Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 644 (1.4.1937)
- Date
- 1937-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 644 vom 1 April 193T 31 BERGMANN, L l RABEJJSTEiaS^^ HIMMELPFORTG. 5 KÖLLNERHOFQASSE 1 Große Auswahl und Kinder-Wäsche, Weißwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw.uew. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise (tat Isaak Mmaud Führer der Vertriebenen —• Zum 500. Geburtstag Vor 500 Jahren wurde der große jüdische Staatsmann und Gelehrte geboren, der 149& als Führer der vertriebenen Judenschaft Spanien verließ. An den Höfen Portugals und Spaniens hat er für seine Brüder gewirkt; als er sie nicht mehr halten konnte, zog er mit ihnen fort. Im Vorwort zu seinem. Kommentar zum Buche der Könige schildert er die Vertreibung, erschütternd und erhebend: „Im Jahre 5252 der Schöpfung eroberte der König von Spanien das ganze Reich Granada. Da er die Eroberung seinem Gottc zuschrieb, sagte er zu sich: Wodurch könnte ich wohl meinem Gotte... wohlgefälliger erscheinen... als indem ich unter seinen Schutz das Volk bnnge, das im Finstern wandelt, und die Herde Israels, die abtrünnige Tochter, zu ihrem Glauben zurückführe... oder sie himoegtreibe in ein anderes Land...?" „Zu jener Zeit befand ich mich am Hofe des Königs und mühte mich ab mit Bitten. Dreimal flehte ich vor ihm und sprach: Hilf, 0 König, warum willst du so mit deinen Knechten verfahren? ... Ich wandte mich an meine Freunde, welche die Gunst des Königs besaßen, daß sie für mein Volk beten ... damit er seinen Vorsatz zur Vernichtung der Juden aufgeben möge... Aber wir bemühten uns ohne Erfolg. Ich hatte nicht Ruhe noch Rast, aber das Unglück kam dennoch. Und das Volk trauerte, als es die böse Nachricht erfuhr, und überall, wo des Königs Befehl bekannt ward, sah man große Trauer bei den Juden, und es war Schrecken und Angst, wie dergleichen nie gewesen, seit Juda vertrieben ward aus seinem Land in die Fremde." „Und einer sprach zum andern: Wir wollen einander stärken in unserem Glauben und in der Lehre unseres Gottes vor der Stimme der Lästerer, vor dem tobenden Feind. Lassen sie uns am Leben, so leben wir; töten sie uns, so wollen wir umkommen, aber nimmer unseren Bund entweihen und unser Herz abwenden, sondern wandeln im Namen des Herrn. Und so zog es aus, unfähig zum Widerstand, das Volk, in dessen Mitte ich roar, 300.000 Fußgänger, jung und alt, mit Frauen und Kindern, an einem Tage aus all den Reichen des Königs. Wohin der Geist sie zu gehen trieb, dahin gingen sie, und ihr König zog ihnen voran, Gott an ihrer Spitze/ („Isr. Familienbl.", Zürich.) Ein GedenfcblaH Abstammung von hochangesehenen und begüterten Eltern, seltene Frühreife, Harmonie religiöser und profaner Bildung, Einfluß bei regierenden Häusern, Sturz in Ungnade, unstetes Leben — all das war nichts Außergewöhnliches bei jüdischen Gelehrten und Staatsmännern und im übrigen irgendwie dem Schicksal des jüdischen Menschen im Galuth entsprechend ... Abravanel war nicht der einzige, der seine Abstammung vom davidischen Königshaus ableitete. Er war nicht der erste jüdische Gelehrte, der wegen seiner Begabung als hoher Beamter an einen königlichen Hof berufen wurde. Und er war schließlich nicht der einzige Jude, der seine Stellung zugunsten seiner Stämmesgenossen benützte, und dem sein Staat seine Dienste mit Undank lohnte. Das Einzigartige der Persönlichkeit Abravanels besteht auf exegetischem wie auf „historischem" Gebiet. Auf