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Die neue Welt · 1937-03-26 · Heft 643 (26.3.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 643 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 643 vom 26. März 1937 DIE NEUE WELT fcfeite & töadmsfUfyd tu Senium und Christentum „Es gibt keine Weltanschauungen und Religionen, die öo viel U eher einstimmendes haben wie Judentum und Christentum. Ein ungeheures Geistesgut aus der alttestamentarischen Bibel ist beiden Religionen gemeinsam, die Aussprüche jüdischer Weiser, die Psalmen ihrer hei' Ugen Sänger sind die Gebete der Kirche und ihrer Priester. Unsere Kirchen tragen die Bilder jüdischer Patriarchen als Heilige. Daß Moses, von der Hand Michel' angelos gemeißelt, in der Zentrale des Christentums, in Rom, steht, als Heiliger, als Lehrer, als Gesetzgeber, als Prophet, der auch uns Christen gehört, ist ein beredtes Zeugnis vom, Einklang des Judentums und Christentums. Wo immer ein Kampf gegen unsere Grundlagen der Religion und Kultur losgeht, da sollten Juden und Christen gemeinsam Gemeinsames verteidigen. Pater Dr. H. Fiala (Wien, 1917). Die alten Klagen „Die Politik der Palästina-Regierung ist bisher hinsichtlich der landwirtschaftlichen Kredite eine zufällige und bürokratische gewesen. Diese Politik ist nicht zielbewußt und verfolgt keinen klaren Plan; die Notwendigkeiten der jüdischen Landwirtschaft wurden außer acht gelassen. Es wurde kein anpassungsfähiger Apparat geschaffen, sondern man hat die Kreditverwaltung in die Hände von Regierungsbeamten gelegt, die weder über besonderes Fachwissen verfügen noch Sympathie oder Einsicht für die Erfordernisse und Probleme des paläatinensischen Landtoirtes haben." Dr. J. Gelfat (Tel-Aviv). Das Tatsächliche genügt „Die nationalsozialistische Parteipresse führt periodisch darüber Klage, daß in der Auslandspresse so viele ungünstige Dinge über das Dritte Reich berichtet würden. Das ist richtig, wie es wahr ist, daß eine gewisse Weltpresse glaubt, für den Antisemitismus des Dritten Reiches durch Lügenmeldungen Revanche üben zu sollen, als ob das Tatsächliche nicht reichte, die Zustände im Dritten Reich zu kennzeichnen." „Reichspost" (Wien, März 1937). Eine Herzl^Wort-Variante„ „In Herzls Tagebüchern findet sich an einer Stelle der r%tz, man werde eines Tages die Juden in den einen Ländern verjagen und in anderen, in die sie sich flüchten, erschlagen. Für unsere Zeit kann man dieses verzweiflungsvolle Wort etwa dahin variieren, die Welt zerfalle in zwei Gruppen von Ländern: in solche, die die Juden vertreiben und in solche, die sie nicht aufnehmen wollen" Hugo Marx, „Jüdische Pressezentrale", Zürich. SynipathicftHungerstreik „Die jüdischen Studenten der Universität Wien haben zum Zeichen ihrer Sympathie für die in Polen im Kampfe gegen die Einführung von Ghetto-Bänken stehenden jüdischen Studenten einen vierundzwanzigstündigen Hungerstreik proklamiert. Der Sonntag, llf. März, wurde als Fasttag begangen. Die Mensa academica judaica war geschlossen.'' J.-T.-A.-Meldung aus Wien, 1937. DAS IST DAS ECHTE Wieder ein Justizmord Aus Prag (J. T. A.): Offiziell wird in Berlin bekanntgegeben, daß „der staatenlose JudeHelmut Hirsch durch das Urteil des II. Senats des Volksgerichtshofes vom 8. März 1937 wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Sprengstoff verbrechen zum Tode verurteilt wurde". Ueber den Verlauf des Prozesses und seine Grundlagen wird nichts bekanntgegeben. Die Art der Ankündigung zeigt eindeutig, daß propagandistische Wirkung bezweckt wird. Niemand wird glauben, daß ein staatenloser Jude im heutigen Deutschland irgend etwas mit Hochverrat oder Sprengßtoffverbrechen zu tun haben könne. Man erinnert sich daran, daß in