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Die neue Welt · 1937-03-19 · Heft 641 (19.3.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 641 (19.3.1937)
Date
1937-03-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT tff. 641 vom 19. März 193V ^IIillllllllllll!!IHIIIII!ll!lll!|||||||||!ll!|||||||in!!!lllll||||!l!H | Kundmachung I | Die Wiener Molkerei bringt auch heuer m Pessach-Koschermilch in allen ihren Filia- | leri zum Verkauf. Die Pessach-Koscheri milch wird in Ihren Meiereien in Nieder-. | Österreich unter streng ritueller Aufsicht 1 der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. | Rosenmann bestellten religiös verlftß- I liehen Organe -owÄfc erzeugt. Jede g Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, | respektive mit einer Schleife versehen mit | dem Aufdruck | ntit'bt ifeo &n 1 Vom 26. März biä 3. April In 1 alten" Verkaufssteilen erhältlich :: | Wiener Molkerei ^itl!:!ii!i!l!l!illllil!lll!!l!!l!!i!H sie selbst keine Juden und keine besonderen Judenfreunde sind. Daran sei erinnert. Salzburgs Ruf als Zentrum der Kultur ist unschätzbar. Soll er für ein „Bravo" des Julius Streicher hingegeben werden? Eine Schweizer Stimme Aus Basel: Die Basler „National-Zeitung" schreibt: „Vor kurzem wurde der Korrepetitor Prof. Erich Melier der Wiener Staatsoper plötzlich entlassen, der seit mehr als zwanzig Jahren dort beschäftigt war... Jetzt erfährt man, daß dieae Entlassung auf Einflüsse aus dem Dritten Reich zurückzuführen ist. Es handelt sich dabei 'natürlich nicht um eine künstlerische, sondern um eine rassische Frage. Im Zusammenhang damit heißt es, daß dieser Nordwind noch manche andere Opfer verlange. Man will in Berlin Gastspiele reichsdeutscher Sänger an der Wiener Staatsoper künftig nur mehr dulden, wertn dem Gaste das Zusammenwirken mit nichtarischen Sängern und Dirigenten erspart bliebe... Bemerkenswert ist hier, daß Dr. Kerb er, der neue Direktor der Staatsoper, den Aufruf der 500 Malkontenten mitunterzeichnet hat, die den „Deutschsozialen Volksbund" gründen wollten, einen nationalistisch getarnten nationalsozialistischen Verein. Weiter wird berichtet, daß sich dieser Einfluß vielleicht auch auf die Salzburger Festspiele auswirken werde, indem Toscanini, Walter, Reinhardt und andere von dort weggescheucht werden dürften. Was der Aufhebung der 1000-Mark-Sperre vorläufig nicht gelang, würde dann eintreten: das Publikum der Weststaaten bliebe aus und die Nazis wären in Salzburg ziemlich unter sich." Frau Stephen Wise antwortet Rudolf Heß Aus Chikago: „Chicago Tribüne" hat aus Anlaß' der Eröffnung des amerikanischen Frauenkongresses eine Reihe Persönlichkeiten eingeladen, Ansprachen zu halten; u. a. sollte der Stellvertreter Hitlers, Rudolf Heß, in einem .Sprechfilm gezeigt werden. Infolge allgemeinen Protests wurde der Sprechfilm nicht gezeigt, dagegen durfte Heß durch das Radio von Berlin her drei Minuten sprechen. Er betonte die Friedensliebe .Deutschlands und sprach die Hoffnung auf ein Handelsabkommen zwischen Deutschland und den USA. aus. Die Ansprache wurde vom Kongreß sehr kühl aufgenommen. Gleich darauf bestieg Mrs. Stephen S. Wise, die Führerin der jüdischen Frauendelegation, die Tribüne und brandmarkte die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten des Nazi-Regimes. Ihre Rede rief enthusiastischen Beifall hervor. Uenstoh Ubstem - Semnetm^ Amerikanischer Protest Aus Washington CJ. T. A.): Das Staatssekretariat (Außenministerium der U.