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Die neue Welt · 1937-04-06 · Heft 645 (6.4.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 645 (6.4.1937)
Date
1937-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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L ""tamfatshtr*. Preis 10 Groschen Dienstag* den 6* April I#i7!€♦ Jahrgang iiks v* &♦ Zeitung vom Verleger versendet «Journal exp6di6 par redltem" REV U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER A+U OM£& o&e '?UH<»LjtXfi CHOiCl rivFELSPUPPE SlUftteß ßaJtkuuiOtZ'MawuttM. O'Su&uoh.- fruutk fawiou kkie'.tod BRowtm SCHWEDEN kino MIT Aufruf der Judenstaals« zionisten Mit dem Sdiekcl in der Hand! Wir stehen vor den Wahlen zum 30. Ziönistenfeongreß. Wiederum werden die zionistischen Gruppen gerufen, um das Schicksal der Bewegung in schwerer Zeit zu bestimmen. Und wiederum besteht die Gefahr, daß die Zionistische Organisation und ihre leitenden Institutionen als Machtinstrument in den Händen einer Partei verbleiben, welche nicht die nationale Einigkeit, sondern den Klassenkampf als die Grundlage ihrer Weltanschauung betrachtet und das jüdische Palästina wirtschaftlich und politisch absolut beherrschen will. Haß' und hilflose Erbitterung körinen diesen traurigen Zustand nicht ändern. Nicht dadurch, daß man die Schuld auf andere wirft und noch we^e^Jladurch, daß man vom Schlachtfeld entläuft, kann man mit e^hem Zu* stand Schluß machen, welcher den Zionismus, die-Jüdische' Völksbewegung, in schwere Gefahr bringt. Wenn der zionistische Bürger tatsächlichen Einfluß auf den, nächsten Kongreß ausüben will,' muß er rechtzeitig zum Wahlkampf rüsten. Die katastrophale Politik der heutigen zionistischen Leitung, das von ihr geübte demoralisierende System der Hachschara und Zertifikatenwirtschaft, das veraltete Wahlrecht; die parteiische Führung unserer Kolonisation, die ungleiche Verteilung von Rechten und Pflichten im Zionismus — all das, wogegen wir jahrelang kämpfen, kann nur dann grundsätzlich beseitigt werden, wenn der zionistische Bürger endlich seine Passivität aufgibt. . Wie auch immer in der Zukunft die Wahlordnung zum Kongreß sein sollte —»heute ist der Schekel die einzige legitime Waffe in unserem inneren politischen Kampf. Dieser Wirklichkeit muß, man in die Augen sehen, den Schekel unter den Freunden verbreiten und schon jetzt den Wahlkampf vorbereiten. Alle. Bemühungen des Gegners, den 20. Kongreß zu beherrschen, können am wahren Willen der Zionisten zunichte werden! Die Herrschaft der Klassenkampf er kann nur dann zerbrochen werden, wenn der nationalgesinnte Zionist seine Kraft ruhig, systematisch, entschlossen zum Ausdruck bringt. . Die Revisionisten und ihre Sympathiker, welche den Schekel nicht kaufen, halfen nur dem Gegner. Sie spielen ein gefährliches und naives Spiel. Während sie. stolz ihre Forderuhgen deklamieren, können die heutigen Machthaber wiederum den Kongreß erobern und alles wird beim alten bleiben. Die Zionistische Weltorganisation, der mächtigste politische und ökonomische Faktor im jüdischen Leben, besonders in Palästina, wird weiterhin im Machtbereich eines Volksteiles bleiben. Es ist die Pflicht der denkenden Zionisten, besonders der aktiven Judenstaatler, jeden. Juden darüber aufzuklären, was heute Kongreßwahlen bedeuten, welche Interessen auf dem Spiele stehen und was jeder Zionist im gegenwärtigen, schweren Moment zu tun hat. Mit dem Schekel in der Hand und mit der zionistischen Wahrheit auf den Lippen gehen die Judenstaatler zu den Wahlen und zum Kongreß! Sie lassen sich nicht einschüchtern und nicht terrorisieren. Sie . lassen sich nicht von separatistischen lind defartistischen Stimmungen beeinflussen, sie glauben an den gesunden Instinkt der zionistischen Massen. Der Judenstaatler denkt daran, daß nur tagtägliche unermüdliche und opfervolle Arbeit den Sieg bringt, und handelt danach. Judenstaatler! Ihr habt jetzt eine historische Mission zu erfüllen: die Weqfcer des zionistischen Ge* BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. viertel«, jährig Dinar-40.—; Btnnänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.-; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; ■ ItaUen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—a Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitäfsstr. S» Tel. A-20-2-78 — Erseheint Dienstag n. Freitag Phantastische Palästina-Projekte Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Die hebräische Tageszeitung „Davar" verzeichnet ein Gerücht, das sich in Jerusalemer politischen Kreisen verbreitet hat, wonach die Palästina- Regierung der Kgl. Kommission den Plan einer radikalen Aenderung der ganzen Prozedur vorgeschlagen hat,; welche. bei der jüdischen Einwanderung nach Palästina angewendet wird. Gemäß diesem Plan soll die.Einteilung der Einwanderer in verschiedene Kategorien abgeschafft werden.. Anstatt dessen soll die Kgl. Kommission die Einführung einer allgemeinen j ä h r T i c h e n Einwanderungsquote zur Verteilung an die verschiedenen Kategorien empfehlen. Durch die Einführung solch eines Einwanderungssystems würde das Prinzip der Aufnahmsfähigkeit von Palästina als entscheidender Faktor für die Einwanderung wegfallen. Bje Regierung würde allerdings in diesem Falle nicht mehr die Notwendigkeit haben, den ganzen komplizierten : Kontrollapparat. funktionieren zu lassen, der bekanntlich nur die Hauptaufgabe hat, Illegale vom Lande fernzuhalten. Parlament und Kantonseinteilung Aus London wird gemeldet: Der politische Mitarbeiter der zum rechtsstehenden Rothermere-Konzern gehörenden „Sunday Des« patch" erklärt, in.der Lage zu sein, die Grundzüge der Vorschläge der Kgl. Kommission mitzuteilen. Es soll ein Legislative Council eingesetzt, werden, der. größere Vollmachten besitzen soll, als sie High Com« missioner Sir Arthur Wauchope im November 1935 vorge» sehen hatte. Weiter ist beabsichtigt, die unmittelbare britische Begierungsgewalt zu stärken und die Abhängig« keit vom Völkerbund zu verringern. Der Verfasser glaubt, daß der Vorsitzende der Kgl. Kommission, Lord Peel, für eine Einteilung Palästinas in geograpische Bezirke oder Kantone mit verschiedenen gesetzgebenden Körperschaften eintritt. Diese Hoffnung wird jedoch nicht von sämtlichen Mitgliedern der Kommission geteilt. „Salzburg — Hakenkreuzne§t oder Kulfiirxenfrum" Eine katholische Stellungnahme - " .In einem Aufsatz: „Salzburg ^Hakenkreuzhest .oder Kulturzentrum" („Die Neue Welt"rNr. '641 "vom .19. März) machten wir darauf aufmerksam, däß'(durch eine , antisemitische Sondernummer des: Salzburger. .Lehrervereines . unter dem Titel „S c h.u 1 e .und Judentum" der Ruf der Festspielstadt' Salzburg gefährdet werde, und fragten an, ob solch eine1 Hetze seitens der maßgebenden Stellen geduldet wird. Unsere Ausführungen wurden in weiten Kreisen des In- und •Auslandes mit entsprechender Aufmerksamkeit aufgenommen und zahlreiche schriftliche Zustimmungen ließen erkennen, daß unser Hinweis richtig verstanden wurde. Man wunderte sich, daß ein -— Lehrerver ein Mitteilungen hetzerischer Art herausgeben könne,: ohne von den kompetenten Faktoren in die •Schränken gewiesen zu werden, insbesondere in einem Falle, wo ein unermeßlicher Schaden dem Lände droht, das solch eine Agitation duldet. Der, Widerhall unserer Stellungnahme erstreckt sich, wie wir eben erfahren, auch auf Salzburg selbst. Wir erhalten nämlich vom Rabbinat Salzburg (Rabbiner Dr. D. S. Margules) vom 31. März d. J. ein Schreiben, dessen Inhalt zweifellös