dem Gebiet der Bibelexegese hat Abravanel als erster Jude gewagt, die alteren Autoritäten ohne Scheu zu kritisieren, gleichzeitig auch christliche Gev)ährsmänncr zu zitieren. Auf „historischem" Gebiet ist er der letzte Repräsentant der Judenheit Spaniens; mit ihm schließt die Reihe der jüdischen Staatsmänner in Spanien, welche — mit Ghasdai ibn Schaprut beginnend — vor aller Welt mit dem ganzen Einsatz ihrer Persönlichkeit für das Wohl des jüdischen Volkes wirken, mehr noch für das Wohl des Vaterlandes, hier also Spaniens! Sein Name ist unvergessen. Sein Grab befand sich einst in Padua. Nach der Zerstörung der Stadt wußte man rieht mehr, wohin die sterblichen Ueberreste des Unsterblichen gekommen sind. Dr. J. Z. Kann er. KINDERPENSION ,AUSTRIA< OLGA KADISCH BAD VOSLAU, SCHÜBEKTPLATZ 3 TELEPHON Hl Erstklassige Verpflegung, pädagogische Leitung, individuelle, liebevolle Behandlung, beste Erfolge bei schlecht essenden Kindern. Hofmeister, Kindergärtnerin, Lehrerin im Hause. Musik. Sport. Kein Massenbetrieb. Ganzjährig Judischer Gestiligkeitsvercin Stockerau. Vortrag Emil Hut.trer (Wien) über „Die jüdische Situation in aller Welt.', - „Die Lage in Palästina." Sametag, den 3. April 1937, um 8 Uhr abends *3L JfoCaa s^tfendv-riir Umsduditungskurs des Haowed Haleumi Warum haben wir nicht genügend Handwerker? Weil unsere Eltern gegen manuelle Berufe Vorurteile besaßen. Daher herrscht heute In Erez ein zahlenmäßiges Mißverhältnis zwischen Handwerkern und ungelernten Arbeitern!!! Wir brauchen mehr Handwerker! Noch ist es nicht zu spät, ein Handwerk zu erlernen!!! Wir geben Ihnen die Gelegenheit dazu in einem Metallarbeiterkurs (Bauschlosserei). Anmeldungen beim Haowed Haleumi, II., RotensterngasEie 12/3/2/H, Stadtkibbuz, oder in der Werkstäbte, IL. Taborstraße 59, rückwärts im Hofe. R-41-1-15-U. Arbeitslose, die in größerer Entfernung wohnen, erhalten Fahrschein gratis. Rechtzeitig anmelden!!! Knlttelfeld. In Ihrem Helm hielt die Ortsgruppe Knit* telfeld der Judenstaata-Zio nisten eine gelungene Purimfeier ab. Den Löwenanteil an dieser Feier hat Gg. Max B i b r i n g, welcher die Dekoration besorgte und den Abend leitete. Mit einem selbstverfaßten humoristischen Vortrag eröffnete er den Abend. Sämtliche Damen der Ortsgruppe trugen durch reichliche Spenden für das Büfett zum finanziellen Erfolg der Feier bei. Gg. I g e 1 b e r g erläuterte in gehaltvollen Worten den Sinn der Feier. Als Gäste konnte die Ortsgruppe eine Delegation der Ortsgruppe Judenburg unter Führung des Bezlrksgruppenobmannes Komm.-Rat B e n e d e k samt Frau und eine Delegation aus Leoben unter Führung des Obmannes Gg. Hugo F r i e d 1 e r begrüßen. Die Feier dauerte bis zum Morgengrauen. PARKSANATORIUM SAUERBRUM Burgenland, Dr.-Hoffmann-StraQe 3 ganzjährig geöffnet, waldige Höhenlage; für innere, nervöse und Stoffwechselerkrankungen. Mastu. Entfettungskuren, jedwede diätetische Behandlung. Zeitgemäße Preise Leitende Aerzte: Dr. Friedrich Weiss, Dr. Deszä Sf einer PROSPEKTE IN DER REDAKTION Selbstkritik Von William Zuckermann (London) (Aus der Wiener Zeitschrift „Die Erfüllung") „Die große Schwierigkeit bei uns Juden ist die, daß wir infolge einer langen Geschichte von Verfolgungen überempfindlich auf Kritik reagieren und Kritik an den Juden und Antisemitismus überhaupt gleichsetzen. Dies ist vielleicht eine natürliche Folge jahrhundertealter Verfolgung, aber die Unvermeidbarkeit der psychischen Reaktion entschuldigt nicht einen solchen