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Die neue Welt · 1937-04-01 · Heft 644 (1.4.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 644 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 644 vom 1. April 1Ö37 DIE NEUE WELT Seit« S 40 Jakte iiobislisüie O^akisatbk! 40 fakte, itkekei... 1897 1937 ■<l1 t,v7 ,H 1 n n n in o n n n i j w m o ':fn iji^n oujipn SpUJn n,v ibpiu MS$feW^ : - svVr.'i- §dhelcel* Aktion der /Neuen Well' Einer dringenden Anregung aus zionistischen Kreisen folgend, sind wir gerne bereit, die Freunde und Leser unseres Blattes mit dem Schekel zu ver* sorgen. Schriftliche, bzw. telephonische Wünsche sind an „Die Neue Welt", Wien, IX., Universitätsstraße 8, Tel. A-20-2-78, zu richten. z/Wär stehen der Sache fern" „Eine weit seltenere, aber auch viel schlechter haltbare Abweisung heißt immer noch: ,W ir stehen der Sache fern.'' Den Standpunkt in allen Ehren, aber was wäre gewesen, xoenn man in Erez Israel zu den Juden aus Deutschland, die nicht als Zionisten ins Land gekommen sind, gesagt hätte: „Ihr standet der Sache ja fern/ Und toer von den fernstehenden' hat, wenn man Nachforscht, keinen Verwandten oder Freund, den Erez Israel aufgenommen hat? Schon der praktische Verstand, völlig su schweigen von einer Verpflichtung zur Dankbarkeit oder der sonst so gern betonten Philanthropie, müßte nachdenklich machen." Reinhold Herz („Israelitisches Familienblatt", Berlin). I>er Judenhaß des Hakenkreuzes „Weshalb dieser Haß, die Vernichtungswut, die Organisation gegen die Juden? Weshalb schwören die Oberhäupter Deutschlands die Ausrottung der Juden bis auf den letzten? Man lasse sich doch nicht täuschen! Sie brauchen den internationalen Judenhaß, um den Nationalsozialis7nus international zu verbreiten; sie brauchen den Antisemitismus, um sich an ihm in alle Länder weiter zuranken; um in allen Ländern Bundesgenossen zu haben; um jedes Volk von innen zerstören zu können. So wie es entsprechend in der Fälschung geschrieben steht, die sie die Protokolle der Weisen von Zion' nennen." Iwan Heilbu.t, „Die öffent-. liehen Verleumder" (Europa-Verlag, Zürich). Politische Justiz „Das palästinensische Justizwesen ist das Bollwerk des Antizionismus und des Judenhasses des Regimes. Die Gerichtsbarkeit während der sechs Monate der Unruhen hat es jedem, der noch an eine Neutralität der englischen Gerichte glauben wollte, bewiesen. Es gibt kein Recht in diesem Lande, es gibt nur Machturteile, die durch die antijüdische Politik bestimmt wurden/* Ben Kraw („Medina Iwrit", März 1937). Sonderbarer Jammerruf „Behandelt uns Deutsche in Rumänien nicht schlechter, als es die Juden in Deutschland haben/' Die nazistische „Deutsche Tagespost" (Czernowitz). ™* Palästina Wien—Haifa.......S 188,— Wien—Haifa-Wien . . . . S 356.— fluSTRO-LiQYP swra x^z^y^^ pMsacU-Aktion de* H.H.Jl. 193? Wie schon in den weitesten Kreisen der Wiener Judenheit bekannt, findet die heurige J?essach-Aktlon des K. K, L., die in allergrößtem Maße unternommen wird, unter der Devise Hagalilah statt; d. h. daß ihr Ergebnis für die großzügige Aktion bestimmt Ist, die der K. K. L. zur Erlösung des Hulegebietes und der Zone von Obergaliläa eingeleitet hat. Dlo Aktion, die behördlich schon bewilligt wurde, fln'let als Haussammlung am 11. und 1Ä. April statt und wendet sich an die Gesamtjudonheit Wiens. Der geistigen Vorbereitung dieses Werkes dient «ine in der nächsten Woche in sämtlichen Bezirken Wiens stattfindende Vorsammlungskampagne, bei der prominente Redner über die Wichtigkeit dieses Bt- Ireiuugswerlies. sprechen werden, ie Luft oben und der Keller unfen Von Mei'r Großmann (Tel-Aviv) Zwei kleine Nachrichten machten mich eine Weile aktuelle Sensationen und Befürchtungen vergessen: Die Beschreibung allerlei englischer Aeroplane und die Zählung der Pariser Keller. Aus