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Die neue Welt · 1937-04-01 · Heft 644 (1.4.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 644 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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'JamK» Seite 9 ©Bß NEUtrtVJBLT Nr. 644 vom 1. April 1937 i t <ii ,4| VIKTOR Mc. PAG«N»rscHA mm S'ENSAHONS'-GROSWM BINNIE BARNES1 0 EAN -OIXON WIIMAM HAU- ROTENTURM l„ STAFAvii., VOTIVPARK ix Amerikas Juden fordern Das Palästina*Mandat Aus New York wird gemeldet: Von Amerika wurde an die Kgl. Kommission nach London ein Memorandum geschickt, worin die Interessen der amerikanischen Judenheit am jüdischen Aufbauwerk in Palästina in den Vordergrund gestellt werden. Das Memorandum ist von der Zionistischen Organisation Amerikas, von der Frauenorganisation „Hadassah", vom Keren Kajemeth und Keren Hajessod Amerikas, von der „Palestine Economic Corporation", vom „American Committce for Palestine" u. a. gezeichnet. Das Memorandum enthält in seinem ersten Teil einen Hinweis auf die Vorgeschichte der Balfour-Deklaration und auf die Rolle, welche die amerikanischen Zionisten hiebei gespielt haben. Es wird bemerkt, daß im Jahre 1917 4000 junge Amerikaner sich freiwillig für die jüdische Legion in Palästina gemeldet haben, u. zw. auf Grund der Haltung der britischen Regierung, und daß im Einvernehmen mit der amerikanischen Regierung an die Palästina-Front ein vollständiges Sanitätskorps geschickt wurde. Später haben sich die amerikanischen Juden nachdrücklich für die Uehergäbe des Palästina-Mandats an England ausgesprochen, und der American Jewish Congress hat am 18. Dezember 1918 eine Resolution bezüglich der Unterstellung Palästinas unter das Protektorat Englands angenommen. Das geschah in einer Zeit, als die Mandatefrage noch nicht entschieden war und andere Mächte mit kräftigen Aspirationen auf das Palästina-Mandat hervortraten. Im Jahre 1919 wurde der Friedenskonferenz in Versailles eine Petition der amerikanischen Juden überreicht (welche von 523.048 Personen unterschrieben war), muß durchgeführt werden worin die Forderung aufgestellt war, England das Mandat zu übergeben. Ein ähnliches Memorandum wurde während der Friedenskonferenz dem Präsidenten Wilson seitens der damals in Paris anwesenden Führer des amerikanischen Judentums Uberreicht. Das Memorandum berichtet dann über alle weiteren Schritte der amerikanischen Juden bezüglich des Palästina- Mandats und erinnert auch an das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien vom Dezember 1924, laut welchem die Vereinigten Staaten das englische Mandat über Palästina anerkennen. Im weiteren Verlauf des Memorandums werden die materiellen Leistungen der amerikanischen Juden , für Palästina erwähnt. Amerika hat über 13 Millionen für den Keren Hajessod und dadurch Wesentliches zum Aufbau Palästinas beigesteuert. Umtob itkstm - Srnmeeik^ Durch die „Hadassah" hat Amerika das Sahitätswesert- Palästinas, durch das amerikanisch-jüdische Doktoren-Komitee die Hebräische Universität, durch das jüdische Arbeiterkomitee die Arbeiterkolonien gestützt. Unter diesen Umständen haben die amerikanischen Juden das Recht, zu fordern, daß England seine Verpflichtungen erfülle. Durch das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien ist auch die amerikanische Regierung indirekt für die Durchführung des Palästina-Mandats verantwortlich.. Rothschild an die Juden Amerikas Aus Paris wird gemeldet: Der Chef des französischen Hauses Rothschild, Baron Robert de R o t h s c h i 1 d, hat am 26. März vor Beginn des Sederabends über den Sender Paris eine Ansprache an die Juden Amerikas