Schluß. Kritik ist nicht dasselbe wie Haß und Kritiker sind keine Feinde. Die größten Freunde unseres Volkes sind nicht diejenigen, die es rühmen, sondern die, die auf ehrliche Weise seine Fehler aufzeigen. Ein Volk ohne Kritik lebt entweder unter einer Diktatur oder ist eine Gemeinschaft, die so tief in affektierte Selbstgenügsamkeit versunken ist, daß sie sich auf dem Wege zum Untergang befindet, Es war unser Mißgeschick, daß wir infolge der jahrhundertelangen Verfolgungen, die wir erlitten, oft der Kritik entbehrten, die jedes gesunde .Volk so überaus nötig hat. Das Pathos unseres Seins hat einige von den edleren Geistern der nichtjüdischen Welt dazu veranlaßt, unsere Mängel zu übersehen und unsere Vorzüge übermäßig zu betonen. Dabei ist es so weit gekommen, daß wir von unseren nichtjüdischen Freunden erwarten, sie müßten auf jeden Fall unser Lob singen oder zumindest GRABSTEINE IN WÜRDIGER FORM AUS 0 f N WERKSTÄTTEN WULKAN u NEUBRUNN ÄRENNWEG 110' ST. MARX ' SEIT 1802 unsere Mängel rechtfertigen. Diese erkünstelte Mauer von Verteidigungen hat ein Element von Unehrlichkeit, ja fast von Heuchelei in die Beziehungen der besseren nichtjüdischen Welt zu uns gebracht. Es klingt vielleicht paradox, daß wir gerade aus unserer Schwachheit eine Art von moralischer Diktatur geschaffen haben, um uns gegen die Kritik zu schützen, eine Diktatur des Mitleids, die in gewissen Kreisen ebenso wirksam ist, wie die Diktatur des Konzentrationslagers. Der Schaden, der durch diese Haltung bewirkt wurde, ist groß und mannigfaltig. Sind auch die Ursachen des Antisemitismus ökonomisch und politisch, so ist er im Tiefsten doch ein psychisches Phänomen, das in hohem Maße der Selbstanalyse bedarf. Unsere krankhafte Sucht, überall .Antisemitismus' zu wittern, und die Unmöglichkeit, Kritik zu ertragen, sind unzweifelhaft die Ursachen vieler feindlicher Gefühle gegen uns. Aber damit ist der Schaden dieser falschen Haltung noch immer nicht erschöpft. Ein übles Resultat ist die Wirkung, die sie auf unB selbst ausübt. Wir haben so lange Kritik als Antisemitismus hingestellt, daß ein großer Teil von uns zu dem aiauben gelangt ist, es gäbe an uns Uberhaupt nichts zu tadeln. Einige von uns leben in dem Glauben, wir seien ein Volk von lauter Genies, und sind empört, wenn man nur die bloße Vermutung ausspricht, es könnte doch auch etwas gegen uns vorliegen, ßurcli einen falschen Qenkprozeß sind einige von uns zu dem Schluß gelangt: Da unsere Verfolger abgrundtief schlecht sind, müßten wir notwendigerweise völlig gut sein. Das ist aber nicht nur schlechte Logik5, das entspricht auch nicht der Wahrheit. Die Tatsache, daß die ,Nazi' Barbaren sind, die jede .Vorstellung von Gott verloren haben, macht aus uns keine Engel. Wir haben das Tal der Verfolgung und des Leidens seit Jahrhunderten nicht durchquert, ohne den Staub der Straße mitzunehmen. Verfolgung erniedrigt ein Volk und macht es ungeliebt, auch wenn jeder seiner Fehler leicht durch sein Leiden erklärt werden kann. Was ein solches Volk davor retten kann, völlig hassenswert zu werden, ist strenge, ehrliche Kritik. Es Ist ein trauriges Zeichen für den Stand unserer Kultur, daß in dieser ganzen Krisis, der größten, die wir erleben, sich nicht eine einzige Stimme in unseren Reihen erheben konnte, um die Frage unserer eigenen Verantwortung an dem Unglück, das uns betroffen hat, aufzuwerfen.'4 Aus der Tsdiedhoslowakei Seien wir ehrlich f Die tschechoslowakische Regierung hat einen Schritt