London meldet man, daß man von dort demnächst nach Australien, Afrika und Indien mit ganz kurzer Flugdauer fliegen werde. Die Passagiere werden die ganze Zeit in den Apparaten verbringen — in Schlafzimmern und Rauchsalons. Aus Paris wird am gleichen Tag gemeldet, daß es dort bloß 27.000 Keller und in den Vorstädten 7500 Keller gibt — ganz und gar zu wenig gegen die Gefahr von Luftangriffen, Bombardements und Gasattacken. Zwei ganz verschiedene Nachrichten, aber in ihrer Symbolik eng miteinander verbunden! Die Augen der Menschheit sind jetzt gegen den Himmel gerichtet. Man erobert ein neues Königreich — die Luft. Gleichzeitig kommt eine strenge Warnung: Mensch, du steigst immer höher und höher, du bist schon nahe den Sieben Himmeln. Und trotzdem gedenke, daß du dich in die finsteren Keller wirst begeben müssen. Du Eroberer der Luft, dein Schicksal wird sein, Tage und Nächte in unterirdischen Räumen zu verbringen, wenn du dich vor den Gefahren der Luft wirst schützen wollen . . . Wie alle treuen Tel-Aviver, besuche ich so oft wie möglich den Hafen. Man fühlt sich jünger und frischer, wenn man das Werden des jüdischen See-Menschen sieht. Die Schaffensfreude, mit der die ganze Hafengegend angefüllt ist, der unbeugsame Wille, dem bedrohten Jischuw eine neue Festung zu bauen und eine Tür zur weiten Welt zu öffnen, vertreibt jeden Skeptizismus und Pessimismus. Der Besuch im Hafen ist wirklich eine Aufpeitschung für müde Nerven. Und doch konnte ich mich nicht des Gedankens erwehren, daß das, was wir in dieser Beziehung machen, zwar gut und nützlich sein kann, aber doch nicht das Richtigste; daß es jedenfalls nicht ganz mit den Bedürfnissen und Forderungen der Zeit übereinstimmt, besonders mit dem, was herannaht. Gewiß muß man einen jüdischen Hafen haben. Ein selbständiger Zutritt zum Meer ist zweifellos sehr wichtig — wirtschaftlich und strategisch, aber immerhin nichts anderes als ein Reflex dessen, was andere tun. Das Originelle, Eigenartige, der gesunde Instinkt eines Volkes, der die kommenden Veränderungen sieht, fehlt beim großen Meeresenthusiasmus, welcher den, Jischuw erfaßt hat. Mein Herz hätte stärker gepocht, wenn ich in Tel-Aviv einen Flughafen mit Aeroplanen und Hydroplanen gesehen hätte. Ich hätte mich mehr .gefreut, wenn wir Werkstätten für Luftschiffe anstatt Werkstätten für Frachtschiffe bauen würden, die vielleicht bald Vergangenheit sein werden. Unsere Zukunft im Land ist nur dann gesichert, wenn wir mit dem Fortschritt gehen, wenn wir einen neuen Lebensstil und neue Berufsquellen schaffen werden. Wir müssen vorauseilen. Nur keine Nachahmung der zum Tod verurteilten Vergangenheit. Die moderne intensive Wirtschaft auf 8 bis 10 Dunam vernichtet den Traum von einem „jüdischen Muschik". Genen den Strich zeigt lieh die Qualität. Elastisch, rasch und . sieher gleitet die Miph interessiert die Sache nicht bloß wegen der Modernisierung des jüdischen wirtschaftlichen Lebens. Ich denke hiebei hauptsächlich an Palästina, die Zukunft des Jischuws, die großen Möglichkeiten, die der Aeroplan für den Jischuw öffnet, und die Gefahren, die er mit sich bringt. Das langsame Kamel ist erledigt. Die Wüste ist kein. Schutz mehr gegen Invasion. Unsere Nachbarn haben aufgehört, Nomaden zu sein. Einem arabischen König schenkt man kein gutes Pferd mehr, sondern just die letzte Aeroplantype. Erst kürzlich hat Italien Ibn Saud solch ein Geschenk gemacht. In Syrien, Irak, Saudia und sogar in Transjordanien gibt es Luftflotten mit arabischen Piloten und Mechanikern. Der andere Nachbar — Aegypten — legt ebenfalls ein großes Interesse am Luftverkehr an den Tag. 500 Piloten werden für die ägyptische Luftflotte ausgebildet. Man soll den Schwarzsehern keine Gelegenheit zu finsteren Betrachtungen geben, aber man muß von Zeit zu Zeit der Zukunft mit allen seinen