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Die neue Welt · 1937-04-27 · Heft 651 (27.4.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 651 (27.4.1937)
Date
1937-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 651 vom 27. April 1937 au die Hetzer gerichtet, welche sich gegen den „Tiefstand der amerikanischen Schundfilme" wenden, weil diese in Kinos laufen, welche zufälligerweise Juden gehören. Oftmals schon hat beispielsweise das noble „Wiener Montagblatt" gegen die jüdischen Kino besitzer gewettert, welche angeblich den vergiftenden amerikanischen Film nach Wien bringen, den Film, den man aus gesundem christlichdeutschem Empfinden ablehnen, bzw. verbieten müßte; ohne zu erzählen, daß jeder Film, bevor er freigegeben wird, einer strengen, sachlich prüfenden und zweifellos auch christlichdeutschen Zensur unterworfen ist. Es wird den national betonten Blättern oder solchen in der Art des „Wiener Montagblatt" nicht gelingen, die amerikanischen Filme (die in jüdischen Kinos laufen!) gegenüber cWn rein „arischen" deutschen Filmen zu diskreditieren. Die bessere Ware entscheidet, ob sie der „Nichtarier" oder der „Arier" anbietet — beim Film wie bei der Zeitung. Der Film beispielsweise wird nicht schlechter, wenn er in einem „jüdischen Kino" läuft, und nicht besser, wenn ihn ein „Vollblutarier" anbietet. lu«?en nur ♦ ♦ ausnahmsweise Aus Warschau: Der Stabschef des „Lagers der Nationalen Einigung", Oberst Kowalews k.i," hat in Ergänzung seiner bei einer Pressekonferenz gemachten programmatischen Ausführungen weitere Aufklärungen über den Standpunkt des Lagers in der Judenfrage erteilt. Kowalewski erklärte, seine Feststellungen bei der Pressekonferenz seien, wie er aus den Veröffentlichungen in den Zeitungen ersehe, von den anwesenden Journalisten teilweise mißverstanden worden. Man habe seine Aeußerungen dahin interpretiert, daß polnische Juden Mitglieder des Lagers werden können,- wenn sie sich als Polen erklären. Das sei n i c h t richtig. Es werde nicht genügen, zu sagen: „Ich bin ein Pole", um in das Lager aufgenommen zu werden. Ausnahmen könne es geben, aber im allgemeinen würden nichtkatholische Polen der Gruppe nicht angehören können. Kowalewski gab zu, daß es Juden gibt, die für Polen gearbeitet und für seine Unabhängigkeit g3kämpft haben. Aber auch das sei nicht ausreichend, um in das Lager der Nationalen Einigung aufgenommen zu werden. Wir achten die Juden, Sagte der Oberst, die als Frontsoldaten gekämpft haben, und bewundern ihr offenes Bekenntnis zu ihrem jüdischen Volkstum. Dennoch können sie nicht Mitglieder unseres Lagers werden. Die Judenfrage sei eines der wichtigsten Probleme Polens, hauptsächlich darum, weü die Zahl der Juden in Polen so groß sei. Grundsätzlich könne dies Problem nur durch Auswanderung gelöst werden. * Aus L o n d o n (J. T. A.): „Times" melden aus Warschau: Die Mitteilungen Kowalewskis stellen eine schwere Enttäuschung für tausende Juden dar, die angenommen hatten, daß sie zur Regierungspartei zugelassen werden. Sie sind aber darüber hinaus ein schwerer Schlag für die Gesamtheit der über drei Millionen polnischen Juden, da die Entwicklung deutlich-auf eine Diskriminierung hinweist. Antisemitismus in der amerikanischen Wirtschaft Der Vorsitzende der Kommission für Wirtschaftsfragen beim American Jewish Congress, Rabbi J. X. Cohen, hat die Ergebnisse einer sechsjährigen Untersuchung über die Ursachen jüdischer Arbeitslosigkeitin New York in einer soeben veröffentlichten Broschüre niedergelegt. Der Verfasser gelangt zu der Feststellung, daß zahlreiche öffentliche Unternehmungen, Banken, Versicherungsgesellschaften, sonstige Arbeitgeber und Arbeitsvermittlungsatellen die Diskriminierung gegen Juden so weit getrieben haben, daß diese „Arbeiter am Rande" geworden sind. Rabbi Cohen erhebt gegen die New-Yorker Telephongesellschaft, die Gasgesellschaft und die Western Electric C o m p; den Vorwurf, daß sie jüdische