Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 650 (23.4.1937)
- Date
- 1937-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712275--6439-2720191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 9 »IE NEUIS WELT Nr. 650 vom 23. April 1937 Simonsbrot ttodj immer mterreidjt als ©efunNjeit*. uftb 'Ätdft fcrdt Mtidf an beit fo roidjiigeit «Räljtfalattt. @e$r bequem: Simon$btot*©dMittenbärf{$en in Stanniol. 8rü<§tenbrot: Slufbduuttfr Stotmtategutotdr. #u baben in geutfoftbattblmtgen wtb in bielcn öärfettieth ^5immt$brotfa&rif SBien-Äoaran 6ö. £äal. ^ofiöetj., I können, die . Juden mögen sich ,>nicht vordrängen", sondern sich „bescheiden hinten anstellen". Solche und ähnliche Aeußerungen sind geeignet, nervös zu machen. Einerseits aii die Opferfreudigkeit appellieren, andererseits diese Opferfreudigkeit, wenn sie sichtbar wird, verdächtigen, bezeugt einen bedauernswerten. Mangel an politischem Verständnis. Der Versuch, die „Nörgler und Raunzer" oder gar die um jeden Preis Oppositionellen zu gewinnen, indem man ihnen verspricht, daß ihre antisemitischen Triebe im Lager der xJeutschchristlichen Patrioten befriedigt würden, dieser oft genug gemachte Versuch hat die Schar der Unentwegten nicht willfähriger gemacht. Die jüdischen Staatsbürger verzeichnen mit Befremden diese Erscheinung. Sie werden alles daransetzen, daß an den Grundlagen der Gleichberechtigung nicht gerüttelt werde. o. r. Politischer Sti'mmungsbericht Von unserem Palästina-Korrespondenten Tel-Aviv, 17. April. Die Informationen, welche ich aus Jerusalem erhalte, gehen dahin, daß der Zionismus politisch vor einer schweren Krise steht. Die Kantonisierung Palästinas bildet tatsächlich das Zentrum der politischen Debatte sowohl in der Königlichen Kommission als in leitenden englisch-politischen Kreisen. Ob den Kantonen in Palästina mehr oder weniger Selbstbestimmungsrecht gewährt, n werden wird^ ist von sekundärer Bedeutung, denn den Zionismus interessiert hier nur eine Frage: ob die Regierung wirklich den Weg der Abtrennung neuer Gebiete Palästinas von der jüdischen Einfluß- und Kolonisationssphäre gehen wird. Leider weist alles darauf hin, daß diese Frage nicht negativ beantwortet werden kann. Ueusum. ttks&m - SetHMtiH0 RUNDSCHAU Eine Persönlichkeit, welche für die Führung der zionistischen Politik in London Hauptverantwortung trägt, sandte, wie man. mir zuverlässig mitteilte, einen Bericht über die gegenwärtige politische Situation des Zonismus nach Palästina. Es ist bezeichnend, daß in diesem Bericht die Tatsache hervorgehoben wird, die Idee der Kantonisierung Palästinas sei jetzt in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt und führende zionistische Politiker seien bereits geneigt, dieses Problem mit Sympathie zu erwägen. Dieser Bericht, der ein grelles Licht auf die in der Zionistischen Exekutive ' herrschenden. Gedankengänge wirft, wi^d, durch fortlaufende Pressemeldungen bestätigt. Der'Eindruck ist, daß gewisse Einflüsse';am Werk sind, die zionistische Oeffentlichkeit ' für die kommende antizionistisch e Entwicklung vorzubereiten. : * ■ Es wird weiters berichtet, daß in der' Zionistischen Exekutive selbst noch keine Meinungseinheit in der Kantonierungsfrage erzielt worden ist. Eine Minderheit der Exekutive, mit Herrn B e n- G u r i o n an der Spitze, ist gegen die Kantonisierungsprojekte. Das kam zum erstenmal in der Rede des Herrn Ben-Gurion vor der palästinensischen Misrachi- Konferenz