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Die neue Welt · 1937-03-19 · Heft 641 (19.3.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 641 (19.3.1937)
Date
1937-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den M*t% WM M> Jahrgang Nr* 641 V. b. b* DIE NEUE 185 **• ü»'Vers)tätsbibUi Zeitung vom Verlege? versendet .»Journal e*p6di6 par l'edlteur" ■ I 1.1 B REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.5 vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—: Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänien monatlich Lei 50.-, vierteljährig Lei 150.-; Deutschland monatlich Marir L—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich >. Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—3 Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer, Franca AgO« Mit E bezeichnet© Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20~2~78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Der Fall La Guardia Von unserem New-Yorker Berichterstatter New York, 10. März. Die Rede des New-Yorker Bürgermeisters Fiorelli La Guardia gegen Adolf Hitler, welche in der ganzen Welt so großes Aufsehen erregte und zum Gegenstand diplomatischer Konflikte zwischen U. S. A. und Deutschland wurde, ist nicht als persönliche Demonstration eines Politikers anzusehen, sondern als Symptom für die in den Vereinigten Staaten jetzt herrschende Stimmung gegen Hitler-Deutschland. La Guardia hat nur in scharfen Worten gesagt, was die überwiegende Majorität denkt, und nur daraus ist zu erklären, daß die Presse fast einhellig die Proteste Deutschlands zurückweist. Die Stimmung war nach der Machtergreifung im. Jahre 1933 scharf gegen Adolf Hitler gerichtet, dann trat ein gewisser Umschwung zugunsten Deutschlands ein und jetzt hat die Stimmung wieder umgeschlagen. Das ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die Hitler-Agenten in die Präsidentenwahl eingegriffen und vehemente Angriffe gegen den ,,von Juden umgebenen und an Juden verkauften" Kandidaten Roosevelt gerichtet haben. Diese brutale Einmischung der. Hitler-Leute in amerikanische Angelegenheiten hat das Dritte Reich mit,dem Verlust mühsam, erworbener und teuer bezahlter Sympathien bezahlen, müssen., La Guardia hielt jene Rede als Gast auf dem Meeting jüdischer Frauen. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß er keineswegs der einzige nichtjüdische Sprecher gegen Hitler war. Vor ihm sprach zuerst der Herausgeber des katholischen Zentralorgans Amerikas „Common weal", Michael Williams, und beantragte, man möge aus Anlaß der Weltausstellung in Chikago ein „Haus der menschlichen und religiösen Freiheit" als Antwort auf die, jedes menschlichen und religiösen Gefühles bare Hitler-Propaganda errichten. Dann ergriff der bekannte, preisgekrönte Schriftsteller und Universitätsprofessor Charles Edward Rüssel das Wort, um in ungemein heftiger Form gegen den Nazismus Stellung zu nehmen. Er sagte: „Die fluchwürdige Nazi-Bestie (damnable Nazi beast) arbeitet in unserem Lande. Wir müssen jede Anstrengung machen, um sie auszutreiben. Kein einziger Amerikaner darf . irgend etwas von Nazi-Deutschland kaufen. Der Boykott deutscher Waren zählt zu der! besten Bewegungen in unserem Lande. Jeder Meter deutscher Stoffe, welcher nach Amerika gebracht wird, ist mit Blut getränkt. Hinter jedem deutschen Gegenstand tauchen die bleichen Gesichter deutscher Opfer auf. Im Boykott darf es kein Kompromiß geben. Wir müssen den deutsch-amerikanischen Handelsvertrag