dem Horst -We s s e 1 - P r o z e ß ein Jude, der aus Polen stammende Kunstmaler Eckstein, willkürlich hineingezogen und zum Tode verurteilt und auch hingerichtet wurde. Dieser Prozeß wurde öffentlich ' geführt. Es ergab sich, daß Eckstein nichts mit dem Mord an Horst Wessel zu tun gehabt hat, sondern daß er, als sich vor dem Mordhause Menschen ansammelten, als ein unbeteiligter Passant ebenfalls stehen blieb, um zu erfahren, was los sei. Im ersten Horst-Wessel-Prozeß, der noch unter der Weimar erRepublik stattfand —- es ergab sich, daß es sich gar nicht um einen politischen Mord, sondern um die Austragung von Händeln unter Zuhältern gehandelt hat —, wurde Eckstein als Zeuge vernommen und sagte ungünstig für das Zuhältermilieu, in dem sich Horst Wessel bewegte, aus. Das wurde ihm zum Verhängnis. Als dann im Dritten Reich der zweite Horst-Wessel-Prozeß als ein „politischer Mordprozeß" aufgemacht wurde, wurde er willkürlich hineingezerrt. Eine jüdische Sozialfürsorgerin, die im ersten Prozeß ebenfalls als Zeugin über das „Milieu" ausgesagt hatte, wurde nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten durch Deutschland verfolgt, schließlich in Breslau, wo sie im Hause ihrer Eltern Schutz. suchte, erreicht uhcl dort errnoräet. &hv^--M%. NEROL NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Jtit grüßte, d<4 et Jude ist ..." Vor kurzem ereignete sich in Palästina eine scheußliche Mordtat. Ein Araber erschien in einem jüdischen Orangengarten und sprach einen dort tätigen Arbeiter an. Es entwickelte sich ein freundschaftliches Gespräch. Schließlich holte der Arbeiter einige Orangen und bot sie dem Araber als Geschenk an. Da zog der Araber eine Pistole, schoß den Arbeiter nieder und ergriff die Flucht. Das Opfer,, der christliche polnische Staatsangehörige Stanislaus Sluga, wurde ins jüdische Spital gebracht und starb dort nach. einigen Tagen. Der Mörder wurde ergriffen. Er ist Mitglied einer arabischen Terrorbande. Nachstehend die Schilderung der Verfolgung und Festnahme. Die erste polizeiliche Untersuchung nach dem Morde an Sluga im Orangengarten (Pardess) bei Ness-Ziona führte zu keinem Ergebnis. Am zweiten Tage wurde die Untersuchung fortgesetzt, diesmal mit Hilfe eines Polizeihundes. Die Schwierigkeit bestand darin, daß auf dem Gelände des Pardess nur eine einzige schwache Fußspur des Täters entdeckt wurde. Ferner wurde ein schmutziges Taschentuch gefunden, das der Mörder anscheinend auf der Flucht vom Tatorte verloren hatte. Der Polizeibeamte, unter dessen Kontrolle die Polizeihunde stehen, führte den Hund zur Fußspur. Der Hund beroch die Spur und lief dann durch die Bäume des Pardess bis zu einem benachbarten Sandhügel und von dort zum arabischen Dorfe Nebi- Rubin, das drei Kilometer vom Tatorte entfernt liegt. Der Hund machte vor einem niedrigen Häuschen halt, setzte sich auf die Hinterpfoten und bellte dreimal. Die Polizei drang in das Haus ein und fand dort nur eine alte arabische Frau. Auf die Frage, wer in dem Hause wohne, erklärte die Alte, daß sie allein mit ihrem Manne, der im Alter von 65 Jahren stehe, das Haus bewohnt. Inzwischen aber fuhr der Hund fort, im Hause selbst herumzuschnuppern, lief in einen Winkel, schleppte ein Paar Hosen hervor und brachte sie dem Polizisten. Als die Alte gefragt wurde, wem die Hosen gehören, begann sie zu stammeln. Später aber erklärte sie, daß die Hosen ihrem Sohne gehören, der in Jaffa arbeitet. Ein arabischer Polizist, der sich an der Untersuchung beteiligte, erinnerte sich, daß nach der vom angeschossenen Sluga gegebenen Beschreibung der Araber einen Fleck im Gesicht hatte. Er wandte sich an die alte Frau und fragte sie: „Ja, ich kenne doch Ihren Sohn! Er hat einen kleinen Fleck