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Die neue Welt · 1937-04-13 · Heft 647 (13.4.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 647 (13.4.1937)
Date
1937-04-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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187 ÜniversitätsbiF Preis 10 Qroschen Dienstag, dtn n+ April l§37 ■i« — Nr* 647 V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expMIö par räditeur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestorrelch monatlieh S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Bominlen monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—;, Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—a Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: 1X> Vniversitätsstr.8,7el. A-20-2-78 Erscheint Dienstag u, Freitag Eine Niederlage des anlisemi» tischen Nationalismus Auch in Kreisen, die für parteipolitische Kämpfe »icht viel Interesse aufbringen, hat der Wahltag des 11. April in Brüssel tiefgehende Beachtung und Teilnahme gefunden. Denn ihr Instinkt sagte ihnen, daß es hier um mehr ging als um die Besetzung eines Mandats. Der Kampf zwischen van Zeel and und Leon Pegrelle im kleinen belgischen Königreich wurde als ein Messen der rechtverbürgenden und der umstürzlerischen Kräfte angesehen, und der Ausgang des Kampfes, der mit einer vernichtenden Niederlage Degrelles endete, wül daher als ein Symptom für die Tatsache gelten, daß bei rechtzeitiger Abwehr der militante, totalitäre Nationalismus in seine Schranken verwiesen werden kann. Das belgische Volk wird aus (lern überwältigenden Sieg van Zeelands zweifellos die entsprechenden Schlüsse ziehen. * Degrelles Aufstieg war — das ist heute deut- . licher denn je zu sehen — nur durch die skrupellose Art seiner Propaganda, durch den betäubenden Lärm der Parolen, durch den Appell an die niedrigsten Instinkte der Massen möglich. Ihm kamen weiters die Erfährungen zu Hilfe, die sich aus den politischen Kampfmethoden des r e i c h s d e u t s c h e n Haken- 3c r e u z 1 e r t u m s ergaben., Aus dieser Küche bezogen Leon: Degrelle und., seine ..Rexisten die Rezepte für'die Verwirrung und Irreführung, der.Massen, aus : 4ieser Küche bezögen sie--zum''T«U'dief^j[(^tteI> ohne die solch eine gigantische, seit Jahren geführte Propaganda nicht möglich gewesen wäre; und aus dieser Küche bezog Herr Degrelle auch die a n t i s e m i t i-, sehen Schlagworte, die dem etwas faden-, scheinigen, wenn auch vielversprechenden Programm den letzten Schliff, die äußerste Attraktion, geben sollten. Die belgische Großindustrie ließ sich von Degrelle ins Schlepptau nehmen, und obwohl dieser Rexistenführer, dieser nationalistische „P a t r i o t", den Flamen die Unabhängigkeit versprach, .die Einheit des Vaterlandes also zerstörte, stellte ihm das Großkapital dennoch große Geldmittel zur Verfügung **— nach dem Muster des reichsdeutschen Nachbars,,in der Hoffnung, er werde ihm, nach dem Muster des nazistischen Regimes, die arbeitenden Massen gefügig machen. Aber all das, Parolen Geschrei, Geld, Ver-' sprechungen, vermochte keinen Sieg zu bringen. Die Belgier bewiesen, daß sie keine Hammel sind. Degrelle verlor das Treffen. * 1 , -. Man darf allerdings nicht vergessen, daß sein Gegner, der Ministerpräsident van Zeeland, .nicht auf extrem-linksradikalem Flügel steht. Dem Rechtsradikalen stand ein demokratischer Bürger entgegen, $ir1 ... den . auch revolutionären Doktrinen abholde ^ruppeh. " stimmen konnten, und. als schließlich die kat ho liehe Kirche (durch den Kardinal von Mecheln) ihre warnende Stimme erhob, war die Niederlage Degrelles besiegelt. Damit erwies sich der Kampf zwischen Degrelle und van Zeeland; nicht als ein Kampf zwischen zwei extremen Flügeln, sondern zwischen einem