Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 641 (19.3.1937)
- Date
- 1937-03-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 641 vom 19. März 1937 DIE NEUE WELT S<?ite 7 Joachim Prinz Demnächst erscheint im Verlag Erwin Löwe (Berlin) ein Buch von Rabb. Doktor Joachim Prinz „Das Leben im Ghetto — Jüdisches Schicksal in fünf Städten", das auf Grund eines 1936/37 in der Bialik-Lehr« stätto (Berlin) abgehaltenen Vortragsreihe entstanden ist. Joachim Prinz gehört zu den führenden Männern des deutschen Judentums. In seinem Buch gibt er einen fesselnden Ueberblick über geschichtliche Vorgänge vom Gesichtspunkt jüdischer städtischer Zentren aus. (Anm. d. Red.) Das ist Amsterdam: Der Himmel ist verhangen, die Luft ist diesig, die Sonne dringt selten durch, die Gassen sind tief und lang, die Häuser schmal und hoch mit spitzen Giebeln, die wie Treppen aufsteigen. Die Straße, die im Süden das Leben birgt und nicht nur von Nichtstuern, Tagedieben und solchen, die sonst über genügend freie Zeit zu verfügen scheinen, voll ist, sondern auch von ehrsamen Bürgern, wird hier nur die Verbindung des Hauses mit der Außenwelt. Das wirkliche Leben aber spielt sich in den Häusern ab. Die öffnen ihre Tore rasch ins Innere. Ohne große Ueberlegungen und Umschweife gelangt man in die Gemächer, und dann ist man in einer eigenen Welt. Diese Welt hat ihren künstlerischen Ausdruck im Interieur gefunden und im Stillleben. Ein Blick auf einen solchen gedeckten Tisch, KUNDMACHUNG! " Echt -iü3 . ZucherliRcherel- und Sctioholadewaren 'nos eigener Erzeugung unter Aufsicht der Adas Jisroel Schiffschul bekommt man einzig nur bei der Firma Abraham Leib Pomeranz sr^tsSrerpÄ Verkäufslokal: II, Floßgasse 7 Schokoladewaren u. Haselnußtorten (Fa. Pischiuger) rjöö?v ein Blick auch in eine niederländische Küche, wo Fische und Krebse auf dem Boden liegen, riesige Körbe Gemüse, Obst, Wild, Geflügel und Gewürze in unwahrscheinlichen Mengen bergen, dazu die Frauen, die in wohlgesitteter Behäbigkeit* die Kostbarkeiten registrieren und bereiten — das ist diese Welt! Die Zimmer sind durch kleine Butzenscheiben geschützt. Kein Fremder, kann , hineinbücken. Denn hier wünscht der Bürger in seiner Welt zu leben.'Es'ist nicht-das Schlaraffenland Pieter; B r u e g h e 1 s, in dem man sich nur wohlig ausstreckte, und in dem die Tiere mit bereiten Messern herumliefen, und nicht das lustige Raufleben der Bauernhochzeiten auf dem Lande, das lieben der Fresser von Brouwer und Frans Hals. Aber es ist ein Leben mit heute unvorstellbarer Behaglichkeit und einer ganz renaissancefremden Vorstellung und Wirklichkeit einer Familie. Das Familienbildnis ist ein wichtiger Ausdruck dieses Lebens. Aber zu alldem gehört Fleiß, Nüchternheit, Emsigkeit, Gewerbesinn, Weitblick, das Leben der Kaufherren, der Reeder, der Seefahrer und der Zünfte. Dieses gefestigte Bürgertum schuf einen ungeahnten Reichtum in der Malerei: Der Holländer van Dyk malt in England vornehme höfische Bilder. Die Brueghels, Hals, Rubens, Brouwer und der Maler Rembrandt Harmensz van Rijn schufen unvergängliche Denkmäler dieser Zeit. Der geistige Himmel aber wird beherrscht von Kepplers Erneuerung des kopernikanischen Systems, von Galileis wissenschaftlicher Mechanik, von Bacons experimentierender Philosophie, von Descartes' Grundlegung des Denkens und von Shakespeares tragischem Genie. In die Ströme einer solchen Welt wurde das lieben in der Judenstadt von Amsterdam gebettet, denn eine solche Judenstadt, die J o od e ngt raat, entstand bald. Die Prophezeiung des Uri Halevi ging sehr schnell in Erfüllung. Haus reihte sich an Haus, und es waren zum Teil sehr respektable und ansehnliche Häuser, die da entstanden, mit schönen Fassaden und holländischen Innenräumen, die zu dem spanischen Leben der Einwohner sehr merkwürdig und farbig kontrastierten. Die Freiheit ider Niederlande, die sich nach der Utrechter Union mehr und mehr durchsetzte, macht das Land zu einer wirklichen Heimstätte für die Vertriebenen. Und wenn man von der Judenstadt in Amsterdam als von einem „neuen Jerusalem" sprach, so meinte man diese Freiheit. Schon 1598 wird die erste Synagoge errichtet. .Wenige Jahre später gibt es zwei andere. Die Unsicherheit der „Juden im Bewußtsein" tastete in den ersten Jahren nach der Hilfe derer, die Jahrtausende, ohne daß die Kette je abgerissen wäre, Juden waren, und so mag es zu erklären sein, daß es zuerst aschkenasische Rabbiner waren, die die Gemeinde führten. Auch später wandte man sich oft an die großen 'Judenstädte im Osten, etwa nach Wilna, um Entscheidungen zu erhalten^ Die Aschkenasim waren ihnen doch die volleren Juden, die mit größerer Selbstverständlichkeit ihr Judenleben führten, und die nie in das schnöde und nun bald vergessene Gewand des bloßen Traumes .und des Bewußtseins hatten WARUM nur STRUM-M AZZOTK J DIE WUNDERBARE MARKENWARE« STRIIM-MAZZOTH GRIESS UNO M£HL STRUM-MAZZOTH GR.ESS UNO FARVEL STRUM-MAZZOTH GRIESS UNO MEHL sind in Bekömmliehkeit und im wunderbaren Geschmack nicht zu erreichen und .mit keinem anderen Erzeugnis zu vergleichen. Sie sind bekannt und beliebt als vorzügliche Delikatesse. Besonders praktisch beim Kochen und Backen. j sind darum so wohlschmeckend, weil sie auf Grund jahrzehntelanger Erfahrung nach einem Spezialverfahren erzeugt werden. Verlangen Sie überall nur „STRUM-MAZZOTH", die garantiert frischen Qualitätsj Mazzoth 1937 sind streng koscher und hygienisch einwandfrei. Bei der Erzeugung werden nur jüdische Arbeiter beschäftigt. Wer ,.STRUM-MAZZOTH" kauft, verschafft daher auch jüdischen Arbeitern Verdienst, lindert und mindert jüdische Not. Besonders gut munden DARUM vom „STRUM" die runden! sollen auch Sie das P e s s a c h- Fest 1937 nur mit den bei Allen beliebten vorzüglichen STRUM- MAZZOTH S'ÄK"? Mazzoth- M C* TD II M bestellen Sie direkt bei B a G l( erei 8P!h i I K V IP1 Weiset ausländische Mazzoth zurück, kaufet nur STRUM-MAZZOTH das feiern und beim Einkauf auf das Zeichen ,.M. STRUM" achten, welches jedes Paket trägt!!! II, Botensternetasse 11 Telephon R -46 -5 -48 ute österreichische Fabrikat! fliehen müssen. Aber bald wurden sie sicherer, und es gehen die Briefe zwischen, Venedig, Modena, Fez und anderen Städten der sephardischen Juden hin und her. Amsterdam wird bald ein berühmtes Judenzentrum, denn es bedeutete durchaus den Anschluß an einei 'große WcIV Den Blick hinüber nach Pernambueo, wo es eine jüdische Gemeinde gab, nach dem neuen; Leben in den .Kolonien, nach der Westindischen Kompagnie, an der sich Juden beteiligten, und nach einem Leben im vollen Judentum, in eine Erziehung von hohen Graden.' Die Unsicherheit der Amsterdamer Juden, die ständige Furcht, in, der. sie, lebten,' ihre. Vergangenheit könnte einmal über die Gegenwart siegen, und es könnte plötzlich einmal wieder aus, ihnen , das herausbrechen, was sie selber' oder doch ihre Vater '* in Spanien und Portugal erlebt hatten, schufen eine Gemeinde von ganz besonderer Strenge. Aus Unsicherheit wurden sie intolerant. Es lebte über dieser Ge- SIEGM. KORN N EH L 1 v GROSSFLEiSCHHAUEREI ♦ .Zentrale: IX., Berggasse 19,-Ifel- Ai'f 7-3-99 u. A~lb-y-34 liebsten aus jedem jüdischen Jungen einen Gelehrten hätte machen wollen. , Gastspiel Jenny Lovi'c „Itcbbczcn 1937" — prolongiert" Wegen des anhaltenden Erfolges der Lu.stspielopcreüe „lUlibcsen! 937" mit Jenny Lovi c in der Titelrolle seht das Stück auch Freitag, den 1!). d., Samstag den UO. d., und Sonntag, den 31. d., halb 9 Uhr abends, in Szene. Sonnlag. den 21. d., halb 1 Uhr nachmittag;*, „Kcbbezcn it):{<" bei kleinen Preisen, »as l'ublikuin Ist vom clmssidlschcii Charakter des Stückes und den schönen jüdischen Motiven begeistert. Für die Pessachfeiertagc wird eine neue sensationelle 1'reniiere mit Jenny Lovic vorbereitet. Die Proben dieser Feiertagsnovitäl nehmen derarzt viel Zeit in Anspruch, daß sieh die Direktion der Jüdischen K ü n s 11 e r s p i c 1 c entschlossen hat, das Thealer in der Woche von ressac.h, also von Montag, den d., bis einschließlich Samstag, den 27. d., geschlossen zu halten. Die nächste Vorstellung findet daher erst Sonntag, den 28. d., nachmittags halb 4 Uhr, statt. Zu Pessaeh nach Polen. Wie alljährlich, veranstaltet das Reisebüro „In die Welt". Leitung Dr. Tocker, billige Reiseti'näeiv Polen. Gute Möglichkeit Jom-Tow in Polen zu verbringen. Gute Juden benützen diese Gelegenheit zum Reisen in die Heimat. Näheres im Büro, Wien, IX., Liechtensteinstraße 2, Telephon A-14-504. Li et er ä h t f ü r Hei 1 ä u s t a 11 e n . Abteilungen fSfir «^.Fleisch 1 i | unter Aufsicht des Ehrwürdigen liabbinate der lsr. ♦ Eultusgemeiude Wien t Autozustollung kostenlos i «X., Berggasse 15 ✓ XVIII., Währingerstr. 97 f H^HHHHH^n meinde der Wille,; Generationen eines Marranenlebens auszumerzen. Sie zwängten ihre Kinder in ein Judenleben, das wieder in ihnen aufspeichern sollte, was ganze Generationen vergessen hatten. Diejenigen, die die Gemeinde schufen und leiteten, taten. es mit dem Bewußtsein, daß hier, „verlorene" Schafe Israels" lebten. Die Kette war gerissen. Es galt, sie wieder zu schmieden. Marranen wollten wieder Juden werden. Die Erinnerung aber verfolgte sie. Es galt, sie zu übertönen. In der Joodenstraat in Amsterdam,, in der großen Synagoge, der.'Portugiesen, in den Lehrhäusern und. in den . Schulen regierte dieser Geist, mit starker Hand. Die Akkorde, welche angestimmt werden mußten, mußten schon ungeheuer, stark und groß und rein sein,, so.stark,.daß'.man nicht yfiehr in den Ohren den Gesang der Messe und das Rauschen, der Orgel hörte, so stark, daß einiga.hundert Jahre einfach schwanden, so stark, daß die Narbe nicht mehr aufbrechen konnte. So wurden die Rabbiner .die Führer der Gemeinde. Keiner von ihnen ist in Amsterdam geboren. Sie werden von weit hergeholt. Denn man sucht Menschen, die die Wirklichkeit des Judentums in sich trugen, und die durch, diese fremde Welt sicheren Schrittes gingen. Nur diese Sicherheit konnte leiten und führen. So erstand aus der Sehnsucht, volle Juden zu erziehen und den . Anschluß, an das wirkliche jüdische Leben zu gewinnen, ein System jüdischer Erziehung, das am VortreffLlch-Mazzothprodüktc'überragen alle anderen, weil sie auf echten Spezial-Mazzoth-Lehmöfcn gebacken sind. Bekanntlich sind gerade Mazzothprodukte hauptsächlich vom Backprozeß abhängig und der gelernte Fachmann begutachtet, daß die in Eisenöfen (Dreh-, Ketten-) gebackenen Produkte niemals die Primaqualität der „Vort ref f lich-Mazzo th" erreichen können, weil die Oefen nicht den richtigen Grund haben, um den Waren die Knusprigkeit zu verleihen. Vortrefflich beschäftigt die meisten jüdischen Arbeiter und Arbeiterinnen. Vortrefflich ist und bleibt vortrefflich! Dsraelitisdie Kultmqememde Wien Israelitisehe «Iiigcndgottcsdicnstc. .! u g c n d g o t t c sdienst für Volks-, Haupt- und Mittelschüler(innen). Samstag, den 20. d., 3 Uhr nachmittags, in allen Gemeinde- und BexJrkssynagogen. Besondere J u g e n d g u 11 c s d i e n s t e für Mittelschüler und -Schülerinnen für Unterklassen im II.. IX. und XX. Bezirk. Samstag, den 20. d., viertel 5 Uhr nachmittags, im Leopoldstädter Tempel. II., Tenipelgasse 3, und in den Bezirkssynagogen,; TX'., Müllnergasse 21, und XX., Kluckygasse 11. Sederfefiern für die Schuljugend! Der Vorstand der Israelitischen Kultusgcmeinde Wien veranstaltet eigene Sederfeiern für jene Schulkinder, die sonst keine Gelegenheit hätten, an einer solchen teilzunehmen, in folgender Einteilung: 1. Freitag, den 26. d., 7 Uhr abends, im Heim. XV., Herklotzgasse 21: 2. Freitag, den 26. d., 7 Uhr abends, im Heim, XX., Othmargasse -16: 3. Samstag, den 27. d., '1 Uhr nachmittags, im Dr.-Krüger-Heim, II., Malzgasse 7; 4. Samstag, den 27. d., 4 Uhr nachmittags, im Heim, IV., Hauslabgasse 2; 5. Samstag, den 27. d., 4 Uhr nachmittags, im Tempelgebäude, IX., MUUnergasse 21: 6. Samstag, den 27. d., I Uhr nachmittags, im Heim, XVIII., Weimarerstraße 7. Scdertcier für erwachsene («chörlose: Samstag, den 27. d.. halb S Uhr abends, im Heim, IL. Malzgasse 7 (Dr.-Krüger-Heim). GuttesdicjDbt für erwt'.chseuc (iehürloso hui Vessaelilest: Am kommenden Pessachfest wird ein besonderer Gottesdienst für Gehörlose im kleinen Tempel, II., Tempelgasse 3. abgehalten, u. zw.: Samstag, den 27. d., um halb 7 Uhr abends: Sonntag, den 2S. d., um 10 Uhr vormittags. Uoii-lKnac-Aliravanel-Fünfhuiulertjahr-Cedenkfeier. Anläßlieh der Wiederkehr des 500 Geburtsjahres Don Isaae Abruvanels wird auf Veranlassung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien am 8. Pessaehlugc in allen Synagogen eine G cdo n k f e i e r für diesen bedeutenden jüdischen Staatsmann und Gelehrten abgehalten. Ebenso wird die Jugend aller Schulkategorien im Rahmen des Religionsunter- richtes und in den Exhorten beim Jugcndgoltesdienst über die I großen Verdienste, die sich Don Isaae A h r a v a n e! um die j Staaten, in denen er lebte und um das jüdische Volk erwarb. belehrt werden. Auch die jüdischen Vereine wurden vom Kultus- I vorstand ersucht, dieses Mannes in gebührender Weise zu gedenken. Tieferschüttert, gibt der Vorstand des Synagogen-Vereines „Beth Israel, II, Leopoldsgusse 20, Nachricht vom Ableben seines geistigen Oberhauptes, Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Mayer Mayersohn Der Verblichene, der im 76. Lebensjahre verschied, wirkte 40 Jahre in unserer Gemeinde, und werden wir ihm stets ein dankbares Andenken bewahren Der Vorstand des Synagogen-Vereines "Beth Israel" - - .V- -' . - - ' ... — . ... Wien II, Leopoldsgassc 29