Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 641 (19.3.1937)
- Date
- 1937-03-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 MB NEUE WELT Nr. 641 vom 19. März 1937 tme poße füdiscke Aufarte Von Julius Chajes (Tel-Aviv) Seit drei Jahren ist der junge jüdische Komponist Julius Chajes, der aus dem rabbinischen Haus Chajes stammt, in Palästina als Lehrer am Konservatorium (Tel-Aviv) tätig. Seine Bestrebungen gehen, wie aus dem untenstehenden Aufsatz ersichtlich, über den Rahmen seines pädagogischen und kompositorischen Berufs hinaus. Julius Chajes fühlt sich für die Aufgabe, eine neue jüdische Kultur in Palästina zu schaffen, mitverantwortlich Das Judentum steht heute vor einer Aufgabe, die vielleicht die schwerste seit Beginn seiner Geschichte ist: das Fundament einer neuen Kultur zu schaffen. Als wir aus Aegypten zogen, hatten wir einen großen geistigen Führer: Moses. Damals war unser Volk viel kleiner, so daß ein Führer genügen konnte; allerdings ein Führer, dessen geistige Potenz die höchste Grenze erreichte, wie sie nach dem Ausspruch unserer Weisen auch in fernerer Zukunft nicht mehr erreicht werden wird. Und doch wissen wir, wie schwer es Moses hatte: ,,Ein hartnäckiges Volk ist es" — aber mit unsagbarer Liebe seinem Volke ergeben, ließ er sich von seinem Ziel nicht abbringen — als er selbst seine Allernächsten (Bruder und Schwester) gegen sich gerichtet sah — sein Volk in das verheißene Land zu bringen, und er gab ihm neue Gesetze, die es im „alt -neuen" Lande ausüben sollte. Als wir das zweite Mal (nach der babylonischen Gefangenschaft) unser Land betraten, hatten wir nicht mehr einen geistigen Führer, sondern mehrere, und zwar: die Propheten. Diesmal bekamen wir nicht mehr neue Gesetze, aber eine neue Deutung. Die Propheten predigten nämlich, daß es Gott weniger auf äußerlichen Gebets- und Opferdienst als vielmehr auf Reinheit des Herzens ankomme. Unser Volk war damals nicht fähig, den hohen ethischen Wert unserer Religion zu begreifen, und die Verfallszeit war trotz Mahnungen der Propheten nicht aufzuhalten. So beschlossen die großen Männer der Synode: „Machet einen Zaun um das Gesetz!" Wir hatten die Rolle der Erhalter übernommen. Bereits zweieinhalb Jahrtausende sind wir E rh a 11 e r unserer früheren Kulturgüter. Wir sind inzwischen mit den bedeutendsten Kulturen in unmittelbare Fühlung getreten und haben viel zugelernt. Heute betreten wir nun zum dritten Male unser „alt-neues" Land. Ats& beeren wie utuS bevtifnhd .... an den SEBERßBENDEN im Restaurant A. BARSCHAK Wien II, Große Schiffgasse 3, Telephon A-46-4-39 unter Aufsicht Sr. Ehrw. Jlerrn Rabbiner Josef Babad Berühmt seine ungar. Weine, Palästina-Weine, Met, Slibowitr' Kognak von S 2.— per Liter aufwärts. Besonders empfehlenswert: Seine streng koschere Küche nos •? w iü3 Wollen wir uns weiterhin mit der Rolle der E rh a 11 e r begnügen oder wieder auf eigenem Boden der Menschheit ein neues Werk schaffen, das die Erfüllung dessen sein soll, was in unserem ersten großen Werk — das wir auf eigenem Boden geschaffen haben: der Bibel — prophezeit wurde: Messianismus? Wenn wir Erhalter bleiben wollen, dann lassen wir jenen „Zaun um das Gesetz", wenn wir aber wieder ein schöpferisches Volk werden wollen, dann brauchen wir eine neue Deutung unserer Gesetze, die, wie es die Propheten taten, mehr den Sinn als die Worte erklärt. Während alle anderen Religionen mehr von „jenem" Reich als von „diesem" sprechen, mehr vom „geistigen" Reich als vom „materiellen", ist unsere Religion eine Religion des realen, diesseitigen Lebens. Während andere Religionen Enthaltsamkeit und Entsagung, als Vorbereitung für „jenes" Leben predigen, verlangt unsere Religion Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung als Vorbereitung für das messianische Zeitalter, das für das „diesseitige" Leben vorausgesagt wurde. Unsere Bibel leuchtet als ewiges Licht auf unserem Wege. Die Frage einer neuen Deutung des Sinne b unserer Gesetze ist bei uns in Erez Israel bereits sehr aktuell geworden und bedarf einer dringenden Lösung. Bei einer neuen Deutung müßte vor allem beachtet werden, daß einzelne Wort-Begriffe im Leben des heutigen Menschen eine neue