Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 648 (16.4.1937)
- Date
- 1937-04-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr, 648 vom 16. April 1&3T «chen Verbänden angehörten. Von der-Verfolgung der sozialistischen und kommunistischen Juden will ich hier gar nicht erst reden. Lediglich ein paar ortho doxe Kreise wurden verschont. Allerdings mußten sie auch schwerste Geldbußen zahlen. Konfiskationen und R;aub waren an der Tagesordnung. Ein Beispiel für alle: Ein Eekannter von mir, der völlig unpolitische Bankier Moses Benhamu, wurde im Jänner aus seiner "Wohnung geholt und im Gefängnis von Faschisten erdrosselt. Als die Familie um die Auslieferung der Leiche bat, wurde ihr erwidert, daß man diesen Wunsch verstehen könne. Man sei auch zur Herausgäbe des Körpers bereit, allerdings ~ gegen eine Zahlung von 35.000 Peseten. ©e* deutsthe Agent Chekib Arslan In dem gleichen Heft der „Jüdischen Revue" führt Server" unter der üeberschrift „Spaniens Schicksal und das jüdische Volk" u. a. aus Uns-ere Stammesgenossen in Spanisch-Marokko sind von den Faschisten zu Dutzenden ermordet worden. Gewiß, das könnte ein historischer „Unfall" sein, der den einzelnen im Rahmen großer Auseinandersetzungen zugestoßen ist. Dem ist. aber nicht so. Denn Hand in Hand mit den Pogromen in Spanisch- Marokko geht eine islamitische judenfeindliche Propaganda, die — und hier, werden die internationalen Fäden der oben angezeigten Verschwörung wieder deutlich sichtbar — nicht aus sich selbst entstand, sondern genau so angezettelt worden ist Wie die Unruhen in Palästina, unter deren unabseh baren Folgen wir noch auf lange Zeit hinaus zu leiden haben werden. Dieselben Agenten, die'" in Verbindung mit durchaus nichtspanischen Stellen in Palästina gearbeitet haben — gegen die Juden, aber auch gegen die Engländer — arbeiten heute in Algerien — gegen die Juden, aber auch gegen die Franzosen — und üben ihr blutiges Werk in Spanisch-Marokko — gegen die Juden, aber auch gegen die rechtmäßige spanische Iterierung. Herr Chekib Arslan (Wir haben über seine verhängnisvolle Rolle mehrmals berichtet. Die Red.) ist erst kürzlich in Lausanne nicht nur mit Vertretern gewisser Berliner Propagandasteilen zusammen gewesen, sondern auch mit Abgesandten der'Burgosregierung! Wenn er in Palästina mit seinem Kampf gegen die' Juden in Wirklichkeit gegen England arbeitet, so'arbeiteter hierunter' dem Deckmantel der Befreiung Marokkos von ' der ^jüdiseihen' Ausbeutung'' für seine faschistischen s pVn i s chd e u t s ch e n Auftraggeber. ' : Da Spanisch-Marokko von Deutschland, als wirt-. ... schaftspolitischer Stützpunkt ausersehen ist,' muß . der jüdische Handel, muß alles jüdische Leben 1 ''-],.'. ' hier vernichtet, werden. Die .Franqo-Regierujjg, ■ „die bedingungslos ihr Land verrät, hat dem deutschen Agenturn in Spanisch- Marokko breitesten Spielraum gewährt. Sein führender Organisator ist ein gewisser L ang en'he i m, der schon als Angestellter von Mannesmann im Weltkrieg •hier tätig war, und das Zentrum der antijüdischen Bewegung in Spanisch-Marokko sind der deutsche Konsul Dr. Brosch und der frühere Polizeiagent Karl W o 1 d e m a r. PdHäm gtfatem - Smmemg. Die Juden in der Sowjet» Regierung Aus Paris: „Temps" -weist im Leitartikel auf politische Neuorientierungen der Sowjetunion hin und stellt in diesem Zusammenhangfest, daß der ehemals ziemlich* bedeutende jüdische Einfluß bei der Führung der Sowjetunion fast au f Nu 11 gesunken ist und daß sich Stalin seiner , jüdischen Mitarbeiter allmählich entledigt, um freiere Hand zu einer