zum Ausdruck. Ben-Gurion erklärte in dieser Rede ziemlich klar, daß er sowohl gegen die seinerzeitige Abtrennung Transjordaniens vom jüdischen Kolonisationsgebiet als auch gegen die nunmehr geplante Abtrennung weiterer palästinensischer Gebiete (Kantonisierung) in entschiedener Form Stellung nehme. Mit Hinblick auf diese Rede Ben-Gurions wird in den Kreisen der Judenstaatspartei , darauf hingewiesen, daß Dr. Weizmann in seiner Rede vor der Königlichen Kommission in Jerusalem erklärt hatte, Transjordanien sei ein arabischer Staat und daß kein einziger Jude heutzutage gegen diese Tatsache ankämpfen wolle. Die oben zitierte Erklärung Ben-Gurions ist also der Stellung Dr. Weizmanns entgegengesetzt. Es bleibt abzuwarten, welche der beiden Tendenzen innerhalb der zionistischen Leitung durchdringen wird. Um der jüdischen Oeffentlichkeit die Kantonisierungsidee schmackhafter erscheinen zu lassen, werden Gerüchte in Umlauf gebracht, wonach der jüdische Kanton eine jüdische Armee haben und dem britischen Weltreich als Beständteil angegliedert werden wird. Es ist zu hoffen, daß die zionistische Oeffentlichkeit diese Manöver ablehnen .wird. Vermögeitsraub am hellidtlen Tag Das Berliner Propagandamüilsteriüm meldet) daß die jüdische Loge B'nei Brith aufgelöst würde. Das ist aber flieht alles. Öie Auflösung &n sich Wäre uninteressant gewesen. Darum Hat Dr. Goebbels noch ein Weiteres getan: er hat das Eigentum der Loge konfisziert, mit der Motivierung, daß „ein einzelnes Logenmitglied kommunistische Propaganda, betrieben" habe. Da die AuflÖsurtg ühd Urttferdrllökung rein jüdischer — kultureller oder religiöser — Organisationen an der Tagesordnung ist und keine Ueberraschung mehr auslöst, hat das Propagandaministerium es sich angelegen sein lassen, seine Praktiken durch Vermögensraub zu verschärfen. Wie „United Press" aus Berlin meldet, wurde das „kommunistische" . B'nei-Brith-Mitglied, ein früherer preußischer Landtagsabgeordneter, verhaftet, aber nach wenigen Stunden wieder freigelassen, eine für nazistische Verhältnisse ungewöhnlich milde Behandlung eihes Juden, der sich „Landesverrat^ hat zuschulden kommen lassen. Man kann wohl annehmen, daß die Aktion gegen die Berliner B'nei-Brith-Loge ein Glied in der Kette der Repressalien wegen der neuen antinationalsozialistischen Propaganda in Amerika ist. Denn daß sich die seit dem Jahre 1843 bestehende jüdische Logenorganisation, deren Ziel soziale und humanitäre sowie kulturelle Hilfeleistung ist, politisch betätigt habe, muß füglich bezweifelt werden. Die -jüdischen Sportveranstaltungen, Versammlungen und Vorträge sowie künstlerischen Abende sind verboten. Nun wird auch die jüdische karitative Tätigkeit unterbunden. Die Tragik der Juden Deutschlands ist scheinbar noch nicht am Endpunkt angelangt. < * Zur Gesdtidtte des Ordens Bnej'Brfrn Der Unabhängige Orden Bnej Brith (Söhne des Bundes) ist eine interterritoriale Vereinigungjüdischer Logen, ein Orden jüdischer Männer, der sich die Aufgabe gestellt hat, Juden zur Förderung hoher- Menschheitsziele zu vereinigen. Er bemüht sich laut Statut, „den geistigen und sittlichen Charakter der Stammesgenossen zu stärken, ihnen die reinen Grundsätze der Menschenliebe einzuprägen, Wissenschaft und filmst zu"" unterstützen, die Not der Armen und Dürftigen zu -lindern, die Kranken zu besuchen und zu pflegen;: den Opfern der/Verfolgung zu Hilfe zu kommen und ihnen in allen Lagen hilfreich' beizustehen".' Der