Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 648 (16.4.1937)
- Date
- 1937-04-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag/ den 16* April 1937 11« Jahrgang Nr« 648 v« b« b. Zeltung vom Verleger versende! „Journal exp&llö par I'ddlteur" DIE NEUE WELT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; BnmSnien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, Vierteljahr!« Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire . 5.—, vierteljährig Lira 14.—s Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX. Universitä'sstr. 8» leL A-20-2-78 Erscheint Dienstag u. Freitag Radie für La Ouardi'a Aus Berlin kommt die Meldung, daß seitens des Propagandaministeriums alle jüdischen Versammlungen, die sich mit jüdischen pol itischenFragen beschäftigen, sowie alle jüdischen Sportveranstaltungen auf zwei Monate verboten worden sind. Wenn auch schon bisher das jüdische kulturelle Leben in Deutschland vom Propagandaministerium und vom Kultusminister H i n k e 1 strengstens kontrolliert und schmerzlichen Beschränkungen ausgesetzt war, kommt die Berliner Meldung dennoch überraschend. Es wird nämlich mitgeteüt, daß das erwähnte Verbot als Vergeltungsmaßregel gegen die „neuen" antideutschen Aktionen in USA. in Verbindung mit der La Quardia-Angelegenh eit und anderen antinationalsozialistischen Aktionen zu gelten habe. Die La Quardia-Angelegenheit ist unseren Lesern („Die Neue Welt" vom 9. April) in. allen Einzelheiten bekannt. Die Meldung von den „anderen antinationalsozialistischen Aktionen" bezieht sich auf einen in einer baptistischen Kirche New Yorks vorgeführten Film mit dem Titel „Moderne christlich-deutsche Märtyrer", der sich mit dem -deutschen Emigrantenschicksal beschäftigt. Wie aus New York berichtet wird, soll der Film in sämtlichen amerkanischen Kirchen vorgeführt "-undMlei* -Erlös * den Emigranten aus Deutschland gewidmet werden'. Im wesentlichen besteht der. Füm aus. einem erschütternden Aufruf des ehemaligen Völkerbundkommissärs Malcolm MacDonald "und aus einer Rede..des bekannten Pastors Fosdick. Unter anderen Personen tritt Thomas Manns Tochter, Erika Mann, auf. Der Füm zeigt an Hand von Dokumenten und Zitaten (Alfred Rosenberg, Baidur v. Schirach, Hitlers „Mein Kampf") den barbarischen Feldzug Hitler-Deutschlands gegen Kultur und Menschenrechte. Es ist bezeichnend für die Mentalität der deutschen Machthaber, die Juden, die sich in ihren Händen befinden, für den in Amerika neuerlich entflammten Antinazifeldzug büßen zu lassen. Die Juden Deutschlands, das wissen die Berliner Herren, sind nicht die Anreger dieses Feldzuges. Hitler- Deutschlands Maßnahmen gegen Recht und Freiheit und vor allem seine gefährliche unterirdische Haßpropaganda in allen Ländern der Welt geben Anlaß zur Abwehr. Die „internationale Hetzerclique" und die „gewerbsmäßigen Friedensstörer", von denen jetzt wieder die reichsdeutsche Presse spricht, sind nicht in New York, sondern im Dritten Reich beheimatet. Und La Guardias Anschuldigungen gegen den deutschen Nationalsozalismus lassen sich nicht dadurch aus der Welt schaffen, daß man die deutschen Juden zu Geißeln macht! Das ist die ungeschickteste Methode, sich reinzuwaschen. Die Erpressung, die man jetzt in Deutschland an den Juden begeht, wird die Sachlage nicht ändern. Es ist eine Rache für La Guardia, es ist allerdings auch das Geständnis der Ohnmacht gegenüber der Weltmeinung. Mit dem Versuch, die Juden ins Ghetto zurückzuwerfen, schafft man die Anschuldigungen gegen das Regime und den Abscheu davor nicht aus der Welt. Eine falsche Methode, ein verzweifeltes Manöver! Bericht der Kg!