Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 645 (6.4.1937)
- Date
- 1937-04-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 ■........ m| DOS NEU» WELT Nr. 845 vom 6. April 193? Die Ereignisse in Palästina Neuerliche Angriffe Attfl Jerusalem meldet Palcori Zu einem der schwersten Zusammenstöße in letzter Zeit kam es in Meicha, wo eine zehn Mann starke Araberbaade zwei jüdische Ohaffire Uberfiel. Jüdische Wächter «Ilten d enUeberfallenen sofort zu Hilfe, kürz darauf traf auch Polizei aus Afuleh, Tiberias und NazS/ reth ein, wahrend die Bande durch bewaffnete Araber aus den umliegenden Dörfern verstärkt wurde. Im Laufe des dreistündigen Gefechtes wurde ein Araber getötet und einer verwundet Bin jüdischer Hilfspolizist wurde leicht am Bein verwundet, als eine Bande bewaffneter Araber einen ÜeberfsJl auf Feldarbeiter bei Kfar Tabor verübte. Die später eingeleiteten Untersuchungen haben mit Hilfe von Spürhunden zur Verhaftung von acht Arabern in einem arabischen Dorf geführt. Außerdem wurden in ver sehiedenen Häusern blutbefleckte Kleidungsstücke gefunden, die von den Spürhunden identifiziert wurden und darauf hindeuten, daß die Banditen Verwundungen erlitten haben. Die Hunde verfolgten dann die Spur zu einem zweiten Dorf, wo acht weitere Araber verhaftet und nach Nazareth geschafft wurden. Sie wurden sofort abgeurteilt, und zwar erhielt jeder sechs Monate Gefängnis. Lord Lloyd — Waudiopes Nachfolger! Aus Jerusalem meldet Palcor: Lord Lloyd, der ehemalige High Commissioner für Aegypten, der sich gegenwärtig in Palästina aufhält, hatte Besprechungen sowohl mit dem Mufti als auch mit Ben-Gurion. Die arabische Presse Schließt daraus, daß Lloyd zum Nachfolger von Sir Arthur Waocbope bestimmt worden ist. Arabische Abordnung nach London Aus Jerusalem wird gemeldet: Das Arabische Oberste Komitee hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine aus Jamal Hussein! und Doktor Izzat Tannous bestehende Abordnung nach London zu entsenden, mit der Aufgabe, dort politische Propagandazu treiben. Die Delegation wird ihre Reise unverzüglich antreten.' Einen weiteren Gegenstand der Beratung bei der Sitzung büdete die Frage derrrzu er-r greifenden Maßnahmen zur Förderung der Tätigkeit im Jaffaer Hafen. Jüdische Einwanderung Laut vorläufiger Statistik der Exekutive betrug die jüdische Einwanderung im März 1120 Personen, darunter 210 Kapitalisten. Aktionskomitee»Tagun§g am 20. April in lerusalem Aus London: Die Zionistische Exekutive hat beschlossen, das A.*K. nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, für den 13. April nach London einzuberufen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt in Jerusalem zusammentreten zu lassen. Laut Beschluß der Zionistischen Exekutive vom 29. März wurde die Eröffnung der A.-K.-Tagung in Jerusalem für den 20. A p r i 1festgesetzt. Juden und russische Revolution Von Iwan Solönewitsch (Sofia) Die Forderungen der Zionistischen Exekutive Aus London meldet die J. T. A.: Am 1. April wurde der volle Text des Memorandums veröffentlicht, das die; Zionistische Exekutive der Königlichen Kommission überreicht hat. Die Hauptforderungen werden in einigen zusammenfassenden Punkten formuliert, besonders in der Frage der Gültigkeit, des wirklichen Sinnes und der Anwendung des Prinzips, daß es Pflicht der Mandatsmacht sei, die jüdische-Einwanderung nach Palästina im Rahmen der Aufnahmsfähigkeit des Landes nicht nur zu dulden, sondern zu