-S.-A.-Regierung) hat den amerikanischen Botschafter in Berlin, D o d d, beauftragt, im Deutschen Auswärtigen Amt eine nachdrückliche Beschwerde gegen die Art zu erheben, wie die reichsdeutsche Presse über die Vereinigten Staaten schreibt. Der Botschafter soll das Befremden der amerikanischen Regierung über die wütenden Angriffe gegen die U. S. A. und auch über das tiefe Niveau dieser Angriffe, die sich in der deutschen Presse seit der Rede des New-Yorker Bürgermeisters La Guardia bei einer Kundgebung jüdischer Frauen ständig wiederholen, zum Ausdruck bringen. Dodd soll dasgroße Erstaunen der Washingtoner Regierung, daß solche Artikel erscheinen können, aussprechen. Dieser Schritt erfolgte im Anschluß an einen Brief der Vorsitzenden der Frauensektion des American Jewish Congress, Mrs. Wise, der Gattin des Ehrenpräsidenten des American Jewish Congress und Vorsitzenden des Jüdischen Weltkongresses Dr. Stephen Wise, an Staatssekretär H u 11. Mrs. Wise lenkte die Aufmerksamkeit Hulls auf die insbesondere die amerikanischen Frauen besudelnden Angriffe der deutschen Presse vom Schlage des „Angriff", Von Volk zu Volk Inmitten der chaotischen Zustände, die in zahlreichen Ländern herrschen* hauptsächlich unter dem Druck extremradikaler Gruppen, Parteien und Bewegungen, erscheint die tschechoslowakische Republik) die Republik Masaryks. als Hort demokratischer Prinzipien und kultureller Verantwortung. Der Prozeß der völligen Befriedung, wie er jetzt Vorn Regierungschef Dr. Milan Hodza in die Wege geleitet wurde, bekommt seine internationale Bedeutung durch die Tatsache, daß hier auf evolutionäre Weise nationale Probleme gelöst werden: das Zusammenleben und Zusammenwirken mehrerer Nationen in einem Staat vollzieht sich kraft eines höheren Gesetzes als des Gesetzes landläufiger Parteipolitik. Hier wird, einzigartig und: .vorbildlich, gestützt auf die moralische Tradition des tschechischen Volkes, und< im Bewußtsein der Erhaltung hoher ethischer Werte, das Verhältnis zwischen Mehrheits- und Minderheitsvolk harmonisch gestaltet. Unter der Ministerpräsidentschaft des Slowaken Dr. Milan Hodza wird das Gleichgewicht zwischen den Tschechoslowaken und den Deutschen in C. S. R. hergestellt. Die jüdischen Bürger der von Thomas Garrik Masaryk geschaffenen Republik hatten in den neunzehn Nachkriegsjahren Gelegenheit, für ihre nationalen Bestrebungen auf allen Gebieten des kulturellen, wirt- RESTAURANT STEFANIE Hugo u. Julie HERLINGER geb. Zöllner, II, Taborstr. 12. R-48-8-46 veranstalte* am 26. und 27. März 1937. feierliche „SEDERABENDE Für bekannt erstklassige Speisen und ^_ j t Oetränke bei zeitgemäßen Preisen ist fthQ Jtt} gesorgt.Anme'dungen rechtzeitig pfbetpi) ' ,w~' r ** * schaftlichen und sozialen Lebens verwirklichendes Verständnis zu finden, und gerade-jetzt, wo durch den spontanen Willen des tschechischen Volkes einer Neu Ordnung des Staates in die Wege geleitet wird, hat auch die jüdische Minorität ihre Forderungen unterbreitet, wohl überzeugt, daß sich diese Forderungen in der Richtungslinie der Regierungspolitik bewegen. Dr. Milan Hodza, der Chef der Regierung, erklärte den jüdischen Vertretern Dr. Goldstein, Dr; Ch. Kugel und Ing. Zucker, daß die ihm vorgetragenen Wünsche berechtigt und gerecht sind, und gab gleichzeitig die Punkte an, in denen mit einer aktiven und raschen Durchführung zu rechnen sei: Die Regierung