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Die neue Welt · 1937-04-13 · Heft 647 (13.4.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 647 (13.4.1937)
Date
1937-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 ^^^g^ ii» iitt|Ai I, *Mti iMIfa«. DIE NEÜfJ WftLT Nr. 647 vom 13. April 1937, Gegen die Teilung Palästinas Jüdische Ablehnung Aus Jerusalem wird berichtet: Die jüdische Presse Palästinas setzt die Angriffe gegen den Vorschlag einer Aufteilung Palästinas fort. Die „Palestine Post" erklärt, eine derartige Lösung wäre ein Akt der Verzweiflung. Die Tageszeitung „Haares" nimmt in einem Leitartikel eingehend zu der Frage Stellung. Die Vorschläge, Palästina zu teilen, schreibt das Blatt, sind das Zeichen einer politischen Unfähigkeit. Die britischen Staatsmänner irren, wenn sie glauben, über die gegenwärtigen Schwierigkeiten dadurch hinweg kommen zu können, daß sie versuchen, den Zionismus für ein Judenstaat genanntes Spielzeug zu kaufen, das alles besitzt außer Boden. Der Zionismus sei nicht ein Symbol, sondern eine sehr ernste Sache, bei der es um die Eistenz der Juden geht. Der Kantonisierungsplan profaniere die zionistischen Ideale und verletze die Ehre des ewigen Volke3. Die arabische Stimme Die arabischen Zeitungen beschäftigen sich mit den Londoner Berichten, denen zufolge die Kgl. Kom mission eine Lösung des Palästina-Problems entweder durch Kantonisierung des Landes oder durch Schaffung zweier unabhängiger Staaten, eines jüdischen und eines arabischen, erwägt. In den Kommentaren der Blätter zu diesen Meldungen wird einmütig zum Ausdruck gebracht, daß die Araber In eine Kantonisierung Palästinas niemals einwilligen würden. Der Plan wird als ein von jüdischer Seite (!) ausgehender Vorschlag bezeichnet, der bei einer kleinen englischen Gruppe Unterstützung findet. (J. T. A.) Wie steht es um die neuen Zertifikate? Aus London: Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur beim Colonial Office in London, wann die Z e r 11 f I k a t e auf Rechnung des Schedule für das Halbjahr April-September 1937 ausgegeben werden würden, wurde erwidert, daß die Festsetzung des Ein wanderungs-Schedule ausschließlich in die Kompetenz des High Commlssioner für Palästina falle; das Colonial Office nehme auf diese Angelegenheit keinen Einfluß. Wie die J, T. A. erfährt, hat die Exekutive bereits der Palästina-Regierung ihre Vorschläge und Unterlagen betreffend den Schedule für das laufende Halbjahr übermittelt und bestimmte Forderungen betreffend die Anzahl der zu erteilenden Zertifikate gestellt. Es steht noch nicht fest, wann die Palästina-Regierung zu der Frage des neuen Schedule Stellung nehmen wird. Aua Tel-Aviv: Auf einer Sitzung des Zentralstes für Alija wurde die Frage des neuen Schedule vom Standpunkt der wirtschaftlichen Notwendigkeiten betrachtet. Es wurde festgestellt, daß in der gemischten Landwirtschaft ein empfindlicher Mangel an Arbeitskräften herrscht, daß ferner für neue Kolonisation tausende Einwanderer erforderlich seien und daß schließlich die Industrie, die sich eben erst von den schweren wirtschaftlichen Folgen der Unruhen des Jahres 1936 zu erholen beginnt, in großer Zahl Spezialisten und unqualifizierte Arbeiter benötigt. Im Zusammenhang mit den demnächst in Angriff zu nehmenden verschiedenen umfangreichen öffentlichen Arbeiten eröffnen sich Arbeitsmöglichkeiten für zahlreiche neue Einwanderer. Es wurde in der Sitzung darauf hingewiesen, daß im Falle einer allzu verspäteten Ausgabe des Schedule für das Halbjahr April-September 1937 