ermutigen und zu unterstützen. Wenn die Mandatsmacht ihre Verpflichtung dem Worte und dem Geist nach einlösen will, muß sie für die Jüdische Einwanderung durch Entwicklung des Landes Platz machen, eine Verpflichtung, die sie bisher nur höchst unvollständig erfüllt hat. Die Frage der Palästina-Einwanderung sei nicht bloß eine Frage, einen Ausweg für die jüdische Auswanderung zu schaffen. Das Bewußtsein, daß in Palästina ein jüdisches Nationalheim errichtet werde, sei für viele Millionen Juden ein Trost in ihrer unermeßlich schwierigen Lage. Im Memorandum wird weiter die Forderung aufgestellt, die Bestimmungen des Palästina-Mandats wirksam zu machen, in der Weise, daß der Aufbau des Jüdischen Nationalheims im Geiste der Balfour-Deklaration gesichert werde. Zum Schluß werden die Forderungen der Exekutive in den wichtigsten Fragen der zionistischen Politik zusammengefaßt. Archäologisches Museum Aus Jerusalem: Die Leitung der Hebräischen Universität hat beschlossen, ein besonderes Gebäude zu errichten, in dem die archäologischen Sammlungen der Universität untergebracht werden sollen. Die Universltätsverwaltung hat aus dem 46.000 Pfund betragenden Legat, das ein südamerikanischer Jude der Universität zu archäologischen Forschungen hinterlassen hat, für die Errichtung des Museumsfsbäudes einen Betrag von 10.000 Pfund bestimmt. Bin Führer der russischen Emigranten und Monarchisten schreibt in der in Sofia er* scheinenden russischen Zeltung „Go 1 oss Rodsij" wie folgt: Es ist zum Staunen, wie leicht die am tiefsten durchdachten Theorien an ganz gewöhnlichen Ersehet nungen vorübergehen und in eine Sackgasse geraten. In eine solche Sackgasse ist auch die Frage über die russische Revolution gekommen. Unsere Idnkspolitiker sagen: „Rußland wurde von dem verfluch ten zaristischen Regime zugrunde ge richtet." Die Männer der Rechten dagegen behaupten: „RußlandwurdedurchdieJüden vernichtet." Beide Anschauungen sind zu primitiv und sind eine große Gefahr für Rußland. Die Gefahr liegt darin, daß, wenn einerseits alles auf den „Zar" und andererseits alles auf die „Juden" geschoben wird, wir etwas sehr Wichtiges übersehen und aus schalten, nämlich das russische Volk. Ueber die Frage, wer denn die Revolution durch geführt hat, Werden unsere Historiker noch mehr als eine Million Bände schreiben. Ueber Napoleon wurden 300.000 geschrieben. Unter dieser Million wird wahr scheinlich nur ein Dutzend vernünftiger zu finden sein. Gott behüte mich davor, mit diesen Historikern in Konkurrenz zu treten. Aber es ist doch wichtig, eine absolut unbestreitbare Tatsache festzustellen. Während des ganzen neunzehnten Jahrhunderts tobte in Rußland ununterbrochen ein Kampf zwischen der Monarchie und der ElitedesAdels. In diesem Kampfe wurden beide vernichtet, wobei für die Monarchie noch Aussichten auf Auferstehung blieben, wogegen der Adel völlig zerstört wurde, ohne daß die geringste Aussicht für die Zukunft blieb, d. h. der Adel als regierender Stand. Die Wurzeln dieses Kampfes reichen weit in die Geschichte zurück, bis zu Iwan dem Schrecklichen. Wir wollen aber nicht zu weit zurückgreifen und nur daran erinnern, daß der Anfang der russi« sehen Revolution gewöhnlich ..mit dem Aufstand der Dekabristen im Jahre 1825 verbunden wird. Da gab es keine Juden. Dann kamen Belinsky und Tschernischewsky, Bakunin, Herzen, Plechanow, Lawrow, Miljukow und Lenin und viele andere Verkünder des „Vernünftigen^ Guten und Ewigen", alle