Stellenwerber unterschiedlich behandeln und dadurch das New-Yorker Gesetz über die bürgerlichen Rechte verletzen, durch das es öffentlichen Unternehmungen verboten wird, bei der Beschäftigung von Arbeitern Unterschiede auf Grund von Volkszugehörigkeit, Hautfarbe oder Religion zu machen. Die gleiche Beschuldigung erhebt Rabbi Cohen gegen die drei größten Banken von New York, die Chase National Bank, die National City Bank und Guaranty Trust Comp, sowie gegen eine Reihe von Versicherungsgesellschaften. Die jüdische Oeffentlichkeit, schreibt der Verfasser, muß zu der Erkenntnis geführt werden, daß der Ausschluß aus einem Beruf oder einer Beschäftigung wegen Zugehörigkeit zum Judentum weit mehr als bloß wirtschaftliche Folgen hat. Das seelische Leiden und die Enttäuschung der also Betroffenen sind viel tiefer als die Empfindungen derjenigen, die aus allgemeinen Ursachen arbeitslos sind. Viele geben in dem Bemühen, diese verwerfliche Schranke zu übersteigen, jüdische Bindungen bewußt und systematis ch auf. Es gibt Marr a n e n des 20. J a h rJi u n d e r t s, die von der Furcht beherrscht sind, als Juden entdeckt zu werden. Wenn die jüdische Gemeinschaft ihrer Jugend bei ihrer gewaltigen Anstrengung um wirtschaftliche Anpassung nicht zu Hilfe kommt, dann kann es moralische und soziale Folgen von katastrophalem Ausmaß geben. Die Broschüre ist die erste in einer Reihe von Schriften über Ausmaß und Gründe der Zurücksetzung von Juden auf verschiedenen Gebieten in den Vereinigten Staaten. Die Arbeiten sind dazu bestimmt, einen Weg zur Beseitigung dieser Zustände zu zeigen. Spanische Regierung und Agudas Jisroel Aus London: Der spanische Generalkonsul in London hat nach Rücksprache mit seiner Regierung der Exekutive der Weltorganisation der Agudas Jisroel mitgeteilt, daß die spanische republikanische Regierung jedes Ersuchen um Zulassung der Einfuhr von rituellen Gebrauchsartikeln für die jüdischen Ge-r meinden in Spanien günstig erledigen werde. Auf Veranlassung der Madrider Regierung wird in Zukunft auch den rituellen Bedürfnissen der jüdischen Gemeinde Barcelona Rechnung getragen werden. Zum letzten Pessachfest wurden aus Mitteln der Aguda große Mengen Mazzoth an Juden in Barcelona gesandt. Die ZehngebotesTafeln von Aksuiti Nach der Eroberung Abessiniens durch Italien hat sich eine Kommission des Papstes nach Aksum begeben, um die Geheimnisse der koptischen Kirche zu ergründen. Vor allem galt es, die im Kloster von Aksum verborgen gehaltenen angeblichen Originaltafeln der „Zehn Gebote" zu sehen und sie auf ihre Echtheit zu untersuchen. Jahrhundertelang waren die Tafeln im Kloster eingeschlossen, und nur der Oberpriester hatte Zutritt in das geheimste und heiligste Gemach. Niemand hat die Tafeln beschrieben, außer enigen christlichen Missionären, die sie im 17. Jahrhundert gesehen und als die „echten Tafeln" bestätigt haben sollen. Die Tafeln sind nach der abessinischen Legende anläßlich des Besuches der Königin von Saba bei König Salomon in Jerusalem von ihren Dienern gestohlen worden. Die Abessinier hielten ja überhaupt ihr Herrscherhaus für Nachfahren, der Enkel des Königs Salomon und der Königin von Saba, und sie haben deshalb auch die Tafeln als, heilig gehalten. Was hat nun die päpstliche Forschungskommission festgestellt? Sie bestreitet erstens, daß historische Tatsachen vorliegen, nach denen die Königin Assab, die in Jerusalem gewesen sei, mit der Königin von Saba identisch sei. Ferner aber stehe im Neuen Testament erzählt, der Prophet Jeremias habe bei der Zerstörung des Tempels die Tafeln gerettet und verborgen; die. Tafeln könnten daher nicht vorher gestohlen und nach Abessinien gebracht worden sein. Nach biblischen Quellen waren die Originaltafeln des Moses 24 Zentimeter lang, 22 Zentimeter breit und 3 Zentimeter dick, mit Marmorblumen verziert, in der Mitte durch einen tiefen Abschnitt eingeteilt, so daß sich auf jeder Seite fünf Gebote befanden. Die