Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 641 (19.3.1937)
- Date
- 1937-03-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 641 vom 19. Matt 1&37 DIE NEUE WELT Seite $ $<ulmsfd4$el Die Erneuerung des Volkes „Es gibt keine Erneuerung im Ghetto. Es kann nur Erneuerung neben, wo es ,cigene Saat und eigene Ernte' r,ibl. Es gibt nur Erneuerung, wo es lebendige, mit diesem ihrem Loben alles überwuchernde und überrennende Kräfte gibt. Die aber wachsen nur dort, wo man fühlt, daß man vndrjültig zu Hause ist. Der Ruf ,Nächstes Jahr in Jerusalem' ist ein Ruf nach dieser Erneuerung, der Erneuerung des ganzen Volkes." Rabbiner Joachim Prinz („Israelitisches Wochenblatt"). Zur Mew»yorker AntmaziiDemonsfration der Finsternis, die der Nasismus über Europa heraufbeschworen hat, erwarten wir einen Lichtstrahl aus dem ficien Amerika. Das Volk Israel hat keinen größeren Feind als diesen neuen Amalek, der die historische Nation ausrotten will. Laßt uns wieder einmal den alten Schwur der Bibel geloben: ,Ewiger Krieg zwischen uns und Amalek!' Boykottiert den Herd des Menschenhasses, des Rassenhasses und des internationalen Krieges." Professor Simon Dubnow (Riga), März 1937. Paüäslnna und englnsdies Kapital „Da Palästina, zum mindesten bis vor kurzer Zeit, ein äußerst kapitalsschwaches Land war, haben die großen U7iternehmungen des Landes die nötigen Kapitalien in London aufgenommen und dann auch eine Notierung ihrer Werte an der dortigen Börse herbeigeführt. Das hat sich natürlich für sie sehr bewährt, denn der dortige Anleger ist in Bezug auf Verzinsung erheblich anspruchsloser als etwa der palästinensische." Ernst Kohn, Jerusalem, ExpoirtorQanBsation notwendig .,Das Jahr 1936 war eine bittere politische Lehre, welche die Hinfälligkeit mancher Voraussetzungen, vor allem solcher politischer Natur bewies. Selbst wenn mir jemand einwenden würde, daß die Einstellung oder eine weitere Einschränkung der Einwanderung und hiemit eine Verringerung des Kapitalszuflusses, eine Einschränkung der zionistischen Aufbaupolitik in Palästina bedeuten würde, was vorläufig eine rein theoretische Frage wäre, so bedeutet das Fehlen einer Export-Organisation in Palästina eine Verschlechterung des National- Vermögens und eine Vernachlässigung g\iter wirtschaftlicher Gelegenheiten." „Selbstwehr", 1937. Die AnfBsHallevsKundgebung m W«w York Aus New York meldet die J. T. A.: 50.000 Menschen haben sich an der New Yorker Anti-Hitler-Kundgebung beteiligt: 25.000 füllten den Madison Square Garden, weitere 25.000, die keinen Platz mehr fanden, drängten sich Kopf an Kopf in den anliegenden Straßen, wo ihnen durch Lautsprecher die Reden im Saale übermittelt wurden. General Hugh Johnson, der bekannte Freund des Präsidenten Roosevelt und ehemaliger Administrator der Rooseveltschen N. R. A., und der Gewerkschaftsführer John L e w i s ernteten ungeheuren Beifall, als sie die gesamte deutsche Innen- und Außenpolitik der letzten vier Jahre als menschenfeindlich und als Bedrohung der Rechtsordnung und des Weltfriedens brandmarkten. Dr. Stephan S. Wise forderte das amerikanische Work auf, durch Unterstützung des waffenlosen Krieges, des Anti¬ Nazi-Boykotts, die Kriegsmacher wehrlos zu machen. Mit ungeheurem Applaus wurde der anwesende New Yorker Bürgermeister La Guardia begrüßt, der lediglich als Zuhörer erschien, aber von der Menge gezwungen wurde, eine Anspräche zu halten. Er benützte die Gelegenheit," um seine letzten Aeußerungen über die deutschen Machthaber nicht nur nicht abzuschwächen, sondern sie sogar noch zu