Annäherung an das nazistische Deutschland zu gewinnen. Zu Lebzeiten Lenins, führt die Zeitung aus, hatte .das Politbüro, das AUerheiligste des russischen Kommunismus, eine jüdische Mehrheit; heute gibt es dorj; einen, einzigen Juden: den schon halb in Ungnade gegfri'ef ans der österreichischen Provinz Zur Juden frage Die „Murtaler Zeitung", ein in Judenburg erscheinendes Blatt der steiermärkischen Katholiken, bringt einen Artikel „Zur Judenfrage", aus der Feder eines katholischen Geistlichen, des Fohnsdorfer Kuraten J. Klambauer. Der Verfasser erhebt Beschuldigungen gegen das österreichische Judentum, tut es aber in einer Form, welche eine sachliche Diskussion zuläßt und sich dadurch von der besonders in der Provinzpresse gebräuchlichen Art, über Juden zu schreiben, unterscheidet. Kurajt Klambauer beginnt mit einem Angriff gegen die „Gerechtigkeit", das Organ der 'von der Christin Irene Harand. gegründeten „Harand-Bewegüng", welche sich die Gewinnung von Christen für den Kan^pf gegen den Antisemitismus zur Aufgabe gemacht hat. Er wendet sich gegen einen Bericht der „Gerechtigkeit" über den Beitritt von mehr als hundert .Christen zur.Harand-Bewegung und schreibt: „Nun, soweit es. sich um die zehn Fohnsdorfer handelt, deren Unterschriften im Faksimile abgedruckt sind, steht die Sache wesentlich' anders. Diese zehn Leute sind durchwegs Pensionisten und Rentner, denen• eine, bedeutende Erhöhung ihrer Renten versprochen wurde,"weshalb sie der Meiriüng waren, nur einem' Rentensehutzverein beizutreten. Niemand wußte es Von' diesen, daß sie einer jüdischen Interessenvertretung angehören. Wo bleibt da die Wahrheit und Gerechtigkeit? Das ganze ist eine direkte Irreführung armer Leute..." ' ' Jüdischer Klub der Jungen (J. K. J.) Sarnstall, den 24. April 1937. um M Uhr abend», Im v IMPERIAl-KlNO, 1., Roihgasse . FESTiKINOVORSTELLUNC zugunsten des KPAR HAMAKKABI .P.rogra mm;, . ' DAVID GOLDER, der Spitzenfilm, mit H ä rry Baür Pal&itinabiiderrepdrtage Fcbruar-Nttrz 1937 (BegleMext liest Martin Millen Ple neueste Wochenschau u. Slliy-Sympnenle Karrpn von-8 1.20 aufwärts erhältlich; Jüdische KutturstelieTl. Kai 3 (R-28-?-36); Gronfler.--i, 'Gtaben' '28. an '■difKiV6Mi*i *6-- Wle. iiit KJubh.eim der/. K. J.> ly (JoldsGhmile.dgasse-NA.9. . 'Das " ist; ein Vbrwiir'f• der" geeignet "ist, die'. Lage, der ohnehin heftig befehdeten Jüdehscfräf t''"-'in'; ''der- Provinz, zu erschweren. "Es''liegt nicht-nur ihi Interessedieser-.und •der gesamten österreicHisclieh 'Jüdenschaft,: sondern auch'im Interesse der'Frau Ireihe > Harand,' deren gute' Absicht und' ehrliches Bemühen" anerkannt' sind, die gegen die Berichterstattung der „Gerechtigkeit" vorgebrachte Anklage, daß im Zusammenhange mit der Judenfrage die Leute getäuscht und geködert werden', zu entkräften..... .. . Dann geht Kürat Klambauer dazu über,- - die, Ueberfüllung gewisser Berufe, insbesondere der-freien und geistigen, durch Juden zu schildern, gegen die .man. sich wehren müsse. In diesem Teile unterscheiden sich seine Ausführungen wenig von den oft wiederholten Angriffen antijüdischer Blätter. Auch er geht den Dingen nicht auf den Grund und redet nicht davon, daß man die Juden durch -Ausschließung von .allen öffentlichen Berufen und vielengroßen Unternehmung gen in einige wenige Berufe hineingedrängt hat. Aber er kommt dann selbst zu dem Schlüsse, daß das Judenprobrem nicht r ei h negativ gelöst werden kann.'Er schreibt: •' ' ' Daß in Oesterreich im' Verhältnis zwischen Christen und Juden vieles nicht stimmt, beweisen die fortgesetzten Diskussionen. Das Problem