Tafeln in Aksum sind jedoch, — in amharischer Sprache geschrieben, die mit Hebräisch gar keine sprachliche Verwandtschaft aufweist, ferner sind alle Gebote auf e i n e r Seite aufgeschrieben und schließlich enthalten sie drei griechische Buchstaben (J. H. S.)f was unmöglich echt sein könne, da diese Schriftzeichen erst Jahrhunderte nach Moses' Tod verwendet wurden. Die Forscher kommen daher zum Schluß, daß es sich um eine Fälschung handelt, die nur solange aufrechter-. halten werden konnte, weil die Tafeln nie gezeigt wurden. » Leo Reuss-Brandhofer in den „Jüdischen Künstlerspielen". Für den 1. Mai hat.die Direktion der „Jüdischen Künstlerspiele" II., Praterstraße 3.4, das Gastspiel Leo. Reuß-Brandhofer angesetzt, der hiemit zum erstenmal auf der jüdischen Bühne zu sehen sein wird. Zur Aufführung gelangt Arnold Zweigs jüdische Tragödie „Die Sendung Semael s", die erschütternde Ritualmordlegende, welche seinerzeit in der Neuen Wiener Bühne mit Elisabeth Bergner aufgeführt wurde. Die Direktion der „Künstlerspiele" hat entsprechend den Raumverhältnissen eine Bearbeitung des Werkes in szenischer und musikalischer Hinsicht vorgenommen und ist überzeugt, daß die dichterische Wirkung der Tragödie voll gewahrt ist. Leo Reuß-Brandhofer hat die Rolle des Untersuchungsrichters Bary, Jenny Lovic die Rolle des tragischen Helden Moriz Scharf übernommen. Austritte am dem Judentum Rudolf Huppert, Bauschlossergehilfe, geb. 30. Dezember 1914 Wien, ledig, XVI., Hasnerstraße 27. — Editha Hauska geb. Mautner-Markhof, Pensionistin, geb. 12. April 1883 Wien, verw., II., Schmelzgasse 6. — Werner Jacques Moser, Reisender, geb. 24. Jänner 1903 Charlottenburg, verh., VI., Gumpendorferstraße 18. — Franziska Arditti geb. Ketschek, Private, geb. 4. Oktober 1884, Seelowitz, ger. gesch., VII., Lindengasse 2 b. — Egon Falkner (früher Pollak), geb. 8. Februar 1890 Troppau, verh., XIII., Gyrowetzgasse 4. — Rosa Entner, geb. 24. Jänner 1918 Wien, ledig, XIII., Linzerstraße 122. — Margarete Plesz, Privatbeamtin, geb. 9. Juni 1904 Wien, ledig, XVIII., Höhnegasse 19 a. — Fritz Flesch, geb. 28. Jänner 1903 Wien, verh., Brünn. — Marianne Spiro geb. Hahn, Private, geb. 14. Juni 1907 Wien, verh., IL, Josefinengasse 6. — Dr. Margarete Bruckner geb. Horsch, Privatbeamtin, geb. '10. Mai 1893 Krasna, verw., IL, Reichsbrückenstraße 42. — Kurt Adolf Spitzer, Privatbeamter, geb. 11. Februar 1914 Wien, ledig, IX., Liechtensteinstraße 36. — Kurt Weiner, Goldarbeiter, geb. 14. April 1909 Wien, ledig, III., Untere Weißgärberstraße 50. — Johann Lorant, Journalist, geb. 21. Oktober 1915 Budapest, ledig, Vn., Neustiftgasse Nr. 56.' — Maximilian Wladika, Realgymnasiast, geb. 23. März 1923 Wien, ledig, XLX., Straßergasse 39. — Artur Drexler, Kaufmann, geb. 13. Jänner 1883 Wien, verh., IV., Wiedner Hauptstraße 27. — Hermine Steiner geb. Rosenberg, Pianistin, geb. 29. Jänner 1900 Mähr.-Ostrau, verh., IV., Viktorgasse 20. — Marie Katscher geb. Knotek, geb. 8. August 1886, Korneuburg, verw., VIII., Laudongasse Nr. 20. — Gerda Maurer, geb. 19. November 1922 Wien, ledig, XIII., Hietzinger Kai 199. — Moses Markus.Hirsch Meiseis, Privatlehrer, geb. 19. Februar 1877 Lemberg, ger. getr., XX., Klosterneuburgerstraße 49. — Grete Schiefer geb. Kudelka, geb. 16. Februar 1915 Wien, verh., Etsdorf. — Anna Jellinek geb. Mudra, Beamtin, geb. 26. Februar 1887 Karlin, ger. getr., IX., Lustkandlgasse Nr. 25. — Miklos Hochmann, Privatbeamter, geb. 25. Dezember 1883 Budapest, verh., III., Schlachthausgasse 18. — Livia Schuszler, Private, geb. 1. August 1916 Budapest, ledig, III., Fasangasse 4. — Ernst Rönai, Mittelschüler, geb. 20. März 1918, Wien, ledig, III., Juchgasse 8/8. Eigentümer, Verleger, Herausgebe* und yeraotwottlicli« Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Druck: Druckerei- und Yeriags-Ai-G. jgnas Steinmann, beide WIpa _ Ca»« Koiversitätöatraße 6—8« ,

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