Freuden und Leiden ins Antlitz sehen. Natürlich hoffen alle, daß noch lange Friede herrschen wird, besonders im Vorderen Orient. Unsere Aufbauarbeit benötigt eine Atmosphäre der Ruhe und Verständigung. Aber mit guten Wünschen ist auch die Hölle gepflastert. Die. ehernen Räder der Geschichte drehen sich, ohne uns zu fragen. Wer weiß, wann der Sturm losbrechen wird? Eines ist klar : Wenn er einmal losbricht, wird es h&upt^cbüch ein, ^turm in dem Kütten sein, ein Krieg von Aeroplanen, Angriffe von Giftgasen, Bombengeschwadern, heroischen Akten seitens einzelner Piloten mit ihren todbringenden Maschinen. Wehe dem, der nicht vorbereitet sein wird! # Die eine Hand baut Aeroplane, die andere — unterirdische Eisenbahnen, unterirdische Kasernen, aber hauptsächlich größere und bequemere Keller. Das eine Auge blickt zum Himmel, das andere tief hinab in die Erde. Man zählt nicht nur die Aeroplane, sondern auch die Keller, wo man sich vor den Luftschiityt I yhreQäkne I ü i ie bevorzugte ahnpasia! fliegern verbergen kann. Man bereitet in den Laboratorien alle Arten Gase und man errichtet gleichzeitig neue Fabriken für Gasmasken, um mit ihnen die ganze Bevölkerung zu versorgen. Mit großer Befriedigung hat ein englischer Minister dem Parlament mitgeteilt, daß in beiden Richtungen ein großer Fortschritt zu verzeichnen sei. In kurzem wird jeder Engländer — Mann, Frau und Kind — eine Gasmaske besitzen. Daß die Londoner Untergrundbahnen vergrößert und modernisiert wurden, um hunderttausende Einwohner aufnehmen zu können, ist schon lange kein Geheimnis. Die Deutschen machen ihre Vorbereitungen gründlicher. Alle Keller Berlins sind registriert. Niemand bekommt die Erlaubnis, ein Haus zu bauen, wenn er nicht für einen geräumigen, bombensicheren Frederic March, Lionel Barryntore Warner Baxter, June Lang in KREUZ-KINO i, LUX-PALAST-K1NO XVI. Keller sorgt. Man sagt, daß unter dem Olympiade- Stadion eine unterirdische Stadt vorbereitet ist. . . * Als ich in Zürich, von Leichtsinn redend, mir erlaubte, daran zu erinnern, daß wir in Palästina Städte ohne Keller bauen und Schutzmaßnahmen vorbereiten, ohne das geringste Verständnis für die Luftwaffen, wie Aeroplane und Gase, begegnete man meinen Ausführungen mit ironischem Lächeln. Was einem Menschen auf einem Zionistenkongreß zu reden einfällt! Seit Zürich ist manches geschehen, was die Spötter und Zyniker ernüchtert hat. Eine Menge der Warnungen hat sich leider als berechtigt erwiesen. Es sind nicht nur die Unruhen gekommen, sondern auch deren Form hat sich geändert hinsichtlich der Strategik, des Umfanges usw. Es sind nicht mehr die ehemaligen Angriffe mit den wilden „Allah"-Ausrufen. Der Fortschritt, den wir ins Land hineingebracht haben, ist fühlbar. Die Modernisierung und Militarisierung der Nachbarstaaten wirkt sich auch auf Palästina aus. Dabei stehen wir erst am Anfang. — Was wir von einem irakischen oder syrischen oder saudischen arabischen Piloten erwarten können, läßt sich leicht vorstellen. Wir müssen darum aufhören mit unserer sentimentalen und jüdisch-intimen Kurzsichtigkeit. Die brithschalomistische Naivität ist für uns mit einer Menge bitterer Enttäuschungen verbunden. Jeder Tag bringt uns in wirtschaftlicher, politischer und hauptsächlich strategischer Hinsicht ernste Warnungen: Blicket zum Himmel! Das Luftmeer ist das Tätigkeitsfeld des modernen Menschen. Nehmt rechtzeitig eure Plätze ein, sonst werdet ihr in den Hintergrund gedrängt. Aber während ihr höher und höher fliegt und alle alten Begriffe umstoßt, vergeßt nicht, daß der einzig sichere Ort der K e 11 e r ist, der Keller, der dunkle, ungeachtete Ort, der jetzt im Zeichen des Fortschritts wieder zu Ehren kommt. Träumer und Welteroberer, Schöpfer und Revoltieren „In den Keller hinunter-!."

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