* Kommission am 20» Mai? Aus London (J. T. A.); »er politische Korrespondent des „Eveni ng Standard« behauptet, Informationen zu besitzen, daß der Bericht der Kgl, Kommission für Palästina uicht — wie Gerüchte wissen wollen vor der Krönungsfeier, sondern erst gegenderi {JO. Mal veröffentlicht werden wird. Der,Präsident der Jewlsh Agency, Dr. Welz mann selbst tso erklärt der Korrespondent welter —- rechne damit, daß die Kgl. Kommission eine Kantonlslerung Palästinas (Einteilung in gesonderte arabische und jüdische Gebiete) als Lösung des jüdisch-arabischen Problems, Isoineswegs aber eine Teilung de« Landes und Anschluß eines Teiles an Transjordanien, empfehlen wird« Schließlich teilt der Korrespondent mit, daß der französische Ministerpräsident Leon Blum, der mit Weizmann befreundet Ist, an den aktuellen zionistischen Problemen einen starken Anteil nimmt, Eine judische Erfindung — ein Segen Zur Frage der Minderheitsrechte Als nach dem Weltkrieg die Siegermächte zusammentraten, um über die fernere Gestaltung der unterlegenen und neugebildeten Staaten zu beraten, meldete eine aus Vertretern vieler Länder bestehende jüdische Abordnung ihren Anspruch auf Schutzder jüdischen Minderheiten an. Es war das „Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz", der Vorläufer der heute bestehenden „Exekutive des Jüdischen Weltkongresses". Diesem Beispiel der nationalen Judenschaft folgten die Vertreter fast aller nationalen Minderheiten. Es fanden sich bald Abordnungen der unter fremdnationalen Majoritäten lebenden Nationalitäten (Deutsche, Magyaren, Ukrainer, Polen usw.) in Paris ein. Sie wollten das gleiche wie die Juden, und wandten sich an diese mit dem Ersuchen, die Führung in dieser Frage zu übernehmen. Es ist auch Tatsache, daß Nahum S o k o 1 o w und Leo Motzkin, die seither verstorbenen Führer der jüdischen Delegationen, als Sprecher und Führer Gut passende HERRENHEMDEN nach Maß in allen Preislagen FISCHER/ Vlii; iSl^GÄSSE 1 A 27 S Spezial-HerrenwUsche-Erzeugung aller nationalen Minderheiten, vor der Friedenskonferenz auftraten. Der Initiative der jüdischen Delegation ist es zu danken, daß in der Verfassung vieler Staaten (Polen, Rumänien, Oesterreich, der Tschechoslowakei, Bulgarien usw.) das Minderheitsrecht verankert wurde, d. h. das Recht der Angehörigen aller nationalen und religiösen Minderheiten auf a bsolute Gleichberechtigung in bürgerlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Was die jüdische Delegation auf diesem Gebiet nicht nur für die Juden, sondern für a 11 e geleistet hat, ist eine Ruhmestat. Sie wird auch allgemein anerkannt. Nur von zwei Stellen nicht: Von den assinülatorisch eingestellten Juden, die vor dem Begriff „jüdische Nation" zurückschrecken. Und von jenen Staaten, die ihre nationalen und religiösen Minderheiten brutal unterdrücken und vernichten und hiebei durch Rechte dieser Minderheiten nicht behindert sein wollen. Vor allem von Hitler-Deutschland! Es empfindet die Minderheitsrechte wie einen Pfahl in seinem Fleisch. Es verflucht sie als eine .jüdische Erfindung". So hat gerade jetzt das „Auslandsinstitut in Stuttgart" folgendes über den „Minderheitenschutz" veröffentlicht: „Durch die Minderheitenschutzverträge wurde den deutschen Volksgruppen eine jüdische Existenzform aufgedrängt. Sie wurden in einzelne aufgelöst, unter dem Gesichtspunkt gewisser Abweichungsmerkmale als „Minderheit" mit gewissen Rechtsgarantien versehen, die sich nicht als wirksam erwiesen — bodenständige Gruppen eines großen Volkes sollten gezwungen werden, nach den; Gesetzen des liberalen Assimilation s«. Judentums oder der östlichen Galuth zu leben: daß dieser Versuch ein raffiniertes, weil schwer in seiner Bedeutung erkennbares Werkzeug zur Vernichtung des deutschen Volkes war und ist, läßt Sich nicht bezweifeln. Der Begriff der Minderheit ist somit für die Volksforschung unbrauchbar und gefährlich." Zu diesen Ausführungen