die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes eine starke Hemmung erfahren würde. (J. T. A.) Die Tagung des A*»C. in Jerusalem Aus Jerusalem: Man erwartet, daß Präsident Dr. Chaim Weizmann am 17. April in Palästina eintreffen wird, um an den Beratungen des Zionistischen Aktionskomitees teilzunehmen, die am 20. April' in Jerusalem beginnen. * Der Gouverneur von Jerusalem hat eine Reihe von Maßnahmen zur Sicherung der öffentlichen Ruhe und Ordnung anläßlich des Nebi-Musa-Festes, das auf den 22. April fällt, getroffen. Neun Führer der radikalnationalistischen arabischen Jugend (Schabab) in Jerusalem, Hebron und Bethlehem haben eine Sicherstellung von je 25 Pfund für ruhiges Verhalten hinterlegen müssen. Es wurde ihnen außerdem verboten, ihren Wohnort ohne besondere polizeiliche Erlaubnis zu verlassen; sie haben sich täglich bei der Polizei zu melden. ((J, T. A.) Der Zitrusexport in Palästina Aus Jerusalem: Im Laufe der jetzt zu Ende gehenden Zitrussaison sind bis zum 30. März fast 10 Millionen Kisten Zitrusfrüchte ausgeführt worden, um fast vier Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Die Gesamtsumme umfaßt 8,610.000 Kisten Orangen, 1,139.000 Kisten Grapefruit und 59.000 Kisten andere Zitrusfrüchte. In dem neuen Hafen Tel-Aviv sind 281.000 Kisten verladen worden, in Haifa Ufeec $ Millionen. $L 5P. &)J .... ...^y..---------- Allmählich wird es so schlimm..♦ Wir hatten schon einigemal Gelegenheit, Symptome einer antijüdischen Hetze in London zu verzeichnen, hauptsächlich rings um die Propaganda der faschistischen Schwarzhemden Mosleys, die zwar im freiheitlichen England bisher politisch nicht Fuß fassen konnten, immerhin aber eine nicht Unbedenkliche antisemitische Stimmung erzeugten. Vor kurzem wurde im englischen Unterhaus erklärt, daß die Regierung Angriffe auf die Verfassung nicht dulden werde, mögen sie unter welcher Maske auch immer erfolgen. Es geschah dies unmittelbar nach den Exzessen im Londoner Judenviertel East End, wo ein vom deutschen Hakenkreuz „erzogener" Mob sich in wüsten Hetzreden und Brutalitäten gegen die Juden erging. Die Schlagworte, die uns vom nationalsozialistischen Deutschland her bekannt in den Ohren klingen, wurden in London durch die Gasse getragen. Zwei große Organisationen, und zwar der National Council for Civic Liberties (Bund für bürgerliche Freiheit) und der Jewish People Council (Jüdischer Volksrat) haben nach London eine Konferenz einberufen, auf der die um sich greifende Judenhetze im Zusammenhang mit dem Faschismus behandelt werden soll; eine Konferenz also, die ein überaus aktuelles Thema zur Diskussion gestellt hat. Vor der Tagung wurde eine Erklärung an die Presse abgegeben, worin es u. a. heißt: „Wir wollen die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die besondere häßliehe Art lenken, in der die antijüdische Propaganda durchgeführt wird. Wenn wir diesen Dingen ein Ende machen wollen, müssen wir das jetzt tun und nicht warten, bis sie so schlimm werden, wie in anderen europäischen Ländern. Wir halten die Unterbindung der Judenhetze für einen wesentlichen Teil des Kampfes zur Wahrung der Freiheit in diesem Lande. Wir möchten betonen, daß diese Konferenz in jedem Sinne alle Parteien angeht. Wir erwarten Unterstützung von jedem rechtlich gesinnten Bürger, dem die Freiheit seines Landes am Herzen liegt." Die' Erkenntnis, daß der Kampf zur Wahrung der Freiheit auch die Unterdrückung der Judenhetze in sich berge, wird hier deutlich ausgedrückt. Sie soll auch praktische Folgen haben, denn die Engländer beabsichtigen, schon