wird die Verstaatlichung des' hebräischen Volksschulwesens durchführen; sie wird bei Behandlung des in Vorbereitung befindlichen Gesetzes über Einführung der Sonntagsruhe auf die religiösen Gefühle der orthodoxen jüdischen Einwohnerschaft Rücksicht nehmen; sie wird die produktive soziale Fürsorge für die jüdische Jugend, besonders im Osten der Republik, durch Subventionierung der betreffenden jüdischen Institutionen genau so fördern wie die der anderen nationalen Gruppen. Das ist eine Politik, die .nur durch die A nerkennung der-jüdischen Nation ermöglicht wurde. Die tschechische Regierung als Vertreterin des tschechischen Volkes ist auf gutem Weg. So' spricht ein Volk zum andern, so regelt ein Volk sein Verhältnis zum andern, wenn beide innerhalb eines Staates leben. Es ist, kurz gesagt, die ideale Minderheitspolitik, die in ihrer Klarheit, Reife und Ungezwungenheit Re c h t schafft, das Recht, das sonst irgendwie verschleiert und vernebelt wäre. Der Entschluß der tschechischen Regierung, der jüdischen Bevölkerung alle staatsbürgerlichen Rechte im vollen Umfang zuzubilligen, ist der Beweis dafür, daß sie diese (die jüdische Bevölkerung) in Ansehung einer Minderheit nicht mit minderen Rechten abspeisen wollte, sondern im Gegenteil mit allen Rechten ausstatten will, die einem vollen Staatsbürger zukommen. Die assimilantische Propagandaphrase, daß Minder heit^recht minderes Recht bedeute, ist hier kraß ad absurdum geführt. Aber die Anerkennung der Juden als nationale Minderheit und die Zuteilung aller Rechte an sie ist auch ein Beispiel dafür, wie eine ehrliche, vernünftige Politik das ,.Judenproblem" anzupacken hat. Nicht die Ausschaltung der Juden aus den Bezirken des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, nicht ein mechanischer Numerus clausus, nicht eine unter dem Deckmantel bodenständiger Sicherungen versuchte Einschnürung der jüdischen Existenzen, am allerwenigsten eine — bei!3&5 Oster-Sonderfahrta,£V?J™»>°<< g POLEN ~- CZERNOWITZ I Abfuhrt: 94. Mllri 1937 j§ Auskunft und Anmeldungen .ausschließlich im Reisebüro „HarienbrUckQ** Wien I, RotentUfffittr. M Telephon R-24-2-86 87 s uns in Oesterreich —- von fast allen „arischen" Kreisen geführte Hetzkampagne gegen das Judentum nach hakenkreuzlerischcii Methoden reinigt die Atmosphäre und trägt zur Lösung der Judenfrage bei, sondern nur die Aussprache von Volk zu Volk, wie dies jetzt Iii der Tschechoslowakischen Republik geschieht. Wenn dieses Beispiel entsprechend den besonderen Verhältnissen jedes einzelnen Landes nachgeahmt wird, dann fallen die Momente weg, welche ein friedliches Zusammenleben mehrerer Völker innerhalb eines Staates erschweren können. o. r. TREFF 9 SEDER-ABENDEN am 2«. und 2 7. März unter Leitung in bekannten Oberkantors B. Zimm.erspitz im »estaurawt W. SPRITZER II. Hammer-Purgstall-Oasse (1 Minute vom D i a n a b a d) Zur Verabreichung gelannen erttklattige Oiter-SpexUlltäten. Auatchsnk ven original Palästina-Weinen zu zeitgemäßen Preisen. Tischbestellurfgen erbeten unter: A-45-5-42 Bis nach Oesterreich ♦ ♦ ♦ Wir veröffentlichten in unserer Ausgabe vom 9. März eine Besprechung der von der ökonomischen Abteilung des Jüdischen Weltkongresses herausgegebenen Broschüre „Der wirtschaftliche Vernichtungskampf gegen die Juden im Dritten Reich". Das Material stammt, wie wir erwähnten, zum größten Teil von der deutschen Presse selbst, die sich ihrer Erfolge auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Vernichtung der Juden rühmt. Die Schrift stellt u. a. fest, daß die Verdrängung der jüdischen Angestellten auch außerhalb des Dritten. Reiches durch dessen nationalsozialistische Auslandsvertretungen propagiert wird. Die Absicht geht dahin, die Juden auch in den Auslandsfilialen der deutschen Weltunternehmungen zu beseitigen. Eine besondere Stellung nimmt hierin die „Essener Nationalzeitung" ein, die in Oesterreich sehr verbreitet ist und zeitweise Artikel und Berichte über österreichische Vorgänge veröffentlicht, bevor diese in den österreichischen Blättern selbst erschienen sind. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die „Essener Nationalzeitung", seitdem sie in Oesterreich zugelassen ist, sich als Richterin, über österreichische Dinge gebärdet und den österreichischen Nationalsozialisten Hetzmaterial gegpn Oesterreich liefert. Die jüngste Praxis der „Essener" geht -.dahin,.;,reichsdeutsche Firmen, welche, in Oesterreich jüdische Vertreter besitzen^ zu denunzieren. Das Blatt wagt die•■"perfidesten"Anschuldigungen gegen reichsdeutsche Firmen, die in Oesterreich arbeiten.. So behauptet es, daß reichsdeutsche Firmen dem Bundeskanzleramt gegenüber (d. i. der entscheidenden Stelle gegenüber) jüdische Vertreter als unersetzbare Spezialisten bezeichnen, damit sie auf diese Weise für ihre „jüdischen Schützlinge" Arbeitsbewilligungen erhalten. Diese Denunziermethode ist nichts anderes als eine Einmischung in österreichische Angelegenheiten, die. fast in jeder Nummer der „Essener Nationalzeitung" geübt wird. Leider findet sich hier niemand, der gegen dieses Treiben seine Stimme erhebt. Man drückt ein Auge zu, beruft sich auf Oesterreichs Kulturtradition, und Toleranz und nützt damit nur jenen, die sich aus einem „Wirbel" für ihre unsauberen Zwecke Vorteile erwarten ... wissen es tacUt. daß auch heuer zu Pessach die vorzüg J. ESSEN En-gros-Versand: II, Rotonsterngasse 12, R-47-0-80 Dem luden muß man nicht zahlen Aus Berlin: Nach § 1357 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist die Frau berechtigt, innerhalb des häuslichen .Wirkungskreises den Mann zu vertreten; die Rechtsgeschäfte, die sie in diesem Rahmen tätigt, gelten im Namen des Mannes vorgenommen, falls sich aus besonderen Umständen nicht etwas anderes ergibt. In einer Entscheidung des Amtsgerichtes in R c mcheid, die in der „Deutschen Justiz" wiedergegeben wird, wird festgestellt, daß solche besondere Umstände dann gegeben sind, wenn die Ehefrau eines Nationalsozialisten bei Juden Einkäufe vornimmt. In dem zur Entscheidung stehenden Fall hatte die Ehefrau des beklagten Nationalsozialisten 1034 und 1D3£> Waren auf Kredit gekauft. Zu dieser Zeit, so sagt das Gericht, hatte sich allgemein bereits die Erkenntnis durchgesetzt, daß es sich für einen deuaschen Volksgenossen nicht geziemt, bei Juden zu kaufen. Derartige Käufe waren damals schon durchaus Ausnahme geworden. Eine Bindung des deutschen Ehemannes an einen solchen Vertrag müsse auch regelmäßig für ihn als unzumutbar angesehen werden. Diese Umstände ergeben, daß die von der Ehefrau mit einem Juden getätigten Kaufverträge gegenüber dem deutschblütigen Ehemann keine Rechtswirkung im- Rahmen des § 1357 B. G. B. haben sollen. Die Klage sei daher abzuweisen. Somit dürfen die beim Juden gekauften Waren laut Gerichtsurteil unbezahlt bleiben.

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