unterstreichen. Ich habe, sagte er, "Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Bedrohung der Zivilisation gebrandmarkt und werde fortfahren, es au tun; ich hoffe nur, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo ich es nicht mehr zu sagen brauche. Was Immer Herr Hitler sagt, man möge nicht darauf achten, denn die öffentliche Meinung der Welt ist sich längst darüber einig, daß Hitler weder persönlich noch diplomatisch satisfaktionsfähig ist. Der französische Senator Henri Berengar, Vorsitzender des Außenausschusses des französischen Senats, telegraphierte, Frankreich sei stolz darauf, 35.000 deutsche Flüchtlinge aufgenommen zu haben. Die Versammlung faßte eine Entschließung, in der ea u. a. heißt: „Alle Amerikaner, die der Demokratie und der Freiheit der Menschen treugeblieben sind, werden dem deutschen nationalsozialistischen Regime jede Finanzhilfe versagen, ohne die sich dieses Regime nicht lange orhaUen wird. Deshalb muß das amerikanische Volk alle an Deutschland zu gewährenden neuen Kredite ablehnen. Wir verpflichten uns zur Verstärkung des Boykotts deutscher Erzeugnisse und werden alles aufbieten, mit friedlichen Mitteln die amerikanische Demokratie aufrechtzuerhalten." Eine gleichzeitig von der Deutsch-Amerkanischen Liga veranstaltete Protestversammlung gegen die Anti- 'totler-Kundgebungr war lediglich von 65 Personen besucht. < DAS IST DAS ECHTE N E R 01 NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwörden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Matte rsburg. Jüdischer Generalstreik geplant Die Passivität der Paläsfina'Regievung Aus Jerusalem meldet „Palcor" unter dem 15. März: Wir erfahren von maßgebender Seite, daß in den nächsten Tagen die Proklamierung und Durchführung eines allgemeinen Proteststreiks des jüdischen Jischuws gegen die Passivität der Palästina-Regierung gegenüber dem wiederbegonnenen arabischen Terror geplant ist. Der arabische Terror hat im Verlauf rler letzten Tage wiederum blutige Opfer in den jüdischen Kolonien verursacht und den Sicherheitszustand in den meisten Teilen des Landes verschlimmert. Was der Bisdiuw fordert Aus Jerusalem meldet „J. T. A." über den Verlauf der Konferenz der Vorsteher des jüdischen Jischuws mit dem Distriktskommissär von Nordpalästina und Haifa Major Keith-Roach werden folgende Einzelheiten bekanntgegeben: Die Vorsteher haben vom Distriktskommissär die Einführung des Kriegszustandes gefordert, damit Leben und Eigentum der Juden gehörig beschützt werden können. Keith-Roach antwortete, daß er sehr gut die Aufregung und Erbitterung der Juden verstehe und selbst die Lage als ernst betrachte und daß er mit dem Oberkommandierenden General Dill die Frage der Sicherheit der bedrohten Gegenden behandle. Fünf neue Opfer Die fünf jüdischen Todesopfer. des arabischen Terrors am Samstag und Sonntag sind: der aus Polen stammende 28jährige Schlomo G a f n i, der aus Deutschland stammende 21jährige Henoch Metz, der aus Ostgalizien eingewanderte 36jährige Gedalja Geller, der aus Polen stammende 33jährige Mosche Salman Ben S a s s o n und der im Galil in Palästina geborene 28jährige Jehuda E 1 j o w i t s c h, Sohn eines Kolonisten in Jawniel. Die beiden Hirten G a f n i und Metz wurden bei Kfar Hachoresch zwischen Nazareth und Nahalal von einem jüdischen Hirten, der sie ablösen sollte, ermordet aufgefunden. Ihre Körper wiesen tötliche Stiche auf, die von ihnen gehütete Herde, bestehend aus etwa 400 Schafen, war geraubt worden. Sofort nach Bekanntwerden dieses Doppelmordes gab die Polizei durch Radio bekannt, daß