nazistisch betonten, . gefährlichen Abenteurertum und einem solid fundierten . bürgerlichen Patriotismus, und wenn heute post festum der Sieg vah Zeelands als eine erwartete' Selbstverständlichkeit angesprochen wird, so muß man den Befürwortern einer solchen Diagnose sagen, daß,— beispielsweise in Deutschland — auch dem Hitlerismus keine günstigeren Prognosen seinerzeit gestellt wurden. Nach .Tisch spricht man eben anders . . . * i . . Die. Niederlage des antisemitisch drapierten Na* tionalfaschismus in Belgien läßt natürlich nicht die unbedingte Hoffnung zu; daß nunmehr die antijüdische Bewegung zum Stillstand gekommen ist. Die Wahl yah Zeelands, bzw. die Ablehnung des Hitler-Kopisten J)egreUe bezeugt bloß, daß die Brüsseler Bürger, er- Jca,nnt haben, was hinter dem judenhetzerischen Getue fter'Rexisten .steckt; daß sie erkannt haben, wie hier unter dem Vorwand „nationaler Notwendigkeiten" ein antisemitischer Wirbel gemacht wurde, um die Gemüter zu erregen und zu verwirren und Unruhe zu Wedgwood für Palästina als Dominion Eine ehrenhafte Lösung Wie aus London berichtet wird, hat der Abgeordnete und ehemalige Minister Colone! Wedgwood, der Freund des jüdischen Aufbauwerkes und Verteidiger der zionistischen Rechte auf Palästina, der J. T. A. Erklärungen über den in der englischen Presse behandelten Vorschlag einer Teilung Palästinas gegeben, worin er sich entschieden gegen jedwede Teilung ausspricht. Colone] Wedgwood sagte: Ich erblicke in diesen angeblichen Vorschlägen einen neuen Versuch, uns unserer Verantwortung in Palästina zu entledigen. Wenn man einen Teil Palästinas zu einem britischenDominion machen kann, dann gibt es kein Hindernis, ganz Palästina in ein Dominion umzuwandeln. Es sollte in Palästina ein ordentliches Kronkolonieregime geben, eine feste Hand, und die britischen Beamten; sollten erkennen, daß ihnen eine gewohnte britische Aufgabe zur Durchführung übertragen wurde.' Die Beamten waren gegen das Mandat, weil es. ihnen mißfiel, und wollten beweisen, daß es Undurchführbar-ist. Sie gefährden sich selbst, wenn " sie zu zeigen versuchen, ''daß -britische - Herrschaft in Palästina unmöglich ist. » 1 Im weiteren Verlauf "seiner Ausführungen bezeichnete Colönel Wedgwood die geplante Teilung Palästinas als einen Verzicht auf die Verantwortung Großbritanniens gegenüber den arabischen Feilachen. Diese würden statt, unter einer Art britischer Herrschaft zu stehen, wieder den Efendia ausgeliefert werden. Dies wäre eine Aufgabe der Verantwortung Englands gegenüber den christlichen Arabern, denen das Schicksal der Assyrer im Irak bevorstehen könnte. Es wäre auch eine Aufgabe der Verantwortung für die Sicherheit der jüdischen Kolonien und jüdischen Kolonien und jüdischen Unternehmungen in Palästina, die der Gnade der arabischen Herrscher ausgeliefert würden. Teilung, fuhr Wedgwood fort, hat in Irland zu nichts Gutem geführt und würde es auch in Palästina nicht tun. Ich weiß nicht, ob die Juden mit der Teilung zufrieden sein würden oder nicht; für die Möglichkeit uneingeschränkter Einwanderung würden sie zweifellos vieles opfern. Ich betrachte die Angelegenheit einfach unter dem Gesichtspunkt des Britischen Reiches. Es würde nicht nur unser Ansehen im Nahen Osten schwinden, sondern wir würden uns auch sowohl Araber wie Juden zu Feinden machen, und diese würden uns als unfähig .verachten. Die arabisch e Agitation wird'mit einer durch einen solchen Verzicht verstärkten Wucht fortdauern. Die Juden werden. Großbritannien durch nichts mehr verpflichtet sein. ....... Wenn der jüdische Teil Palästinas ein Dominion des Britischen Reiches werden soll, dann würde die von mir stets befürwortete; Umwandlung ganz Palästinas in einen Teil des Britischen Reiches ebenso durchführbar und weit ehrenhafter