bekämpfen." Bürgermeister La Guardia knüpfte an diese beiden Reden an. Er erklärte, man müsse neben das „Haus der menschlichen und religiösen Freiheit" ein „Haus des Schreckens" stellen, mit dem Bilde des ,,Fanatikers im. Braunhemd", welcher den Weltfrieden stört. „Deutschland", sagte er, „will den Weltfrieden stören, weil es nichts mehr zu verlieren hat." Der Vorschlag Russells, Hitler-Deutschland durch Boykott zu isolieren und unschädlich zu machen, sei nicht nur für die Juden, sondern für alle Amerikaner von größter Bedeutung. „Wenn alle so denken würden wie Mr. Russell, dann wären wir die entsetzliche Nazi- Frage los." Auf dem Meeting, welches eine Vorveranstaltung für die am 15. März in Madison Square Garden abzu-. haltende Riesendemonstration gegen Hitler-Deutschland war, wurde auch mitgeteilt, daß die Gouverneure von fünf amerikanischen Bundesstaaten (Florida,, Arkansas, Maryland, Pennsylvania und New Jersey)' und 42 Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten aus 31 Bundesländern ihr Fernbleiben entschuldigt und Sympathie-Adressen eingesendet haben. * Kennzeichnend für den Stimmungsumschwung SU Ungunsten Deutschlands ist ein .Vorfall in der. größten Sportorganisation der Vereinigten Staaten, im Verband der Athleten. Als im Vorjahre die Frage der Teilnahme der amerikanischen Sportler an der Olympiade in Berlin entstand, trat der damalige Präsident Mahoney für Boykottierung Berlins ein. Ihm trat der Sportführer B r u n d a g e, welcher Deutschland besucht hatte und dort bearbeitet worden war, entgegen. Brundage siegte. Die Fahrt nach Berlin wurde beschlossen, Mahoney gestürzt und Brudage an seiner Stelle gewählt. Vor vier Wochen fanden Neuwahlen statt. Brundage wurde gestürzt, eine Resolution gegen Hitler wurde angenommen und Mahoney mit überwältigender Majorität neuerlich zum Präsidenten gewählt. * Unter solchen Umständen ist es nur selbstverständlich, daß heute die amerikanische Oeffentlichkeit hinter La Guardia steht. t Die Angriffe, welche die Billig« und bequame ,0RBIS"-0 STEH FAHRT nach POLEN CZERN0WITZ Abfahrt: 24. Mfirz 1937 Auskünfte und Anmeldungen: Offfiz. Poln. Reisebüro „ORBIS" I. Kärntnerstrane 41, R-21-5-78 Oesterreichisches Verkehrsbüro 8. Friedrichstrane 7. B.ay-soo, g. Graben 20. U.a9-o-3S deutsche Presse gegen ihn gerichtet hat, und das Eingreifen des deutschen Botschafters in''die Angelegenheit haben seine Popularität nur gesteigert. Daß die Hitler-Blätter es wagten, ihn als „schmutzigen Talmudjuden" und „Zuhälter" und seine Zuhörerinn.en als „ausgehaltene Dirnen" zu beschimpfen, zeigt nur, wie schlecht Hitler-Deutschland über die Stimmung in den Vereinigten Staaten unterrichtet ist. Das Resultat des Falles La Guardia ist ein rapides Ansteigen des antideutschen Boykotts.. (Weitere Nachrichten siehe S. 3.) §alzhtarp — HaikeBikreu2ne§i ©de* Kulturzenfmm v ,w Eine „Aktion" der Salzburger Lehrerschaft r In der weltberühmten Stadt Salzburg, welche mit Recht als kostbarstes Gut Oesterreichs angesehen wird, im Zentrum erlesenster künstlerischer Kultur, sind Kräfte am Werke, welche den einzigartigen Osterreite noch Polen Abreise 24. März — billig, bequem, D-Zug Auskünfte:!)!*. S.TOCker, „In die Welt" W.M.Renner IX, Liechtensteinstr. 