere Bedrohung des jüdischen Jischuws durch den arabischen Extremistenterror im August 1929 hat seine grauenhafte Wiederholung gefunden, aber in einem Punkt wiegt der Ausgang des letzten blutigen Jahres schwerer: die moralisch-psychische Auswirkung der noch andauernden Revolte zeigt sich in Symptomen, die nach den seinerzeitigen Attacken gegen jüdisches Leben und jüdisches Gut nicht zu verzeichnen waren — vor allem im Bestreben des offiziellen Zionismus, dem jüdischen Volk die Illusion baldigster endgültiger Ruhe und günstiger politischer Entwicklung beizubringen. Knapp nach den ersten Unruhen konnte man aus dem Munde der Vertreter der Jewish Agency hören, daß diese die nötigen Schritte unternommen habe, um weitere Attacken unmöglich zu machen und daß die Palästina-Regierung im Begriffe sei, die schärfsten Maßnahmen gegen die arabischen Banditen zu treffen. Und der jüdische Jischuw vernahm diese Kunde gern, denn er wollte friedsam weiterarbeiten und mit seinem arabischen Nachbarn in Ruhe leben. Gleichzeitig aber fand er ein Motiv für die Berechtigung und den Sinn der „Hawlaga", der Zurückhaltung und Selbstbeherrschung, die insbesondere jungen, tatkräftigen, moralisch gesunden Menschen schwerfällt. Die Tage und Monate gingen und die Blutopfer nahmen kein Ende. Enttäuschung und Verbitterung überfiel das Chaluzgeschlecht, aber es wurde wiederum mit einer Illusion gespeist: mit der Illusion, daß die zionistischen Führer, die verantwortlichen Männer der Zionistischen Organisation jetzt, nachdem einmal die Opfer gefallen waren, der Mandatarmacht die Zähne zeigen und die Wünsche des Jischuws durchsetzen werden. Wieder hörte man schöne Worte, wieder flogen die Herren von Jerusalem nach London, von London nach Jerusalem, und wieder raffte man sich zU keinem Entschluß auf. 102 Todesopfer . . . Die Anwort? Aus Jerusalem wird gemeldet: „Die jüdische Bevölkerung begeht den Tag des 19. April durch Abhaltung von Gedenkgottesdiensten für die Opfer der Unruhen," Die Opfer fallen, man begräbt sie und gedenkt ihrer nach altem jüdischen Brauch. Wie in Rußland und Polen und Rumänien nach den Pogromen. Wie im G o 1 u s! Das ist alles, was man zur Politik der Palästina-Regierung und der Politik der zionistischen Regierung zu sagen weiß. Begräbnis der Opfer und dann Gedenktage. Wie im Golus. . Um eine Gedenktafel in Basel Vor 40 Jahren fand im Kasino in Basel der erste Zionistenkongreß statt. Professor S c h a b a d (Basel) wandte sich an die Kasinodirektion mit dem Ersuchen, im Kasinogebäude eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Die J. T. A. brachte die Meldung, daß die Direktion das Ersuchen abgelehnt habe, weil sich „infolge der Hitler-Propaganda in letzter Zeit die antisemitische Stimmung in Basel verstärkt hat". Dazu schreibt das Zürcher „Israelitische Familienblatt": „Von einer zunehmenden antisemitischen Stimmung in Basel ist nichts bekannt. Also erschien die Meldung in dieser Form unglaubwürdig. Wir haben uns mit informierten Kreisen in Basel in Verbindung gesetzt. Was ist geschehen? Vor einiger Zeit hatte Dr. med. Tiomkin, Mitglied der .Neuen Zionistischen Organisation', bei der Verwaltung der Basler Kasino-Gesellschaft angefragt, ob die Anbringung einer Gedenktafel in künstlerischer Aus- KINO'PROGRAIMME VOT1V PARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn; %4,6,tt9f%io El«! Bergn« m „MELO // führung aus Anlaß des Kongreßjubiläums 1897—1937 feierlich durchgeführt werden könnte. Der Präsident des Kasinos, Herr Hoff mann, ein Bruder des verstorbenen bekannten Judenfreundes Professor Hoffmann-Krayer, hat nun erwidert, daß im Basler Stadtkasino zahlreiche