keine Juden. Während eines ganzen Jahrhunderts haben sie das Staatsgebäude untergraben. Ihr Werk wurde moralisch durch Fürst Peter Alexejewitsch Krapotkin beeinflußt, der nicht von Juden gekauft wurde, und durch Graf Leo Nikolajewitsch Tolstoi, der obwohl von Juden nicht bestochen, doch den Staat, die Kirche und das Familienleben sehr gründlich unterwühlt hat. Und der jüdische Apothekergehilfe aus Berditschew, der zum „Bund" (Jüdische Sozialdemokratische Partei) oder zu den Bolschewiken gehört und gegen den russischen Staat gekämpft hat, kann mich beim Westenknopf packen und sagen: „Hören Sie mal, Sie intelligenter Mensch! Sie wissen doch, daß ich nur den Spuren der echtrussischen Fackelträger der echtrussischen Kultur folge!" Was kann ich, der „intelligente russische Mensch", diesem Apothekergehilfen dann antworten? Sicher ist er der Spur echter Russen gefolgt. Wenn wir in dem sehr komplizierten Zusammen^ spiel all der Faktoren, die die Revolution vorbereitet, durchgeführt und unterstützt haben, unser Feuer auf die Juden allein konzentrieren, dann ist unser Spiel verloren. Man sagt, daß der amerikanische Jude Jakob Schiff Geld für die Durchführung der Revolution gegeben hat. Angenommen, daß dies richtig ist. Aber für diese Revolution hat auch Sawa Morosow, das Ober* haupt der reichsten russischen christlichen Fabrikantenfamilien, Geld gegeben. Und mehr als alle anderen hat Deutschland Geld gegeben. Weder das Deutschland von Weimar und Ebert, noch das Deutschland Hitlers, sondern das Deutschland der Hohenzollern. Es ist kein Geheimnis, daß die „Okopnie Prawdi" („Die Schützengraben-Wahrheit"), die für die russischen Soldaten bestimmte revolutionäre Schützengraben- Zeitung, mit deutschem Geld bezahlt wurde, und daß im Palast von Kscheschinski die deutsche Mark die größte Rolle spielte. Wenn man mit Geld Revolution machen kann, dann ist die Oktober-Revolution mit deutschem Gelde gemacht worden.,. Es ist eben alles komplizierter, als die „Protokolle, der Weisen von Zion" oder Bucharins Kommunistisches Alphabet" es haben mochten. So kommen wir zu folgendem Ergebnis: Die Hauptschuld am Kampfe gegen die zaristische Monarchie ,hat der Adel auf ,sich genommen. Später kam noch der Mittelstand hinzu und erst im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhundertserhielt diese1 antimönarchische Front eine Unterstützung durch das russische Judentum. Daß die TT e b r u ä r R e v o 1 u t i o n auch von litt den unterstützt wurde* ist richtig. Aber. trotzdem haben nicht die Juden die Revolution durchgeführt. Es waren keine Juden, die nach dem Hauptquartier fuhren, um die Abdankung des Zaren zu erzwingen, und es waren keine Juden oder nicht nur Juden, die die^ unerhörten und gemeinen Gerüchte über die Kaiserin in den Zeitungen und an der Front verbreiten ließen. Was hat es für einen Zweck, alle Schuld auf die Juden zu schieben? Wir sind die Schuldigen. Auch ich zähle mich dazu. Jedem, Menschen, der in den Kasernen und Salons, an der Front und auf der Straße Klatsch über die „Verräterin" verbreitete, hätte man ins Gesicht schlagen müssen. Da aber zur richtigen Zeit nicht geschlagen wurde, sitzen wir jetzt in Paraguay und in Konzen-* trationslagern. Und so stürzten viele Juden in die Oktober- Revolution. Aber nicht das ganze Judentum. Wenn wir uns an die Trotzkis und Sinowjews, Bela Kuns und Radeks erinnern, haben wir nicht das Recht, zu vergessen, daß der Henker U r i z k i j von