einen;Erfolg unseres Blattes bedeutet, in dem es.heißt : „Auf die direkte Aufforderung des hiesigen Herrn- Landeshauptmann - Stellvertreters, Hofrates Dr. v. Schemel, erlaube ich mir zu Ihrem sehr gesch. Aufsatz: „Salzburg — Hakenkreuznest oder Kulturzentrum" in Nummer 641 vom 19. März 1. J. den klaren Sachverhalt zu schüdern. Gleich nach dem Erscheinen der Sondernummer des Salzburger Landeslehrervereines unter dem Titel: V.Schule und Judentum", begab ich mich mit dem hiesigen Kultuspräsidenten, Herrn Dr. Otto1 Löwy, zum Vorsitzenden des Salzburger Landesschulrates Dr. v. Schemel, den wir auf die Schädlichkeit, ja Gefährlichkeit dieser Angriffe gegen das Judentum aufi Wissens, die H ü t e r des Herzischen Ideals und Herzischen Erbes — der Zionistischen Organisation —, die Kämpfer für die zionistische Demokratie zu.sein. Glaubt an eure Wahrheit und die anderen wer den an euch glauben! ' Auf zur Arbeit! Geht in dieser Zeit schwerster Ge^ fahr für das jüdische Volk und unser Palästina mit dem Schekel zu den jüdischen Massen. Schekel-Arbeit legt das Fundament für große Taten. Kaufet und verbreitet den Schekel, damit endlich mit der unglücklichen Politik der letzten Jahre Schluß gemacht werden kann. Das Exekutivkomitee der Judenstaatspart ei: Großmann, Stricker, Machower, Weinstein, RosenMum, merksam machten. Herr Dr. v. Schemel kannte bereits den Inhalt dieses Sonderheftes und war als strenggläubiger Katholik aufrichtig empört über die unverhüllte Mache der bekannten Judenhetzer. Der Vor« sitzende des Landesschulrates bat uns, diese Beschwerde außerdem ■ schriftlich einzureichen. Darauf wurden .die verantwortlichen Schriftleiter verwarnt." Zum Schluß des Briefes werden wir däräuf: aufmerksam gemacht, daß neben dem Landeslehrerverband, dem Nachfolger des d e u t s c h nationa 1 en Verbandes der Lehrer Salzburgs, der Verein der, katholischen Lehrer im Lande "Salzburg existiert, dem der größte Teil der Salzburger Lehrerschaft angehört, und der sich entschieden gegen die erwähnte hetzerische Schrift ausgesprochen hat. Auf einer Tagung der katholischen Lehrerschaft Salzburgs würde nämlich ausgesprochen, daß die erwähnte Schrift, „weü nicht im wahren öster* reichischen Geiste gehalten, ganz abgelehnt werden muß." Wir nehmen diese Stellungnahme der katholischen Lehrer Salzburgs mit Genugtuung zur Kenntnis und hoffen, daß sich auch bei anderen ähnlichen Gelegenheiten der „wahre österreichische Geist'* melden wird. Südafrikanische Kirdienfühver gegen; den Antisemitismus Aus Johannisburg: Eine in Johannisburg abgehaltene Tagung der Exekutive des Witwatersrand« Kirchenrates nahm folgende Resolution an: „D,er. Witwatersrand-Kirchenrat verurteilt aufs schärfste die antisemitische Propaganda, die durch' bestimmte Kanäle vom Ausland nach Südafrika geleitet wird. Der Rat ist der Ansicht, daß die ch r istliehen Kirchen von Sü daf r ik a . von den Kanzeln herab und in den Sonntagsschulen . einen hemmenden Einfluß gegen die .Ausbreitung, solqher Propaganda ausüben sollten. Die Gesetze des Landes bieten genügend Handhabe, gegen . Einzelpersonen« deren Verhalten das Allgemeinwohl gefährdet, vorzugehen und einer Aktion oder Aufreizung , zu.-einer Aktion, die an das Fundament der Demokratie rührt, entsprechend zu begegnen. Der Rat vermerkt mit Genugtuung die von vielen Führern unseres Landes eingenommene und wiederholt öffentlich bekundete unerschütterliche Haltung, die sich gegen die Gefahr des Antisemitismus richtet, und ruft' die c h r i s 11 i c h e B e v ö 1 k e r u n g auf, in gleicher, Weise nach Kräften mitzuwirken, daß keine/.Untern Scheidung und gegenseitige Beschuldigung zwischen den Rassen In diesem Lande Piata greifen," r

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