sein. Judiidie Opposition gegen jede Teilung Von Meir Großmann (z. Zt. London) Im Zusammenhang mit den verschiedenen englischen und palästinensischen Blättermeldungen, wonach die. Königliche Kommission in ihrem Bericht an die britische Regerung die Teilung Palastinas in ein jüdisches und ein arabisches Verwaltungsgebiet vorzuschlagen beabsichtigte, gab der zur Zeit in London weilende Vorsitzende der Judenstaatspartei, Meir Großmann, dem Vertreter des »Daily Herald" ein Interview, worin er den Standpunkt seiner Gruppe darlegte. Seine Erklärungen bilden eine ernste Warnung an die kompetenten englischen Stelleu» »Ich vor einer neuerlichen Teilung des jüdischen Landes zu hüten. Nach dem „Daily Herald" erklärte GroBmjann folgendes: „Kein Zionistenführer würde es wagen, die Annahme des Plans der Teilung Palästinas zu befürworten. Die Schaffung eines Miniaturstaates, eines Jüdischen Staates in Taschenformat, würde das Ende der zionistischen Bewegung bedeuten, die jüdische Welt zur hin. Die Belgier sind trotz äußerster nazistischer Unterstützung-den scheinheiligen Tiraden des Monsieur Degrelle nicht hereingefallen. Ein schmaler Silberstreif auf dem Horizont, ein Mahnzeichen vielleicht für ändere ,.Führer" in anderen Ländern! Die Cuzisten in Rumänien und die Naüonaidemokraten in Polen haben, wie; Begrelle in Belgien, versucht, mit antijüdischer Hetze Leidenschaften zu erregen und, wie Degrelle in Belgien, unter dem Vorwand patriotischer Bedürfnisse eiue /Jüdische Gefahr" an die Wand zu malen. In Brüssel war man nüchtern. Ueber 75 Prozent der Wähler lehnten Degrelle als „Retter des Vaterlandes" ab. Wehn dies« Haltung nur ein klein wenig zur Ernüchterung in anderen Ländern beigetragen hat, wo ,,das Vaterland durch Vernichtung der Juden gerettet werden" soll, dann brachte der Brüsseler 11. April jätifteu — sogar auf die Gefahr eines Bürgerkrieges einen Friedensakt yon historischer Bedeutung, p.r. Verzweiflung treiben und deren Hoffnung auf eine völlige Lösung der Judenfrage vernichten. Die Judenstaatspartei verlangt einen wirklich sich selbst regierenden Judenstaat in den historischen Grenzen Palästinas mit offener Tür für Millionen Juden und mit jüdischer Majorität. Wir würden die Aufrechterhaltung einer geschlossenen Front mit Großbritannien vorziehen, einen Judenstaat als britisches Dominion. Aber wir können nicht die Karikatur eines Staates annehmen, wo kein Raum für Millionen Juden wäre, welche sich hier anzusiedeln wünschen und kerne Möglichkeit der Ausbreitung hätten. Mit solch einer Lösung würde die Judenheit niemals einverstanden sein., Zweifellos würden alle Vorbereitungen zu einem Kampf auf Leben und Tod gegen einen Teilungsmodus getroffen werden, wie ihn die Königliche Kommission angeblich ins Auge zu fassen beabsichtigt." „Solch ein Plan", erklärte Meir Großmann, „würde Palästina keinen Frieden bringen und weder das jüdische noch das arabische Problem lösen. Der Anschluß Jerusalems, das auf jüdischer Grundlage aufgebaut ist und 60.000 jüdische Bürger beherbergt, ist undenkbar, ebenso wie die Abtrennung von Haifa, das durch jüdische Kraft in Blüte gebracht worden ist, niemals akzeptiert werden könnte." „Das in Rede stehende Projekt bedeutet nicht die erste Teilung Palästinas, sondern die zweite, mit der sich die Judenheit der Welt niemals einverstanden erklären wird. Transjordanien, das historisch und geographisch ein TeU Palästinas ist, wurde bereits abgetrennt.'* Zum Schluß verurteilte Meir Großmänn ' die Elemente, welche den gegenwärtigen Zustand der Unsicherheit'Palästinas verursachten, wo seit April 1936 mehr als hundert Juden ermordet wurden, und verlangte die Bildung eines jüdischen Verteidigungskorps unter britischem Kommando«

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