die antijüdische Propaganda zu unterbinden Und nicht zu warten, bis es „so schlimm wird wie in anderen europäischen Ländern". Bis es so schlimm wird... Wir in Oesterreich wissen ein Lied davon zu singen. Seit Jahr und Tag wird in eninem Teil der Presse, ganz besonders inder Provinzpresse, und von Rednertribünen eine antisemitische Hetze geführt, die Folgen zeitigt, unbeschadet dessen, ob sie sich offen der „hakenkreuzlerischen" oder der „bodenständigen" Schlagworte bedient. Während sich noch vor kurzem gewisse „kulturell orientierte" Kreise von dieser Hetze fernhielten, haben sie heute jedes Schamgefühl verloren und sich in eine Front mit jenen Elementen eingereiht, die den Ton und den Inhalt des Nürnberger „Stürmer" nachahmen. Ja, es geht nicht mehr, um die bloße Propaganda; diese hat ihre Schuldigkeit getan, indem sie die Atmosphäre vergiftet hat. Es geht um das Bestreben, die jüdischen Staatsbürger in ihrer Existenz zu treffen, sie aus den mühsam errungenen kaufmännischen, gewerblichen und akademischen Berufen zu verdrängen, mit einem Wort: ein Arierparagraph-Systera auf kaltem Weg einzuführen. Bei solch einer Geisteshaltung, die durch die langjährige, auch seitens berufener Stellen wenig behinderte Hetzpropaganda hervorgerufen wurde, werden zeitweilige „Bremser" nicht viel nützen. Man muß von Grund auf aufräumen, der bösen Vergiftung durch Wort und Schrift ein Ende machen, bevor es so schlimm wird „wie in anderen europäischen Staaten", zu denen sich Oesterreich wohl nicht zählen lassen will. Verband d. Judenstaatszlonisten Oesterreichs StMlon Pratar, II, ErUf«tr»6e 6_ Donnerstag, den 16. April 1935, um halb 9 Uhr abends im Sektionshelm, II, ErlafstraOe Nr. 8, Vortrag des Herrn O*. S. Wolf n». »Das Schicksal des jisdien nationalste" Döete willkommen! Aus der Wiener Judengememde Die „Union" sabotiert und provoziert Die letzte öffentliche Sitzung des Vorstandes fand dadurch ein vorzeitiges Ende, daß die 13 Vertreter vor der Abstimmung den Saal verließen. Den Grund hiefür bildete ein vom Präsidenten und Finanzreferenten Dr. Friedmann namens des Vertreterkollegiums vorgelegter Antrag, das Steuermaximum von 6000 auf 9000 Schilling zu erhöhen. Bis 1918 war das Steuermaximum 12.000 Goldkronen, also zirka dreimal so hoch als jetzt. Infolge der Geldentwertung und Währungsänderung sank das Maximum so tief herab. Die Folge hievon war eine ganz ungerechtfertigte Unterbesteuerung der Allerreichsten. Es ist dazu gekommen, daß heute in Wien im ganzen sechs Personen die Höchst« tieuat ym 6000 Schilling entrichten, .(In Berlin gibt Verb* d» JudeiHlaalstionisien Oesterreidi* Sektion Prater, II., Erlafstraßo 5. Donnerstag, den 15. d., halb 9 Uhr abends, Vortrag Dr. Salomen Wolf: Das Schicksal des jüdischen Nattenalheim«. — Sektion XIV/XV. Dienstag, den 13. d., halb 9 tThr abends, Vortrag Josef Frankel: Die Projekte um Palästina, Judenstaatsjugend. Dienstag, den 18. d., halb 9 Uhr, Im Helm, II., Untere Augartenstraße 38, Plenarversammlung. — Sektion XIV/XV. Mittwoch, den 14. d., 8 Uhr abends, Im Heim, XV., Schanzstraße 3!?, Vortrag Karl Fr&nkel: Die Protokolle der Weisen von Zloa. Samstag, den 17. d., 28 Uhr, Nachtvorstellung im Helios- Kino, II., Taborstraße. Zur Aufführung gelangt „Daü Tagebuch einer Geliebten", mit Hans Jaray, Lilly Darvas, Szöke Szakall in den Hauptrollen. Reichhaltiges Programm. * Hans Jaray, Lilly Darvas, Szöke Szakall in dem großen Filmerfolg „Das Tagebuch einer Geliebten". Sondervorstellung Samstag, den 23. ds.< 23 Uhr, In Helioskino, IL, Taborstraße. Reichhaltiges Beiprogramm. Karten von 70 Groschen aufw. an der Kinokassa. es Juden, die bis zu 3 0 0.0 0 0 S c h i 11 i n g Kultussteuer zu zahlen haben!) Daraus folgt nicht nur ein Entgang an Geld, sondern auch die Unmöglichkeit einer halbwegs gerechten Besteuerung in den höheren Stufen, das Fehlen einer Vergleichsbasis. „Wie komme ich dazu, fast ebenso viel oder die Hälfte oder ein Drittel dessen zu zahlen, was die Allerreichsten geben, welche zwanzig- und fünfzigmal so viel verdienen, wie ich?" Das ist die stete Klage der Zensiten der höheren Kategorien geworden, die sich nicht gegen die Höhe der Steuer an sich, sondern gegen das durch das Steuennaxirniim von 6000 Schilling bedingte Mißverhältnis empört wehren. Um diesen Zustand wenigstens einigermaßen zü beheben, schlug die zionistische Majorität die gewiß bescheidene Erhöhung des Maximums vor* In den vorbereitenden " Sitzungen der Finanz* kommission und des Vertreterkollegiums, wo man nicht zum Fenster hinaussprechen kann, stimmte auch die „Union" für den Antrag. In der; Öffentlichen Sitzung des Vorstandes änderte sie ganz bedenkenlos ihre Haltung und sprach gegen den Antrag. Die Herren scheuten nicht vor der d em an gogischen Verdrehung zurück, so zu! sprechen, als handelte es sich um eine fünfzig« prozentige Erhöhung in allen Steuer« kategorien. Alle Vorhalte nützten nichts, auch! nicht der Hinweis darauf, daß angesichts der ungeheueren Verelendung breiter Schichten des Wiener! Judentums eine gerechte Reform der Steuer von immenser Wichtigkeit sei. Im Gegenteü. Sie gingen zur Sabotage der Arbeit im Vorstande, über, indem sie auf Kommando des Herren Regierungsrat Dr. Oppenheim die Sitzung verließen. Da zwei Vorstandsmitglieder (von 36) entschuldigt fehlten* blieben nach Weggang der 13 Unionisten nur 21 im Saale. Das Statut aber schreibt für Aenderungen den Steuersätze die Anwesenheit von mindestens 22 vor* Dieser Schritt der „Union" hat nur aufschiebende Wirkung, denn bei neuerlicher wiederholter Vorlage des Antrages genügt die Anwesenheit von 16 Mit« gliedern. Aber es muß festgehalten werden, daß die „Union" bei Behandlung einer unpolitischen, rein sachlichen Angelegenheit in der Judengemeinde eine Art der Sabotage anwendet, an welcher andere öffent« liehe Körperschaften zugrundegegangen sind. Das Ist der Ausdruck des Willens, die Judengemeinde in ihrem; Gefüge zu erschüttern, weil man sie nicht be* herrschen kann. Noch eine Sache muß erwähnt werden. Dexj Hauptredner der „Union" an diesem Sitzungstag«j„ Vorsteher Dr. Stieglitz, hat sich im Verlaufe des abends abscheuliche, persönliche, gegen; den Präsidenten gerichtete Ben schimpf ungen geleistet, welche die Zuhören mit Scham erfüllten. Das Urteil über diesen Vorstehen ist abgeschlossen. Nicht mit ihm ist noch zu rechten* wohl aber mit der „Union", welche für ihn verantworte lieh ist. Die Herren von der „Union" haben seine würde* losen Ausschreitungen ruhig angehört, ohne auch nun ein Wort der Ablehnung zu finden. Gehört das mit zum' neuen System? Soli die Sabotage in der Provokation ihre Ergänzung finden? Die polnische Gesandtschaft in Wien judenrein Aus Wien (J. T. A.): Der Legationsrat Professor. Dr. B e r g e r, der als Vertragsbeamter bei der polnischen Gesandtschaft in Wien seit fast 15 Jahren tätig war, ist mit dem 1. April abgebaut worden. Damit verschwindet der letzte jüdische Beamte in der polnischen Gesandtschaft Wien, die noch vor kurzer Zeit einigt jüdische Beamte und Funktionäre in höheren und niedrige» Stellungen aufwies*

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