Orden will $&zu''%ibeitragen, .daß. der Gedanke der Menschheit eich nicht nur auf eine Konfession oder auf Konfessionen beschränke, sondern däß er universal und allumfassend werde. Aus solcher Anschauung heraus beschränkt der -Orden seine Hilfstätigkeit nicht grundsätzlich auf die jüdische Stammesgemeinschaft; in der Praxis aber kommt diese Hilfe vorwiegend Juden zugute, weil sie immer wieder von Staat und Gesellschaft zurückgesetzt werden. . Die Gründung des Ordens erfolgte in A m e r i k a am 13. Oktober 1843. Die erste ■ Loge war die „New- York-Loge", gegründet von zugewanderten deutschen Juden mit dem Maschinenbauer: Henry Jones (Heinrich Jonas) an der Spitze. Der Gesamtorden umfaßte. 193Ö 15 Ländergebiete (Distrikte) in vier Weltteilen; Australien war damals noch nicht erfaßt. Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt rund 80.000, die Zahl aller Logen rund 600.. Die einzelnen Teilgemeinschaften heißen Logen, ihre Mitglieder nennen siefr gegenseitig „Brüder". In Oesterreich, der Tschechoslowakei und Polen wurde die Bezeichnung „Humanitätsverein" gewählt. An der Spitze des Distrikts f'steht die Großloge. Die Vertretung des Gesamtordens in der Welt geschieht durch das aus Vertretern der Distrikte zusammengesetzte Exekutivkomitee. Der Distrikt VIII: Deutschlan-d, der jetzt von der Gestapo verboten wurde, umfaßte gegen 1930 105 Logen mit rund 16.000 Mitgliedern. Wahrscheinlich hat sich die Mitgliederzahl in den letzten Jahren infolge Abwanderung stark vermindert. Am 20. März 1882 wurde die erste deutsche Loge, die Deutsche Reichs-Loge in Berlin, gegründet. Schnell entstanden weitere Logen. Mit Freimaurerei hatte der Orden nichts zu tun, er wurde sogar seitens der Freimaurer bekämpft. Seit 1924 stand an der Spitze der Großloge Rabbiner Dr. Leo Baec k. Dip jährlichen Ausgaben der Loge für Wohlfahrt!?- und Kulturzweckc pflegten eine Million Mark zu übersteigen. Mo§es und Mendefssoflii Vor einigen Jahren hat der namhafte tschechische Bildhauer F. Bilek die überlebensgroße Statue, „M o S e s, d i e zehn Gebote schreiben d", geschaffen, eine Monumentalfigur, die das tschechoslowakische Schulministerium; dep Stadt Prag zum; Geschenk machte. Gedacht war bei dieser Schenkung an eine definitive Aufstellung auf einem öffentlichen Platz Prags; denn solche Werke bedürfen eines architektonischen Raumes, wenn sie wirken, ihren Zweck erfüllen sollen. Lange Zeit hindurch wurde beraten, und schließlich einigte »ich die Stadt Prag mit dem Denkmalsamt, das Moses-Denkmal auf dem kleinen Parkplatz Vor der Altneu-Synagoge (Altneuschul) aufzustellen. Da dieser Platz der Stadtgemeinde gehört, zog man dio Jüdische Kultusgemeinde zu den Beratungen nicht heran; Man weiß aber, daß im Schoß der Gemeinde aus religiösen Gründen gegen die Aufstellung einer Sfatüe vor dem Synagogengebäude Einwände erhoben wurden. Der Beschluß, die Moses-Figur an diesem Ort aufzustellen, ist von den kompetenten Stellen bereits gefaßt forden tmd soll demnächst ausgeführt werden. Es ist zu hoffen, daß man die Figur genügend weit entfernt von der Altneuschul aufstellen wird. Denn eine Verletzung der religiösen Gefühle der Prager Jüdenschaft müßte auf jeden Fall hintangehalten werden. Die politischen und kulturellen Freiheiten der nationalen Minoritäten schließen in sich auch den Respekt vor deren religiösen Traditionen. Wie dem immer sei: Jedenfalls gibt die Tatsache, daß, in Deutschland ein