sie jeden, der Anhaltspunkte angeben wird, die zur Ergreifung der Mörder führen, eine Belohnung von 1000 Pfund aussetzt. Außer Polizei und Militär wurden Flugzeuge auf die Suche nach den Mördern eingesetzt. Auch die drei Opfer von Jawniel, Geller, Sasson und Eljowitsch, wurden an drei verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeitpunkten ermordet. Jedoch wurden alle drei Opfer einer einzigen arabischen Bande. Die Siedler eilten den Ueberf allenen schnell zu Hilfe, jedoch als sie den Tatort erreichten, war der Mord bereits geschehen und die Angreifer waren geflüchtet. Unweit der Mordstelle wurde ein Schuh gefunden, den einer der Mörder auf der Flucht verloren hat. Etwas später fand man an zwei verschiedenen Stellen der Gegend von Jawniel die Leiche von Geller, die tötliche Schußwunden aufwies, und den durch Schüsse schwerverletzten Ben Sasson, der; kurz danach seinen Wunden erlag. Die Grenze von Palästina nach Syrien wurde gesperrt, um eine Flucht der Banditen nach dem Ausland zu verhindern. Sowohl von Syrien als von Palästina aus sind die Grenzpolizisten erheblich verstärkt worden. Die Kolonisten von Kfar Hachoresch sind darüber: aufgebracht, daß die Polizei erst zweieinhalb Stunden, nachdem sie über den Mord an den beiden Hirten benachrichtigt worden war, am Tatort eintraf; durch diese Verspätung sei die Verfolgung und Aufsuchung der Spur der Mörder erschwert worden. Es wurden im Zusammenhang mit diesem Doppelmord zwei arabische Hirten verhaftet. Besorgnis und Erbitterung Die neuesten fünf Morde an Juden in Palästina haben im Jischuw tiefe Trauer und erhöhte Besorgnis um die Sicherheit hervorgerufen. Die hebräische Arbeitertageszeitung „Dawar" führt im Leitartikel aus, daß die Regierung durch Tolerierung des arabischen Terrors einen gefährlichen Zustand schafft; es hat den Anschein, daß die Juden außerhalb des Gesetzes stehen. Die Polizei entwickelt keinerlei Initiative zur Ausrottung des Terrors, andererseits jedoch verbietet sie es den Juden, sich selbst zu verteidigen. Die Kolonie Kfar Hachoresch, deren zwei Hirten ermordet und deren Schafherde geraubt wurde, hat sich erst vor wenigen Tagen an die Regierung mit der . Bitte gewandt, vier jüdische Hilfspolizisten in die Kolonie zu setzen, da die Unsicherheit Mi der Gegend zunimmt. Dieses Ersuchen wurde von der Regierung abgelehnt. Wieviele weitere jüdische Opfer, fragt „Dawar", wird es noch geben müssen, bevor sich die Regierung endlich entschließt, mit den; arabischen Mordterror im Lande aufzuräumen? Auch die anderen hebräischen Zeitungen äußern Zorn und Erbitterung über die laue Haltung der Regierungsorgane gegenüber dem arabischen Terror. Sie weisen darauf hin, daß seit der offiziellen Beendigung des Araberstreiks nicht nur 17 Juden, sondern auch eine Reihe Moslems und Christen sowie der polnische Arbeiter Sluga durch Terroristen getötet wurden. Palästina-Mandat nicht bindend für Rechtsprechung Aus Jerusalem: Das Berufungsgericht hat daa Urteil gegen einen Mohammedaner bestätigt, der wegen öffentlicher Verletzung? des mohammedanischen Religionsgesetzes angeklagt und auf Grund der Gesetze aus türkischer Zeit verurteilt worden war. Sein Einspruch, daß das betreffende Gesetz keine Gültigkeit mehr habe, weil es mit der im Mandat gewährleisteten Religionsfreiheit unvereinbar sei, wurde abgewiesen. Das Gericht erklärte, das Mandat sei nur ein internationaler Vertrag und seine Bestimmungen seien für die palästinensische Rechtsprechung nur in den Fällen bindend, die in der kgl. Order in Council aus«» drücklich genannt sind.