verlangt auch nach einer baldigen und 'dauernden Lösung. Das ist nicht nur im Interesse der Christen, -sondern ebensosehr auch im Interesse der anständigen Juden. Darum wird auch von diesen selbst" nach einer"Lösung*, gesucht ■'•:•■.. Einen Juden bloß wegen seiner- Abstammung verachten und zu verfolgen, ist' unchristlicjv. Es st nicht zu'leugnen,' daß das Judentum zur'Kultur manches beigetragen hat, ebenso haben Juden auch in Kunst, Wissenschaft und'Forschung Bedeutendes geleistet. Wer also die jüdisch* 'Rasse' schlechthin:als minderwertig'hinstellt, geht' sicher fehl... Ein dauernf allenen Kagano witsch. Viele der erschössenen bolschewistischen Führer waren Juden'. Heute j der Modus vivendi muß getroffen werden, der die kui* gibt es nur noch, im Außenkqmmissariat Juden in t'ürellen,'politischen'und wirtschaftlichen größerer Anzahl. Hie und da zeigt sich im administrativen Apparat der Sowjetunion ein offener Antiseräiti s m u s. In den Sowjetämtern besteht eine Angst vor Hitler- Deutschland; daraus erklären sich die Bemühungen der Sowjets, jeden Versuch einer Entspannung zwischen Deutschland und Frankreich zu sabotieren. Es ist bekannt, daß Ludendorff, der jetzt wieder zu Amt und Ehren gekommen ist, sowie führende Elemente der-Reichswehr Anhänger einer Annäherung an Rußland sind. .... Diese Ausführungen des ,,Temps" gewinnen eine Illustration durch die zwei Tatsachen jüngsten Datums: die Amtsenthebung des Volkskommissars für Getreide und Viehzucht Moisej Kalmanowitsch, der Jude ist, und die Abberufung des bisherigen sowjetrussischen Botschafters in Berlin, S u r i t z, der gleiclv falls Jude ist. Rechte des Judentums'auf möglichst gerechter Grundlage festlegt; Wie' es für eine religiöse und nationale Minderheit angemessen ist.'.• -; Diese Ausführungen machen den Artikel des katholischen Geistlichen trotzder in ihm enthaltenen unrichtigen Anwürfe und Verallgemeinerungen sehr beachtenswert Speziell für'die Juden in der österreichischeir^Prbvini. welche sonst wir daspöbelhafte Geschrei des Hakenkreuzantisemitismus zu hören, ber kommen.' Hier in der Provinz ist das Bedürfnis nach einer Aussprache zwischen' Juden .und jenen nichtr jüdischen "Elementen, welche Argumenten der Mensch.» lickeit * und Gerechtigkeit' noch zugänglich. sind, ein sehr lebhaftes. Man darf; wie. das .heute leider geschieht, nicht den unversöhnlichen Judenfeinden das Wort in der Judenfrage überlassen und .sich damit begnügen, gegensie wirkungsloszu protestieren. Man muß mit Kreisen .von der Geiatesrichtung, die in dem Wir empfehlan die fluten, modernen NEUDEGGER Auto-u.Motorraduhulßn Wien 8. Heudßggcrgosse )8 Artikel zum Ausdruck kommt, zur Aussprache gelangen, um ungerechte Vorurteile zu beseitigen und» wie Kurat Klambauer schreibt, zu einem dauernden Modus vivendi zu kommen, welcher die Rechte der Judenschaft als religiöser und nationaler Minderheit auf gerechter Grundlage festlegt. Das ist es, was die Juden der österreichischen Provinz, welche isoliert und daher doppelt wehrlos sind, von den Führern der österreichischen Judenschaft erwarten. —r. —r. Nazi*Feme in Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Die polizeilichen' Nachforschungen im Zusammenhang mit dem Mord an dem aus Deutschland eingewanderten Ingenieur Jakob Zwanger In Ramat Gän bei Tel-Avlv haben zu der sensationellen Feststellung geführt, daß die Mörder in enger Verbindung mit den Gestapo-Agenten in" Palästina stehen. Wiebekannt wird, beabsichtigte der ermordete Zwanger seinerzeit' Einzelheiten über die Tätigkeit der Gestapo-Agenten unter den deutschen