der Hand des jüdischen Helden Kanegisser erschlagen wurde und daß die Jüdin Rosa Kaplan die Kugel, die für Lenin bestimmt war, mit ihrem Leben bezahlte. Wenn wir den Heldtn und Märtyrern unserer einstigen Befreiung Denkmäler errichten, dürfen wir weder an Kanegisser noch an Rosa Kaplan vergessen. Demonstration gegen HiftlerfDeuisdiland Aus London: Nachdem mehrere Universitäten in Holland und in den nordischen Ländern die Teilnahme an der 200-Jahrfeier derUnii versität Göttingen abgelehnt haben, hat auch eine Reihe Universitäten in Amerika und in Eng* 1 a n d beschlossen, der Feier fernzubleiben. Die unparteiische Anti-Nazi-Liga in New York teilt mit, daß viele amerikanische Hochschulen bereits beschlossen haben, an der Feier in Göttingen nicht teilzunehmen, darunter alle Hochschulen im Staate Virginia. Bedeutende englische Zeitschriften richten Appelle an die englischen Universitäten, im Hinblick auf den an den Universitäten in Deutschland jetzt herrschenden Geist der Feier in Göttingen fernzu-i bleiben. Die bekannte politische Zeitschrift „New Statesman" weist darauf hin, daß das Professoren* kollegium der Universität Göttingen viele jüdische Gelehrte zu seinen Mitgliedern zählte. Nach der Macht* ergreifung durch Hitler wurden diese hervorragenden Lehrer verjagt. Die Folge davon ist, daß seit 1933 das früher bedeutende Mathematische Institut jetzt leersteht. Die einflußreiche konservative Wochenschrift „Spectator" appelliert in ihrer dieswöchigen Nummer an die englischen Universitäten, die Eins ladung zu der 200-Jahrfeier der Universität Göttingen zurückzuweisen. Die Zeitschrift weist darauf hin, daß die Universität Birmingham und eine An-< zahl Universitäten in anderen Ländern dies bereit« getan haben. Sie schreibt: „Was in Göttingen gefeiert wird, ist die Tatsache, daß in Deutschland Wissen* schift nicht in der Wahrheit, sondern im Blute wurzelt. Man darf schon sagen, daß eine Wissenschaft im heutigen Deutschland nicht mehr existiert, außer als demütiger Helfer der staatlichen Rüstungsindustrie oder als ein vulgäres und voreingenommenes Sprachrohr, um, wie Goebbels* „Angriff", die Thesen von Blut und Rasse zu ver-« künden. Für Universitäten anderer Län« der ist .es unmöglich, solches g u t z u* heißen. Die Selbsterniedrigung von Göttingen feiern, bedeutet für die Delegierten aus England den Verrat an all dem, was unsere Universitäten hoch* halten, eine Verleugnung der Ideale, die die deutschen Universitäten in der Vergangenheit groß machten. Die jetzigen Zustände an den deutschen Universitäten stellen eine Abirrung dar, die auf die politische Einmischung eines Regimes zurückzuführen ist, das selbst nicht ewig ist. Ausländische Universitäten haben ihre Achtung und Bewunderung für Deutschlands Wissenschaft bezeugt, indem sie seine vertriebenen Gelehrten willkommen hießen. Wenn sie zurückkehren, wird die Suche nach Wahrheit in Deutschland wieder aufgenommen werden. Vorher gibt es keine geistige Gemeinschaft mit Deutschland." Orthodoxe stürmen ein kommunistisches Hauptquartier Aus Moskau (J. T. A.): In Minsk begaben sich zwölf orthodoxe Juden im Alter von 6 0 bis 8 0 Jahren in das kommunistische Hauptquartier, brachen mit dem Ruf „Im Namen des Gottes Israels" die Türen ein, verprügelten und fesselten zwei diensttuende Kommunisten und tram* pelten auf den Bildern von Lenin und Stalin herunv Sie wurden von der O. G. P. U. verhaftet und füt! zehn Jahre nach Sibirien verschickt,