gerichtet, die in den Vereinigten Staaten im Rahmen der Sederabendsendung des Joint Distribution Committee verbreitet wurde: , „Es ist heute", führte der Baron aus, „der Vorabend des Pesaachfestes, der Sederabend, an dem Juden in aller Weit die Jahresfeier der Befreiung der Kinder Israels aus ägyptischer Knechtschaft begehen; durch alle Zeiten hindurch war es an diesem Tage jüdischer Brauch, den Armen und Hungrigen einzuladen, am Familientisch Platz zu nehmen und das Pessachfest mitzubegehen. Meine Verbindung mit dem französischen Hilfskomitee hat mir reichlich Gelegenheit geboten, zu sehen, wie sehr diese Tradition gegenseitiger Hilfe von dem American Joint Distribution Committee hochgehalten wird. Das Joint Distribution Committee half, hunderte und tausende verzweifelnder Männer, Frauen und Kinder zu retten, die, allen Gesetzen der Menschlichkeit und Zivilisation zum Hohn, Verfolgung und Demütigung jeder Art erwarten mußten. Nicht nur als Jude bin ich stolz darauf, allen amerikanischen Freunden, die dazu beigetragen haben, danken zu können, sondern als Bürger dieses Landes Frankreich, das in der Weltgeschichte das erste Land war, das 1791 allen auf seinem Gebiete lebenden Bürgern, auch den Juden, gleiche Rechte gewährte. Schweren Herzens muß ich euch sagen, daß es mehr denn je nottut, eure Arbeit für die Bedürftigen fortzusetzen.' An diese Worte knüpfte Baron Rothschild eine Einladung an die Amerikaner, Frankreich zu besuchen. Sie seien dort herzlicher Aufnahme sicher. Er schloß: „So entbiete ich denn in dieser festlichen Pessachzeit allen meinen Hörern jenseits des Ozeans im eigenen Namen und im Namen der Juden von Paris eine allerherzlichste Botschaft des Grußes und des Dankes. Lasset mich mit den Worten schließen, mit denen mein Vater uns am Morgen von Festtagen zu grüßen pflegte: Simcha wesirncha towa, möge dieser Tag ein glücklicher sein; allen meinen Hörern sage ich: Schalom Alechem, Friede sei mit euch." Die englischen luden huldigen Köniy Georg VI* Aus London: Die Deputation, die am 26. März König Georg VI. im Namen der englischen Judenheit eine Huldigungsadresse überreichte, setzte sich zusammen aus Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz, Neville Laski, Leonard Montcfiore, Lionel de Rothschild, Sir Osmond d'Avigdor Gold- «nid, Lionel Cohen, Gerald B&Jdjngtpn, Görden UvsxXß&nt Lady Spielmann, Leonard Stein, SirIzidore Salmon, A^ S. Diamond und A. G. Brotmah, ..... . Herr Lionel de Rothschild verlas folgende Adresse: „An des Königs Majestät! Wir, das Londoner Committee des Board of Deputies of British Jews, die gewählte und repräsentative Körperschaft der Juden des British Empire, treten in unserem eigenen und im .Namen der Juden im ganzen British Empire vor. Eure Mäjestä,t, um unsere aufrichtigen und verehrungsvollen Grüße anläßlich Eurer Majestät Thronbesteigung vorzubringen. A Wir möchten Eurer Majestät ehrbietig versichern, daß in* .den Aeußerungen der Ergebenheit und Treue für Euren Thron und Eure Person, die Eurer Majestät von treuen Untertanen jeden Glaubens und'jeder Rasse in allen'Teilen der Welt zugegangen sind, Eurer Majestät'Untertanen jüdischenGlaubensan Aufrichtigkeit und Tiefe des Gefühls niemandem nachstehen. Es ist unser heißes Gebet und unsere innige Hoffnung, daß Eure Majestät zusanimeti mit Eurer geliebten Königin-Gemahlin lange in Frieden und Glück regieren und sich der Liebe eines einigen und glücklichen Volkes erfreuen mögen." Der König erwiderte: „Es ist mir eine große. Freude, diese schöne Adresse entgegenzunehmen, die mich der Treue und Ergebenheit meiner Untertanen in der ganzen, Welt versichert. .Im Namen der Königin und in meinem eigenen Namendanke ich Ihnen für Ihre guten Wünsche." LUMAG FAHRRAD- F A B R I K Klnderwaganvttrkauf: VII, Neubaugatte 21 / XVII, Kulmoatto 34 X, LaxenburgarstraBa 82 / XX, JtfgaratraSa 41 Fahrradfabrik: VII, Burggass« 110 Bequeme Teilzahlung.' Kataloge gratis! KIHDERWAGEN- FABRIK von S 33.— //Was hat der lüde getan!" Aus London: Lloyd George veröffentlicht in der Aprilnummer des „Strand Magazine" unter der Ueberschrift „Was hat der Jude getan?" einen Artikel, in dem er ausführt: „Sicher sind die Juden die bemerkenswerteste Rasse, die je auf Erden lebte. Ob man sie liebt oder nicht, niemand kann leugnen, daß sie besondere Eigenschaften besitzen, die sie vor den meisten, wenn nicht allen Rassen, mit denen sie im Laufe ihrer langen Geschichte in Berührung kamen, auszeichnen. Allein die Tatsache ihres Fortbestehens als eine gesonderte Rasse, bei allen Widrigkeiten und Prüfungen, die sie erduldeten, demonstriert die ihnen innewohnende Vi talität.und ihren unbeherrschbaren Geist. Sie sind nicht (Jas einzige Volk, das durch die menschliche Barbarei Versklavung, Grausamkeit und Massakers unterworfenwurde. Aber Juda hat über alle seine Leiden triumphiert, .Durch dreißig Jahrhunderte haben die Juden Knechtschaft, Verhöhnung und Massenabschlachtungen erduldet, und doch sind sie fünfmal so zahlreich und um ein Vieli faches mächtiger, als sie es in den Tagen ihres höchsten nationalen Ruhmes waren. Sie haben sich ihren Rassenstolz bewahrt, an ihren nationalen Traditionen festge- ■ halten; sie sind ihrem Glauben ebenso eingeben wie zu der | Zeit, da Salomons goldener Tempel auf Moriah leuchtete." Lloyd George erörter! ""»-Jann „das unbegreifliche Mysterium" der Hartnäckif "i Intensität der Vev-' folgung der Juden durch <i Wunderte. Nach einem ' Hinweis auf die Haltung de- ' iien Völker, die, „obwohl einen Juden verehrend, cn verfolgen"; schließt Lloyd George: „ Als eine grogg Zahl aus Spanien «ertrleben.ejcßaiett 1 in die Türkei floh, wurden sie von dem Sultan Dajazet als eine wirkliche Bereicherung seines Landes willkommen 'geheißen. Die Worte aber, die er für die Spanier fand, welche die jüdische Intelligenz aus Spanien vertrieben, sind voller Bedeutung für gewisse europäische Herrscher heute: ,Ihr wagt es, Ferdinand von Spanien einen weisen Herrscher zu nennen, ihn, der sein eigenes Land armmachte und das unsrlge bereicherte.'" Anmerkung der Red. Die Erinnerung an die Dummheit des spanischen Ferdinand hat Lloyd George allerdings nicht daran gehindert, vor einigen Monaten, nach einem Besuch in Deutschland, Adolf Hitler als weisen Staatsmann zu preisen. Sie lehnen ab Aus Amsterdam: (J. T. A.) Mit großer Stimmenmehrheit lehnte der Senat der Universität Amsterdam die Einladung zur Teilnahme an der Feier des 200jährigen Bestehens derUniversitätGöttingen ab. Die Universität wird sich mit der Entsendung einer schriftlichen Gratulation begnügen, wie dies auch Im vergangenen Jahr anläßlich des 500jährigen Bestehens der Universität Heidelberg geschah. Die' Universität Amsterdam begründet ihre Ablehnung mit der-Unfreiheit der Wissenschaft in Hitler-Deutschland und dem Ausschluß von Gelehrten auf Grund ihrer Rasse und Religion. Großer Tempelbrand in New York Aus New York: (J. T. A.) Nach dem Pessach- Morgengottesdienst brach in der Westend Synagogue der Shaaray-Teflle-Gemeinde ein Feuer aus, das das Innere des Gebäudes vollständig vernichtete. Die Bundeslade und zwölf Thorarollen verbrannten. Der Schaden wird auf 200.000 Dollar geschätzt. Der christliche Synagogendiener Kindörman gab an, er habe schon bald nach Mitternachtin der Synagoge zwei Brandherde entdeckt. Daraus wird