im Gesicht?". „Ja, das ist er. Gestern ist er nach Jaffa gefahren, er arbeitet dort", antwortete die Alte und gab ihm die Adresse der Garage in Jaffa an, in welcher der Sohn tätig ist. Als die Polizei das Haus verlassen hatte, fuhr der Hund fort, herumzuschnuppern, und führte zur Chaussee, zu dem Platze, an dem der Täter, wie sich später herausgestellt hat, in den Autobus stieg, um nach Jaffa zu fahren. In Kenntnis dieser bedeutsamen Anhaltspunkte, fuhr die Polizei sofort nach Jaffa und verhaftete den Täter. Das Aussehen des Verhafteten stimmte in jeder Einzelheit mit der Beschreibung überein, die von Stanislau Sluga, gegeben worden war. Der. Verhaftete wurde ins Gefängnis gebracht, wo die Polizei bald einen Identifizierungsversuch mit Hilfe des Polizeihundes vornah.m Der Verdächtigte wurde in eine Reihe mit einer Anzahl von Arabern aufgestellt. Der Hund befand sich während dieser Vorbereitungen in einem anderen Zimmer. Er sah keinen der Konfrontierten. Erst als alle an der Konfrontation Beteiligten bereits in Reih und Glied aufgestellt waren, wurde der Hund hineingelassen. Man gab ihm das Taschentuch, das am Tatorte gefunden worden war, zu riechen. Der Hund lief dann auf die Reihe der Araber zu, begann mit erhobenem Kopfe von einem zum anderen zu laufen und zu schnuppern. Als er zu dem Verhafteten kam, blieb er stehen, legte seine Vorderpfoten auf die Schultern des Verdächtigten und bellte dreimal. Erst auf Befehl seines Instruktors ließ der Hund von dem Verdächtigten ab, der bleich wurde und zu zittern begann. Nach dieser Prozedur führte die Polizei den Mann in das „Hadassa"-Krankenhaus nach Tel-Aviv zu einer Konfrontation mit dem tödlich verwundeten Sluga. Auch diesmal fand die Konfrontation unter Teilnahme einer Anzahl von Arabern statt, die in ihrem Aussehen dem Verdächtigten ähnelten. Sie alle gingen am Bette des Verwundeten vorüber, der ohne zu schwanken, auf den Verhafteten wies. Um zu beweisen, daß er sich nicht irre, bat Sluga die Polizei, man möge dem Verdächtigten den Schuh von rechten Fuß ziehen. „Ich erinnere mich", sagte Sluga, „daß der Mann, der auf mich geschossen hat, eine Wunde am rechten Fuß hatte". Als der Verhaftete, der die ganze Zeit hindurch starke Nervosität gezeigt hatte, dies hörte, begann er am ganzen Körper zu zittern und wollte den Schuh nicht ausziehen. Die Polizei zwang ihn jedoch dazu und stellte fest, daß er tatsächlich eine Wunde am rechten Fuß hatte. Der Verhaftete wurde wieder ins Gefängnis gebracht, wo er am nächsten Morgen das Verbrechen eingestand. Auf die Frage des Polizeioffiziers, weshalb er auf einen Menschen geschossen habe, der sich mit ihm freundlich unterhalten und ihm Orangen angeboten hatte, antwortete der Araber: „Ich glaubte, daß er ein Jude ist. Hätte ich gewußt, daß er ein Christ ist, hätte ich nicht auf ihn geschossen." Oie Arbeit des Keren Kajemefh Die Pessachaktion — die österreichische Aktion für die Erlösung von Hule und Obergaliläa. Die von der Behörde bewilligte, am 11. und 12. April stattfindende Haussammlung steht im Zeichen dieses neuen kolonisatorischen Vorstoßes in Erez Israel.' Die technischen und organisatorischen Vorarbeiten sind in vollem Gange. Vorerst haben alle Mitarbeiter (Selbstkontingentler und Keren-Kajemeth-Kommissäre) die noch ausständigen Formulare für die Behörde dem KKL. zu übergeben, In den Tempeln und Bethäusern werden Thoraspenden am Pessachfest für diese Galilaktion gemacht werden. Unsere KKL.-Vertrauensmänner in den Tempeln haben in diesem wahrhaft großen Moment ihren Mann zu stellen. Die März-Büchsenleerung muß termingerecht abgeschlossen werden, damit die Pessachaktion nicht leide,............

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