2, Tel. A-14-504 Cnächst Schottenring) Charakter der Stadt zu zerstören drohen. Es ist daher notwendig, rechtzeitig und eindringlich zu warnen. * „Immer breitere Volksschichten bemerken mit wachsender Erbitterung die bodenlose Unverschämtheit, mit der sich jüdischer „Geist" und jüdische Frechheit auf allen Gebieten unseres wirtschaftlichen und kulturellen Lebens festzusetzen wissen." Mit diesem Satze beginnt der Leitartikel eines antisemitischen Blattes hitleristischer Färbung, in welchem eine „Akion" der Lehrerschaft Salzburgs stürmisch als befreiende Tat begrüßt wird. Itillifjc Kliiifjen sind billig-. Sanft, gründich, rassig1 und preiswert ist natürlich nur Wie sieht diese „Aktion" aus? Der „Land.eslehrerverein vonSalzburg", die Vereinigung aller Volks- und Hauptschullehrer hat eine Sondernummer seiner „Mitteilungen" herausgegeben, welche den Titel „Judentum und Schule" trägt. Um über den Inhalt dieser Schrift klarzuwerden, genügt es, einige Ueberschriften der Kapitel der Broschüre zu lesen. Sie lauten: „Kampf der Gleichgültigkeit!" — „Jüdischer Einfluß auf das Mittelschulwesen/' — „Die Verjudung des Hochschulwesens." — „Lehrer Oesterreichs seid auf der Hut!" — „Das ,auserwählte Volk." — „Revolutionen im jüdischen Sinne." — „Die Aushöhlung der Wirtsvölker." — „Der Verrat von 1918 und das Judentum." — „Juden schachern um Völker." Die jüngste Zeit hat antisemitische Machwerke in Hülle und Fülle zutage gefördert, und es ist weder möglich noch nötig, auf alle einzugehen. Hier aber liegt ein Fall vor, der besondere Beachtung erfordert." Vom Staate bestellte Jugendbildner ergehen sich in Beschimpfungen und Verleumdungen, welche gegen Hunderttausende österreichischer Staatsbürger gerichtet sind. Dabei handelt es sich nicht um Uebergriffe und Entgleisungen einzelner Menschen. Di'egcsamte Lehrerschaft eines österreichischen Bundeslandes tritt als KörperschaftvordieOeffentlichkeit, um gegen die Ehre und Sicherheit vieler Bürger und gegen den Frieden im Lande zu hetzen! Und nicht nur das. In der Hetzschrift wird einleitend bemerkt, daß der Landesleiter der Vaterländischen Front diese „Aktion" begrüßt. So weit sind die Dinge bereits gediehen. Die österreichische Judenschaft hat das Recht, von den Behörden und von der Vaterländischen Front eine Stellungnahme zu fordern. Aber die Angelegenheit ist keine lediglich innerösterreichische. Das oben erwähnte Antisemitenblatt schreibt über die famose Broschüre, daß sie „über die Grenzen des Salzburger Landes-hinaus" Aufsehen erregt. „Die eindrucksvolle Kundgebung der Salzburger Lehrer in der Judenfrage ist ein bedeutsames Ereignis. Bedeutsamer als irgend ein Tagesgeschehen, das in den Blättern Aufnahme findet." Ja, die Sache ist geeignet, über die Grenzen Salzburgs und über die Grenzen Oesterreichs hinauszu wirken, aber in einem anderen Sinne, als es das Antisemitenblatt versteht. Sie ist geeignet, den Ruf Salzburgs zu untergraben und seine Anziehungskraft auf die Kunstliebhaber in aller Welt zu zerstören! Nicht nur die Juden kommen da in Betracht. Es sei daran erinnert, daß der Nichtjude Toscanini, heute die Zierde Salzburgs, den Boden Deutschlands nicht mehr betritt, seit dort die Judenhetzer Herren sind. Es sei daran erinnert, daß in Amerika, England, Frankreich und anderswo gewaltige nichtjüdische Korporationen und katholische und protestantische Führer ständig gegen das Deutschland der Rassenhetze Stellung nehmen und seine Isolierung anstreben. Soll Salzburg das Risiko dieser Isolierung auf sich nehmen? Kulturmenschen lehnen es ab, Orte aufzusuchen, wo Menschen wegen ihrer Volkszugehörigkeit und ihres Glaubens frech verunglimpft werden, auch dann, wenn Alle Elehtro-medlz. Annarate re'ii'ÄtiuSs Bandagen-ttUhalasth stranlf

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