Mendelssohn-Denkmal beseitigt, in Prag eine Moses-Statue öffentlich aufgestellt wird, zu denken. . Wir empfehlen die guten, modernen mmm Äüto-u. Motorrörischulen Wien ö Heüößggßrgäsißlö Te». ind.lMwsdotf, K^ö. Unengli§<he Methoden Vor einigen Tagen, in unserer Ausgabe vom 20. April, wußten wir zu berichten, daß die. Schwarzhemden des Faschistenführers Mosley brennend© Fackeln gegen Türen und Fenster im jüdischen Viertel Londons geschleudert haben. Das scheint. der, Beginn terroristischer Aktionen gewesen zu sein. Denn, wie J. T. A. unter dem 21. aus London meldet, sind ,die, mit künstlerischen Glasmalereien ausgestatteten Fenster der Leystone and Wanstead Synagogue in London von faschistischen Bänden durch Axthiebe und Steinwürfe zertrümmert worden. Solch ein Vandalismus war den Engländern, den großen Verehrern der Bibel, fremd. Nicht nur religiöse Toleranz, auch der Respekt vor künstlerischen Werten ließ Akte der Zerstörung und Schändung nicht zu. Es scheint sich hier also um die Uebung von Methoden zu handeln, die dem englischen Gemüt bis-» her nicht lagen: um den Import nazistischer Technik in allen Facettierungen. Friedhof- und Synagogen- und schließlich auch Kirchenschändung waren in Deutschland schon vor dem Sieg "des Nationalsozialismus an der Tagesordnung. Wie oft mußten wir die Nachricht veröffentlichen, daß irgendwo in Deutschland „von unbekannten Tätern" (sehr oft waren es Studenten!); jüdische Grabsteine umgeworfen, jüdische Friedhofsmauern mit Hakenkreuzen beschmiert, Synagogenwände mit unflätigen, antisemitischen Hetztexten besudelt worden. „Nazistische Friedhofschändung" war eine ständige Rubrik in den Blättern der Kulturländer. Und jetzt plötzlich taucht diese Erscheinung im demokratischen England, in der Weltstadt London, auf! Das Hakenkreuzlertum macht also auch im freiesten Land der Erde Schule . . . Selbst wenn wir die Axthiebe und' Steinwürfe der Mosley-Leute mit dem Maß messen, das sie verdienen, dürfen wir sie auf die Dauer nicht bagatellisieren.'Zuerst Hiebe gegen Fenster, dann gegen Köpfe und Ehre und. Existenz — das ist der Weg, wie sich ihn die nationalsozialistische Propaganda gegen das Judentum in allen Ländern wünscht. Sir Ronald Stovrs über den Zionismus Aus London: Der ehemalige Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald .Storrs;- veröffentlicht in den „S u n d a y Times" einen Artikel, in dem er den Heroismus der Palästina-Pioniere, und die Tapferkeit der jüdischen Soldaten rühmt, die an der Eroberung Palästinas teilgenommen haben. Während der Zionismus eine Weltbewegung darstellt, gebe es einen Arabismua nicht. Trotz der weiten Verbreitung der arabischen Sprache seien Verdienste, Fehler, Rechte und Beschwerden der Araber von lokalem Charakter, auch wenn sie durch den Vatikan und die Ueberreste eines Pantslamismus gestärkt werden. Der palästinensische Araber wisse, daß die führenden Mohammedaner nicht einmal bei ihren Glaubensgenossen in Aegypten, Indien oder Arabien eine günstige Stimmung für die Araber Palästinas schaffen konnten. Er erliege allzubald Urinstinkten, die von irregeführten und unverantwortlichen Agitatoren aufgepeitscht werden. Verb« d« Judenstaafszionisten Oesterreichs Sektion X, Horndlgasso 2 3. Samstag, /Jen Ü4. (1., 8 Uhr abend«, im Heim wichtige Besprechung aller Mitarbeiter. Sektiou XIV/XV, Sohanzstraße 33« Oieiisttttf, den 37. d., y3Q Uhr abends, Vortragsabend. Oberbaurat Robert Stricker, Theodor Grubuer.