unternommen, welcher ihr Prestige als wahrhaft demokratische und gerechte Regierung gehoben hat. Sie hat im Rahmen der Anerkennung der Rechte aller nationalen Minderheiten vom 18. Februar 1937 auch die Rechte der jüdischen Minderheit anerkannt und wird das hebräische Volksschulwesen verstaatlichen* An und für sich ist es nur natürlich und selbst* verständlich, daß sich die oben erwähnte Erklärung vom: 18. Februar auch auf die Juden bezieht. Wir sind aber, durch die vielen Ungerechtigkeiten, welche unser Volk fast in aller Welt erleidet, so eingeschüchtert, daß wir auch an Selbstverständlichkeiten nicht ohneweiters glauben. Daher, begab sich am 12. März eine Delegation der Jüdischen; Partei zum Ministerpräsidenten, welcher nun bestätigte* daß die Erklärung auch für die Juden gilt. Man geht nicht fehl, wenn man die Uebernahme des hebräischen Schulwerkes durch den Staat als Erfolg der Haltung und Tätigkeit des nationalen Judentums In der Tschechoslowakei auffaßt. Wir wollen in diesem Zu* sammenhange auch der Jüdischen Partei in der Tschecho« Slowakei den Dank für ihre Tätigkeit aussprechen, aber —• Wir empfehlen die guten, modernen fiEUDEGGER flutou. Motorradschulen Wien 8. NeurJeggergasse 18 Tel. B-46-5-72 itnd lnjeisdorf, N.-ö. soweit er ihr gebührt! Die Jüdische Partei hat bei den letzten Wahlen auf der Liste der tschechoslowakischen Sozialdemokratie unter Verschweigung des jüdischen Namens kandidiert und behauptete, anders zu keinem Mandat kommen zu können. Dafür bekam sie zwei Man-« date. Man kann über diesen Schritt verschiedener Meinung sein und wir wollen hier nicht darüber diskutieren, obi er richtig oder falsch war. Wir wollen jetzt nicht darüber sprechen, ob die Abgeordneten im Parlament so wichtig waren, daß es dafürstand, den jüdischen Namen aufzu« geben. Aber gegen eines muß man entschieden Stellung nehmen. Die Jüdische Partei gefällt sich nämlich darin, bei der propagandistischen Ausnutzung dieses Erfolges immer wieder zu betonen, dies sei ein Erfolg der Abgeordneten. Das ist nicht richtig! Die Anerken« nung der jüdischen Rechte und die Verstaatlichung des hebräischen Volksschulwesens erreichten die Juden der Tschechoslowakei durch ihre national-jüdische und dem tschechoslowakischen Staate gegenüber loyale Haltung, weil die Tschechoslowakei nach wie vor das Land jenes Masaryk ist, von dem man sagt, er sei die verkörperte Demokratie. Und — seien wir ehrlich! — nicht, weil wir im Parlament zwei Abgeordnete haben. Die Anerkennung unserer Forderungen gilt nicht den beiden Herren im Parlament, sondern dem jüdischen Volke. Die Jüdische Partei hätte die Rechte für das jüdische Volk fordern können und sie erhalten, auch wenn im Parlament kein auf fremder Liste gewählter jüdischer Abgeordneter gesessen wäre. Otto A. Fischel (Mor.-Ostrava). Eine „Nordische Front" in Südafrika Aus Johannesburg: In einer Versammlung seiner Anhänger hat der unter dem Einfluß der deutschen Nazisten stehende südafrikanische Nationalistenführer Dr. Mai an die Bildung einer gegen die Juden gerichteten „Nordischen Front" gefordert. Der Redner erklärte, das neue Einwanderungsgesetz genüge ihm nicht, da die Einwanderung von Juden durch dieses Gesetz nicht wirksam verhindert werde. Die englischsprechende Bevölkerung wurde von Dr. Malan aufgefordert, sich der von ihm geplanten Front anzuschließen, um die „jüdische Gefahr" zu bekämpfen. Zum Schluß richtete der Redner an die Versammlung den Appell, nicht bei Juden zu kaufen,