Stellung einnehmen, so z. B. der so wichtige Begriff: Arbeit, dessen Klärung für das Einhalten des „Sabbats" (der unter unseren Gesetzen eine königliche Stellung einnimmt) von höchster Bedeutung ist. Es m üßten große jüdische schöpf * rische Geister sich endlich auf sich selbst besinnen, die Geschichten der Römer, Griechen, Deutschen, Inder und Chinesen auf die Seite legen und ein wenig in ihrer eigenen Geschichte blättern. Wir brauchen geistige Führer, nicht geistvolle, sondern geistschöpferische Führer! Wir sind kurzsichtig und wissen, daß bis auf ganz wenige Ausnahmen die großen jüdischen Geister im Galuth leben und mit der Kultur des Landes, in dem sie leben, geistig verbunden sind. Diese alle sehen an dem neuen Aufbau Erez Israels vorbei, die anderen schauen halb skeptisch unserem neuen Werden zu und legen der ganzen Angelegenheit keine allzu große Bedeutung bei. Wenn sie aber, durch Zufall oder von Neugierde getrieben, einmal unser Land betreten, dann fühlen sie, daß sie nur hieher gehören, und ihre Seele an dieses Land gebunden ist. Die heutige Weltkrise ist eine Kulturkrise. Ueberall Dekadenz — Verfallszeit. Wie ein leuchtender Stern in dunkler Nacht erscheint ein kleines, verwüstetes Land und ruft seine Söhne — alle seine Söhne — zur Mitarbeit.. Wir brauchen eure Hilfe, denn es gilt: das Fundament einer neuen Kultur zu schaffen. IGRABSTEINE,» «»»••«« (OHM AUS 0 I N Wf RK.STATT EM WUUAN-& NEUBRUNN ARfNNWEG 110' ST. MARX * SEIT l8<?2 Kinderelend in Jerusalem Aus dem Märzheft der von Dr. Leon Koppel (Wien) herausgegebenen Revue „Die Nation": Motza - Schabbat (Samstag Abend) gegen 9 Uhr: die King-George-Straße, eine der verkehrsreichsten Straßen der Jerusalemer City ist erfüllt von trubelndem Leben. Man geht oder kommt in oder von den Cafes, Kinos, Tanzlokalen oder promeniert, um den lauen Abend zu genießen und die sabbatlich gekleideten Menschen an sich vorbeitreiben zu lassen. Niemand bemerkt den kleinen Jungen, der zusammengekauert vor dem erleuchteten Schaufenster einer Konditorei eingeschlafen ist. Ich mache einen Policemann auf den armen Jungen aufmerksam. Mit einem unwirschen Stoß wird der kleine Schläfer geweckt und . . . weitergejagt, statt daß man sich seiner annähme und ihn, den Obdachlosen, in ein Asyl oder Kinderheim einlieferte. Die Not mancher Kinder in Jerusalem (und wohl auch im übrigen Lande) ist himmelschreiend. Vor wenigen Tagen sah ich z. B. auf der Ben- Yehuda-Straße einen etwa zehnjährigen Knaben vor Entkräftung zusammenbrechen. Der Beklagenswerte lag fast reglos mitten auf der Straße und die Passanten . . . gingen an ihm vorüber. Einer meiner ersten Eindrücke in Jerusalem war dieses Bild: ein etwa sechsjähriger, entsetzlich verwahrloster Knabe kauerte Nachts, 11 Uhr, in einem Torbogen an der Jaffastraße. Als ich den Kleinen (auf hebräisch) ansprach, rannte er, statt Antwort zu geben (vielleicht verstand er nur Arabisch oder eine andere Sprache), geängstigt davon. Diese unglücklichen Kinder erwarten von einem Erwachsenen nur davongejagt zu werden, auf Hilfe rechnen sie nicht mehr. Diese frühzeitig Resignierten aber stellen eine ungeheure Gefahr dar. Die kindlichen Bettler von heute sind die Verbrecher von morgen. Hartherzigkeit und Gleichgültigkeit ihrer Umwelt treibt sie in die Arme des Verbrechens. Diese Kinder sind wohl zum größeren Teil Araber, aber es befinden sich auch Juden (vor allem orientalische) unter ihnen. Aber gleichviel: unsere Pflicht ist es, hier zu helfen, ohne die Abstammungsfrage zu stellen. Das Kinderelend in Jerusalem ist so über die Maßen furchtbar, daß wir keinen Tag länger zögern dürfen, ihm energischest entgegenzutreten. Aber nicht nur diesen Allerärmsten muß geholfen werden. Auch die Hunderte, ja Tausende arbeitender, schwer arbeitender Kinder, die weder Zeit zum Lernen noch zum Spielen haben, müssen befreit werden. Die Kinderarbeit, vor allem die ungemein verbreitete jüdische Kinderarbeit, ist ein Schandfleck unseres Aufbauwerkes, den es raschestens zu tilgen gilt. Es ist eine Sünde, kleine, schmächtige Mädchen als Dienstboten zu schwerster Hausarbeit anzuhalten, Knaben unter zehn Jahren (!) zu lächerlichen Hungerlöhnen als Fahrstuhlführer zu