Emigranten in Palästina zu veröffentlichen. Im weiteren Verlaufe der Nachforschungen wurde ' festgestellt, daß die Personen, die verdächtig sind, ' Zwanger ermordet zu haben, in einem Hause in Ramat Gan eine vollkommen ausgestattete Radiosende-' Station zu ihrer Verfügung hatten. ... * , " . . " :' Die J. T. A. meldet weiter: Die Untersuchung über den Mord an dem jüdischen » Ingenieur Jakob Zwanger führte zu weiteren^ s ensat i-on e i 1 e n Resultaten. Bekanntlich standen die Mörder in-. Beziehung zu deutschen Gestapo-Agenten in Pa- lästiha. In ihren Wohnungen in Ramat-Gan fand man in die Wände eingemauerte M i k r o p h o n a n 1 a g e n zur - F e st h a 11 u n g von 'Gesp'räc he Die Anlagen, standen in Verbindung mit einer Radiostation, deren Einrichtung ' aus dem Auslahde gebracht wurde. Zwanger wurde beseitigt,' weil e r von dies e n I n ß t a i a t i p- | n e tü w u'ß't'ev In' fleh* Wohnungen der Verhafteten wurden ''räuch'';ch'u*f'rierte Notizen und 'Brtefe gefunden. .7Die Verhafteten heißen S'ch'e i n z w i tund M Ii 11 e r, Scheinzwit, der Jude sein soll, stand in Verbindung, mit' dem Deutschen Na chriChfenbüro, dessen Jerusalemer Zentrale ein Bulletin in arabischer Sprache herausgibt. . Es wurde weiter festgestellt, daß Ing". 'Zwanger zuerst erdrosselt und daß ihm erst nach Eintritt des Todes die Stiche zugefügt wurden. Die unter der unmittelbaren Aufsicht der Palästina-Regierung stehende. polizeiliche Untersuchung erstreckt sich auf verschiedene Punkte im Lande. Man erwartet weitere sensationell« Enthüllungen im Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Mord. Die italienische Regieruns rudef vom , antisemitischen „Teuere" ab Aus Rom (J. T. A.): Die römische antisemitische Zeitung „T e v e r.e" hat bekanntlich mit der Veröffentlichungvon Listen jüdisch klingender Namen, italienischer Staatsbürger begonnen; die erste Liste enthielt etwa 1600 Namen. Dem „Tevere" assistiert nun auch die Wochenschrift „Q u»a d r i v i 0". Die Aktion der beiden antisemitischen Zeitungen hat in Italien, und im Ausland erhebliches Aufsehen erregt und bei der italienischen Judenhelt peinliche Gefühle hervorgerufen. Nunmehr wird auspreisen, der italienisch e n R e g i e r,u n g autoritativ erklärt, daß die Regierung Italiens keinen .Antisemitismus kenne und der Veröffentlichung des „Teyere" v o 11 k 0 m m e.n f e r nste,he. Bs wird darauf hingewiesen, daß der Regierungschef Musßolini erst vor einigen Wochen bei Gelegenheit seines Besuches im jüdischen Vierter von Tripolis erklärt habe, daß er die jüdische Bevölkerung als gleichberechtigt behandeln wolle, wie dies ja auch in der italienischen Gesetzgebung verankert ist. - Das „P r a ge r T a g b 1 a 11" bringt ebenfalls die Erklärung von amtlich-italienischer Seite zu, der Veröffentlichung des ,?Tevere". Danach wird in der Regierungserklärung darauf hingewiesen, daß sich hervorragende jüdische Persönlichkeiten um das italienische Vaterland sehr verdient gemacht1 haben und man es niemals' vergessen werde, daß es ein i t alienischer Jude war, der der bedeutendste Pionier des italienischen Imperiums in Ostafrika gewesen Ist. (Gemeint ist Barön Franc he tti, der auf einem Flug nach Abessinien in Begleitung des Staats* Sekretärs Rava ums Leben kam.) Hans Jiira,v, hüly Darvas, Saöke Szakall in dem großen Filmerfolg „Das Tagebuch einer Geliebten". Sondervorstellung Samstag, den. 23. d., 23 Uhr, in HeUoa-Kiuo, II., Tabonatraße, Reichhaltiges Beiprogramm, garten von 70 Groschen aufwärts an der Kinokajasa. IIMIIHHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH