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Die neue Welt · 1937-04-23 · Heft 650 (23.4.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 650 (23.4.1937)
Date
1937-04-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 650 vom 23. April 193T &t£ neue Welt Seite $ kfotkmiuegd Aus Kanaan würd Eres Israel Es gibt kein Volk, das jedem Blutvergießen so fernstünde wie wir. Aber dasselbe Volk kann einen König David verstehen, welcher das Land Kanaan in ein Land Israel verwandelt hat. Und von ihm wird gesagt: „König David lebt und wirkt." Prof. Josef Klausner (Jerusalem). Eine Antwort Die hebräische Presse begrüßt Beth Joseph, die neue Siedlung im Jordantal; es wird hervorgehoben, daß dies bereits der siebente Siedlungspunkt ist, der seit Ausbruch der Unruhen gegründet wurde. So antwortet das jüdische Volk auf Zerstörung und Angriffe. „Palcor" (Jerusalem). Die religiöse Ethik des Judentums Du, Metisch, du allein entscheidest. In deiner Hand ist es, ob gen Himmel oder in den Abgrund. Dein Weg ttu Gott liegt offen vor dir, du allein gehst ihn. Du verfällst der Sünde und strauchelst und hast selber zu büßen. Selber mußt du alle Tiefen der Hölle durchwandern, bis zur äußersten Grenze. Ob Paradies oder Hölle, du entscheidest. Liebe oder Haß — deine Sache. Selber stehst du, und direkt, dem Sein und Nichtsein gegenüber... Du mußt durch alles selber hindurchgehen, dn, und kein Engel wird es für dich tun, kein Seraph, kein Bote. Dr. Simon Rawidowicz (London, 1937). Der hebräische Sänger Es ist ein charakteristisches Kennzeichen der Naturpoesie der Hebräer, daß sie, als Reflex des Monotheismus, stets das Ganze des Weltalls in seiner Einheit umfaßt; sowohl das Erdenleben, als die leuchtenden Himmelsräume. Sie weilt seltener bei dem einzelnen der Erscheinung, sondern erfreut sich der Anschauung großer Massen. Die Natur wird nicht geschildert als ein für sich Bestehendes, durch eigene Schönheit Verherrlichtes; dem hebräischen Sänger erscheint sie immer in Beziehung auf eine höher waltende geistige Macht. Alexander v. Humboldt (1845). Das „siebente Dominion" Noch vor der Balfour-Deklaration und vor Colonel Wedgwoods Projekt betreffs Verwandlung Palästinas in ein „Siebentes Dominion" — erzählt Dr. Kurt Grünwald in seiner Schrift „Palästina als siebentes Dominion" — hat man sich in England mit dem Gedanken getragen, im Fall eines Sieges Palästina in eine Art Dominion zu verwandeln und in diesem englischen Dominion ein nationales Heim für die Juden zu schaffen. „Die zionistische Woche" (Lemberg, 1937). {Palästinensischer Wunsch „Liebe Oma, ich habe hier eine Schwalbe fliegen sehen, gerade wie bei Dir im Garten. Ach, Oma, ich wünschte, ich wäre auch eine Schwalbe, dann flöge ich nach Deutschland, nähme Dich auf den Rücken und brächte Dich hierher." Brief eines Kindes aus Tel-Aviv (1937). Der jüdische Monotheismus Der Jude ist der Mensch, der das Stoffliche preist, ohne es anzubeten, um es dem Geistigen zu vermählen, indem er es ihm unterordnet. Das ist der eigentliche Zweck seines Lebens. Die Synthese von Geist und Stoff, das ist Monotheismus. Andrd Spire (Paris, 1937). PARKSANATORIUM SAUERBRUNN Burgenland, Or.-Hotfmann-Straße 3 ganzjährig geöffnet, waldige Höhenlage; für innere, nervöse und Stoffwechselerkrankungen. Mastu. Entfettungskuren, jedwede diätetische Behandlung. Zeitgemäße Preise Leitende Aerzte: Dr. Friedrich Weiss, Dr. Oeszö Steiner PROSPEKTE IN DER REDAKTION Der Judf ist schuld Aus Prag (J. T. A.): Die Presse in Deutschland veröffentlicht lange Telegramme aus Buenos Aires über die angebliche Ermordung des dortigen nationalsozialistischen Blockleiters Josef Riedle durch unerkannt gebliebene Personen und behauptet in Riesenüberschriften, es handle sich um ein neues Opfer der Juden und K o m m u nisten. Die gesamte Presse behauptet übereinstimmend — offenbar auf Weisung des Reichspropagandaministeriums —, die Propaganda der Kommunisten und Juden hätte zur Ermordung Riedles geführt, die Auslandsdeutschen zählten nun ein neues Opfer, aber auch einen neuen Helden. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt, die Affäre Riedle stelle ein tragisches Gegenstück zum Fall Gustloff dar; Riedle sei ein Opfer kommunistischer und jüdischer Elemente. Aber wie beim Mord an Wilhelm Gustloff, trete die gesamte geeinte Nation hinter den Leichnam Josef Riedles. Riedle sei für das ganze deutsche Volk auf fremdem Boden gefallen. Die argentinische Regierung werde durch restlose Aufklärung des Mordes Deutschland Genugtuung geben müssen. Reichsminister Rudolf Heß hat bereits im Namen Hitlers der Auslandsorganisation der NSDAP, in Argentinien ein Beileidstelegramm gesandt, in dem er sich die Darstellungen der Nazipresse zu eigen macht. Eine Havas-Meldung aus Buenos Aires gibt folgende, offenbar aus amtlicher argentinischer Quelle stammende Darstellung von dem Tode des dortigen Blockleiter der NSDAP., Josef Riedle: „Nach der Aussage eines deutschen Professors war Riedle mit einer Geldsammlung beauftragt, die offiziell für die nationalsozialistische Propaganda in Argentinien bestimmt war. Eine Gruppe nationalsozialistischer deutscher Arbeiter in dem Vorort Ballester hatte sich mit Riedle verabredet, der ihnen über die Verwendung der von ihm einkassierten Beträge Rechenschaft geben sollte. Dabei kam es zu einer erregten Auseinandersetzung, in deren Verlauf Riedle seinen Revolver zog. Die anderen suchten ihm die Waffe zu entreißen, die losging und Riedle in den Unterleib traf." — Die deutsche Presse hat bis jetzt von dieser Meldung keine Notiz genommen. Die wirksame Zahnpasta! Gesunde^ Judenstaatszionisten! Feindliche Mächte haben sich gegen das zionistische Aufbauwerk erhoben. Man will Palä« stina aufteilen und so dem Zionismus einen tödlichen Schlag zufügen. In diesem entscheidenden Zeitpunkt tobt ein verde rblicher Bruderkampf im Zionismus. Und an der Spitze der Zionistischen Weltorganisation steht eine Leitung, die im Kampf gegen den äußeren Feind versagt hat, und auch nach innen hin versagen muß, weil sie der Exponent einer Partei ist, welche sich der Herrschaft über die Weltorganisation bemächtigt und so den Bruderkampf heraufbeschworen hat. Nur der kommende Zionistenkongreß kann den Ausweg aus dieser verhängnisvollen Lage bahnen. Nur er kann eine Leitung wählen, welche dem äußeren Feind standhält. Nur er kann der einseitigen Partei- Herrschaft ein Ende machen und den Zerfall der von Theodor Herzl geschaffenen Weltorganisation verhüten. Judenstaatszionisten I Auf zur Schekelarbeif l Kaufet und verbreitet den Schekel! Der zionistische Bruderkampf Engländer lächeln, Araber frohlocken Aus T e 1-A v i v wird uns geschrieben: Vorige Woche fand vor dem Kreisgericht in Jerusalem ein Prozeß statt, welcher uns Judenstaatszionisten und mit uns wohl alle, denen das zionistische Ideal mehr bedeutet als Partei- und Klasseninteressen, mit tiefster Scham erfüllte. 37 junge Zionisten-Revisionisten (Betharim) waren angeklagt, das Gebäude der Zionistischen Exekutive (Jewish Agency) gestürmt Hut passende HERRENHEMDEN nach Mali in allen Preislagen FISCHER, VIII, FELDGASSE 1 a sz s 47 Spezial-Herrenwäsche- Erzeugung und beschädigt zu haben. Die Verteidiger bemühten sich, ihre Klienten als Opfer der in der Jewish Agency heute maßgebenden zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei (Mapai) hinzustellen. Sie scheuten nicht davor zurück, die Zionistische Leitung niederträchtiger Brutalität und der Korruption und des Betruges zu beschuldigen. Eine Probe: Advokat Benjamini: „Die Jewish Agency ist keine allgemein-jüdische Institution, sondern befindet sich in den Händen der Mapai. Diese Partei verteilt willkürlich die Einwanderungszertifikate für Palästina. Die Zertifikate werden wie auf einer Börse verkauft und notieren wie Aktien." Der englische Richter wirft lächelnd ein: „Also ein gutes Geschäft!" Advokat Benjammi: „Gewiß, ein gutes Geschäft iür die Mapai, welche den Gewinn für die Wahlen zum Zionistenkongreß verwendet. Der Umstand, daß die Mapai nicht zuläßt, daß die Zionisten-Revisionisten Zertifikate erhalten, hat in Polen zu Selbstmorden geführt." Der lächelnde Richter fällte ein mildes Urteil. Er bestrafte die Angeklagten mit je 3 Pfund. In der Begründung des Urteils büligte er ihnen das Gefühl zu, ungerecht behandelt worden zu sein. Die arabische Presse berichtete in breitester Art und voll Frohlocken über diesen „jüdischen Skandal-Prozeß". Unter dem Titel „So sehen die zionistischen Befreier des Landes aus!", registrierte ein arabisches Blatt die zionistischen Selbstbeschuldigungen. Wer im jüdischen Palästina Gefühl für nationale Würde hat, fühlt sich beleidigt, beschmutzt. Zu welchem Ende muß dieser Kampf führen, wenn er weitertobt. Auf der einen Seite die Revisionisten, welche, statt der zionistischen Organisation treuzubleiben und in ihr zu kämpfen, ausgetreten sind und sich mit Tod und Teufel verbunden haben, um die Organisation zu zerschmettern. Auf der anderen Seite die „Mapai", welche die Macht in der Organisation ergriffen hat, sie mit niemand teilen will und rücksichtslos ausübt. Wenn der kommende Zionistenkongreß hier nicht Wandel schafft, dann ist das Ende nicht abzusehen. Gegen die Teilung Palästinas Die Araber Aus Jerusalem: Die arabische Presse beschäftigt sich stark mit den Teilungsplänen, die die Kgl. Kommission nach den Meldungen englischer Zeitungen in . Vorschlag bringen will. „Feiestin" ist der Ansicht, daß es sich, nur um einen Versuchsballon handle. Wenn die Kgl. Kommission wirklich die Absicht habe, eine solche Teilung vorzuschlagen, so wolle sie anscheinend erst die Stimmung erforschen. Das arabische Volk werde sich gegen solche Manöver wenden. „I s l*a m i a" macht darauf aufmerksam, daß Kantonisierungspläne gegen Art. 22 des Völkerbundstatuts verstoßen würden. „A Difaa" hält den Teilungsgedanken für eine reaktionäre Idee, die in Syrien geboren worden sei. In einer Zeit, in der ein Gro ß-A rabien angestrebt werde, komme man mit einem solchen Vorschlag. Wenn die Araber nachgeben würden, meint die Zeitung, dann würde man ihnen auch den Boden rauben. Die Verwaltung der arabischen Stadt Gaza sandte durch den High Commissioner ein Memorandum an das Londoner Colonial Office, in welchem vor Teilungsplänen gewarnt wird, da das arabische Volk seine Zustimmung hierzu niemals geben würde. Palästina, so wird gesagt, sei eine unteilbare arabische Einheit. Die britische Regierung vermöchte eher die Einwohner durch Giftgase auszurotten, als ihre Zustimmung zu einer Teilung zu erlangen. Möge die Kgl. Kommission rechtzeitig sich besinnen und nicht durch solche Pläne einen neuen Brand entfachen. Die Juden Aus Jerusalem: In einer der J. T. A. übefgebenen Erklärung wendet sich die Misrachi-Organisation Palästinas entschieden gegen die Pläne, eine Teilung oder K'anto.nisierung Palästinas (Schediwy) Wien!, Welhburgg. 27 (Gartenbau) Telephon Nr. 11-28-0-69 herbeizuführen. Es wird festgestellt, daß derartige Pläne im Widerspruch zu dem Mandat stehen. Wir haben, so wird in der Erklärung ausgeführt der u nnatürlichen Abtrennung Transjordaniens von Palästina nicht zugestimmt, und wir werden keinen Zoll breit von den historischen Grenzen Erez Israels abgehen. Die nationalreligiösen Juden werden diese Pläne bekämpfen. Das palästinensische Zentralkomitee der Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, hat ebenfalls eine Erklärung veröffentlicht, in der der Genugtuung über den von dem Präsidenten des Aktionskomitees, M. M. Ussischkin, und dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive, David Ben- Gurion, gegenüber den angeblichen Plänen einer Teilung oder Kantonisierung Palästinas eingenommenen Standpunkt Ausdruck gegeben wird. In der Erklärung heißt es, daß die Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, in dem Kantonisierungsvorschlag den schwersten Angriff auf die historischen Rechte der Juden erblicken, und daß er geeignet sei, das Mandatssystem zu untergraben. Aus London: „Manchester Guardian" widme; den Diskussionen über die geplante staatsrechtliche Neuregelung Palästinas einen längeren Aufsatz, wobei die Zeitung insbesondere auf die Haltung der Zionisten eingeht. Das Blatt ist der Ansicht, daß eine weitere Verstümmelung Palästinas den Widerstand vieler Juden selbst dann finden werde, wenn eine vollständige selbständige Regierung für den jüdischen Teil zugesichert werden würde.

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