beschäftigen oder mit Zeitungen auf die Straße zu schicken. Es ist ebenso dumm wie unverantwortlich, derartige Mißstände damit abtun zu wollen, daß man auf Yorlrefllich-Mazzolh werden unter Aufsicht des ehrw. orth. Rabblnats der Israel. Kultusgemeinde Wien, Oberrabbiner Babad, erzeugt V3«a non «3^ hh: d«i3 nmnn Vortroflfich-Masxofh brauchen keine Reklamemärchen, um populär zu werden. Durch ihre Qualität allein führend vor allem anderen, weil sie aus feinstem 0 gr. Weizenmehl, auf echten Spezial- Lehmöfen gebacken sind. Billigkeit trotz prima Qualität, weil keine großen Ausgaben für Reklame und Aufmachung, das Prinzip ist: täglich frische Vortrefflich. Mazzoth, Grieß, Mehl, Farwel und Patent (Reibach). Verkaufsstellen in allen Bezirken Wiens. In der Fabrik kein Detail-Verkauf. Kosten Sie und Sie sagen: Ulflich nur Vortrefflich-Mazzothprodukte zu Pessach I den orientalischen Charakter Palästinas verweist. Nun wohl, wir sind nach Palästina gegangen, aber nicht, um dort alles „orientalische" Uebel zu tolerieren, sondern ein neues Land mit besseren Lebensverhältnissen (für alle!) aufzubauen. S. B. C. Klassisches und Bassisches DU mm lleuuc von Bobby Weiser und Viktor Schlesinger KINO*PROGRAMME KREUZ-KINO i, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Vorstellungen: *, V»t, V*10 Geborene Verbrecher Lewis Slone, Betty Grabt» VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: %*, 6, Vt«, V*10 Stan Laurel und Oliver Hardy Weltmeister der Dummheit STAFA, VII Marlahi If erstraße 120 Telephon B-33-0-68 Wochentags: Vhk, *, 7 u.? Achtung, UeüßrfallsKommanöo! NESTROY-KINO II, Praterstraße 34 Telephon R-41-707 Täglich: *, %6, '/««, VoiO 19. bis 22. März Rausch einer Höcht Nach der Meisternovelle ,.Angst" von Stefan Zweig, mit Gaby Morlfly Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) England: Männer sind keine Götter — Dunklo Geschäfte. Frankreich: Schlafwagen Paris—Toulon — Die schuldige Stimme. Amerika: Skandal in der Oper — Amigo — Fury — Fünflinge geboren'— Herrin der Dschungel — Romeo und Julia — Gefährliche Fracht — Die lieben Verwandten — Mordende Augen — Swing Time — Sturm Uber England — Drei süße Mädels — Rausch einer Nacht — Razzia im Südexpreß — Maria Stuart — Hinter der Maske — Weltmeister der Dummheit — König des Lachens. — Süßer kleiner Fratz — Geborene Verbrecher. Filme unter Arierparagrapli Burgtheater — Ernte — Das Geheimnis eines alten Hauses — Letzte Grüße von Mario — Der Jäger von Fall — Das Hofkonzert — Die Nacht mit dem Kaiser — Diener lassen bitten — Ritt in dio Freiheit — Es geht um mein Leben — Der Mann, von dem man spricht — Premiere — Panzerkreuzer Sebastopol — Fridericus — Sein größter Erfolg — Truxa — Stadt Anatol — Donner, Blitz und Sonnenschein — Frauenliebe-Frauenleid — Ball im Metropol — Das schöne Fräulein Schragg — Kinderarzt Dr. Engel — Der Mitternachtskönig — Das Veilchen vom Postdamer Platz — Sein bester Freund — Die gläserne Kugel — Der Herrscher — Die Kreutzersonate. WarnerBros. hat in seinem Lustspielfilm „König des Lachens" Europa mit einem genialen Komiker beschenkt, mit E. B r o w n, der eine neue Filmkomik gestaltet. Zusammen mit Mali Picon, der unvergessenen jüdischen Schauspielerin, führt er den „König dos Lachens" zu einem durchschlagenden Erfolg. Warum essen wir //Mazzoth" t Fraglos kennt jeder Jude die Antwort auf diese Frage. Sollte es doch einzelne geben, dio es nicht genau wissen, warum wir am Pessach „Mazzoth" essen, dann mögen diese es In der „Hagadah" nachlesen oder es sich vom Jüngsten in ihrer Familie erzählen lassen. Warum essen wir „Strum-Mazzoth"? Auf diese Frage werden sicherlich viele tausende erfahrende Hausfrauen die gleiche Antwort geben... weil „Strum-Mazzoth" seit Jahren als die besten und bekömmlichsten erkannt und anerkannt wurden. Besonders beliebt sind Struma „runde" Mazzoth, eine Spezialität dieses vorzüglichen österreichischen Mazzotherzeugers. Die rituelle Aufsicht besorgen drei Maschgichim des ehrw. Rabbinate der Israelitischen Kultusgemeinde. Wer Strum-Mazzoth kauft, hilft auch armen jüdischen Arbeitern, da die Firma Strum Chawerim melden sich täglich zwischen 6 und 7 Uhr fast AUM«büeßlicfe jüdische Arbeiter beschäftigt, H <