nimmt nun das Wienec Blatt „S t u r m ü b e r . O e s t e r r e i c h", das seinerzeit von den unter Führung des Bundeskanzlers S.chuschnigg stehenden „Ostmarkischen Sturmscharen" gegründet wurde, Stellung. Er schreibt: „So sieht nunmehr die Stellungnahme aus Kreisen des Stuttgarter Auslandinstutes zu elnerr der bedeutentTsten Fragen, der Minderheitenfrage, aus! Es soll gar nicht bestritten werden, daß die Minderheiten-' gesetzgebung auch von jüdischen Kreisen beeinflußt wurde. Es muß aber festgestellt werden, daß dieses Eingreifen ein Segen war, da die Siegermächte verdammt wenig von Minderheitenrechten wußten und wissen wollten. Um Einwänden von politischen Säuglingen von vornherein zu begegnen, noch dies: der Einfluß der jüdischen Kreise war natürlich dadurch bestimmt, daß die Juden in Osteuropa selbst größtes Interesse am Schutz der Volkssplitter hatten. (Und wo gibt es auf selten der antisemitischen Kritiker ein Beispiel, daß etwas ihrerseits aus purer Nächstenliebe getan worden wäre!)M „In sachlicher Beziehung soll auch gar nicht verschwiegen werden, daß das bestehende Minderheitenrecht nicht allen Ansprüchen genügt. Aber für die Beurteilung ist doch maßgebend, daß ohne dieses eben gar nichts vorhanden gewesen wäre. Was also soll eine so abwegige und auf Gasseninstinkte berechnete Stellungnahme?" Hier wird also die „jüdische" Erfindung ein „Segen" genannt. WeÜ eben hier die Empfindung dafür vorhanden ist, daß die Menschheit in Barbarei verfallen muß, wenn nicht die Rechte von Menschen und Völkern, welche unter einer national und religiös anders gearteten Majorität leben, gewahrt werden. Judenschicksal in Spanlsch-Marokko Wir hatten bereits einigemal Gelegenheit Tatsachen anzuführen, die bezeugen, daß sich die Lage der Juden in Marokko seit dem spanischen Bürgerkrieg offensichtlich verschlechtert hat. Wir konnten Aufrufe hetzerischen Inhalts veröffentlichen, die aus dem Lager der Aufständischen stammten, und auch die Nachricht verzeichnen, daß die Judenschaft Marokkos mit schwersten Kontributionen belegt wurde. Eine Bestätigung dieser Meldungen bietet die in Munkacevo (Tschechoslowakei) erscheinende Monatsschrift „Jüdische Revue", die ihr Aprilheft zu einem großen Teil der spanischen Judenfrage widmet, sie veröffentlicht unter dem Titel „Der Tod vernichtet Marokkos Juden", Ausführungen von Menahem Coriat Bendahan, Professor am Hispano-Marokkanlschen Institut in Ceuta (Spanisch-Marokko), denen zu entnehmen ist: Als ich Vertreter der Gemeinde Ceuta beim Maimonides-Jubiläum in Cordoba war, da ahnte ich nicht, daß über meine Landsleute so rasch der Sturmwind des Antisemitismus hereinbrechen würde. Die Juden Marokkos lebten friedlich dahin... Vor zwei Jahren begann es unruhig zu werden. Deutsche Handelsagenten überschwemmten plötzlich den Markt und drangen in alle Positionen ein. Gleichzeitig tauchten unter den Eingeborenen Agitatoren auf, die zur Hilfe für die bedrohten Brüder in Palästina aufriefen und gegen die Balfour-Deklaration Stimmung machten. Bisher hatte es niemals eine antisemitische Stimmung gegeben. Plötzlich arbeiteten die deutschen Handels* a e n t e n und die fremden arabischen Agitatoren zusammen. Als Dritte im Bunde traten die spanischen reaktionären Militärs auf. Vergebens warnten die Juden die Madrider •Regierung. In den Gemeinden fühlte man den Sturm kommen. Aber Madrid legte alle Berichte zu den Akten. Unterdessen begannen Listen zu zirkulieren, auf denen alle Juden, die Freimaurer waren, durch die deutsche Spionage eruiert und verzeichnet worden waren. Alle diese Juden sind ebenso nach Ausbruch des faschistischen Aufstandes erschossen worden, wie diejenigen, die republikani- MocSerne Bru«hbandag«n ) absolut beschwerdefrei! FACHFIRMA ITholasch TA BOR STR. 22