geschlossen, daß es sich unzweifelhaft um eine Brandstiftung handelt. Und zwar glaubt man, daß die Brandstifter in Nazikreisen zu suchen sind, da vor kurzem der in der Nähe der Synagoge gelegene Tempel Rodetli Sholem von Nazis mit Hakenkreuzen beschmiert worden war. 25 Detektive haben die Untersuchung aufgenommen. Der Synagogendiener Kinderman, der der Teilnahme an der Brandstiftung verdächtigt wird, wurde in Haft genommen. Jacob de Haas gestorben Aus New York wird gemeldet: Im Alter von 63 Jahren ist in New York nach mehrwöchiger Krankheit Jacob Judah Aaron de Haas, einer der ältesten Führer des polltischen Zionismus, zuletzt Präsident des Gründungskongresses der Neu-Zionistischen Organisation, einst; Privatsekretär Theodor; Herzls, gestorben. Jacob'de Haas "wurde am 13. August 1872 in London geboren, Er war Mitarbeiter verschiedener Tageszeitungen und in den Jahren 1896 bis 1900 Redakteur der Londoner „Jewish World". Im Juli 1896 schloß er sich Doktor Herzl als ehrenamtlicher Sekretär an. Auf Wunsch Herzls ging er im Mäi 1902 in die Vereinigten Staat e n. Von 1902 bis 1905 war er Sekretär des amerikanischen Zionistenverbandes. Der zionistischen Bewegung hatte sich de Haas schon 1892 angeschlossen. 1896 führte er Herzl in jüdische und politische Kreise Englands ein. Er blieb mit Herzl bis zu dessen Tode in persönlichem Kontakt. Vom März 1916 bis zum Mai 1921 war de Haas Sekretär der Exekutive des provisorischen zionistischen Komitees und des Verbandes amerikanischer Zionisten. 1919 gehörte er der jüdischen Delegation beim Friedenskongreß in Paris an. 1921 bis 1924. war er Sekretär der Palestine Development League und des Palestine Endowment Fund. Seinen Bemühungen war es zu verdanken, daß Richter Louis D. Brandeis für die zionistische Bewegung gewonnen wurde. Mit Brandeis hat er 1919, 1924 und 1925 Palästina besucht. Beim Ersten Zionistenkongreß 1897 war de Haas englischer Kongreßsekretär. Von 1897 bis 1905 gehörte er dem Großen Aktionskomitee an. Er veröffentlichte biographische Studien über Theodor Herzl und Louis D. Brandeis, gab Herzls „Judenstaat" im Jahre 1904 in englischer Sprache heraus und schrieb 1930 zusammen mit Stephen Wise ein Buch über die englische Palästina-Politik unter dem Titel „The Grcat Betrayal". Innerzionistisch stand er bereits seit einer Reihe von Jahren Wladimir Jabotinsky nahe, hat sich seiner Bewegung jedoch erst unmittelbar vor dem Wiener GrUndungskongreß der Neu-Zionistischen Organisation int Sommer 1935 angeschlossen. Das Geheimnis um Helmut Hirsch Aus London (J. T. A.): „News Chronicle" bringt einen Bericht seines Berliner Korrespondenten, der offen* bar aus Nazikreisen inspiriert ist. Danach neigt man in der Reichshauptstadt vielfach zu der Annahme, daß ein erfolgloses Attentat auf Hitler oder einen anderen hervorragenden Staatsmann eine Erklärung für das myste« riöse Todesurteil gegen den „staatenlosen Juden Helmut Hirsch" ist. Das Todesurteil sei zwölf Tage vor seiner Bekanntmachung gefällt, die Verhandlung selbst geheim geführt worden. Acht Tage nach der Urteilsfällung habe Göring in einer Ansprache an dla Armee die Möglichkeit einer Ermordung Hitlesr oder eines „feigen Attentateverswchs" auf den Reichskanzler erwähnt. Diese Stelle der Göring-Rede sei im amtlichen Wortlaut gestrichen worden. Hirsch wurde wegen Hochverrats verurteilt, und „News Chronicle" weist darauf hin, daß in der deutschen Rechtssprache ein Komplott gegen das Staatsoberhaupt oder gegen die Staatsform unter den Begriff „Hochverrat" fällt, während Spionage und ähnli&M &1* hlm&mzraVt g0m . ■;>~*q*Vl£.a?^'1«,

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