Kongresse stattgefunden hätten, deren Gedenken in der vorgeschlagenen Form bis jetzt nicht üblich war; die Konsequenzen für das Gebäude wären nicht abzusehen. Wenn demnach auch anzunehmen ist, daß antisemitische Motive nicht vorliegen, so glauben wir-trotzdem, daß eine gewisse Verständnislosigkeit seitens der Verwaltung des Stadtkasinos vorliegt. Aus dem ersten Kongreß vor vierzig Jahren ist eine Weltbewegung geworden, die auf große politische Akte und ungeahnte faktische Wirkungen in Palästina hinweisen känn. Die Anbringung einer Jubiläumstafel wäre daher wohl angebracht gewesen. Wir bedauern, daß die Verwaltung des Stadtkasinos dies nicht eingesehen hat, selbst auf die „Gefahr" hin, daß sie noch die eine oder andere sonstige Erinnerungstafel anbringen müßte. Sind denn solche Tafeln eine Entweihung des Gebäudes? Wir möchten das Gegenteil behaupten; sie würden die historische Bedeutung , des Gebäudes sichtlich steigern." filme und Kinohetze Schon wieder Film? — wird man fragen. Das Thema erscheint in allen Varianten. Diesmal ist es interessant zu hören, daß eine Zuschrift an das Wiener „Neuigkeits-Welt-Blatt" feststellt, es sei eine Kulturschande (!), daß es in der Innern Stadt ein Kino gibt, das nur amerikanische Filme spielt und dessen Besitzerin — oh, wie fürchterlich! — aus dem Osten stammt. Dieser Zuschrift stellt ein „schwarzgelber Katholik und Weltkriegssoldat" Tatsachen und Stimmungen entgegen, die man im Zusammenhang mit dem Wohlwollen der betont nationalen und zum Teil auch katholischen Blätter gegenüber den getarnten reichsdeutschen Pröpagandafilmen registrieren muß. Dieser österreichische Patriot wendet sich zunächst gegen die aufdringliche Art, mit welcher hier bei uns die Reklame für die nazistischen Filme und Zeitungen gemacht wird, um zu folgender Erkenntnis zu gelangen: „Als schwarzgelber Katholik empfinde ich es als Kulturschande, Rassenhaß zu propagieren, noch dazu in einem katholischen Blatt, dazu eignen sich die betont nationalen Blätter besser. Mit dem Antisemitismus fängt es an und mit dem Kampf gegen unsere Kirche hört es auf! Traurig, daß es noch Christen gibt, die diese Zusammenhänge noch nicht begriffen haben. . . ." Dahn zum Thema des angeblich korrumpierenden amerikanischen Films (in einem Kino, dessen Besitzerin aus dem Osten stammt) und reichsdeutscher Näzipropaganda: „Sonntag vormittags veranstaltet man in gewissen Kreisen Mattineen, wö deutsche Filme vorgeführt werden, die ja alle nur eine mehr oder weniger versteckte Propaganda für das Dritte Reich sind. Es fragt sich, was für die Seele unserer Jugend schädlicher ist, ein amerikanischen Tom-Mix-Film oder die Filme des Dritten Reiches." Nun wird endlich auch von „arischer" Seite die Debatte über den Wert der rassereinen Nazifüme für die österreichische Bevölkerung angeschnitten. Und es wird auch gleichzeitig ein vernünftiges Wort Verb« dL ludenstaafszionfsten Oesterreich Versammlungen: Sektion XIV/XV, Schanzstraße 3 2. Dienstag, den 27. ds., halb 9 Uhr abends, Vortrag Oberbaurat Robert Stricker: Vor dem XX. Zionistenkongreß. — Donnerstag, den 29. ds., 8 Uhr abends, Leitungssitzung. Sektion XX, Staudingergasse 16. Mittwoch, den 28. ds.,, 8 Uhr abends, Leitungssitzung. — Donnerstag, den 29. ds., halb 9 Uhr abends, Vortrag Mendel Hager. Judenstaats jugend. Sektion XIV/X V, Schanestraße 32. Mittwoch, den 28. ds., 8 Uhr abends, Vortrag Gg. Langer: Der Jüdische Nationalfonds und seine nächsten Aufgaben. ■ * Der Verband der Judenstaatszionisten gestattet sich, auf diesem Wege seinem Gg. Bruno Singermann und Gattin zur Geburt ihrer Tochter die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln.