Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 641 (19.3.1937)
- Date
- 1937-03-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 641 vom 19. März 1937 13 x BERQMAMlf. L; RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTG. 5 Große Auswahl KÖLLNERHOFGASSE 1 to Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damenuml Kinder-Wäsche, Weiß- , VI waren, Bettwäsche, Strick- K IOI tl A P P 01C A und Strumpfwaren usw.usw. ■ ICIiC Kundgebung der Judenstaais* ziom'sten Die leitenden Körperschaften des Verbandes der Judenstaatszionisten Oesterreichs haben dieser Tage in einer gemeinsamen Sftsung zu den aktuellen Problemen im Zionismus Stellung genommen. Nach einem Referat des Präsidenten Robert Stricker und einer eingehenden Debatte wurden folgende Resolutionen beschlossen: 1. Die Judenstaatszionisten Oesterreichs drücken ihr lebhaftes Bedauern über die Haltung der Zionistischen Exekutive vor der Königlichen Untcrsuchungskoiumission, welche in Jerusalem und London tagte, aus. Statt die gerechten Forderungen des jüdischen Volkes energisch zu vertreten und radikale Unterdrückung der arabischen Terroristen, der Mörder und Mordbrenner, und Entfernung der ungetreuen Beamten der Palästina-Regierung zu verlangen, haben sich die .Vertreter der Zionistischen Exekutive in die Rolle der Angeklagten drängen lassen. Insbesondere wird dagegen Protest erhoben, daß die Zionistische Exekutive die Auswahl der Vertreter vor der Königlichen Kommission so traf, daß nur Sprecher der am Ruder befindlichen Partei und die Nichtzionisten der Jewish Agency zu Wort kamen, und daß sie es versucht hat, durch ein Redeverbot das Erscheinen des Führers der Judenstaatszionisten Meir Großmann vor der Kommission zu hintertreiben. 2. In einer Zeit, da der Zionismus und das jüdische Volk von äußeren Feinden in der ganzen Welt und insbesondere in Palästina aufs schwerste bedroht werden, ist es in Tel-Aviv, Jerusalem und Warschau zu heftigen, mit häßlichen Gewalttaten verbundenen Auseinandersetzungen zwischen Zionisten gekommen. Zur Freude der Feinde und dem Zionismus zur Schmach. Die Judenstaatszionisten Oesterreichs stellen fest, daß die Zionistische Exekutive einen Großteil der Verantwortung trägt. Sie hat nichts unternommen, um der Ungerechtigkeit, mit welcher die von einer Partei beherrschten Palästina-Aemter und das Einwanderungsdepartement der Jewish Agency die Zertifikate verteilen, zu beseitigen. Sie hat nichts unternommen, um den Klassenkampf auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt zu verhindern, vielmehr hat sie den klassenkämpferischen Bestrebungen Förderung angedeihen lassen. Sie hat also nichts unternommen, um in schwerster Zeit den Frieden im Zionismus und in Erez Israel zu sichern. 3. Mit Hinweis auf die unerträglichen Zustände in dem von arabischen Terroristen bedrohten Palästina erneuern die Judenstaatszionisten Oesterreichs ihre bereits auf dem Luzerner Kongreß und der A.-C- Sitzung in Zürich, erhobenen Forderung nach Einrichtung eines Departments bei der Zionistischen Organisation für den Selbstschutz und die Wehrhaftmachung des Jischuw in Palästina. Sie fordern weiters, daß die Zionistische Organisation mit allem Nachdruck vom Völkerbund und der Mandatarmacht die Aufstellung jüdischer Einheiten in Armee und Polizei Palästinas verlange. Iachiei S 8.80,9.80,12.-. Haarfilz: S16.-, 19.-,23.- Extra »Velour in allen Formen II, Taborstraße Nr. 39 XIV, Scchshauserstraße 39 / XVII, Kalvarienberggasse 34 Jüdischer Gesellsdiaffsabend Die Veranstaltung des Verbandes der Judenstaatszionisten Oesterreichs, Sektion IX-XVin-XIX, im Festsaal des Hotel de France am 13. März 1937 stand auf einem gesellschaftlich-künstlerischen Niveau, wie es bei dergleichen Anlässen selten zu verzeichnen ist. Die harmonische Einheit von Publikum und Programm bezeugte das Verständnis der Veranstalter für gesellschaftliche Form. Diesem Umstand ist der außerordentliche Erfolg des Abends zu verdanken. Die in der Art einer Conference gehaltenen Begrüßungsworte des bewährten Bobby Weisser leiteten aktuell und humorvoll zum Programm über. Zunächst sang der Bariton Edmund Mühlstock, der vor kurzem seineu diesjährigen Liederabend absolvierte, italienische Lieder mit viel Geschmack und Ausdruck. Trude Roth, die anerkannte Chansonsängerin, brachte, meisterhaft wie immer, Künstlerkopien, die mit rauschendem Beifall aufgenommen wurden, während Oberkantor Josef Feuer aus seinem reichen jiddischen Liederrepertoire ein paar neue Stücke mit vornehmer Gesangskultur zum Vortrag brachte. Die Ueberraschung des Abends war der Jugendliche Virtuose Oskar Weitzner, der Kompositionen von Erncst Bloch (Baal Schern) und Sarasate (Zigeunerweisen) sowohl technisch wie musikalisch vollendet spielte und den großen Ruf, der ihm als Schüler von Prof. Morawetz vorausging, vollauf bestätigte. In Oakar Weitzncr reift ein Meister der Geige heran. Auf die künstlerische Akademie folgte der gesellschaftliche Teil des Abends, vornehmlich Tanzunterhaltung zur Musik der bekannten jüdischen Jazzkapelle Rubinstein. Das aus den besten Kreisen der Gesellschaft stammende Publikum blieb in angeregter Stimmung bis über Mitternacht beisammen, Eine Rede Weidmanns Zur Suche nach Ländern Aus London: In einer Ansprache, die Präsident Dr. Chaim Weizmann in Whitechapel hielt, kam er auch auf die jüngsten Vorfälle in Palästina und auf die von der Kgl. Kommission zu erwartenden Entscheidungen zu sprechen. Ich bin sicher, sagte Dr. Weizmann, daß Sie alle von mir hören möchten, was uns in unmittelbarer Zukunft erwartet. Ich würde es gern sagen, wenn ich es wüßte. Die ganze Angelegenheit liegt in den Köpfen, den Händen und den Herzen der Kgl. Kommission; was in ihrem Geist vorgeht, weiß ich nicht und ich will nicht versuchen, mich auf den schlüpfrigen Boden von Vermutungen über die möglichen Ereignisse in zwei oder drei Monaten zu begeben. Was immer geschehen sollte: Nichts wird geschehen, was uns an der Fortführung unserer Arbeit hindern wird. Jflackus und Hula TticU geb\ Szlamoioicz efnpfeUteh. mU ats VewnäUtte Wien, im Nissan 5697 Gegenwärtig, fuhr Weizmann fort, gehen die Dinge in Palästina nicht glatt und das kommt leider ziemlich oft vor. Immer wieder sucht man in jüdischen Kreisen nach neuen Ländern, wo man ein anderes Jüdisches Nationalheim aufbauen könne. Die ständige Beschäftigung mit der Geographie der Welt ist ein Lieblingszeitvertreib gewisser jüdischer Gruppen geworden. Diese Suche nach Ländern nimmt in dem Verhältnis ab, wie sich die Zwischenfälle in Palästina vermindern. Da nicht alle Juden nach Palästina gehen können, so ist es natürlich ganz in der Ordnung, zu versuchen, Auswege zu finden. Aber man soll nicht mit der Idee herumgehen, daß man ein „Nationalheim" in einem Lande bauen könne, wenn es zufälligleer ist. Der Aufbau von dem, was man in seiner Qualität Palästina parallel- oder gleichsetzen könnte, verlangt mehr als nur Geld. Was man für den Aufbau braucht, ist eine treibende Kraft; und diese treibende Kraft wird «gespeist und unterhalten durah eine Idee; und diese Idee ist auf Palästina und auf kein anderes Land anwendbar. Man wird nicht die Begeisterung der Juden in Whitechapel, Warschau und New York für irgend ein Land entflammen können, das nicht wie Palästina in den Herzen und Gemütern der Juden als Heiligtum gehütet wird. Dr. Weizmann verurteilte diejenigen, die „b e i gutem Wetter" Freunde des Zionismus sind und die den Erfolg an der Anzahl der Zertifikate messen. Dieses Maß ist schlecht. Zu sagen, daß Palästina einen großen Wert für die Judenheit habe, wenn es, sagen wir, 50.000 Juden aufnimmt, und einen kleineren Wert, wenn es 30.000 Juden einläßt, heißt, einen schlechten Maßstab anlegen. Es ist sehr wichtig, daß wir die Höchstzahl von Einwanderern nach Palästina bringen. Aber der wirkliche Maßstab der Palästina-Arbeit ist der Aufbau einer jüdischen Zivilisation und einer jüdischen Zukunft. Wir empfehlen die guten, modernen NEUDEGGER fluto-u. Motorrads chuien WiMHeudeggergnsseiß I b'Xt Rabbiner Mayersohn Montag, den 15. d., verschied Rabbiner Mayer Mayersohn, nachdem er 40 Jahre das Amt eines Oberrabbiners im Bethausverein „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, versah und als Aw-Beth-Dln der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde figurierte. Ein „Hur alten Schlages, mit phänomenalem Gedächtnis begnadet, hat er sich in seiner Jugend ein profundes jüdisches Wissen angeeignet, das ihn in die ersten Reihen der Talmudgelehrten stellte. Scharfsinn und rascho Auffassungsgabe, meisterhafte Beherrschung verworrenster juridischer Probleme haben ihn zum beliebtesten Arbiter gemacht und oft haben gewiegte Juristen sich bei ihm Rat geholt. Zum Leichenbegängnis, das vom Trauerhausc, II,, Adambergergasse 8, seinen Ausgang nahm, hat sich eine große Menschenmenge versammelt, und als der Töte in die Halle des Polnischen Tempels, an die Stätte seiner langjährigen Tätigkeit, geleitet wurde, konnte der mächtige Raum die Masse der Versammelten, die gekommen waren, um dem Verblichenen die letzte. Ehre zu erweisen, nicht fassen. Die schlichte, aber sehr würdevolle und ergreifende Trauerzeremonie wurde mit einem „Menuchah Nechonah" vom Oberkantor Fränkelin rührender Weise eingeleitet. Nachher ergriff der Vizepräsident des Bethausvereines, Herr I n t r a t e r, das Wort, um Voni Töten im Namen dös Vorstandes und der gesamten Tempelgemeinde Abschied zu nehmen. Fast alle Rabbiner Wiens mit Herrn Oberrabbiner Dr. Taglicht an der Spitze waren bei der Trauerandächt zugegen. Kultuspräsident, Staatsrat Dr. Friedmann, hatte sich mit Amtsdirektor Dr. Löwenherz auf dem Friedhof eingefunden, um dem Dahingegangenen das letzte Geleite zu geben, jvasHn. F.—g.. Die Hakoah Vom Gesdiäffslührenden Vizepräsidenten Roberl Glficksmann Der Sportklub Hakoah hatte gemeinsam mit dem. Schwimm-, Touristik- und Skiklub Hakoah bisher sein Klubheim im Kaffeehaus Atlashof. Dieses Klubheim wurde seinerzeit mit großen Kosten errichtet und wird nunmehr infolge Ablaufes der Zeit seitens des Cafetiers gekündigt, die Räumung hat bis zum 15. April 1937 zu erfolgen. Es ist bezeichnend, daß der größte jüdische All-round-Club nicht in der Lage ist, auch mit allen anderen jüdischen sporttreibenden Vereinen eine eigene Heimstätte zu finden. Die Österreichische Judenschaft, die gewiß heute durch das Elend, das überall herrscht, stark belastet ist, hätte trotz alledem die Pflicht, alles daranzusetzen, um die Mittel aufzubringen, unsere so kostbare Jugend nicht verkümmern zu lassen, auch ist es im Interesse der Wiener Kultusgemeinde, hier sofort helfend einzugreifen. Die Hakoah hat, wie allgemein bekannt, eine prachtvolle Schutzhütte auf dem Semmering gebaut, die bisher von ungefähr 5000 Menschen aus allen Ländern besucht wurde. Die Hakoah bietet allen jüdischen Vereinen die Gelegenheit, diese Hütte gegen mäßige Gebühr auf kurze oder längere Zeit zu mieten. Die Hakoah gibt nunmehr Bons ä 10 Betten ä S 2.— pro Bett aus, ebenso Bons zu S 1.— für ein Nachtlager. Wir bitten sämtliche Juden Wiens, solche Bons bei uns anzufordern und zu vertreiben. Die Hakoah besitzt auf ihrem Platz in der K r i c a u fünf wundervolle Tennisplätze mit modernst ausgestatteten Garderoben, mit warmen und kalten Duschen, und trotzdem wird diese Anlage von einem Großteil des Wiener jüdischen Publikums nicht in Anspruch genommen. Wie bieten auch hier allen Verbänden und Korporationen jedwede Begünstigung und hoffen, nicht umsonst an die jüdische Oeffentlichkeit zu appellieren, diesen gesunden und herrlichen Sport bei uns zu betreiben. Wir laden die jüdische Jugend ein, bei uns Hockey, Handball, Leichtathletik, Schwimmen usw. zu betreiben; es wurde im heurigen Jahre wieder das Stadionbad gemietet, wobei, weit günstigere Bedingungen als im Vorjahr seitens des Schwimmklubs in Aussicht gestellt worden sind. Nun ein Wort über den Professional- Fußballklub Hakoah: Die weite Oeffentlichkeit interpelliert mich täglich über den ständigen Rückgang der Leistungen dieses Klubs. Trotzdem der Sportklub Hakoah keine wie immer geartete Bindung mit dem Fußballklub besitzt, liegt uns das Wohl und Wehe auch, dieses Vereines sehr am Herzen, da auch dieser den. Namen „Hakoah" trägt. Auch hier müßte helfend eingegriffen werderi. Der Fußballklub schuldet an Platzspesen dem Sportklub S 4000. Die Erhaltung des Platzes ist davon abhängig, daß die Platzmieten, Wasser, Licht, Platzmeister usw. bezahlt werden, was Tausende von Schillingen erfordert. Bisher ist die Hakoah nur dural» die Opferwilligkeit einiger Gönner erhalten gew blieben, doch müßte, wenn, nicht rasche Hilfe einsetzt, auch dieser Verein infolge der Nichtaufbringung de? Spesen den Betrieb eines Tages schließen. Soll diese* Fußballklub weiterbestehen, müssen auch hier tatkräftiga Männer den bisher tätigen Funktionären helfend zut* Seite treten, damit wieder jene Leistungen erzielt werden, wie einst. Wie furchtbar es um die Hakoah bestellt ist, geht daraus hervor, daß uns am Sonntag, wo bereits der Sportbetrieb auf unserem Platze stark , eingesetzt hat, infolge der Zahlungsrückstände an Wassergebühren das Wasser plötzlich abgesperrt wurde, so daß wir nicht einmal in der Lage waren, den Leuten wenigstens Wasser zum Reinigen zur Verfügung zu stellen« Ich richte meinen Appell an die jüdische Oeffentlichkeit und an die Kultusgemeinde: Bagatellisieren Sie nicht die körperliche Erziehung unserer Jugend, bestellen Sie in der Kultusstube einen eigenen Referenten für Sport, befreien Sie die jüdischen Sportler davon, daß sie in dumpfen Kellern ihre Versammlungen und ihr Training abhalten müssen! Ich appelliere an die jüdische Presse: Propagieren Sic den Bau eines großen jüdischen Sporthauses, wo die Möglichkeit gegeben ist, der heute so verarmten Jugend Licht und Luft zu bieten und zu beschreideuen Preisen einen Imbiß zu verabreichen. Wir laden alle jene Leute, die bereit sind, unseren heutigen Aufruf zu unterstützen, zu der am 23. März 1937 um 8 Uhr abends, im .Klubheim Caf6 Atlashof, Wien, I., Wieslngcrstraßc 11, stattfindenden Generalversammlung ein und bitten sie, ihro wertvolle Mitarbeit in den Dienst des gesamten jüdischen Sports zu stellen. Verb« d* ludensfaafszionisfen Oesterreichs Sektion P rat er, II., Erlafstraßo 5. Freitag, den 19. d., halb 9 Uhr abends, Oncg Schabbat. Vortragende die Herren Schwertfinger und Hölzer. — Dienstag, den 23. d., Bibelvortragszyklus, Rabbiner Doktor N. Z ick er. — Bei der letzten Sitzung wurde Frau Fanny Katz für ihre großen Verdienste in das Silberbuch des K. K. L. eingetragen. Der notwendige Betrag wurde sofort gezeichnet und eingezahlt. Sektion VIV/XV, Schanzstraßo 82. Sonntag, den £1. d., 8 Uhr abends, Besprechung der Frauen, Roferentiu Frau Dr. Rachel Off nor. — Dienstag, den 23. d., Vortrag. Juden Staats jug on d. Dienstag, den 23. d., halb 9 Uhr abends, im Heim, II., Untere. Augartenstraßo Nr. 38, Vortragsabend. Dir» Gustav Spielmann veranstaltet aiontag, den 22. d., 8 Uhr abends, iin grolJon Nhrbar- Saal unter Mitwirkung der Herren Julius Schwarz., Richard Ciolriner und Klugen Alexander Wiukler einen Ka in in c r m u » i k- AbeAd, bei welchem folgende Streichquartette zur Aufführung gelaufen: josefr* H a y d n — Quartett D-Dur; Felix IU e n d c 1*- Bohn-liartlxoläy — Quartett D-Dur; sowie ein Quartett He8 jungen jüdischen Komponisten Julius Chnjes (Palästina), weU che» vom Ros6-Quartett uraufgeführt wird. — »aB Relnerträgnl« fließt wohltätigen Zwecken zu. — Karten bei der Karteniontral* l.t Graben «8.